Launch-Analyse nVidia GeForce RTX 2080 & 2080 Ti (Seite 2)

Mittwoch, 26. September 2018
 / von Leonidas
 

Wie den Karten-Spezifikationen zu entnehmen, bringt nVidia seine Founders Edition erstmals werksübertaktet heraus. Damit gibt es für jede der Turing-Grafikkarten nunmehr zwei bedeutsame Takt- und Performance-Marken: Erstens die Referenztaktung, welche wohl auch von jedem der Grafikkartenhersteller mit jeweils einem Grafikkarten-Modell geboten wird. Und zweitens die Taktraten der Founders Edition, auf welchem Niveau alle werksübertakteten Herstellerkarten wohl mindestens takten werden. Wie es sich derzeit in der Praxis herausstellt, halten sich viele werksübertaktete Herstellerkarten an die Taktraten der Founders Edition oder gehen nur leicht darüber hinaus – noch stärkere Werksübertaktungen sind dagegen eher selten bei den Turing-Karten anzutreffen (was auch schwierig ist, da die Founders Edition einen Großteil der Werksübertaktung schon selber übernimmt). In gewissem Sinne wird somit das Performance-Niveau vieler werksübertakteter Herstellerkarten allerdings besser erfassbar, da selbige nunmehr grob auf dem gleichen Performance-Niveau wie die Founders Edition (oder nur noch minimal besser) liegen.

Als weitere Änderung der Turing-Generation liegt jeder der Turing-Grafikchips (im Verkauf gegenüber den Grafikkartenherstellern) in zwei Varianten vor: non-A und "A". Erstere Variante ist für Standardkarten mit den Referenztaktraten gedacht und darf seitens der Grafikkartenhersteller auch nicht für Werksübertaktungen benutzt werden (private Übertaktungen sind dagegen weiterhin möglich). Die zweite Variante setzt nVidia für seine eigenen Founders-Edition-Karten ein, sowie die Grafikkartenhersteller für alle deren werksübertaktete Modelle. Innerhalb dieser A-Variante scheint es zudem noch weitere Abstufungen geben, welche die Taktfreudigkeit des jeweiligen Grafikchips ausdrückt. Ob sich letztgenannte Information von außen auslesen läßt, muß sich noch herausstellen – ob man dagegen eine der beiden Hauptvarianten des jeweiligen Grafikchips hat, dürfte sich wohl auslesen lassen, geben viele Grafikkartenhersteller auf ihren Webseiten an, sowie ist letztlich auch auf dem Grafikchip selber aufgedruckt.

2080/Ti Standard-Karte 2080/Ti FE-Karte 2080/Ti OC-Karte
Grafikchip-Variante non-A
2080: TU104-400
2080Ti: TU102-300
"A"
2080: TU104-400A
2080Ti: TU102-300A
"A"
2080: TU104-400A
2080Ti: TU102-300A
Taktraten (ausschließlich) Referenztakt
2080: 1515/1710/3500 MHz
2080Ti: 1350/1545/3500 MHz
FE-Takt
2080: 1515/1800/3500 MHz
2080Ti: 1350/1635/3500 MHz
frei nach Herstellergusto (üblicherweise FE-Takt oder leicht höher)
Power-Limit Referenz-Power-Limit
2080: 215W
2080Ti: 250W
FE-Power-Limit
2080: 225W
2080Ti: 260W
frei nach Herstellergusto (üblicherweise FE-Power-Limit oder leicht höher)
OC durch Benutzer
Platinenlayout nVidia-Referenz oder Herstellerdesign nVidia-Referenz nVidia-Referenz oder Herstellerdesign
Kühlerdesign Herstellerdesign nVidia-Referenz Herstellerdesign

Da mittels der Launchreviews ausschließlich Founders-Edition-Karten sowie einige werksübertaktete Herstellerkarten getestet wurden, aber bislang noch nirgendwo eine einzelne Karte mit Referenztakt, können alle weiteren Betrachtungen vorerst allein das Niveau der Founders Edition als Ausgangslage nehmen. Es wird nachfolgend versucht werden, ausgehend davon das Niveau der Referenztaktungen (als "Standard" bezeichnet, da das Wort "Referenz" in diesem Fall nicht ausreichend eindeutig ist) zu interpolieren – aber dies ist natürlich immer mit einer gewissen Fehlermarge versehen bzw. teilweise mangels entsprechender Informationen auch einfach nicht möglich. So lassen sich beispielsweise derzeit keinerlei Aussagen zum Taktraten-Verhalten, der Lüfter-Lautstärke sowie der Übertaktungs-Eignung von Karten mit Referenztaktung treffen – für diese Tests müssten tatsächlich erst entsprechende Karten vorliegen.

Das Taktraten-Verhalten der Founders-Edition-Karten wurde dagegen von einigen der Launchreviews untersucht, wobei die herausgekommenen Werte nicht gänzlich eindeutig sind. Zumindest kommt keiner der Hardwaretests auf niedrigere real anliegenden Taktraten als es die nVidia-Vorgabe vorgibt – nur über die Höhe des real anliegenden Mehrtakts bei der Founders Edition gibt es verschiedene Meinungen: Bei der GeForce RTX 2080 liegt das Taktraten-Spektrum bei 1800-1867 MHz, sprich von 0-67 MHz über der nVidia-Vorgabe von 1800 MHz, bei der GeForce RTX 2080 Ti liegt das Taktraten-Spektrum dagegen bei 1650-1757 MHz, sprich immerhin 15-122 MHz über der nVidia-Vorgabe von 1635 MHz. Wirklich eindeutig ist dies wie gesagt noch nicht – aber zumindest läßt sich sagen, das beide Karten vermutlich real doch etwas mehr takten (Schätzung: jeweils ca. 50 MHz), als es nVidia eigentlich für seine Founders Edition vorgibt.

GeForce RTX 2080 (Std.) GeForce RTX 2080 (FE) GeForce RTX 2080 Ti (Std.) GeForce RTX 2080 Ti (FE)
Temperatur-Limit 83°C 83°C 84°C 84°C
max. Temp-Limit bis 88°C einstellbar bis 88°C einstellbar bis 88°C einstellbar bis 88°C einstellbar
Power-Limit 215W 225W 250W 260W
max. Power-Limit variabel je nach Karte bis +24% einstellbar (= 280W) variabel je nach Karte bis +23% einstellbar (= 320W)
nominelle Taktraten 1515/1710/3500 MHz 1515/1800/3500 MHz 1350/1545/3500 MHz 1350/1635/3500 MHz
höchster Chiptakt ? 1980 MHz ? 1905 MHz
realer Chiptakt ? CB: Ø 1867 MHz (16 Tests)
LeComp: 1855 MHz (1 Test)
HWCan: 1845 MHz (1 Test)
SweCl: ~1800 MHz (1 Test)
TechSpot: 1815 MHz (1 Test)
Tom's: 1800 MHz (1 Test)
? CB: Ø 1757 MHz (16 Tests)
HWCan: 1680 MHz (1 Test)
SweCl: ~1700 MHz (1 Test)
TechSpot: 1755 MHz (1 Test)
Tom's: 1650 MHz (1 Test)

In der Frage zur Kühlkonstruktion der Turing-Karten bzw. der damit erzeugten Chip-Temperaturen und Lüfter-Lautstärken sowie etwaiger elektronischer Störgeräusche ("Spulenfiepen") sei hiermit besser auf die einzelnen Launchreviews verwiesen, welche selbiges Themengebiet anhand der vorliegenden Testmuster aus erster Hand beurteilen können. Generell wird die (neue) Kühlkonstruktion der Founders Edition von den Hardwaretestern gelobt, ist sicherlich sehr hochwertig und entsprechend leistungsfähig. Ob nVidia damit wirklich die beste Kühlkonstruktion für die RTX-Karten hat, muß sich noch zeigen, wäre aber eher zu bezweifeln – denn sicherlich haben die einzelnen Grafikkartenhersteller in solcherart Fragen eine tiefergehende Expertise als denn der Grafikchip-Entwickler nVidia.

Weitgehend nicht (sinnvoll) testbar waren mit den Launchreviews die Punkte "RayTracing" und "DLSS". Zu beiden Features existieren derzeit nur wenige Demos, aber keine realen Spiele und damit nichts, was größere Betrachtung verdient. RayTracing wird allerdings wie gesagt erst langfristig seine Wirkung entfalten, während die neue Kantenglättung "Deep Learning Super Sample" durchaus demnächst schon zur realen Nutzung gelangen sollte. Allerdings muß sich hierzu erst einmal deren Schlagkraft erweisen – vor allem bezüglich der Optik, denn die (viel) bessere Performance von DLSS steht mittels der hierfür angesetzten niedrigeren internen Renderauflösung außer Frage. Beispielbilder zu DLSS helfen in dieser Frage auch nicht wirklich weiter – hier geht es eher darum zu ergründen, ob das Feature im realen Spieleeinsatz durchgehend zu einer vernünftigen Optik ohne Fehldarstellungen bzw. ohne sichtbar geringer aufgelösten Bildern führt. Dies muß dann Aufgabe zukünftiger Turing-Artikel sein.

Für die Performance-Ermittlung zur den beiden neuen Turing-Karten standen wie bekannt primär nur Benchmarks der jeweiligen Founders-Edition-Ausführungen zur Verfügung – jene dafür aber in überaus reichhaltiger Anzahl. Gegenüber der vorab veröffentlichten Performance-Auswertung gab es noch ein paar kleinere Korrekturen sowie neue Werte zweier Quellen einzuarbeiten, was auch die gebildeten Durchschnitts-Werte (leicht) beeinflußt. Anzumerken wäre, das alle Einzelbenchmarks auf grobe CPU-Limits oder feste Frameraten-Limiter kontrolliert wurden, entsprechende Meßreihen wurden dann nicht zur Durchschnittsbildung zugelassen. Dies trat unter der FullHD-Auflösung gar nicht so selten auf, selbst unter der WQHD-Auflösung noch in (wenigen) Einzelfällen. Mit dieser Maßnahme wurden allerdings nur faktisch gar nicht skalierende Benchmarks ausgeschlossen, nicht jedoch generell eher schlecht skalierende Benchmarks.

FullHD Vega 64 1080 1080 Ti Titan Xp 2080 (FE) 2080 Ti (FE)
Technik Vega 10, 4096 SE @ 2048 Bit, 8 GB HBM2 Pascal GP104, 2560 SE @ 256 Bit, 8 GB GDDR5X Pascal GP102, 3584 SE @ 352 Bit, 11 GB GDDR5X Pascal GP102, 3840 SE @ 384 Bit, 12 GB GDDR5X Turing TU104, 2944 SE @ 256 Bit, 8 GB GDDR6 Turing TU102, 4352 SE @ 352 Bit, 11 GB GDDR6
Adrenaline  (8 Tests) 75,2% 80,1% 100% - 104,3% 120,3%
AnandTech  (8 Tests) 79,9% 82,7% 100% - 108,4% 119,0%
Babel Tech Reviews  (32 Tests) 81,4% 80,0% 100% 106,8% 102,5% 119,4%
Bjorn3D  (7 Tests) - - 100% 106,1% 103,5% 119,2%
ComputerBase  (16 Tests) 79,7% 80,2% 100% - 104,9% 121,3%
Golem  (6 Tests) 78,4% 82,6% 100% - 105,2% 120,1%
Guru3D  (14 Tests) 80,0% 83,0% 100% 106,1% 108,0% 123,7%
Lab501  (10 Tests) - 81,7% 100% - 102,3% 119,7%
Les Numeriques  (9 Tests) 75,5% 88,8% 100% 104,9% 105,6% 110,5%
PCLab  (10 Tests) 73,9% 80,5% 100% - 103,7% 113,7%
PCMag  (12 Tests) 74,7% 83,2% 100% - 100,0% 112,7%
PurePC  (10 Tests) 79,5% 79,1% 100% - 112,0% 129,8%
SweClockers  (11 Tests) 77,6% 80,2% 100% - 104,8% 118,9%
TechPowerUp  (23 Tests) 77,8% 82,7% 100% - 108,6% 123,5%
Tweakers  (9 Tests) 82,6% 80,9% 100% - 106,6% 121,4%
TweakTown  (6 Tests) 83,1% 80,5% 100% 104,7% 112,5% 121,7%
WASD  (7 Tests) 76,7% 82,9% 100% - 104,8% 118,3%
FullHD Perf.-Durchschnitt * 78,6% 81,5% 100% ~105,8% 105,6% 120,1%
Listenpreis 499$ 499$ 699$ 1200$ 799$ (FE) 1199$ (FE)
Straßenpreis 490-600€ 480-530€ 680-750€ 1299€ 849€ (FE) 1259€ (FE)
* leicht gewichtet zugunsten jener Hardwaretests mit größerer Anzahl an Einzel-Benchmarks; insgesamte Benchmark-Anzahl: ~1030