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PC-Verkäufe mit starkem Jahresstart und Aussicht auf Rekordhöhen für das Gesamtjahr 2021

Von den drei Marktforschungs-Unternehmen Canalys, Gartner und IDC kommen die Verkaufszahlen zum weltweiten PC-Markt im ersten Quartal 2021 (Hinweis: als "PC" werden offiziell Desktop-PCs wie auch Laptops & Notebooks gezählt). Hierbei berichten alle drei Marktforscher über herausragende Absatzzahlen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geht es bei Gartner um +32% nach oben, bei Canalys und IDC hingegen sogar um jeweils +55% (erstere rechnen keine Chromebooks ein, letztere beide hingegen schon). Etwas abschwächenderweise muß erwähnt werden, dass das PC-Geschäft des ersten Quartals im Vorjahr 2020 Corona-bedingt wirklich schwach war (teilweise befürchtet man seinerzeit sogar noch eine weitere Marktabschwächung) und somit als Vergleichsgröße nicht ganz zweckmäßig ist. Aber auch gegenüber dem ersten Quartal 2019 lag das erste Quartal 2021 exzellent: +42% bei Canalys, +19% bei Gartner sowie +42% bei IDC.

PC-Verkäufe (Mio. Stück) Q1/2018 Q1/2019 Q1/2020 Q1/2021 2020 vs. 2021
Canalys ? 58,3 53,5 82,7 +55%
Gartner 61,4 58,9 52,9 69,9 +32%
IDC 60,3 59,0 54,1 84,0 +55%
Hinweis: Canalys & IDC rechnen inklusive Chromebooks, Gartner hingegen ohne Chromebooks

Für den PC-Markt, welcher zuvor eine gewisse Seitwärtsbewegung (nach Jahren der rückgehenden Verkaufszahlen) genommen hatte, ist dies extrem kräftiger Aufschwung. Dass (mit Chromebooks) mehr als 80 Mio. PCs in einem ersten Jahresquartal abgesetzt werden konnten, gab es zuletzt in den Jahren 2011 & 2012 – sprich, dies ist dann schon etwas länger her. Die Höhe des gesetzten Marktstarts läßt vor allem die Aussicht auf ein ebenso starkes Gesamtjahr 2021 zu. Auch 2020 sah erstmals seit dem Rekordjahr 2011 wieder zunehmende Verkaufszahlen, dabei konnte der PC-Markt seine wahre Stärke wegen des schlechten Jahresstarts 2020 jedoch noch nicht richtig zeigen. Mit dem starken Start ins Jahr 2021 erscheint es hingegen als möglich, im Gesamtjahr zwischen 310-350 Millionen verkaufter PCs zu landen – je nach Zählweise. Dabei ist diese Rechnung sogar noch vergleichsweise konservativ angelegt, denn wenn man die üblichen 23% ansetzt, welche das erste Quartal zum Gesamtjahr beiträgt, wäre nach der Zählweise von Canalys und IDC ein Jahresabsatz von 360-370 Mio. PCs anpeilbar.

Selbst vorsichtig mit nur 350 Mio. PCs für 2021 rechnend, ergibt sich damit gegenüber dem langjährigen Schnitt der Jahre 2016-2019 ein Absatzschub von grob einem Drittel – erreicht in faktisch nur zwei Jahren. Für einen ausgewachsenen und seit Jahrzehnten etablierten Markt wäre dies eine ungewöhnlich heftige Veränderung. Sollte diese Prognose halbwegs eintreffen, würde der PC-Markt innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit den langjährigen Abschwung nach den im Jahr 2011 erreichten Höchstständen wieder egalisieren und bei bestmöglichem Geschäftsverlauf sogar knapp neue Rekordwerte im PC-Geschäft anpeilen können. Dabei kann man durchaus darüber spekulieren, dass der PC-Markt derzeit noch nicht einmal sein komplettes Marktpotential zeigt – weil wegen der allgegenwärtigen Lieferprobleme immer noch diverse Anschaffungen verschoben werden müssen. Jenes noch zu erfüllende Potential dürfte aber zumindest dafür sorgen, dass die Absatzzahlen demnächst kaum wieder kleiner werden.

Für die PC-Hersteller und deren Zulieferer bedeutet dies zumindest für die nähere Zeit ein (faktisch planbar) oberhalb des langjährigen Schnitts liegendes Absatzvolumen – was allerdings auch wieder seine eigenen Probleme nach sich zieht. Denn nicht alle Zulieferer dürften darauf vorbereitet sein, jetzt plötzlich dauerhaft den wie gesagt ca. ein Drittel großen Mehrbedarf bedienen zu können. Vielerorts verzögern sich selbst die nun kurzfristig angesetzten Produktionsmengen-Ausweitungen schlicht an der genauso schlechten Verfügbarkeit von Ausrüstungsgütern und Zwischenprodukten. Normalerweise findet eine Produktionsmengen-Ausweitung von grob einem Drittel auch über einige Jahre statt, nicht gerade innerhalb so kurzer Zeit. Hinzu kommt wohl auch, dass es Anfang letzten Jahres Corona-bedingt eher nach einem breiten Wirtschaftsabschwung aussah – womit die Hersteller dem nachfolgenden PC-Aufschwung sicherlich lange Zeit nicht getraut (und demzufolge nicht investiert) haben.

Dies scheint gemäß der vorliegenden Absatzzahlen jedoch die falsche Strategie gewesen zu sein. Das bärenstarke erste Jahresquartal 2021 sollte für die in der PC-Industrie agierenden Hersteller den allerletzten Anlaß geben, sich auf einen zumindest mittelfristig höheren Bedarf einzurichten – und demzufolge ihre Produktionskapazitäten daraufhin auszurichten. Augenscheinlich existiert ein dauerhaft höheres Absatzpotential im PC-Segment, war der Absatzboom der Quartale II bis IV des Jahres 2020 nicht einfach nur ein Strohfeuer, welcher auf Lockdown, HomeOffice & HomeSchooling beruht. Eher hat man hierdurch gesehen, wieviele Dinge (in produktiver Art & Weise) nicht mit Kleingeräten wie Smartphones und Tables zu lösen sind, hat der PC somit einen enormen Bedeutungsgewinn als alltägliche Arbeitsmaschine erzielt. Gegenüber den Jahren zuvor, wo sich die PC-Industrie mit kleiner werdenden Absatzzahlen samt entsprechendem Bedeutungsverlust arrangieren musste, kommt dies einem Paradigmenwechsel nahe.

PS:
Die größeren Prognosen für den PC-Absatz 2021 (ca. 350 bis 370 Mio. Stück) beziehen sich natürlich allesamt nur auf die Zählweise von Canalys und IDC, welche Chromebooks in ihre Rechnung als "PC" aufnehmen. Im Sinne dieser Prognose dürfte die Absatzzahl ohne Chromebooks dann bei vielleicht 310 Mio. Stück (oder leicht höher) herauskommen – so, wie es bei Gartner gerechnet wird. Damit wird sich in jedem Fall ein beachtbarer Unterschied in den Zahlen mit/ohne Chromebooks ergeben, welcher zum Nachdenken darüber anregen sollte, was hierfür die bessere Strategie zur Erfassung als "PC" sein sollte. Da Chromebooks vermutlich nie in ähnliche Größenordnungen wie reguläre PCs gehen werden, erscheint es zum jetzigen Zeitpunkt als möglicherweise unklug, die Chromebooks aus der PC-Zählung herauszunehmen. Jene eigene Gruppe der Chromebooks ist für sich allein wohl immer zu klein, nimmt jedoch dem PC ausreichend Masse weg, auf dass dessen wahre Bedeutung etwas verwässert wird. Aber dies stellt natürlich keine bereits endgültig entschiedene Frage dar.