Launch-Analyse Cascade Lake X vs. Threadripper 3000

Freitag, 29. November 2019
 / von Leonidas
 

Mit dem Spätherbst 2019 haben AMD und Intel noch einmal einige Prozessoren-Launches angesetzt, welche das Performance-Bild im HighEnd- und HEDT-Segment maßgeblich verändern. So kamen am 25. November 2019 die zwei neuen HEDT-Generationen "AMD Ryzen Threadripper 3000" sowie "Intel Cascade Lake X" (Core i-10000X Serie) zeitgleich in den Markt, wobei jene allerdings aufgrund differierender Preispunkte jeweils unterschiedliche Marktsegmente beackern. Zudem wurde ab dem 25. November auch der "Ryzen 9 3950X" ausgeliefert, zu welchem Benchmarks schon seit dem 14. November zur Verfügung standen und welcher preislich viel eher einen Kontrahenten zu Intels neuen HEDT-Prozessoren abgibt. Und letztlich hatte Intel bereits am 30. Oktober 2019 den "Core i9-9900KS" als neues HighEnd-Modell vorausgeschickt, welcher hiermit nun ebenfalls betrachtet werden soll. Inzwischen gibt es auch genügend Artikel und Benchmarks zu allen diesen neuen HighEnd- und HEDT-Prozessoren, womit nachfolgend zur Auswertung aller dieser Zahlen bezüglich Anwendungs- und Spiele-Performance geschritten werden soll.

Mit den vier Launches stellen beide Hersteller ein jeweils neues Angebots-Portfolio im Bereich von HighEnd- bis HEDT-Prozessoren auf, wobei jeweilige Altmodelle damit weitgehend obsolet werden – und somit nur nach kräftigen Preissenkungen noch verkaufsfähig sind. Intel ist dieser Problematik bereits vor einigen Wochen mittels drastischen Preissenkungen zur vorherigen HEDT-Generation "Core i9-9000X" zuvorgekommen, in Folge dessen diese Prozessoren preislich nunmehr durchaus wieder mitspielen könnten, allerdings dafür auch schon wieder aus dem Einzelhandel verschwunden sind. Damit kann sich der Blick ganz auf die neuen Modelle konzentrieren: Den Core i9-9900KS als leicht höher getaktete Ausführung des Core i9-9900K sowie die neue HEDT-Generation der Core i-10000X Prozessoren mit ebenfalls nur leichtem Taktratengewinn gegenüber den bisherigen Core i-9000X Prozessoren. In beiden Fällen handelt es sich dabei um keinerlei Architektur-Sprung, da auch Cascade Lake X letztlich nur einen (weiteren) Refresh des ursprünglichen Skylake-X darstellt.

Damit bleibt es bei der Core i-10000X Serie auch bei maximal 18 CPU-Kernen, die im Server-Bereich möglichen bis zu 28 CPU-Kerne bringt Intel nach wie vor nicht ins HEDT-Segment. Die Taktraten sind nominell fast gleich, Intel dürfte wohl primär über Verbesserungen bei der Chipfertigung eine bessere Energieeffizienz herausgeholt haben, damit vor allem in der Praxis (etwas) höhere Takraten erreicht werden. Der springende Punkt von Intels neuer HEDT-Generation liegt allerdings zuerst im neuen Preisbild, welches man grob als "halbiert" beschreiben kann – gut zu sehen am 18-Kern-Spitzenmodell, welches zwischen Core i9-9980XE und Core i9-10980XE um glatt 1000 Dollar weniger kostet. Damit geht Intel dem direkten Zweikampf mit AMDs neuen HEDT-Prozessoren grundlegend aus dem Weg, welche (mit höherer Kern-Anzahl) allesamt oberhalb von 1000 Dollar kosten. Allerdings ist dies vielleicht auch gar nicht so unclever seitens Intel, denn im Preisbereich von 550-1000 Dollar hat AMD derzeit (mit dem Ryzen 9 3950X) nur ein einzelnes CPU-Modell stehen, während Intel in dieser Preisspanne gleich vier Prozessoren aufbietet.

Abstammung Kerne Taktraten L2+L3 TDP Preis Release
Core i9-10980XE Cascade Lake X, 14nm 18C/36T 3.0/3.8/4.8 GHz 18+24.75 MB 165W 979$ 25. Nov. 2019
Core i9-9980XE Skylake X Refresh, 14nm 18C/36T 3.0/3.8/4.5 GHz 18+24.75 MB 165W 1979$ 13. Nov. 2018
Core i9-9960X Skylake X Refresh, 14nm 16C/32T 3.1/4.0/4.5 GHz 16+22 MB 165W 1684$ 13. Nov. 2018
Core i9-10940X Cascade Lake X, 14nm 14C/28T 3.3/4.1/4.8 GHz 14+19.25 MB 165W 784$ 25. Nov. 2019
Core i9-9940X Skylake X Refresh, 14nm 14C/28T 3.3/4.1/4.5 GHz 14+19.25 MB 165W 1387$ 13. Nov. 2018
Core i9-10920X Cascade Lake X, 14nm 12C/24T 3.5/4.3/4.8 GHz 12+19.25 MB 165W 689$ 25. Nov. 2019
Core i9-9920X Skylake X Refresh, 14nm 12C/24T 3.5/4.2/4.5 GHz 12+19.25 MB 165W 1189$ 13. Nov. 2018
Core i9-10900X Cascade Lake X, 14nm 10C/20T 3.7/4.3/4.7 GHz 10+19.25 MB 165W 590$ 25. Nov. 2019
Core i9-9900X Skylake X Refresh, 14nm 10C/20T 3.5/4.1/4.5 GHz 10+19.25 MB 165W 989$ 13. Nov. 2018
Core i9-9820X Skylake X Refresh, 14nm 10C/20T 3.3/4.0/4.2 GHz 10+16.5 MB 165W 898$ 13. Nov. 2018
Core i9-9900KS Coffee Lake Refresh, 14nm 8C/16T 4.0/5.0/5.0 GHz 2+16 MB 127W 513$ 30. Okt. 2018
Core i9-9900K Coffee Lake Refresh, 14nm 8C/16T 3.6/4.7/5.0 GHz 2+16 MB 95W 488$ 19. Okt. 2018
Core i9-9900KF Coffee Lake Refresh, 14nm 8C/16T 3.6/4.7/5.0 GHz 2+16 MB 95W 463$ 19. Okt. 2018
Core i7-9800X Skylake X Refresh, 14nm 8C/16T 3.8/4.1/4.5 GHz 8+16.5 MB 165W 589$ 13. Nov. 2018
AMD-Listenpreise: boxed; Intel-Listenpreise: tray .... Taktraten-Angaben: 1. Base-Takt, 2. AllCore-Boost, 3. maximaler Boost-Takt

AMDs neues Portfolio besteht zum einen aus dem noch fehlenden HighEnd-Prozessor Ryzen 9 3950X sowie zum anderen aus der neuen HEDT-Generation "Ryzen Threadripper 3000". Letztere ersetzt primär die bisherige Threadripper-2000-Prozessoren durch nunmehr Zen-2-basierte HEDT-Modelle – und somit mit höherer IPC, höheren Taktraten und klar weniger Praxis-Einschränkungen. Allerdings hat AMD hierbei seine preisliche Strategie etwas umgekehrt: Anstatt wie bei Ryzen 3000 kommen wie neuen HEDT-Prozessoren (für die gleiche Kern-Anzahl) zu höheren Preisen in den Markt als beim vorhergehenden Zen+. Damit ist nun plötzlich AMD in der Situation, die (klar) teuersten PC-Prozessoren am Markt zu haben – und gleichzeitig die einzigen oberhalb der früher einmal fest geltenden 1000-Dollar-Schranke. Die vormalige Intel-Konkurrenz in diesem Markt fehlt nunmehr komplett – was für AMDs neue HEDT-Prozessoren auch bedeutet, klar mehr Performance als bei Intel vorweisen zu müssen.

Eher mit Intels neuen HEDT-Prozessoren in den Ring steigen wird dann der Ryzen 9 3950X als erster 16-Kerner des normalen Consumer-Segments – was bisher (und bei Intel immer noch) eigentlich dem HEDT-Segment vorbehalten war. Allerdings liegt jener Prozessor mit einem Listenpreis von 749 Dollar auch in einem Preisfeld, wo man durchaus schon HEDT-Modelle erwarten kann, preislich liegt beispielsweise Intels 14-Kerner Core i9-10940X (784$) gut in der Nähe. Für den Ryzen 9 3950X geht es daneben aber auch darum, den hohen Preisabstand zu AMDs eigenem 12-Kerner Ryzen 9 3900X (499$) durch eine entsprechende Performance rechtzufertigen. Daneben steht bei allen neuen AMD-Prozessoren sicherlich auch wieder die Frage an, ob jene (in der Spitze) ihre maximalen Boost-Taktfrequenzen erreichen können – was insbesondere beim Ryzen 9 3950X mit offiziell 4.7 GHz Boost-Takt nicht ganz so einfach werden dürfte.

Abstammung Kerne Taktraten L2+L3 TDP Preis Release
Ryzen Threadripper 3970X Castle Peak (Zen 2), 7nm 32C/64T 3.7/4.5 GHz 16+128 MB 280W 1999$ 25. Nov. 2019
Ryzen Threadripper 2990WX Colfax (Zen+), 12nm 32C/64T 3.0/4.2 GHz 16+64 MB 250W 1799$ 13. Aug. 2018
Ryzen Threadripper 3960X Castle Peak (Zen 2), 7nm 24C/48T 3.8/4.5 GHz 12+128 MB 280W 1399$ 25. Nov. 2019
Ryzen Threadripper 2970WX Colfax (Zen+), 12nm 24C/48T 3.0/4.2 GHz 12+64 MB 250W 1299$ 29. Okt. 2018
Ryzen 9 3950X Matisse (Zen 2), 7nm 16C/32T 3.5/4.7 GHz 8+64 MB 105W 749$ 25. Nov. 2019
Ryzen Threadripper 2950X Colfax (Zen+), 12nm 16C/32T 3.5/4.4 GHz 8+32 MB 180W 899$ 13. Aug. 2018
Ryzen 9 3900X Matisse (Zen 2), 7nm 12C/24T 3.8/4.6 GHz 6+64 MB 105W 499$ 7. Juli 2019
Ryzen Threadripper 2920X Colfax (Zen+), 12nm 12C/24T 3.5/4.3 GHz 6+32 MB 180W 649$ 29. Okt. 2018
Ryzen 7 3800X Matisse (Zen 2), 7nm 8C/16T 3.9/4.5 GHz 4+32 MB 105W 399$ 7. Juli 2019
AMD-Listenpreise: boxed; Intel-Listenpreise: tray .... Taktraten-Angaben: 1. Base-Takt, 2. AllCore-Boost, 3. maximaler Boost-Takt

Die neuen Prozessoren treten auf vier verschiedenen Plattformen an, deren abweichende Eigenschaften teilweise durchaus mit in die Prozessoren-Bewertung einfließen sollte. Denn zum einen haben die jeweiligen HEDT-Plattformen natürlich erhebliche Vorteile bei der Anzahl der gebotenen PCI Express Lanes (mit klarem Vorteil für AMD wegen PCI Express 4.0) sowie des Speicherinterfaces, zum anderen gibt es allerdings auch den Nachteil klar höherer Mainboard-Preise zu verdauen: Dies ist bei Intels Cascade Lake X noch nicht so stark ausgeprägt, bei AMDs Threadripper 3000 hingegen heftig, da derzeit nichts unter 450 Euro für ein entsprechendes Mainboard anfängt. Angesichts der (hohen) Preise der Threadripper-3000-Prozessoren spielt dieser hohe Mainboard-Preis dann vielleicht auch keine so große Rolle mehr – aber in jedem Fall werden damit die jeweiligen CPU-Preise um so schwerer direkt miteinander vergleichbar.

Coffee Lake Refresh Cascade Lake X Matisse (Zen 2) Castle Peak (Zen 2)
Sockel 1151v2 2066 AM4 sTRX4
Sockel-Lebensdauer keine weiteren CPUs keine weiteren CPUs noch bis 2020 (Zen 3) angeblich lange Lebensdauer
Übertaktungs-Eignung maßvoll gutklassig (setzt hohe Kühlaufwendungen voraus) minimal maßvoll (setzt hohe Kühlaufwendungen voraus)
Speicher-Support 2Ch. DDR4/2666 4Ch. DDR4/2933 2Ch. DDR4/3200 4Ch. DDR4/3200
PCI Express (CPU) 16 Lanes 3.0 48 Lanes 3.0 20 Lanes 4.0 56 Lanes 4.0
Mainboard-Chipsätze 300er Chipsatz-Serie (nicht der Z370) X299-Chipsatz 500er Chipsatz-Serien (300er & 400er Serien teilweise nach BIOS-Update) TRX40-Chipsatz
Mainboard-Preise 60-200 Euro 200-300 Euro 60-200 Euro 450-600 Euro

Nach den Erfahrungen zum Launch von Threadripper 2000 (Reviews mit wenigen Benchmarks verzerren das Performance-Bild zugunsten einer überhöhten Performance-Skalierung) wurden nachfolgend vorzugsweise Testberichte mit höherer Anzahl an Einzel-Benchmarks zur Anwendungs-Performance ausgewertet. Hierbei tat sich inbesondere der Test von Tom's Hardware mit einer sehr hohen Anzahl an Benchmarks hervor, welche zudem auch noch recht ausgewogen in ihrer Zielsetzung waren – keine übermäßige Gewichtung gerade von Benchmarks zum Thema Rendering, Office & Adobe. Angesichts der hohen Anzahl der bei diesem Review angesetzten Benchmarks geht so etwas zwar eher unter, aber insbesondere die Testberichte mit geringerer Benchmark-Anzahl müssen aufpassen, nicht zu stark in eine bestimmte Richtung hin zu testen – und damit beispielsweise durch die üblicherweise hohe Skalierung von Rendering-Tests den gesamten Performance-Eindruck zu sehr zugunsten deren Ergebnissen zu beeinflußen.

Die letztlich ausgewerteten Testberichte zeigen natürlich dennoch eine gewisse Schwankungsbreite in ihren Ergebnissen an – am besten zu sehen vielleicht beim Ryzen Threadripper 3970X, welcher je nach Testbericht um +31% bis zu +68% schneller als ein Ryzen 9 3950X ausgemessen wurde. Auch bei den anderen Prozessoren ergeben sich entsprechende Differenzen je nach Testbericht, meistens allerdings in der Höhe nicht so gravierend. Dennoch sind diese neuen Ergebnisse immer noch vergleichsweise "ähnlich" im Vergleich zu den Benchmark-Ergebnissen zum Launch von Threadripper 2000, wo der Ryzen Threadripper 2990WX je nach Testbericht um +35% bis zu +221% schneller als ein Core i7-8700K bewertet wurde. Dies hängt natürlich auch damit zusammen, das Threadripper 2000 in vielen Benchmarks teilweise noch so seine Probleme hatte (und weiterhin hat), während bei Threadripper 3000 auffallend ist, das diese Prozessoren selbst in unterdurchschnittlich laufenden Benchmarks wenigstens noch auf vernünftige Werte kommen. Der teilweise krasse Wechsel von guten zu schlechten Benchmarks bei Threadripper 2000 entfällt bei Threadripper 3000 – man kann somit konstatieren, das AMDs 24-Kerner und 32-Kerner letztlich erwachsen geworden sind.

Anwendungs-Performance 9900K 9900KS 9980XE 10980XE 3900X 3950X 3960X 2990WX 3970X
CPU-Kerne & Abstammung 8C CFL 8C CFL 18C SKL-X 18C CSL-X 12C Zen2 16C Zen2 24C Zen2 32C Zen+ 32C Zen2
AnandTech (18 Tests) 71,7% 75,6% 105,9% 111,8% - 100% 117,9% 87,5% 131,2%
ComputerBase (8 Tests) 57% 60% 80% 94% 80% 100% 139% 106% 165%
Golem (11 Tests) - - - 111,1% - 100% 142,0% 97,4% 161,0%
Guru3D (13 Tests) 64,1% 67,6% - 100,6% 84,1% 100% 134,9% - 163,6%
Hardware Upgrade (10 Tests) 61,8% 64,9% - 97,5% 79,6% 100% - 89,5% 163,0%
Le Comptoir d.H. (16 Tests) 55,1% 58,8% 92,7% 95,5% 87,4% 100% 141,6% 96,5% 162,4%
Legit Reviews (15 Tests) 58,2% 62,4% - 95,5% 82,6% 100% - 99,8% 161,4%
PCLab (15 Tests) 65,7% - 95,9% 100,7% 87,5% 100% 132,3% 92,0% 146,3%
PCWorld (10 Tests) 59,4% 62,3% - 99,9% 79,0% 100% - - 168,4%
SweClockers (9 Tests) 54,9% - - 89,7% 86,9% 100% 141,7% 88,4% 166,6%
TechSpot (8 Tests) 60,1% - - 100,0% 83,0% 100% 145,1% 99,0% 166,8%
Tom's Hardware (32 Tests) - - - 98,8% - 100% 132,3% 93,6% 154,5%
Tweakers (15 Tests) 73,8% - 95,7% 107,6% - 100% 124,5% 73,6% 132,6%
gemittelte Anwendungs-Perf. 60,8% 64,4% 92,9% 99,2% 82,3% 100% 135,8% 94,1% 157,8%
Listenpreis (Auslauf) 488$ 513$ (1979$) 979$ 499$ 749$ 1399$ (1799$) 1999$
Straßenpreis ab 498€ ab 587€ ab 1049€ ab 1129€ ab 578€ ab 899€ ab 1519€ ab 1799€ ab 2195€
Performance-Durchschnitt maßvoll gewichtet zugunsten jener Reviews mit besonders vielen Einzel-Benchmarks; gesamte ausgewertete Benchmark-Anzahl: ca. 1240

Dies erklärt auch den heftigen Performance-Zugewinn zwischen den beiden 32-Kernern Ryzen Threadripper 2990WX (Zen+) und Ryzen Threadripper 3970X (Zen 2): Bei der hierbei im Schnitt der Benchmarks erzielten Mehrperformance von +68% (!) spielen nicht nur Mehrtakt und höhere IPC mit hinein, sondern vor allem auch das (weitgehende) Fehlen von wirklich schlechten Einzelresultaten, welche immer noch das durchschnittliche Performance-Ergebnis des älteren 32-Kerners maßgeblich herunterdrücken. Mittels Threadripper 3000 zeigt sich die eigentlich schwache Skalierung von Threadripper 2000 nun wirklich deutlich, faktisch kommt der 32-Kerner Ryzen Threadripper 2990WX nur etwas unterhalb der Performance des neuen 16-Kerners Ryzen 9 3950X heraus – welcher seinerseits noch nicht einmal AMDs HEDT-Riege angehört und nur grob halb so viel kostet. Threadripper 2000 ist damit komplett geschlagen und wäre nur noch nach (sehr) drastischen Preissenkungen absetzbar.

Intels Cascade Lake X hat hingegen ein schweres Brot mit eben jenem Ryzen 9 3950X: Das HEDT-Spitzenmodell Core i9-10980XE erreicht gerade einmal so die Anwendungs-Performance von AMDs bestem Consumer-Modell, welches allerdings ca. 230 Dollar/Euro weniger kostet (sogar zu den derzeit überzogenen Straßenpreisen zum Ryzen 9 3950X) und dann auch noch die besseren Mainboard-Preise hat. Wenn man die bekannte Skalierung früherer HEDT-Prozessoren von Intel zur Hand nimmt, dürfte der preislich eher vergleichbare Core i9-10940X (784$) irgendwo in Richtung von 12-14% weniger Performance als der Ryzen 9 3950X herauskommen. Damit wird auch klar, das sich überschlagsmäßig die noch kleineren HEDT-Modelle Core i9-10920X (689$) & Core i9-10900X (590$) grob mit einem Ryzen 9 3900X (499$) anlegen können – welcher aber wesentlich weniger kostet und daher genauso vorzuziehen wäre. Klar gibt es dennoch Anwendungsfälle für Cascade Lake X, beispielsweise wenn man die vielen PCI-Express-Lanes oder das dicke QuadChannel-Speicherinterface benötigt. Aber im Normalfall liegt AMD nunmehr schon mit seinen stärksten Consumer-Prozessor vor Intels neuen HEDT-Modellen.

Und letztlich versucht der Core i9-9900KS im oberen Ende des Consumer-Felds noch etwas Boden gutzumachen, legt aber im Schnitt der Benchmarks auch nur +6% auf den Core i9-9900K (oder Core i9-9900KF ohne iGPU) oben drauf und verändert damit nichts wesentliches. Dies reicht gegenüber dem preislichen Gegenpart in Form des Ryzen 9 3900X nicht aus, jener ist im Schnitt der Benchmarks nochmals um +28% schneller – was angesichts des Vergleichs von 8 zu 12 CPU-Kernen aber auch nur natürlich ist. Bei gleicher Kern-Anzahl wäre dann Ryzen 7 3800X der passende Gegner – was einen interessanten Vergleich ergeben würde, verschiedene Hochrechnungen hierzu ergeben grob dieselbe Performance (±3%). Allerdings hat der Ryzen 7 3800X dann einen erheblichen Preisvorteil – sowohl beim Listenpreis (399$ zu 513$) und noch viel stärker bei den Straßenpreisen (ab 359 Euro gegenüber ab 587 Euro). Hier spielt auch die vergleichsweise hohe Differenz zwischen Listen- und Straßenpreis beim Core i9-9900KS mit hinein – wobei Intel leider keine offiziellen boxed-Preise angibt und damit nicht klar ist, ob hier zukünftig noch eine bessere Preissituation zu erwarten ist.

Wie an den Performance-Werten schon grob erkennbar, ist die Performance-Skalierung dieser ManyCore-Prozessoren nicht gerade gut – klar entfernt davon, für die gebotenen zusätzlichen Kerne auch eine gleich hohe Mehrperformance zu bieten. Jene Problematik betrifft spätestens alles ab den Achtkern-Modellen, danach sinkt der Ertrag von mehr CPU-Kernen zunehmend ab – sprich, je höher man mit der Kern-Anzahl kommt, um so geringer wird die Skalierung. Ein gutes Beispiel hierfür stellt der Vergleich von Ryzen 9 3900X → Ryzen 9 3950X gegenüber Ryzen Threadripper 3960X → Ryzen Threadripper 3970X dar: In beiden Fällen gibt es ein Drittel mehr CPU-Kerne, der Performance-Ertrag hiervon sinkt allerdings von +22% zwischen beiden Ryzen-Prozessoren auf nur noch +16% zwischen beiden Threadripper-Modellen. Bei AMD ist dies generell gut vergleichbar, da die Prozessoren (derselben Architektur- und Fertigungsklasse) keine größere Differenzen zwischen den praktisch anliegenden Taktraten aufweisen.

CPU-Kerne Anwend.-Perf. Listenpreise Marktsegmente
Core i9-9900KSCore i9-10980XE 8 ➔ 18 (+125%) +54% +91% Consumer vs. HEDT
Ryzen 9 3900XRyzen 9 3950X 12 ➔ 16 (+33%) +22% +50% beides Consumer
Ryzen 9 3900XRyzen Threadripper 3960X 12 ➔ 24 (+100%) +65% +180% Consumer vs. HEDT
Ryzen 9 3950XRyzen Threadripper 3960X 16 ➔ 24 (+50%) +36% +87% Consumer vs. HEDT
Ryzen Threadripper 3960XRyzen Threadripper 3970X 24 ➔ 32 (+33%) +16% +43% beides HEDT

Rechnet man ein, das die Skalierung in diesem Feld der ManyCore-Prozessoren generell nie besonders war gut bzw. besonders gut sein kann, gibt es AMD-seitig bis hinauf zum 24-Kerner Ryzen Threadripper 3960X einen vernünftigen Skalierungs-Erfolg, allein der 32-Kerner Ryzen Threadripper 3970X ist diesbezüglich grenzwertig. Sieht man sich demgegenüber die jeweiligen Preislagen an, sieht dies hingegen weit weniger erträglich aus: Bei AMDs ManyCore-Prozessoren (oberhalb des Achtkern-Feldes) bezahlt man durchgehend mehr als Doppelte pro Performance-Gewinn – beispielsweise +50% Preisaufschlag bei nur +22% Performancegewinn zwischen 12-Kerner Ryzen 9 3900X und 16-Kerner Ryzen 9 3950X. AMDs ManyCore-Prozessoren mögen also vergleichsweise effektiv eine größere Anzahl an CPU-Kerne ausnutzen können, beim Performance/Preis-Verhältnis sind jene jedoch durchgehend abgehoben – man verballert deutlich mehr Geld, als man dafür Mehrperformance erhält.

Intel-seitig fällt jenes Verhältnis dann exakt umgedreht aus: Die Performance-Skalierung zwischen dem Achtkerner Core i9-9900KS und dem 18-Kerner Core i9-10980XE ist ausgesprochen schwach – sicherlich auch resultierend aus den generell niedrigeren Taktraten von Intels HEDT-Modellen. Der hierfür aufgerufene Preispunkt geht allerdings durchaus in Ordnung, im konkreten Beispiel gibt es für +91% Preisaufschlag wenigstens noch +54% Mehrperformance – ein klar besseres Verhältnis als bei allen diesbezüglichen Vergleichen auf AMD-Seite. Mangels ausreichender Reviews zu den kleineren neuen HEDT-Modellen muß allerdings die Frage offenbleiben, wie es in dieser Frage bei Core i9-10900X, Core i9-10920X und Core i9-10940X aussieht.