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Hardware- und Nachrichten-Links des 16. März 2020

Aus unserem Forum kommen wertvolle Hinweise zum Thema der (ursprünglichen) Releasetermine zu Zen 3, Navi 2X & Ampere. Jene Hinweise (No.1 & No.2) führen beiderseits zu fernöstlichen Foren, sind also nicht besonders gesichert – aber dennoch das beste an Information, was derzeit vorliegend ist. Zu allen drei Hardware-Releases geht man dabei vom vierten Jahresquartal 2020 aus – dies war bei Zen 3 letztlich gemäß einiger anderer Anzeichen zu erwarten, zu Navi 2X und Ampere aber noch nicht so klar. Eine Quelle gibt sogar explizit den Oktober für Zen 3 und Navi 2X an, gemäß der anderen wartet nVidia (anscheinend bewußt) auf den Release von Navi 2X, um erst danach mit Ampere herauskommen zu können. Dies würde dann auch bedeuten, das nVidia selber Navi 2X als ernstzunehmendes Produkt einordnet – welches man sich lieber zuerst offenbaren läßt, um dann notfalls selber noch einmal einige Stellschrauben bei Taktraten, Power-Limits und Preisen anzuziehen. Corona-bedingt könnten sich jedoch alle diese Terminplanungen doch noch etwas verschieben, denn der Lieferketten-Ausfall in China und nunmehr der Arbeitszeit-Ausfall in der westlichen Welt dürften sich summieren und sind über das restliche Jahr vielleicht nicht mehr vollständig aufzuholen.

Thema derzeitiger Releasetermin Quellenlage & -Sicherheit
Intel Comet Lake Desktop/Mobile Consumer-Prozessoren April bis Juni 2020 belegt mittels Intel-Unterlage
AMD Zen 3 (Vermeer) Desktop Consumer-Prozessoren Q4/2020 gut gesichert über verschiedene Gerüchte & Leaks
AMD Navi 2X Desktop Consumer-Grafikkarten Q4/2020 (unsichere) einzelne Gerüchte
nVidia Ampere Desktop Consumer-Grafikkarten Q4/2020 (unsichere) einzelne Gerüchte
Sony Playstation 5 NextGen-Konsole Nov./Dez. 2020 offiziell verkündet, aber zuletzt nicht mehr bestätigt
Microsoft Xbox Series X NextGen-Konsole Nov./Dez. 2020 offiziell verkündet, zuletzt erneut bestätigt

Gemäß nVidias Haus-eigenem Blog wird nun auch noch die eigentlich geplante Bekanntmachung von nVidias GTC-Ankündigungen mittels Pressemitteilungen und anschließender Analysten-Konferenz gestrichen. Vielmehr teilt das Unternehmen mit, das "jetzt nicht der richtige Zeitpunkt" sei – was man durchaus nachvollziehen kann, denn speziell in Kalifornien ist derzeit genauso Land unter wie in Europa. Neben dem jeweils persönlichen Punkt dürfte für nVidia inzwischen auch noch dazukommen, das derzeit viel Arbeit liegenbleibt und somit eigentliche geplante Terminlagen nur noch schwer zu halten sind – selbst wenn es sich um Hintergrund-Projekte wie neue HPC-Lösungen handelt. Da nVidia sogar explizit betonte, das man "aufregende Dinge zu teilen" hätte, läuft alles weiterhin darauf hinaus, das man mit "Ampere" eine neue Grafikchip-Architektur vorstellen wollte. Deren erste Lösungen dürften logischerweise aus dem HPC-Segment stammen ("GA100"-Chip), aber natürlich wird sich daran irgendwann auch ein "Gaming-Ampere" anschließen. Laut der Tape-Out-Meldung zum "GA102"-Chip könnte man für darauf basierende Enthusiasten-Lösungen von einem Release zum Jahresende 2020 bis Anfang 2021 ausgehen – wobei allerdings eher anzunehmen ist, das nVidia Gaming-Ampere nicht mit jenem GA102-Chip, sondern vielmehr dem "GA104" HighEnd-Chip starten wird.

In der Frage, ob die Xbox Series X mit ihren 16 GB Speicher nun die kommenden NextGen-Grafikkarten um Navi 2X und Ampere bezüglich der Grafikkartenspeicher-Menge unter Druck setzt, so wie es die aktuelle Umfrage thematisiert, gibt es keine eindeutige Antwort. Erst einmal sind jene 16 GB bei der XBSX natürlich "mehr" – andererseits stehen dafür dem Spiel nur maximal 13,5 GB zur Verfügung und muß sich darin dann auch noch die CPU breitmachen. Zudem gilt auch der Punkt, das zur Vorstellung der letzten Konsolen-Generation anno 2013 (mit damals jeweils 8 GB Konsolen-Speicher) selbst die besten Grafikkarten nur 6 GB Speicher trugen (die allererste GeForce GTX Titan), üblich hingegen Speichermengen von 2-3 GB waren. Selbst die seinerzeit nachfolgende Grafikkarten-Generation in Form von nVidias Maxwell kam noch mit üblicherweise 4-6 GB daher, mehr Grafikkartenspeicher als bei PS4 & XBO gab es außerhalb von Titan-Modellen erst mit der GeForce GTX 1080 Ti im Jahr 2017. Und so, wie sich der Verlauf der Grafikkartenspeicher-Mengen bei PC-Grafikkarten im Rahmen der letzten Konsolen-Generation gezeigt hat, erscheint ein sofortiger Anstieg der Speichermengen auf dem PC erst einmal als nicht zwingend.

Jahre Midrange HighEnd Enthusiast
AMD Southern Islands 2012 1/2 GB 2/3 GB -
nVidia Kepler 2012/13 2 GB 2/3 GB 3/6 GB
AMD Volcanic Islands 2013/14 2 GB 3 GB -
nVidia Maxwell 2014/15 2 GB 4 GB 6/12 GB
AMD Pirate Islands 2015 2/4 GB 4/8 GB 4 GB
nVidia Pascal 2016/17 6 GB 8 GB 11/12 GB
AMD Polaris & Vega 2016-19 4/8 GB 8 GB 16 GB
nVidia Turing 2018/19 6 GB 8 GB 11 GB
AMD Navi 1X 2019/20 6/8 GB 8 GB -
Hinweis: übliche Speichermengen, abseits Sonderausführungen wie einer GeForce GTX 680 4GB

Vielmehr zeigt die letzte Konsolen-Generation an, das die entsprechenden PC-Grafikkarten des HighEnd-Bereichs erst zur Mitte des Konsolenzyklus die (nominelle) Speichermenge der Spielekonsolen erreicht haben. Dies würde dann bedeuten, das erst die HighEnd-Grafikkarten des Jahres 2023 mit 16 GB Grafikkartenspeicher anrücken müssten. Als Begründung einer Gegenthese kann man jedoch die schnelle SSD der NextGen-Konsolen anführen: Hiermit wird eine intensive Nutzung des virtuellen Arbeitsspeichers auch für Performance-relevante Daten möglich, ergo kann sich bei cleverer Programmierung die real nutzbare Speichermenge der NextGen-Spielekonsolen deutlich erhöhen. Die nochmalige Gegenthese gibt dann aber zu bedenken, das dies eher Anwendungen zur Mitte und zum Endes des Konsolenzyklus sein dürften, sich am Anfang die Programmierer erst einmal mit den neuen Konsolen vertraut machen und noch nicht jede Feinheit ausnutzen werden. In der Summe zeigt dies weiterhin darauf hin, das 2020er HighEnd-Grafikkarten mit "nur" 8 GB Grafikkartenspeicher gemäß des letzten Konsolenzyklus nicht wirklich ungewöhnlich wären – seinerzeit lag das Verhältnis mit 2-3 GB Grafikkartenspeicher gegenüber 8 GB Konsolenspeicher sogar noch schlechter als heuer.

Ein anderer Punkt, welcher an den Spezifikationen zur Xbox Series X interessant ist, liegt in der SoC-Größe der XBSX von nur 360,45mm² für immerhin eine Achtkern-CPU auf Zen-2-Basis samt Hardware-mäßig gleich 56 Shader-Clustern gemäß RDNA2 an einem 320 Bit GDDR6-Interface. Hinzu kommt noch ein PCI Express 4.0 Interface, welches aber mit seinen 4 Lanes wohl sogar schon alles abdeckt, was nach draußen geht – augenscheinlich inklusive USB etc., ansonsten hätte man der hauptsächlichen NVMe-SSD sogar noch mehr Bandbreite zugestehen können. Unbekannte Größen hierzu sind dann, wieviel Level2- und Level3-Cache die Zen-2-CPU im Fall dieses Custom-SoC trägt (für den PC-Bereich wären 4+32 MB regulär), sowie ob es eventuell noch andere redundant ausgelegte Hardware-Einheiten aus Gründen einer besseren Fertigungsausbeute gibt. Setzt man den CPU-Teil auf vielleicht 60-70mm² Chipfläche an (ein reguläres Zen-2-Chiplet nimmt 75mm² ein), blieben demnach immerhin 290-300mm² für den GPU-Teil, welcher gegenüber dem Navi-10-Chip deutlich mehr Shader-Cluster tragen muß (54 anstatt 40), ein etwas größeres Speicherinterface aufweist (320 anstatt 256 Bit), dafür aber wohl mit einem kleineren PCI Express Interface arbeiten kann (nur 4 anstatt 16 Lanes).

Dies ergibt eine ziemlich effiziente Flächen-Nutzung durch den XBSX-SoC: Nur unter jeweils bestmöglichen Annahmen passt all diese Technik in die angegebenen 360mm² SoC-Fläche. Hinzu kommt, das der N7P-Node von TSMC keinerlei Flächenvorteil gegenüber der regulären 7nm-Fertigung aufweisen soll – was natürlich unter der Voraussetzung steht, das diese Auslegung zum Fertigungsverfahren auch korrekt ist: Die offizielle Microsoft-Angabe zur Chipfertigung des XBSX-SoCs lautet auf "7nm Enhanced" – was nominell auf N7P hindeutet, da jener Node von TSMC auch als "Performance Enhanced" bezeichnet wird, aber eben leider nicht gänzlich eindeutig ist. Unter N7+ mit einer (nominell) 20% besseren Packdichte wäre dies alles einfach zu realisieren, würde aber genauso noch eine gute Leistung darstellen – immerhin müssten +50% Energieeffizienz-Gewinn gegenüber RDNA1 sowie Hardware-RayTracing hierbei auch noch mit untergebracht werden. Dies zeigt letztlich darauf hin, das AMD-Grafikchips der RDNA2-Klasse mit sagen wir 80 Shader-Clustern durchaus noch mit bis zu 450mm² Chipfläche zu realisieren sein sollten – und damit in einem Bereich herauskommen, wo es für AMD durchaus wirtschaftlich sein dürfte und somit die Chance besteht, das AMD innerhalb der Navi-2X-Generation tatsächlich eine derart "dicke" Grafiklösung auflegt.