Die Systemanforderungen für die Spiele-Generation 2021/22

Sonntag, 7. August 2022
 / von Leonidas
 

Noch ausstehend für die eigentlich nunmehr schon zu Ende gehende Spiele-Generation 2021/22 ist die Dokumentation von deren PC-Systemanforderungen sowie von (eigenerstellten) Hardware-Empfehlungen auf Basis der vorliegenden realen Benchmark-Werte. Dies soll hiermit nachgeholt werden, denn dies ermöglicht auch eine Fortschreibung der damit einhergehenden Trend-Analyse zu den Spiele-Systemanforderungen über die Jahre hinweg. Dabei zeigte sich die Spiele-Saison 2021/22 als vergleichsweise "handzahm" bezüglich einer weiteren Steigerung der Hardware-Anforderungen: In gut der Hälfte aller Fälle blieb es beim Stand der "Vorsaison", die anderen Fällen sahen dann durchgehend nur geringfügige Steigerungen. Dies darf man durchaus als erstaunlich ansehen angesichts des normalerweise mit einer neuen Spielekonsolen-Generation einsetzenden Innovationssprungs.

Doch die Spiele-Entwickler sind in der Spiele-Saison 2021/22 weitgehend auf dem bereits bekannten Niveau geblieben, teilweise sicherlich auch aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus: Denn zu hohe Systemanforderungen gelten inzwischen als Verkaufshindernis – was für ein Wandel der Dinge gegenüber Crysis von anno 2007, dessen (reale) Hardware-Anforderungen damals von keiner gängigen Hardware zu schultern waren. So hat sich derzeit auf Prozessoren-Seite überhaupt nichts gegenüber dem letztjährigen Stand getan: Denn selbst wenn einige offizielle Systemanforderungen bereits 8-Kern-Prozessoren notieren, wäre derzeit kein Fall bekannt, wo sich ein erhebliche Performance-Unterschied zwischen Sechs- und Achtkernern auftun würde. An dieser Stelle muß man (leider) auch immer einrechnen, dass gut ein Drittel aller offiziellen Systemanforderungen-Angaben einfache Gedanken-Fehler enthalten, sprich kann da nicht alles so Ernst nehmen wie offiziell notiert.

Dies gilt auch für die Anforderungen des PC-Hauptspeichers, wo für diese Spiele-Saison erstmals 12 GB als Minimum von sogar drei Spielen genannt werden (Deathloop, Elden Ring & GhostWire: Tokyo). Inwiefern diese Spiele dann mit nur 8 GB Hauptspeicher nicht mehr vernünftig unter Minimum-Bedingungen laufen, ist unklar, käme auf den Test an – welchen es allerdings für diese Settings erfahrungsgemäß kaum jemals geben wird. Insofern wurde an dieser Stelle mal vorsichtigerweise "8-12 GB" notiert, was als Hinweis darauf zu betrachten wäre, dass wahrscheinlich 8 GB aus Minimum-Blickwinkel heraus weiterhin ausreichend sind. Bezüglich der Hauptspeicher-Empfehlung ändert sich hingegen nichts, dort bleiben derzeit 16 GB stehen. Auch an Minimum & Empfehlung zu einer SSD ändert sich nichts: Derzeit gibt es keine Spiele, welche eine SSD tatsächlich voraussetzen würden – strengstens empfohlen ist jene natürlich trotzdem.

Mindestanforderungen laut Spiele-Publisher 3DC-Empfehlung für ~45 fps auf bester Bildqualität (ohne RT)
Betriebssystem Windows 10 64-Bit Windows 10 64-Bit
Hauptspeicher 8-12 GB 16 GB
Prozessor AMD Zen/Zen+ 4C auf ~4.0 GHz
AMD Zen2 4C auf ~3.5 GHz
AMD Zen3 4C auf ~3.0 GHz
Intel Sandy Bridge bis Haswell 4C auf ~4.0 GHz
Intel Broadwell bis Comet Lake 4C auf ~3.5 GHz
Intel Rocket/Alder Lake 4C auf ~3.0 GHz
AMD Zen/Zen+ 6C auf ~4.5 GHz
AMD Zen2 6C auf ~4.0 GHz
AMD Zen3 6C auf ~3.5 GHz
Intel Sandy Bridge bis Haswell 6C auf ~4.5 GHz
Intel Broadwell bis Comet Lake 6C auf ~4.0 GHz
Intel Rocket/Alder Lake 6C auf ~3.5 GHz
Grafik-API DirectX 12 Feature-Level 12_x DirectX 12 Feature-Level 12_x
Grafikkarte DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 3-4 GB Speicher
Radeon R300 Serie: ab Radeon R9 390X
Radeon RX 400 Serie: ab Radeon RX 480 8GB
Radeon RX 500/Vega Serie: ab Radeon RX 580 4GB
Radeon RX 5000 Serie: ab Radeon RX 5500
Radeon RX 6000 Serie: ab Radeon RX 6500 XT

GeForce 900 Serie: ab GeForce GTX 980
GeForce 10 Serie: ab GeForce GTX 1060 6GB
GeForce 16/20 Serie: ab GeForce GTX 1650 Super
GeForce 30 Serie: ab GeForce RTX 3050
für FullHD: DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 8 GB Speicher
Radeon RX 500/Vega Serie: ab Radeon RX Vega 64
Radeon RX 5000 Serie: ab Radeon RX 5700
Radeon RX 6000 Serie: ab Radeon RX 6600

GeForce 10 Serie: ab GeForce GTX 1080
GeForce 16/20 Serie: ab GeForce RTX 2060 12GB
GeForce 30 Serie: ab GeForce RTX 3060

für WQHD: DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 8 GB Speicher
Radeon RX 500/Vega Serie: ab Radeon VII
Radeon RX 5000 Serie: ab Radeon RX 5700 XT
Radeon RX 6000 Serie: ab Radeon RX 6650 XT

GeForce 10 Serie: ab GeForce GTX 1080 Ti
GeForce 16/20 Serie: ab GeForce RTX 2070 Super
GeForce 30 Serie: ab GeForce RTX 3060

für UltraHD/4K: DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 10 GB Speicher
Radeon RX 6000 Serie: ab Radeon RX 6800 XT
GeForce 30 Serie: ab GeForce RTX 3080
SSD nicht zwingend, aber nützlich unbedingt empfohlen
Minimum laut den Angaben der Spiele-Publisher, Empfehlung laut den real erreichten Performance-Werten mit Zielsetzung ~45 fps, ohne RayTracing

Beim Grafikkarten-Minimum ergeben sich dann die größten Differenzen gegenüber dem letztjährigen Stand: So sind 3-GB-Modelle nunmehr tatsächlich "out", 4 GB VRAM wird als Minimum mehrfach abgefordert und es zeigen sich auch einige Spiele-Titel, welche mit 3-GB-Karten schon mistig laufen. Zugleich steigen auch die Performance-Anforderungen etwas nach oben, gehen somit auch generell raus aus diesem Feld, wo es überhaupt noch 3-GB-Karten gibt. Einige Spiele-Titel schaffen es sogar, (selbst beim Minimum) explizit nach 6-GB-Karten zu verlangen (GhostWire: Tokyo) oder generell nur Grafikkarten mit 6 GB VRAM (oder mehr) zu notieren (Deathloop). Beides widerspricht dann allerdings praktischen Erkenntnissen, wo bisher kein Spiel bekannt ist, welches mit abgesenkten Texturen-Einstellungen – es geht hierbei immerhin um Minimum-Bedingungen – nicht vernünftig auf einer ausreichend potenten 4-GB-Grafikkarte laufen würde.

Dies führt letztlich zu einem beiderseitigen (kleinen) Sprung bei Performance-Klasse und VRAM-Ausstattung im Grafikkarten-Minimum: Vom letztjährigen "Radeon RX 470 oder GeForce GTX 1060 3GB" auf nunmehr "Radeon RX 480 8GB oder GeForce GTX 1060 6GB". Diese bekannte Kombination war in den Jahren 2016-2018 die Grafikkarten-Empfehlung, vier Jahre später rangiert dieses Performance-Level nunmehr auf dem Minimum-Niveau. Wirklich groß ist der Sprung im Jahresvergleich allerdings nicht: Lag die niedrigste passende Grafikkarten im 3DC FullHD Performance-Index letztes Jahr bei 480% (GeForce GTX 1650 GDDR6), geht es für die diesjährige Ausgabe auch nur auf 560% nach oben (Radeon RX 480 8GB). Dies sind gerade einmal +17% Anforderungs-Zugewinn – was für das erste volle Jahr nach Release einer neuen Spielekonsolen-Generation mager ist, gerade wenn dies dann auch noch den größten Anforderungs-Sprung innerhalb dieser Spiele-Saison ergibt.

Denn danach wird es immer weniger mit der Anforderungs-Steigerung: Die Grafikkarten-Empfehlung für FullHD-Spieler (wie alle Grafikkarten-Empfehlungen basierend auf realen Testberichten zu den Hardware-fressenden Spiele-Titeln dieser Saison) legt fast nur deswegen zu, weil nunmehr 6 GB VRAM "out" sind selbst unter FullHD, der reine Performance-Sprung ist dagegen eher minimal: Die niedrigste passende Karte kam letztes Jahr im 3DC FullHD Performance-Index auf 890% (Radeon RX 5600 XT 14Gbps), heuer sind es 930% auf der Radeon RX Vega 64 – gerade einmal +4% mehr. Aber wie gesagt fallen hierbei primär die früheren Modelle heraus wegen der falschen VRAM-Bestückung, so dass aus der letztjährigen FullHD-Empfehlung von "Radeon RX 5600 XT 14Gbps oder GeForce RTX 2060" für diese Spiele-Saison ein "Radeon RX 6600 oder GeForce RTX 3060" wird. Beide Karten sind vom Performance-Level her schneller als es notwendig wäre – im Ampere/RDNA2-Portfolio gibt es halt keine kleineren, für diese Anforderung exakt passenden Beschleuniger.

Spiele-Systemanforderungen 2020/21 Spiele-Systemanforderungen 2021/22
Betriebssystem Windows 10 64-Bit Windows 10 64-Bit
Grafik-API DirectX 12 Feature-Level 12_x DirectX 12 Feature-Level 12_x
CPU-Minimum AMD Zen/Zen+ 4C auf ~4.0 GHz oder Intel Sandy Bridge bis Haswell 4C auf ~4.0 GHz AMD Zen/Zen+ 4C auf ~4.0 GHz oder Intel Sandy Bridge bis Haswell 4C auf ~4.0 GHz  (unverändert)
CPU-Empfehlung AMD Zen2 6C auf ~4.0 GHz oder Intel Broadwell bis Comet Lake 6C auf ~4.0 GHz AMD Zen3 6C auf ~3.5 GHz oder Intel Rocket/Alder Lake 6C auf ~3.5 GHz  (sinngemäß unverändert)
RAM-Minimum 8 GB 8-12 GB
RAM-Empfehlung 16 GB + SSD 16 GB + SSD  (unverändert)
GPU-Minimum DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 3-4 GB á Radeon RX 470 oder GeForce GTX 1060 3GB DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 4 GB á Radeon RX 480 8GB oder GeForce GTX 1060 6GB
GPU-Empf.: FullHD DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 6-8 GB á Radeon RX 5600 XT 14Gbps oder GeForce RTX 2060 DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 8 GB á Radeon RX 6600 oder GeForce RTX 3060
GPU-Empf.: WQHD DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 8 GB á Radeon RX 5700 XT oder GeForce RTX 2070 Super DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 8 GB á Radeon RX 6650 XT oder GeForce RTX 3060  (sinngemäß unverändert)
GPU-Empf.: UltraHD DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 10 GB á Radeon RX 6800 XT oder GeForce RTX 3080 DirectX-12-Modell (FL 12_x) mit 10 GB á Radeon RX 6800 XT oder GeForce RTX 3080  (unverändert)
Minimum laut den Angaben der Spiele-Publisher, Empfehlung laut den real erreichten Performance-Werten mit Zielsetzung ~45 fps, ohne RayTracing

Die große Langeweile folgt dann bei den Grafikkarten-Empfehlungen unter WHQD und UltraHD/4K: Hier ändert sich für diese Spiele-Saison gar nichts, weder am abgefragten Performance-Level noch der notwendigen Menge an Grafikkartenspeicher. Unter der WQHD-Auflösung ist dies teilweise knapp, man könnte hier auch für einen minimalen Anforderungs-Sprung plädieren bzw. dürfte sich jener dann bei der nächstjährigen Ausgabe zeigen. Richtig "blamabel" wird es allerdings unter der UltraHD/4K-Auflösung: Da fand sich kein einziger Spiele-Titel, welcher das letztjährig aufgestellte Anforderungs-Level (u.a. bei Watch Dogs: Legion aufgestellt) überhaupt egalisieren konnte. Wenn man rein nur nach den Spiele-Titeln der Spiele-Saison 2021/22 gehen würde, müsste man die Grafikkarten-Empfehlungen für UltraHD/4K somit sogar (leicht) absenken.

Aber dies ist letztlich nur typisch für diese etwas seltsame Spiele-Saison 2021/22, in welcher sich viele im Vorfeld als Spitzen-Produkte gehandelte Titel als Rohrkrepierer erwiesen haben, diverse Spiele-Ankündigungen auch weit verschoben wurden und somit hier nicht mehr wirksam werden konnten. Doch eigentlich war dies einigermaßen anders gedacht: Die Spiele-Saison 2021/22 sollte normalerweise jene Spiele-Titel bieten, welche anfangen die aktuelle Konsolen-Generation wirklich auszunutzen – und sich somit auf dem PC auch keine großen Gedanken mehr um die Hardware-Anforderungen machen. Bei der letzten Konsolen-Generation (gestartet zur Spiele-Saison 2013/14) war dieser Effekt sehr wohl anhand der PC-Systemanforderungen zu sehen: Jene gingen deftig bereits im ersten Jahr nach oben, mit anhaltendem Trend für die ersten 2-3 Jahre.

Heuer nun scheint einiges deutlich anders zu laufen als seinerzeit, fällt der Anforderungs-Boost durch die neue Spielekonsolen-Generation (bisher) auffallend flach aus. Damit sollen natürlich keine Spiele-Projekte herbeigebetet werden, welche unsinnig Hardware-Power verschleudern. Aber über das eine oder andere Spiele mit herausragender Max-Grafik, welches dann auch mal eine harte Nuß für mehrere Hardware-Generationen darstellt, würde man sich als Hardware- und Grafik-Enthusiast durchaus freuen. An dieser Stelle sollte dann eigentlich RayTracing loslegen – was aber derzeit zumeist nur mittelprächtige Resultate abwirft: Entweder gibt es nur marginale Optik-Verbesserungen oder hingegen plakative (oftmals auch künstlich wirkende) Optikverbesserungen zu wiederum unsinnig harschen Performance-Abschlägen. Wahrscheinlich gibt es hierzu erst dann sinnvolle Resultate, wenn die Hardware von AMD & nVidia unter RayTracing ähnlich stark ausfällt.

Dies könnte schließlich schon mit der nächsten Chip-Generation passieren, welche zudem auch mal wieder einen wirklich satten Performance-Sprung mit sich bringen soll. Dies kann zwar kaum kurzfristige Auswirkungen auf die Entwicklung der Spiele-Systemanforderungen haben (dafür läuft Spiele-Entwicklung zu langsam ab), aber es besteht durchaus die Chance darauf, dass die Spiele-Saison 2021/22 in dieser Frage nur einen Ausrutscher darstellt bzw. ein Luftholen vor dem nachfolgenden Aufbruch zu neuen Ufer. Sicherlich mag es dem einen oder anderen aus subjektiver Sicht liegen, wenn die Anforderungen nur wenig steigen und damit keine Aufrüstung direkt notwendig ist. Doch Stillstand ist der Tod des Fortschritts: Ohne (zweckmäßig) steigende Anforderungen gibt es keine Notwendigkeit zu neuer Hardware und damit auch kein Anreiz zu deren Entwicklung. Noch ist nicht abzusehen, wie die Spiele-Generation 2022/23 in der Frage von deren PC-Systemanforderungen ausfällt – doch ein etwas stärkerer Vorwärtsdrang als zuletzt zu beobachten wäre wohl zu begrüssen.