Launch-Analyse: AMD Richland

Sonntag, 16. Juni 2013
 / von Leonidas
 

Mit dem Start der Computex letzte Woche hat AMD auch seinen Trinity-Refresh "Richland" ins Marktsegment der Mainstream-Prozessoren mit integrierter Grafiklösung entlassen. Richland wurde eigentlich schon im März offiziell vorgestellt, allerdings wurden seinerzeit nur die jeweiligen Mobile-Varianten in den Markt entlassen – jetzt sind endlich die Desktop-Varianten dran und wird damit vor allem auch ein guter Vergleich zu Trinity und natürlich der ebenfalls zur Computex vorgestellten neuen Intel-Prozessorenarchitektur "Haswell" möglich.

Richland selber stellt – wie schon durch die Vorlaunch-Berichterstattung erschöpfend bekannt – nur ein Taktraten-Update zu Trinity dar, die Architektur ist sowohl auf CPU- als auch auf iGPU-Seite komplett dieselbe: Es gibt weiterhin Piledriver-Rechenkerne zusammen mit einer VLIW4-Grafiklösung in derselbe Höhe der Hardware-Einheiten – maximal 4 CPU-Rechenkerne und maximal 384 Shader-Einheiten bei der integrierten Grafiklösung. Im Prinzip stellt Richland dasselbe Silizium wie Trinity dar – zumindest technologisch, rein praktisch hat AMD für Richland ein neues Stepping aufgelegt, welches diverse Vorteile bei der Taktbarkeit sowie des dafür entstehende Strombedarfs bietet.

(Desktop) Takt Technik Grafik TDP Listenpreis Release
A10-6800K 4.1 GHz (TC 4.4 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/2133 Radeon HD 8670D mit 384 VLIW4 Shader-Einheiten @ 844 MHz 100W 142$  (5. Juni 2013)
A10-6700 3.7 GHz (TC 4.3 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8670D mit 384 VLIW4 Shader-Einheiten @ 844 MHz 65W 142$  (5. Juni 2013)
A8-6600K 3.9 GHz (TC 4.2 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8570D mit 256 VLIW4 Shader-Einheiten @ 844 MHz 100W 112$  (5. Juni 2013)
A8-6500 3.5 GHz (TC 4.1 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8570D mit 256 VLIW4 Shader-Einheiten @ 800 MHz 65W 112$  (5. Juni 2013)
A6-6400K 3.9 GHz (TC 4.1 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8470D mit 192 VLIW4 Shader-Einheiten @ 800 MHz 65W 69$  (5. Juni 2013)
A4-6300 3.7 GHz (TC 3.9 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8370D mit 128 VLIW4 Shader-Einheiten @ 760 MHz 65W ? ?
A4-4000 3.2 GHz 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1600 Radeon HD 7480D mit 128 VLIW4 Shader-Einheiten @ 600 MHz 65W ? ?
Athlon II X4 760K 3.8 GHz (TC 4.1 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1866 deaktiviert 100W ? ?
Alle Richland Desktop-Prozessoren kommen im Sockel FM2 daher und laufen damit auch auf den bisherigen Mainboards für die vorhergehenden Trinity-Prozessoren.

Vorteilhaft (im Desktop-Segment) erscheint auf den ersten Blick die Sockel-Kompatibilität zwischen Trinity und Richland, welche beide den Sockel FM2 benutzen und damit auf denselben Mainboard laufen. Allerdings dürfte es in der Praxis eher selten passieren, daß Trinity-Besitzer den Prozessor aufrüsten – in dieser Käufergruppe werden üblicherweise Komplett-Systeme ohne echten Aufrüstbedarf erstanden.

Zu erwähnen wäre noch, daß Richland tendentiell preislich höher in den Markt geht als Trinity: Das Top-Modell von Trinity in Form des A10-5800K kommt mit Taktraten von 3.8/4.2 GHz für die CPU sowie 800 MHz für die iGPU daher und setzt dafür einen Listenpreis von 122 Dollar an. Das Top-Modell von Richland will dagegen gleich 142 Dollar sehen – für Taktraten von 4.1/4.4 GHz für die CPU sowie 844 MHz MHz für die iGPU ziemlich gewagt, schließlich muß hiermit ein 16prozentiger Preisaufschlag gerechtfertigt werden.

(Mobile) Takt Technik Grafik TDP Release
A10-5757M 2.5 GHz (TC 3.5 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8650G mit 384 VLIW4 Shader-Einheiten @ 600 MHz (TC 720 MHz) 35W  (23. Mai 2013)
A10-5750M 2.5 GHz (TC 3.5 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1866 Radeon HD 8650G mit 384 VLIW4 Shader-Einheiten @ 533 MHz (TC 720 MHz) 35W  (19. März 2013)
A10-5745M 2.1 GHz (TC 2.9 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1333 Radeon HD 8610G mit 384 VLIW4 Shader-Einheiten @ 533 MHz (TC 626 MHz) 25W  (23. Mai 2013)
A8-5557M 2.1 GHz (TC 3.1 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1600 Radeon HD 8550G mit 256 VLIW4 Shader-Einheiten @ 554 MHz (TC 720 MHz) 35W  (23. Mai 2013)
A8-5550M 2.1 GHz (TC 3.1 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1600 Radeon HD 8550G mit 256 VLIW4 Shader-Einheiten @ 515 MHz (TC 720 MHz) 35W  (19. März 2013)
A8-5545M 1.7 GHz (TC 2.7 GHz) 4 Piledriver-Kerne, 4 MB L2-Cache, DDR3/1333 Radeon HD 8510G mit 384 VLIW4 Shader-Einheiten @ 450 MHz (TC 554 MHz) 19W  (23. Mai 2013)
A6-5357M 2.9 GHz (TC 3.5 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1600 Radeon HD 8450G mit 192 VLIW4 Shader-Einheiten @ 533 MHz (TC 720 MHz) 35W  (23. Mai 2013)
A6-5350M 2.9 GHz (TC 3.5 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1600 Radeon HD 8450G mit 192 VLIW4 Shader-Einheiten @ 533 MHz (TC 720 MHz) 35W  (19. März 2013)
A6-5345M 2.2 GHz (TC 2.8 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1333 Radeon HD 8410G mit 192 VLIW4 Shader-Einheiten @ 450 MHz (TC 600 MHz) 17W  (23. Mai 2013)
A4-5150M 2.7 GHz (TC 3.3 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1600 Radeon HD 8350G mit 128 VLIW4 Shader-Einheiten @ 514 MHz (TC 720 MHz) 35W  (19. März 2013)
A4-5145M 2.0 GHz (TC 2.6 GHz) 2 Piledriver-Kerne, 1 MB L2-Cache, DDR3/1333 Radeon HD 8310G mit 128 VLIW4 Shader-Einheiten @ 424 MHz (TC 554 MHz) 17W  (23. Mai 2013)

Zumindest auf dem Feld des Strombedarfs hat AMD nun doch erhebliche Fortschritte bei Richland erzielen können: Trotz seiner höheren Performance durch den Mehrtakt hat ein A10-6800K grob nur dieselbe Leistungsaufnahme wie ein A10-5800K zu verzeichnen. Angesichts der (bisher) allgemein als etwas zu hoch angesehenen Leistungsausnahme dieser Mainstream-Prozessoren mag dies noch nicht wirklich zählbar sein, daher ein anderer Vergleich: Der A10-6700 als zweitschnellstes Richland-Modell bringt grob dieselben Taktraten und daher dieselbe Performance wie ein A10-5800K mit, wird von AMD jedoch mit einer TDP von nur 65W im Gegensatz zum A10-5800K mit 100W TDP gelistet.

Der reale Leistungsaufnahme-Unterschied zwischen beiden Prozessoren wird geringer sein, aber dieses Beispiel zeigt an, daß AMD mit Richland nunmehr dort bei der Leistungsaufnahme gelandet ist, wo man Mainstream-Prozessoren allgemein erwartet: Bis auf das Top-Modell A10-6800K generell nur noch bei 65 Watt TDP (AMD ordnet auch noch den A8-6600K auf 100W TDP ein, jener Prozessor dürfte diese Marke aber in der Praxis wegen seiner stark beschnittenen Grafiklösung bei weitem nicht erreichen) – und damit in demselben Rahmen, wo auch Intels Mainstream-Prozessoren liegen. Jene Intel-Modelle mögen in praktischen Leistungsaufnahme-Messungen immer noch klar vorn liegen, allerdings ist der Unterschied von 40W zu 65W bei weitem erträglicher als der Unterschied von 40W zu 100W.

Bei der Erstellung der Benchmark-Auswertung zu Richland fiel der Umstand negativ auf, daß sehr viele Testberichte Richland verfälschenderweise gegen Vierkern-Prozessoren von Intel stellten – möglicherweise, weil keine Zweikerner griffbereit waren, da jene kaum getestet werden. Richland sollte man jedoch möglichst nicht gegen ausgewachsene Performance-Prozessoren stellen, dies passt sowohl vom Performance-Anspruch als auch vom Preispunkt nicht. In diesem Punkt sollte man fair gegenüber AMD sein und Richland nur gegenüber jenen Intel-Prozessoren testen, welche im gleichen Preisbereich wie Richland operieren – sprich, Intels Zweikerner der Core i3 Serie. Passende Gegner für den A10-6800K (142$) sind somit der Core i3-3220 bzw. i3-3225 (134$, mit HD Graphics 2500 bzw. 4000) sowie der Core i3-3240 (138$, mit HD Graphics 2500).

Anwendungs-Performance A10-5800K A10-6700 A10-6800K Core i3-3220 Core i3-3225
Planet 3DNow! 94,0% 95,6% 100% - 97,5%
ComputerBase 95,0% 96,8% 100% 92,9% -
Hardware Canucks 94,4% 96,7% 100% - 91,7%
Hot Hardware 85,2% 95,5% 100% 100,5% 101,5%
Tom's Hardware 92,1% 91,0% 100% 97,9% -
X-bit Labs 95,2% - 100% - 98,9%
Hardware.fr 94,5% 94,1% 100% 93,6%
(Core i3-3240)
-
Spieleunterstützungs-Performance A10-5800K A10-6700 A10-6800K Core i3-3220 Core i3-3225
PC Games Hardware 95,8% 93,6% 100% 110,7% -
ComputerBase 97,6% 99,0% 100% 108,4% -
Hardware Canucks 92,8% 97,1% 100% - 113,7%

Trotz sehr großer Menge an verfassten Testberichten liegen daher nun nicht gerade besonders viele sinnvolle Zahlen zur CPU-Performance von Richland vor. Da es sich hierbei allerdings nur um ein Taktraten-Update handelt, läßt sich dennoch eine zielsichere Bewertung der CPU-Performance von Richland abgeben: Das Spitzenmodell A10-6800K legt in etwa um 6% bei der CPU-Performance zu, ziemlich gleichlautend zur Steigerung der Taktraten gegenüber dem Spitzenmodell von Trinity, dem A10-5800K.

Viel wichtiger als dieser technisch durchaus interessante, allerdings in der Praxis dann doch eher zu vernachlässigende Performance-Sprung auf der CPU-Seite ist jedoch die generelle Aussage, welche man daraus ziehen kann: Richland ist (im Desktop-Segment) auf CPU-Seite auf absoluter Augenhöhe mit Intels im gleichen Preissegment liegenden Core i3 Prozessoren (derzeit noch jene der Ivy-Bridge-Architektur) angelangt. Dieser Punkt geht gern unter, wenn man Richland nur gegen Intels Vierkerner (und am besten gleich gegen die Top-Modelle wie den Core i7-3770K oder den Core i7-4770K) testet.

Eine kleine Einschränkung gibt es allerdings bei der Spieleunterstützungs-Performance: Hierbei liegen die AMD-Prozessoren bekannterweise deutlicher gegenüber den Intel-Prozessoren zurück, was sich auch in diesem Fall zeigt. So ist Richland nach wie vor in Richtung 10% schlechter gegenüber Intels Core i3, wenn es um die bestmögliche CPU-Unterstützung für Spiele geht. Allerdings sind 10 Prozent auch nicht die Welt, bei den Performance-Prozessoren liegt AMD in dieser Disziplin deutlicher zurück als hier bei den Mainstream-Prozessoren.