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AMD stellt weitere Mobile-Modelle von "Raven Ridge" vor, Desktop-Modelle folgen am 12. Februar 2018

Chipentwickler AMD hat auf der CES 2018 neue Modelle der "Raven Ridge" APU-Serie vorgestellt sowie weitere für die nähere Zeit angekündigt. Zu den beiden im Oktober 2017 vorgestellten Ryzen 5 2500U und Ryzen 7 2700U kommen nun noch kostengünstigere Varianten in Form von Ryzen 3 2200U und Ryzen 3 2300U. Hierbei speckt AMD die Raven-Ridge-APUs teilweise sehr massiv ab: Bei Ryzen 3 2300U muß man bei den vier CPU-Kernen auf SMT verzichten, die integrierte Vega-Grafik geht auf 6 Shader-Cluster mit 384 Shader-Einheiten zurück, während Ryzen 3 2200U dann nur noch zwei CPU-Kerne mit SMT bietet, die integrierte Grafik hat dann nur noch 3 Shader-Cluster mit 192 Shader-Einheiten zur Verfügung. Hiermit dürfte AMD dann alle typischen Mainstream-Anwendungsfälle und damit auch das Brot- und Butter-Geschäft der Notebook-Hersteller abdecken – ein nominell wenig spannungsreiches Geschäft, wo Intel bislang über enorme Stückzahlen trotzdem erstklassig Geld verdienen konnte.

Kerne Takt L2 L3 Grafik TDP Preis Segment
Ryzen 5 2400G 4C +SMT 3.6/3.9 GHz 2 MB 4 MB Vega 11: 704 SE @ ≤1240 MHz 65W 169$ Desktop
Ryzen 3 2200G 4C 3.5/3.7 GHz 2 MB 4 MB Vega 8: 512 SE @ ? MHz 65W 99$ Desktop
Ryzen 7 2700U 4C +SMT 2.2/3.8 GHz 2 MB 4 MB Vega 10 Mobile: 640 SE @ ≤1300 MHz 15W ? Mobile
Ryzen 5 2500U 4C +SMT 2.0/3.6 GHz 2 MB 4 MB Vega 8 Mobile: 512 SE @ ≤1100 MHz 15W ? Mobile
Ryzen 3 2300U 4C 2.0/3.4 GHz 2 MB 4 MB Vega 6 Mobile: 384 SE @ ≤1100 MHz 15W ? Mobile
Ryzen 3 2200U 2C +SMT 2.5/3.4 GHz 1 MB 4 MB Vega 3 Mobile: 192 SE @ ≤1100 MHz 15W ? Mobile
Alle Raven-Ridge-Modelle unterstützen (offiziell) bis zu DDR4/2400. Alle Desktop-Modelle kommen im Sockel AM4 daher und werden von allen AM4-basierten Mainboards unterstützt. Ryzen 3 2300U, Ryzen 5 2500U und Ryzen 7 2700U gibt es jeweils noch einmal als Pro-Ausführung für Business-Notebooks mit ansonsten völlig identischen Spezifikationen.

Für den 12. Februar 2018 steht dann der Launch der ersten Desktop-Modelle Ryzen 3 2200G und Ryzen 5 2400G an, bei letzterem wird erstmals die integrierte Vega-Grafik mit maximal 11 Shader-Clustern mit 704 Shader-Einheiten in voller Schönheit aufgeboten werden. Beachtenswert ist die preisliche Ansetzung dieser Desktop-Modelle eingedenk der dafür gebotenen Taktraten: Der Vierkerner (ohne SMT) Ryzen 3 2200G tritt mit 3.5/3.7 GHz an und wird für 99 Dollar in AMDs Preisliste geführt werden – und ist damit günstiger als der (Summit-Ridge-basierte) Ryzen 3 1300X auf identischen Taktraten, welcher dafür aber immerhin gleich 129 Dollar kostet. Der Vierkerner mit SMT Ryzen 5 2400G verbindet die Taktraten von 3.6/3.9 GHz mit einem Listenpreis von 169 Dollar, dies ist sogar etwas taktratenstärker als der (Summit-Ridge-basierte) Ryzen 5 1500X auf seinen 3.5/3.7 GHz und zu einem Listenpreis von 174 Dollar. Die kommenden Raven-Ridge-APUs erübrigen also AMDs bisherigen Angebot im Vierkern-Bereich, sind leicht schneller, gleich mit integrierter Grafiklösung und sogar günstiger aufgestellt. Sehr gut möglich, das AMD bei den kommenden Ryzen-2-Prozessoren gleich gar keine Vierkern-Modelle mehr auflegt, sondern dieses Feld zukünftig durchgehend den Raven-Ridge-basierten APUs überläßt.

Der Launch jener Desktop-APUs dürfte dann ziemlich interessant werden – da AMD erstmals seit eigentlich Anbeginn der APU-Idee dann entsprechende Prozessoren-Modelle in der Hand haben wird, wo nicht nur die Grafik-Performance (prinzipbedingt) überlegen ist, sondern (voraussichtlich) auch die CPU-Performance wenigstens auf gleicher Höhe liegt. Mit vernünftigen Performance-Angaben hierzu hielt sich AMD vornehm zurück, die AMD-Präsentation erging sich diesbezüglich entweder nur im AMD-internen Vergleich oder aber stellte den Vergleich mit Intel nur unter den nichtssagenden bis verfälschenden Benchmarks SPECviewperf und PCMark10 dar (letzter bevorzugt mit seinem OpenCL-Teil natürlich starke integrierte Grafik). In den reinen Grafik-Benchmarks hat Intel logischerweise nichts zu lachen, die integrierte Intel-Grafik ist gegen eine AMD-APU vollkommen chancenlos. Der spannende Punkt am kommenden Launch ist dann, inwiefern AMD auch auf CPU-Seite die passende Performance liefert – dies wird nach Intels Kern-Offensive bei Coffee Lake nämlich nicht gerade einfach.

Den Core i3-8100 als natürlichen Kontrahenten des Ryzen 3 2200G dürfte AMD bei der CPU-Performance kaum schlagen können, daran hatte sich seinerzeit auch schon ein taktgleicher Ryzen 3 1300X die Zähne ausgebissen. Als ausgleichendes Argument kann AMD hierbei aber wenigstens den klar günstigeren Preispunkt seiner APU anbringen – wobei die Preisdifferenz sogar klar höher ist als die (voraussichtliche) Performance-Differenz. Ryzen 5 2400G vergleicht AMD selbst zwar gegen den Core i5-8400, der aus Sicht des Listenpreises bessere Kontrahent wäre allerdings der Core i3-8350K – und nur jenen Vierkerner wird AMDs APU bei der CPU-Performance knapp schlagen können, der Sechskerner Core i5-8400 liegt da noch ein gutes Stück entfernt. Für den Vergleich Ryzen 5 2400G vs. Core i3-8350K sieht es jedoch gut aus, schließlich überrundet schon der taktniedrigere Ryzen 5 1500X die Intel-CPU bei der Anwendungs-Performance um gute 5% (natürlich noch vor allen Meltdown- und Spectre-Patches ermittelt). Jetzt muß AMD nur noch etwas draus machen – sprich, sowohl ein gut über die Bühne gebrachter Launch, als auch umgehende Verfügbarkeit und sicherlich genauso ein möglichst breites Angebot an diesen APUs im (hierfür wichtigen) Segment der Komplett-PCs.

AMD Ryzen 3 2200G & Ryzen 5 2400G CPU-Performance (1)
AMD Ryzen 3 2200G & Ryzen 5 2400G CPU-Performance (1)
AMD Ryzen 3 2200G & Ryzen 5 2400G CPU-Performance (2)
AMD Ryzen 3 2200G & Ryzen 5 2400G CPU-Performance (2)
AMD Ryzen 3 2200G Grafik-Performance
AMD Ryzen 3 2200G Grafik-Performance
AMD Ryzen 5 2400G Grafik-Performance
AMD Ryzen 5 2400G Grafik-Performance