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Erster Test eines realen Tiger-Lake-Notebooks zeigt deutlich niedrigere Performance-Werte

Der erste Test eines realen Tiger-Lake-Notebooks bei Notebookcheck zeigt deutliche Abweichungen von dem, was Intel selber bei der Tiger-Lake-Vorstellung propagandierte bzw. was sich mit den semi-unabhängigen Launchreviews ergab. Dabei lief das getestete "Asus ZenBook 14 UX425E" nur mit Power-Limits von PL1=25W und PL2=42W, ergo deutlich unterhalb des Intel-Maximums, allerdings für ein Ultrabook in einem durchaus normalhohen Rahmen. Dass unter Stresstests der PL1-Wert im Minimum weiter auf 17,5 Watt herunterging, zeigt zudem an, dass das konkret benutzte Asus-Notebook nur bis zu einem gewissen Grad thermisch belastbar ist – was aber auch wieder innerhalb der Ultrabook-Klasse recht normal ist. Völlig logisch, dass sich damit die Performance des Intel Demo-Geräts nicht erreichen lassen konnte: Die 1728 Multithread-Punkte im Cinebench R20 des benutzten Core i7-1165G7 liegen genau dort zwischen einem Core i7-1185G7 auf 15W PL1 (1557 Punkte) und 28W PL1 (2516 Punkte) – wobei die Wertehöhe anzeigt, dass im realen Asus-Gerät schon Temperatur-geregelt gedrosselt wird.

CB20 ST CB20 MT Werte-Quelle
Core i7-1185G7 @ 28W 600 2516 Intel Demo-Gerät, keine Temperatur-Probleme @ ComputerBase
Core i7-1165G7 @ 25W 543 1728 reales Asus ZenBook, augenscheinlich Temperatur-Probleme unter Last (PL1 Minimum 17,5W) @ Notebookcheck
Core i7-1185G7 @ 15W 455 1557 Intel Demo-Gerät, keine Temperatur-Probleme @ ComputerBase
Anmerkung: Core i7-1165G7 & Core i7-1185G7 = beides Tiger Lake 4C/8T, nur minimale Taktraten-Differenzen

Zur Ehrenrettung des Asus-Notebooks bzw. von Tiger Lake sei gesagt, dass die erreichte Performance-Höhe bei der Multithread-Performance für einen Vierkerner absolut üblich aussieht und die SingleThread-Performance trotz des klaren Abschlags gegenüber Intels Demo-Gerät natürlich absolute Spitze ist – kein Mobile-Prozessor schaffte bisher mehr als 500 Punkte, selbst nicht die taktschnelleren Modelle des H-Bereichs. Die grundsätzliche Eigenschaft von Tiger Lake einer besonders hohen SingleCore-Performance, was sich teilweise in einem flüssigerem Arbeitsgefühl bei Alltagsaufgaben äußern kann, bleibt also erhalten – wenngleich nicht so drastisch ausgeprägt, wie es nach den Launchreviews anzunehmen war. Die anderen CPU-Benchmarks sehen dann sehr ähnlich aus: Das reale Tiger-Lake-Notebook kann sich kaum von der Ice-Lake-Performance absetzen – klar ist Tiger Lake besser, aber die im Mittel von 9 CPU-Benchmarks erreichten +8% gegenüber einem Core i7-1065G7 entsprechen nun kaum dem, was man sich vom Sprung von Ice Lake auf Tiger Lake erhofft hatte.

Die Spiele-Tests ergeben leider eine weitere Klatsche für Tiger Lake – und dies in einer Disziplin, wo man dachte, Intel hätte nun gar die klare Performance-Führerschaft übernommen. Doch auch hier sieht der Quervergleich zu den Launchreviews schlecht aus: Während sich dort die Iris Xe Graphics G7 iGPU immerhin um +20% vor einer Radeon RX Vega 8 positionieren konnte, fällt die neue Intel-iGPU nun plötzlich auf ein Performance-Niveau unterhalb der AMD-iGPU und sogar leicht unterhab von Intels Vorgänger-Grafik aus der Ice-Lake-Generation zurück. Jenes Ergebnis wird durch einen besonders schlechten Benchmark-Wert unter GTA V provoziert – aber auch unter den anderen Spiele-Tests reicht es für die Tiger-Lake-iGPU nirgendwo zu einer höheren Performance gegenüber der Ice-Lake-iGPU. Dass dann hingegen die 3DMark-Werte wiederum Tiger Lake klar vor Ice Lake und AMD sehen, ist sogar eher negativ zu bewerten: Dies bedeutet, dass in diesem Fall die 3DMarks faktisch "Schmarrn" anzeigen bzw. ein gegenüber der real erreichten Spiele-Performance klar verfälschendes Bild abgeben.

Technik Launchreview TimeSpy Spiele-Tests
Wertequelle - 4 Spiele-Tests mit Intels Demo-Gerät TimeSpy (GPU) bzw. 5 Spiele-Tests mit realem Asus ZenBook
Intel Demo-Gerät Core i7-1185G7 @ 28W, Xe-Grafik @ 96 EU 119% - -
Iris Xe Graphics G7 Core i7-1165G7 @ 25W, Xe-Grafik @ 96 EU - 119% 91%
Iris Plus Graphics G7 Core i7-1065G7, ICL-Grafik @ 64 EU 53% 67% 96%
Radeon RX Vega 8 Ryzen 7 4800U, Renoir-Grafik @ 512 SP 100% 100% 100%
GeForce MX250 Core i7-1065G7, Pascal-Grafik @ 384 SP 146% 113% 146%

Da Notebookcheck hierbei wenigstens 5 Spiele-Tests eingesetzt hat, kann man das erzielte Performance-Bild auch nicht an einzelnen Ausreißern festmachen. Allerdings berichtete man auch von oftmals gravierenden Kombatibilitäts-Problemen unter 6 weiteren Spiele-Titeln. Für insgesamt 11 erwähnte Spiele-Titel ist dies eine beachtbar schlechte Ausbeute, wenn zwei davon zu Abstürzen neigen, eines gar nicht startet und ein weiteres für die ersten 5 Minuten mit einstelligen Frameraten unspielbar ist. Dies kommt zudem unerwartet, denn frühere Intel-iGPUs laufen unter den benutzten Spiele-Titeln und eigentlich wollte Intel nunmehr (viel) mehr in seine Treiber-Arbeit investieren. Die schlechte Spiele-Performance sowie die nochmals schlechtere Spiele-Kompatibilität deuten auf ein erhebliches Problem in den Grafik-Treibern für Tiger Lake hin – etwas, welches Intel allerdings im Vorfeld hätte beheben müssen und nun nicht erst beim Endkunden reifen darf. Es geht hierbei schließlich nicht um eine kleine Performance-Lücke oder sporadische Kompatibilität-Probleme – sondern um den Punkt, dass die Tiger-Lake-iGPU im Ist-Zustand weder so schnell noch so Spiele-kompatibel wie die Ice-Lake-iGPU ist.

In der Summe der Dinge können bei diesem ersten Test eines realen Tiger-Lake-Notebooks weder CPU- noch iGPU-Part überzeugen. Dabei basiert dieses erste Tiger-Lake-Notebook auf einem bewährten Ultrabook-Design seitens Asus, sind gewisse Fehlerquellen also schon vorab minimiert. Und somit wird Intels Tiger Lake bei der CPU-Performance eindeutig auf den Boden der Realität heruntergeholt, welche speziell im Ultrabook-Einsatz mit seinen üblicherweise niedrigen TDPs (und dafür sind die von Asus gewählten 25 Watt sogar schon recht hoch) eben keinesfalls einen wirklich großen Performance-Unterschied zu Ice Lake sehen. Bei der iGPU-Performance dürften eher Treiber-Probleme für das derzeit gezeigte Bild veranwortlich sein, sprich da sind wohl noch (erhebliche) Verbesserungen möglich. Andererseits ist gerade die hohe Differenz zwischen derzeitiger Realität und eventuellem Potential nicht wirklich gut für ein schon Mitte Oktober in den Handel gehendes Gerät: Denn so viel wird sich kaum mit einem einzelnen neuen Treiber aufholen lassen, gerade in Bezug auf die Stabilitäts-Probleme.

Insofern kann man bezüglich Tiger-Lake-Notebooks derzeit ganz klar in Abwarte-Haltung gehen: Augenscheinlich ist das ganze für die Praxis noch ziemlich unausgereift, zudem ist die Performance noch überhaupt nicht da, wo sie gemäß Intels Versprechungen und den Launchreviews auf Basis von Intels Demo-Gerät sein sollte. Andere Notebook-Designs haben natürlich die Chance, besseres zu bieten – die (erheblichen) Kompatibilitäts-Probleme unter Spielen kann allerdings nur Intel selber lösen. Da auch Tiger Lake (wie zuletzt alle neuen Notebook-Prozessoren) eher behäbig in den Markt trottet, sollte man der Sache einfach noch Zeit zum reifen geben und und vielleicht zum Jahreswechsel sich die dann verfügbaren Geräte ansehen. Doch selbst bei gutem Gelingen deutet sich an, dass Tiger Lake in der Praxis weit weniger schlagkräftig ist als seitens Intel propagandiert: Wahrscheinlich werden auch ausgreifte Geräte bei der CPU-Performance nur maßvoll auf Ice Lake oben drauf legen und bei der iGPU-Performance die derzeit verfügbaren AMD-iGPUs ebenfalls nur maßvoll überbieten. Tiger Lake ist nach allem, was sich zwischen den Zeilen bei diesen Benchmarks ergeben hat, weit davon entfernt, den großen Performance-Sprung zu bieten – selbigen konnte man nur in Intels Demo-Gerät mit hochgeschraubter TDP und bestmöglicher Kühlung simulieren.