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News des 14. Januar 2022

VideoCardz notieren fernöstliche Gerüchte über "Renoir-X", welchen AMD angeblich in Vorbereitung hat. Dahinter verbergen sich Desktop-APUs mit Zen2/Vega-Unterbau mit allerdings (komplett) deaktivierter Grafikeinheit. Die gemeldeten Taktraten und Cache-Größen entsprechen dabei weitgehend der (nur für OEMs verfügbaren) Ryzen 4000G Serie – womit die deaktivierte iGPU augenscheinlich den primären Unterschied darstellt. Unklar ist, wieso AMD so spät noch mit diesen Prozessoren-Modellen daherkommt: Da jene auch aus der 7nm-Fertigung kommen, erreicht man damit keine bessere Liefersituation im Einsteiger-Segment – dorthin könnte man auch einfach mehr Cezanne-APUs schicken. Denkbar daher, dass hier nur Restbestände verklappt werden, welche zu große Fertigungsfehler im Grafik-Teil enthalten und ansonsten eher auf der Halde gelandet wären.

Pro-Modell Kerne Takt L2+L3 iGPU Release
Ryzen 7 4700G Ryzen 7 Pro 4750G 8C/16T 3.6/4.4 GHz 4+8 MB Vega 8 @ ≤2.1 GHz 21. Juli 2020
Ryzen 7 4700 - 8C/16T 3.6/4.4 GHz 4+8 MB deaktiviert vrmtl. Q1/2022
Ryzen 5 4600G Ryzen 5 Pro 4650G 6C/12T 3.7/4.2 GHz 3+8 MB Vega 7 @ ≤1.9 GHz 21. Juli 2020
Ryzen 5 4600 - 6C/12T 3.6/4.1 GHz 3+8 MB deaktiviert vrmtl. Q1/2022
Ryzen 3 4300G Ryzen 3 Pro 4350G 4C/8T 3.8/4.0 GHz 2+4 MB Vega 6 @ ≤1.7 GHz 21. Juli 2020
Ryzen 3 4300 - 4C/8T 3.8/4.0 GHz 2+4 MB deaktiviert vrmtl. Q1/2022
Anmerkung: Angaben zu noch nicht vorgestellter Hardware basieren auf Gerüchten & Annahmen

Trifft diese These zu, dürfte es sich aber auch nicht um wirklich große Liefermengen handeln – sprich, AMD löst damit weiterhin nicht sein Problem, im Einsteiger- und Mainstream-Bereich derzeit keine griffigen CPU-Angebote zu haben. Jenes Problem existiert schon seit einiger Zeit, wird nun aber mit dem Marktstart der non-K-Modelle von Alder Lake um so offensichtlicher. Ob Zen-2-basierte Prozessoren ohne integrierte Grafik hieran überhaupt etwas ändern können, wäre sowieso zu bezweifeln – jene müssten Alder Lake dann preislich massiv unterbieten, was nicht im Ansinnen von AMD liegen kann. Daher gewinnt die These von der Verklappung von Renoir-Restbeständen nochmals hinzu, denn natürlich macht es für AMD Sinn, derzeit alles rauszuwerfen, was man noch irgendwie verkaufsfertig bekommen kann – in diesem Fall sogar egal des Abgabepreises. Nur eine gutklassige wie dauerhafte Konkurrenz zu Alder Lake non-K braucht man von "Renoir-X" wohl eher nicht erwarten.

nVidias Finanz-Chefin hat im Analysten-Gespräch Hoffnung auf eine verbesserte Liefersituation bei nVidia-Grafikkarten gemacht – für das zweite Halbjahr 2022. Die ganz große "Befreiungsschlag"-Antwort ist dies sicherlich nicht, aber die Finanz-Chefin war bisher eher zurückhaltend mit genaueren Terminangaben, insofern wird dies weithin als positives Signal gewertet. In die Terminangabe fällt natürlich der Start der "GeForce RTX 40" Grafikkarten-Serie mit Lovelace-Architektur hinein, welche aus der 5nm-Fertigung von TSMC kommt und damit nicht mehr an den augenscheinlich limitierten Möglichkeiten von Samsungs 8nm-Chipfertigung für die aktuelle GeForce RTX 30 Serie hängt. Um seine Lieferkapazität mittels der GeForce RTX 40 Serie deutlich zu steigern, muß nVidia allerdings auch richtig dick 5nm-Kapazitäten bei TSMC vorbestellt haben.

And we feel better about our supply situation as we move into the second half of the calendar year '22.
Quelle:  nVidias CFO Colette Kress im Analysten-Gespräch am 10. Januar 2021, aufgeschrieben von Seeking Alpha

Und selbst wenn dem so wäre, könnte es sinnvoll sein, die GeForce RTX 30 Serie temporär weiterlaufen zu lassen – um den enormen Bedarfsberg abzubauen, welchen der Grafikkarten-Markt derzeit vor sich her schiebt. Passiert dies nicht, dann wird nVidia zwar weiterhin richtig viel liefern, hat im Idealfall womöglich keine Probleme mit Ethereum-Mining mehr (weil irgendwann der PoS bei ETH greifen sollte) – und kommt trotzdem nicht von den hohen Grafikkarten-Preisen herunter. Dafür reicht es eben nicht aus, einfach nur mehr zu liefern – dafür muß man den Bedarfsberg regelrecht abbauen, sprich diese enormen Mengen nachliefern, welche man in den letzten fünf Quartalen nicht liefern konnte. Insofern war leider auch die Fragestellung des Analysten schon leicht am eigentlichen Thema vorbei: Relevant ist nicht, wieviel nVidia ausliefert – sondern wann der Grafikkarten-Markt auf normale Preislagen zurückfindet.

Die Liste der IT-Messen & -Konferenzen 2022 im Artikel zur Hardware-Vorschau 2022 hat noch ein kleines Update erhalten, welches zwei weitere IT-Conferenzen hinzufügt: Die SuperComputer Conference (SC22) zum Jahresende sowie die International Solid-State Circuits Conference (ISSCC) im kommenden Februar. Beide gehören nicht zur Kategorie der wichtigsten IT-Konferenzen, aber zumindest die anstehende ISSCC wird eine gewisse Bedeutung erlangen durch die technologische Vorstellung von AMDs 3D V-Cache – wie Hans de Fries @ Twitter anhand des Konferenz-Programms bemerkt hat. Das Messe-Programm 2022 enthält daneben eine erstaunlich große Anzahl an Veranstaltung, welche tatsächlich als reales Event und nicht nur rein digital stattfinden sollen. Sofern sich dies nicht alles noch im Laufe des Jahres wieder ändert, würde dies einen beachtbaren bis eventuell sogar großen Schritt zurück zu (halbwegs) der Normalität ergeben.

IT-Messen & -Konferenzen 2022 real/digital Themen
4.-7. Januar Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hybride Messe AMD  —  Intel  —  nVidia
20.-28. Februar International Solid-State Circuits Conference (ISSCC) in San Francisco rein digital technische Vorstellung von 3D V-Cache
28. Febr. – 3. März Mobile World Congress (MWC) in Barcelona reale Messe
21.-24. März GPU Technology Conference (GTC) in San Jose hybride Messe möglicherweise "Hopper"-Vorstellung
21.-25. März Game Developers Conference (GDC) in San Francisco reale Messe
24.-27. Mai Computex in Taipei reale Messe
Juni Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles rein digital
8.-11. August SIGGRAPH in Vancouver hybride Messe
August Hot Chips (HC34) in Stanford reale Messe
24.-28. August Gamescom in Köln reale Messe möglw. Teaser zu Zen 4, RDNA3 & Lovelace
2.-6. September Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin reale Messe
13.-18. November SuperComputer Conference (SC22) in Dallas reale Messe