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Hardware- und Nachrichten-Links des 28. Dezember 2020

In der Frage, wann nVidias nächste Chip-Generation "Lovelace" sowie deren augenscheinlicher AMD-Counterpart in Form der RDNA3-Architektur erscheinen könnten, gibt es vielerorts die Hoffnung auf einen Start noch im Jahr 2021 zu lesen. Dies ist jedoch für beide Chip-Generationen eine der unwahrscheinlichsten Auflösungen überhaupt. Auf nVidia-Seite steht hierbei der Fakt, dass nVidia zuletzt nie weniger als anderthalb Jahre für eine neue Chip-Generation (nicht bezogen auf eine neue Karten-Serie) benötigt hat – was den Ampere-Nachfolger ganz automatisch ins Jahr 2022 drücken würde. Auf AMD-Seite gilt grundsätzlich ähnliches, hierbei gehen die meisten vorfristigen Termin-Nennungen allerdings auf eine höchstwahrscheinlich falsche Auslegung der AMD-eigenen Roadmaps zurück: In diesen ist die Zeitachse zu lesen als Jahresanfang des zuerst genannten Jahres (links eingezeichnet) bis Jahresende des zuletzt genannten Jahres (rechts eingezeichnet). Die aktuelle AMD Grafikchip-Roadmap sagt also aus, dass RDNA3 bzw. Navi 3X bis einschließlich des Jahresendes 2022 erscheinen wird:

Eine genaue Termineingrenzung ergibt sich damit noch nicht, die AMD-Roadmap will an dieser Stelle augenscheinlich bewußt ungenau bleiben. Es ist somit theoretisch jeder Termin zwischen RDNA2-Release und Jahresende 2022 denkbar – aber natürlich würde man die Jahresmarkierung "2022" nicht einzeichnen, wenn jenes Jahr nicht für diese Darstellung benötigt werden würde. Ergo ergibt sich aus der Art der Darstellung ziemlich automatisch, dass RDNA3 irgendwann im Jahr 2022 erscheint. Wie bei nVidias Lovelace-Generation gilt, dass keinerlei bessere Termineingrenzung vorhanden ist, dies somit von Jahresstart bis Herbst passieren könnte – allein Jahresend-Launches sind üblicherweise verpönt (dann setzt man das neue Produkt lieber für den nachfolgenden Januar an). nVidias Lovelace und AMDs RDNA3 werden also nach allem, was sich derzeit absehen läßt, Themen des Jahres 2022 sein. Selbige Einschätzung teilt im übrigen auch Twitterer 'Kopite7kimi', im Fall von "Lovelace" sogar mit überaus klarer Wortwahl: Tweet #1 & Tweet #2. Das kommende Jahr 2021 wird hingegen dem Ausbau der jeweils aktuellen Chip-Generationen von nVidias "Ampere" und AMDs RDNA2 gehören.

AMD nVidia
2020 Start der RDNA2-Generation mit Navi 21 Start der Ampere-Generation mit GA102 & GA104
2021 Ausbau der RDNA2-Generation mit Navi 22, Navi 23 & Navi 24 Ausbau der Ampere-Generation mit GA106 & GA107
2022 mutmaßlicher Start der RDNA3-Generation mutmaßlicher Start der Lovelace-Generation

Twitterer Harukaze5719 bringt einige aus dem chinesischen Chiphell-Forum stammende Benchmark-Werte eines "Rocket Lake" Core i9-11900K unter CPU-Z & Cinebench ans Licht. Im Gegensatz zu den letzten Benchmark-Werten von Rocket-Lake-Samples lief hier bereits ein "Qualifying Sample" (QS), sprich ein Samples, dessen Taktraten normalerweise bereits dem Auslieferungs-Takt entsprechen sollten. Die genau anliegenden Taktraten wurden leider nicht genannt, aber angesichts der Benchmark-Werte lief hier mindestens der Auslieferungs-Takt – wenn nicht vielleicht sogar eine Übertaktung. Denn jener Core i9-11900K würde basierend auf diesen Benchmarks immerhin eine Singlethread-Performnance von +20-25% besser als der Core i9-10900K hinlegen – und dabei auch den Ryzen 7 5800X um 5-7% unter dieser Disziplin überflügeln. Dies ist keineswegs unmöglich, die zugrundeliegende Ice-Lake-Architektur soll für einen hohen IPC-Gewinn bei Rocket Lake sorgen, welcher sich dann insbesondere unter Singlethread-Benchmarks zeigen kann. Aber natürlich müssen sich diese Benchmark-Resultate erst noch bestätigen lassen, durch die fehlenden Angaben zu den benutzten Taktraten bleibt ein gewisser Unsicherheitsfaktor bestehen.

Technik CPU-Z ST CPU-Z MT CB20 ST CB20 MT CB23 ST
Ryzen 7 5800X Zen 3, 8C/16T, 3.8/4.7 GHz 663 6766 Ø 626 Ø 6049 1596
Core i9-11900K "QS" RKL, 8C/16T, Takt unbekannt 710 - 660 - 1700
Core i9-11900K "ES" RKL, 8C/16T, real 4.1/4.5 GHz 597 5686 561 5214 1444
Core i9-11900 "ES" RKL, 8C/16T, real 3.8/4.4 GHz 582 5262 - - -
Core i9-10900K CML, 10C/20T, 3.7/5.3 GHz 588 7159 Ø 534 Ø 6384 -
Core i7-10700K CML, 8C/16T, 3.8/5.1 GHz 571 5747 Ø 518 Ø 4970 ~1300
Quellen: Core i9-11900K "QS" von Harukaze5719 @ Twitter, Core i9-11900K "ES" von Raichu @ Twitter, Core i9-11900 "ES" von HXL @ Twitter, CB23-Vergleichswerte von ComputerBase, CPU-Z-Vergleichswerte von Guru3D, CB20-Vergleichswerte sind der Schnitt der Benchmarks von ComputerBase, Guru3D, TechSpot & Tweakers

Ein weiteres aktuelles Benchmark-Ergebnis zum "Rocket Lake" Core i7-11700K wurde von Twitterer Apisak in der Geekbench-Datenbank erspäht. Der Prozessor wird dort direkt mit seinem Verkaufsnamen und augenscheinlich passendem Base-Takt von 3.6 GHz genannt, die Praxis-Taktraten erreichten bis zu 4987 MHz. Damit dürfte es sich um eine Verkaufsversion auf Auslieferungs-Taktraten handeln, womit jenem Benchmark-Ergebnis durchaus Gewicht beigemessen werden kann (soweit dies beim teilweise zu stark auf Sub-Tests reagierenden Geekbench überhaupt möglich ist). Hierbei zeigt sich wieder ein (sehr) kräftiger Sprung von +34% beim Singlethread-Wert gegenüber einem Core i7-10700K, selbst gegenüber einem Ryzen 7 5800X sind dies +9% Singlethread-Mehrleistung. Unter Multithread geht der Vorteil naturgemäß zurück, da hierbei auch die Energieeffizienz wichtiger wird und die Rocket-Lake-Generation in dieser Frage (aufgrund der 14nm-Fertigung) keine Wunder bieten kann. Gegenüber dem Comet-Lake-Vorgänger sind es immerhin noch +19% Multithread-Mehrperformance, gegenüber dem Ryzen 7 5800X allerdings nur noch +3%.

Technik GB5 SC GB5 MC Quelle
Ryzen 7 5800X AMD Zen 3, 8C/16T, 3.8/4.7 GHz 1663 10358 offizieller Geekbench-Wert
Core i7-11700K Intel RKL, 8C/16T, 3.6/5.0 GHz 1807 10673 Apisak @ Twitter
Core i7-10700K Intel CML, 8C/16T, 3.8/5.1 GHz 1349 8977 offizieller Geekbench-Wert

Trotzdem zeigt sich auch anhand dieses Benchmarks, dass mittels "Rocket Lake" vermutlich durchaus konkurrenzfähige Intel-Prozessoren anstehen, welche im Singlethread-Feld glänzen und hier und da unter Multithread-Benchmarks auch mal Siege (mit kleineren Differenzen) einfahren können. Natürlich müssen nicht alle Benchmarks so gut wie der hier gezeigte Geekbench ausfallen, selbiger Benchmark läßt sich über manche Einzeltests (Crypto) oder auch CPU-Features (AVX512) zu einfach beeinflussen. Das Ergebnis speziell gegenüber Zen 3 könnte also in der Realität größerer Benchmark-Felder noch beachtbar anders ausfallen, möglicherweise viel näher einem Nahezu-Gleichstand als denn einem Intel-Sieg. Aber gegenüber den bisherigen Intel-Prozessoren scheint "Rocket Lake" nun ziemlich sicher einen größeren Sprung hinzulegen – womit das aufgeholt wird, was AMD mittels Zen 3 bereits vorgelegt hatte. Zum ganz großen Sieg dürfte Intel so oder so das herausragende Spitzenprodukt fehlen (wie bei AMD der Ryzen 9 5900X), da das Rocket-Lake-Portfolio wie bekannt bei maximal 8 CPU-Kernen aufhört.