
Die Hardware-Vorstellungen der "großen Drei" auf der CES 2026 waren leider nicht wirklich erfüllend, da wurde doch einiges nicht erwähnt, was man vorab erwarten konnte. Auch gab es zu 7-8 Hardware-Projekten am Ende nur einen einzigen genauen Termin – und dies dann ausgerechnet für eine Serie an Mobile-Prozessoren, welche ansonsten sowieso eher fliessend in den Markt kommt. Dies ist schon sehr erstaunlich, denn eigentlich handelt es sich bei allen fehlenden Terminangaben und nicht erwähnten Hardware-Projekten um Hardware des ersten Halbjahrs 2026, welche somit zur nächsten großen Messe in Form der Computex 2026 (2.-5. Juni) bereits im Markt stehen sollte. Man kann an dieser Stelle durchaus darüber spekulieren, dass AMD, Intel & nVidia intern bereits das wirkliche Ausmaß der laufenden Speicherkrise sehen und nunmehr darüber in Zweifel sind, wie man in diesem Marktumfeld noch neue Hardware herausbringen kann. Andererseits gilt auch, dass gerade die Hardware-Projekte des ersten Halbjahrs 2026 ihre Vorbereitungszeit bereits hinter sich haben, in gewissem Sinn spruchreif sind – und es in diesem Status kaum noch lohnt, irgendetwas weit zu verzögern oder gar zu streichen.
| Vorstellung | Modell-Daten | Marktstart | |
|---|---|---|---|
| Intel Panther Lake | 9. Oktober 2025 | mit der CES 2026 | 27. Januar 2026 |
| Intel Arrow Lake Refresh | ausstehend | derzeit nur per Gerüchteküche | erstes Quartal 2026 (?) |
| Intel Arc B700 Serie | ausstehend | derzeit nur per Gerüchteküche | erstes Quartal 2026 (?) |
| AMD Ryzen 7 9850X3D | 5. Januar 2026 | (unvollständig) mit der CES 2026 | erstes Quartal 2026 |
| AMD Ryzen 9 9950X3D2 | ausstehend | derzeit nur per Gerüchteküche | erstes Halbjahr 2026 (?) |
| AMD Ryzen 9000G | ausstehend | bislang noch gar nichts konkretes | zweites Quartal 2026 |
| AMD Gorgon Point | 5. Januar 2026 | mit der CES 2026 | erstes Quartal 2026 |
| AMD Ryzen AI Max+ 388 & 392 | 5. Januar 2026 | mit der CES 2026 | erstes Quartal 2026 |
Als erster Nachzügler zu den CES-Ausführungen von AMD kann die ComputerBase noch wenigstens über einen AMD-Teaser zum Ryzen 9 9950X3D2 berichten. So gab es im Pressebereich das Foto eines Dual-X3D-Prozessors und zugleich hat AMD auf Journalistennachfrage speziell zum Ryzen 9 9950X3D2 wenigstens ein "Stay tuned!" von sich gegeben. Während das Foto am Ende auch dies eines Server-Prozessors (mit 3D V-Cache) sein könnte, ist die AMD-Aussage dann doch ziemlich eindeutig und bestätigt zumindest die Existenz dieses neuen X3D-Modells mit 128 MB 3D V-Cache, respektive je einem Cache-Chiplet auf beiden CCDs. Denkbarerweise ist AMD mit den Vorbereitungen zu diesem Prozessor noch nicht ausreichend weit genug gewesen, um jenen mit in die CES-Show aufzunehmen. Auch möglich ist natürlich, dass der Performance-Effekt dieses zweiten Cache-Chiplets derart beschränkt ist, dass sich dies nicht zu präsentieren lohnt. Ironischerweise dürfte der Ryzen 9 9950X3D2 als klares Halo-Produkt aber dennoch seine Käufer finden.
Als zweiten Nachzügler hat wiederum die ComputerBase AMD eine gewisse Terminangabe (und damit auch Projekt-Bestätigung) zu "Ryzen 9000G" entlocken können, den Strix-Point-basierten APUs für den Sockel AM5. Jene sollen im zweiten Quartal 2026 erscheinen, hier erarbeitet AMD zusammen mit Microsoft in der Tat noch den letzten Feinschliff zugunsten der Nutzbarkeit von Copilot mit diesen neuen Desktop-APUs. Die ComputerBase geht zudem anhand von AMDs Präsentationsbildes zur "Ryzen AI 400" Serie davon aus, dass auch Ryzen 9000G letztlich diesen Verkaufsnamen benutzen wird – da AMD in selbigen von Mobile- und auch Desktop-Prozessoren unter diesem Serien-Namen spricht. Denkbarerweise wird Ryzen 9000G somit am Ende noch in "Ryzen AI 400G" umbenannt. Dies macht es zudem einmal mehr wahrscheinlich, dass AMD dann auch bei Zen 6 die vierstelligen Nummern komplett hinter sich läßt (welche mit "Ryzen 9000" sowie erschöpft sind) und auch die kommenden "wirklichen" Desktop-Prozessoren mit in das neue Namensschema von "Ryzen AI" gefolgt von einer dreistelligen Nummer einordnet.
nVidia einzige CES-Vorstellung (auf Consumer-Seite) ist DLSS 4.5 (für alle nVidia-Karten ab der RTX20-Serie), welches mit der neuen Treiber-Version 591.74 auch direkt in den Markt entlassen wird. Hiermit will nVidia mittels mehr Training und Konzentration auf die gefundenen Schwachstellen jene weiter minimiert haben. Ob sich da ein so deutlicher Unterschied wie zwischen DLSS3 und DLSS4 ergibt, müssen entsprechende Tests noch aufzeigen. Daneben gibt es zwei neue Features im Bereich der Framegenerierung: Zum einen MFGx6 für alle RTX50-Grafikkarten, womit es also nicht mehr bis zu 3, sondern bis zu 5 generierte Zwischenbilder gibt – und somit die nahezu sechsfache Framerate. Ob sich dafür tatsächlich praktische Anwendungsfälle finden lassen, wird man sehen müssen (denn an der Empfehlung, (M)FG erst ab einer nativen Framerate von 60 fps einzusetzen, ändert sich damit nichts). Und zum anderen eine dynamische Framegenerierung ebenfalls wieder für RTX50-Grafikkarten, wo also der Framegenerierungs-Faktor dynamisch zwischen MFGx2 und MFGx6 anhand einer vorgegebenen Zielframerate verändert wird. Der Nutzwert speziell jenes Features dürfte jedoch eher gering sein, da MFG eigentlich keine Performance kostet und somit der übliche Energieeffizienz-Vorteil einer Frameratenbegrenzung wegfällt.
WCCF Tech bringen Aussagen nVidias, wieso man dort von der Speicherkrise nicht betroffen sein soll, getätigt gegenüber Börsenanalysten im Rahmen einer entsprechenden Gesprächsrunde auf der CES. Allerdings haben sich die Analysten dabei mit einer ziemlich schwammigen Antwort von nVidia zufriedengeben müssen, denn wirklich handfeste Dinge hatte nVidia hierbei nicht vorzubringen. Dass man als "einziges" Halbleiterunternehmen DRAM direkt bei den Speicherchip-Herstellern kauft, klappt sicherlich auch nur mit Augenzudrücken, bei DRAM-Abwandlungen wie GDDR und HBM sind viele andere Chipentwickler bekannterweise auch Direktkunden der Speicherindustrie. Primär besteht nVidias Position aus einfach der Aussage "wir sind supergroß, uns kann nichts etwas anhaben". Dies kann zur Analysten-Beruhigung ausreichend sein, eventuell existiert dort auch zu wenig technischer Sachverstand, um den Analysten gegenüber eine tatsächlich sinnige Erklärung anzubringen. Denn letztlich ist nVidia (mit seiner HPC/AI-Sparte) in einem Geschäft unterwegs, was jederzeit die Möglichkeit hat, erhöhte und auch übertriebene Speicherpreise mitzugehen bzw. im eigentlichen für selbige auch direkt verantwortlich ist.
The reason we are advantaged is that we were already at massive scale and growing very rapidly from that large base, so we prepared for this kind of major ramp-up with partners well in advance. We invested heavily in partners, much of it in the form of prepayments, enabling them to expand capacity. Thanks to long-standing relationships, we believe we are in a strong position.
We are essentially the only semiconductor company in the world that directly purchases DRAM at global scale. People ask, "Why buy DRAM?" The reason is simple: transforming that DRAM into CoWoS supercomputers is extraordinarily difficult. Properly connecting that supply chain like "plumbing" is a major advantage for us. In tight situations like now, having this capability is also fortunate.
Quelle: nVidia gegenüber Börsenanalysten auf die Frage zur Speicherkrise in einer CES-Gesprächsrunde am 6. Januar 2026, wiedergegeben WCCF Tech
Daher muß die HPC/AI-Anbieter die Speicherkrise auch nicht schrecken, gerade angesichts der hohen Abgabepreise und Gewinnspannen bei nVidias HPC/AI-Beschleunigern gehen überhöhte Speicherpreise in deren Kalkulation vermutlich fast unter. Zugleich dürfte auch nVidias inzwischen enge Verbindung mit OpenAI (hat 40% der weltweiten DRAM-Fertigung für 2026 ff. gebucht) dafür sorgen, dass nVidia immer Zugriff auf das an Speicherchip-Kontingenten haben wird, was nVidia benötigt. Wenn man derjenige ist, der faktisch die Speicherkrise miterschaffen hat, dann läßt sich diese immer am einfachsten aushalten. Keine Antwort dürfte aber auch nVidia im Feld der GDDR-Speicher für Grafikkarten und auch von Consumer-DDR5 für PCs & Notebooks haben – ohne welche auch weniger Grafikkarten gekauft werden. Dort gehen die aktuellen und vielleicht noch kommenden Preissteigerungen an die Substanz bzw. dimmen perspektivisch das Endkunden-Geschäft herunter. Daran kann dann auch nVidia überhaupt nichts ändern, denn der mitverursachte Überbedarf im HPC/AI-Feld läßt sich am Ende nur über "Bedarfskürzungen" in anderen Bereichen realisieren – in diesem Fall den kompletten Markt an Consumer-Hardware für das Jahr 2026 betreffend. Da dies für nVidia die (deutlich) kleinere Geschäftssparte ist, geht die Rechnung speziell für nVidia auf – für den Rest der PC-Branche aber dann eben kaum.