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Intels "Rocket Lake" kommt 2021 mit neuer Prozessoren-Architektur, Xe-Grafik und PCI Express 4.0

Videocardz geben ein (augenscheinlich von Intel stammendes) Plattform-Blockdiagramm zu Intels "Rocket Lake" zum besten, welche viele der bisherigen Annahmen & Gerüchte zu dieser "Comet Lake" nachfolgenden Prozessoren-Generation bestätigt. So wird endlich klar ausgesprochen, das Rocket Lake CPU-seitig auf einer neuen Core-Architektur basiert, GPU-seitig eine Xe-basierte Grafiklösung gemäß Intels 12. Grafik-Generation geboten wird und die Rocket-Lake-CPU letztendlich über ein PCI Express 4.0 Interface mit 20 Lanes zur Kommunikation mit den Grafikkarten sowie der ersten NVMe-SSD ausgerüstet erscheint. Dabei wird die "neue Core-Architektur" von Intels Plattform-Blockdiagramm nicht genauer ausgeführt, doch aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich hierbei um die auch bei der Tiger-Lake-Generation verbauten "Willow Cove" CPU-Kerne, viele andere Möglichkeiten existieren gemäß Intels gültiger Kern-Roadmap schließlich nicht.

Auf genau diese CPU- und iGPU-Konfiguration zeigten schon Gerüchte vom letzten Dezember, gemäß der dort ausgebreiteten technischen Daten wurde eine Tiger-Lake-Verwandschaft von Rocket Lake bereits (überaus) deutlich nahegelegt. Mittels des neuen Plattform-Blockdiagramms bestätigt sich nunmehr, das Rocket Lake letztlich eine 14nm-Auskopplung aus der Tiger-Lake-Architektur darstellt – in gewissem Sinne ein "Desktop-Tiger-Lake", nur eben unter der 14nm-Fertigung. Jener Fertigungs-Downgrade erstaunt wohl am meisten, gibt Intel hiermit doch unumwunden zu, das selbst bei den Intel-Prozessoren des Jahres 2021 (!) unter Desktop-Bedingungen die 14nm-Fertigung immer noch schlagkäftiger als die dann immerhin schon im vierten Jahr laufende 10nm-Fertigung ist (gestartet anno 2018 mit "Cannon Lake"). Inwiefern die iGPU eventuell extra (unter der 10nm-Fertigung) hergestellt wird, wie ältere Intel-Roadmaps teilweise nahelegen, gibt es derzeit keine neue Information.

Die Weiterbenutzung der 14nm-Fertigung mag die Probleme von Intels 10nm-Fertigung im Bereich von hochtaktenden Desktop-Prozessoren übertünchen, allerdings limitiert dies augenscheinlich auch die Anzahl der möglichen CPU-Kerne bei dieser wie gesagt im Jahr 2021 zu erwartenden Prozessoren-Generation. Dann, wenn AMD schon längst "Zen 3" ausgebreitet haben wird und das Augenmerk schon langsam auf "Zen 4" mit dann vielleicht wiederum steigender Kern-Anzahl geht, will Intel weiterhin mit nur 8 CPU-Kernen anrücken – was dann sogar einen Rückschritt gegenüber der Vorgänger-Generation "Comet Lake" (bis zu 10 CPU-Kerne) darstellt. Sicherlich dürften die CPU-Kerne von "Willow Cove" deutlich leistungsfähiger als die bisher Skylake-basierten CPU-Kerne von Intel sein, aber dennoch sieht es optisch nun einmal nach einem Rückschritt aus. Selbst dass 8 CPU-Kerne eine eigentlich sehr anständige Größe für die meisten PC-Aufgaben darstellen, dürfte angesichts des AMD-Angebots im Jahr 2021 langsam nicht mehr als Gegenargumentation ziehen. Aber augenscheinlich bekommt Intel mehr CPU-Kerne von "Willow Cove" unter Desktop-Bedingungen einfach nicht im Power-Budget unter, wenn man unter der 14nm-Fertigung antritt.

    Intel "Rocket Lake"

  • 14nm-Fertigung von Intel (14+++)
  • max. 8 CPU-Kerne (mit HyperThreading) basierend auf den "Willow Cove" CPU-Kernen
  • iGPU mit max. 32 EU basierend auf der Xe-Architektur (Gen. 12)
  • CPU-seitiges PCI Express 4.0 mit 20 Lanes
  • 2-Kanal DDR4-Speicherinterface für DDR4/2933
  • x8 DMI 3.0 zur Chipsatz-Anbindung
  • Sockel LGA1200
  • gedacht für Intels 500er Chipsatz-Serie
  • (im Chipsatz) integriertes USB 3.2 & Thunderbolt 3
  • Release irgendwann im Jahr 2021 für das Desktop-Segment

Technologisch ist es sicherlich hochinteressant, was Intel da aufbietet: Die allerneuesten Willow-Cove-Kerne (erstmals Cove-Kerne im Desktop), brandneue Xe-Grafik und PCI Express 4.0 oben drauf. Aber für das Jahr 2021 sieht es dennoch etwas nach einem Hinterherhecheln gegenüber AMDs Kern-Offensive aus. Wenn alles optimal passt, kann Intel eventuell seinen mittels der Cove-Kerne erworbenen IPC-Vorsprung gewinnbringend in Szene setzen – aber auch dies setzt voraus, das man ordentlich auf Taktrate kommt, ansonsten verbleibt der IPC-Vorsprung im Bereich von theoretischen Benchmarks. Mittels Xe-Grafik und PCI Express 4.0 zieht Intel zudem in jedem Fall nur gegenüber AMDs Vorlage nach, denn gutklassige integrierte Grafik bietet AMD schon des längerem und PCI Express 4.0 im Desktop-Bereich bereits seit letztem Jahr. Dafür, das Intel auf dem Prozessoren-Segment nun eigentlich klar gegenüber AMD gefordert ist, sieht dieses 2021er Intel-Angebot immer noch einigermaßen mau aus. Zugunsten der Intel-Käufer (und des Wettbewerbs) kann man nur hoffen, das sich Rocket Lake in der Praxis als schlagkäftiger erweist, als es derzeit abzusehen ist.

Zu erwähnen wäre noch die verbreitere Chipsatz-Anbindung zwischen Prozessor & Chipsatz, welche Intel ab Rocket Lake dann mit 8 Links von DMI 3.0 ausführt, was die doppelte Bandbreite gegenüber dem bisherigen Stand ergibt. Sockel-seitig dürfte es beim LGA1200 von Comet Lake bleiben, da Intel kaum so schnell wieder den Sockel wechselt bzw. zuletzt sehr konstant immer zwei CPU-Generationen auf demselben Desktop-Sockel geführt hat. Hierfür wird Intel die 500er Chipsatz-Serie auflegen, wobei Rocket Lake unter Umständen auch mit Mainboards der 400er Chipsatz-Serie (für Comet Lake) läuft – dann allerdings unter dem Verzicht auf die breitere Chipsatz-Anbindung und aller Vermutung nach genauso auf PCI Express 4.0 bei Grafikkarten und erster NVMe-SSD. Bei jener 500er Chipsatz-Serie wird Intel allerdings weiterhin bei PCI Express 3.0 für die weitere Peripherie bleiben – ebenfalls ein Nachteil gegenüber AMD, denn dort gibt es im HighEnd-Bereich bereits jetzt PCI Express 4.0 auch Chipsatz-seitig. In der Praxis ist diese Differenz insbesondere für den Massenmarkt zu verschmerzen, was genauso für den Support von HDMI 2.0b bei Rocket Lake gilt – welches sich technologisch zurückhängend anhört, für integrierte Grafik aber dennoch problemlos ausreichend sein sollte.

CPU-Serie Fert. Kerne CPU-Arch. iGPU-Arch. Speicher PCI Express Sockel Release
Skylake Core i-6000 14nm 4C Skylake Gen 9.0 DDR4/2133 PCIe 3.0 LGA1151 5. Aug. 2015
Kaby Lake Core i-7000 14nm 4C Skylake Gen 9.5 DDR4/2400 PCIe 3.0 LGA1151 3. Jan 2017
Coffee Lake Core i-8000 14nm 6C Skylake Gen 9.5 DDR4/2666 PCIe 3.0 LGA1151v2 5. Okt. 2017
Coffee Lake Refresh Core i-9000 14nm 8C Skylake Gen 9.5 DDR4/2666 PCIe 3.0 LGA1151v2 19. Okt. 2018
Comet Lake Core i-10000 14nm 10C Skylake Gen 9.5 DDR4/2666 PCIe 3.0 LGA1200 Frühling 2020
Rocket Lake Core i-11000 14nm 8C Willow Cove Gen 12 (Xe) DDR4/2933 PCIe 4.0 LGA1200 2021
Alder Lake Core i-12000 10nm 8C+8C Golden Cove ? ? ? LGA1700 2022
Meteor Lake Core i-13000 7nm ? ? ? ? ? LGA1700 2023
bezogen ausschließlich auf Desktop-Prozessoren des Consumer-Segments (non HEDT)

Nachtrag vom 24. März 2020

Zur kürzlichen Meldung über Intels "Rocket Lake" gab es die beachtenswerte Kritik, dass der Quellenlage zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde bzw. nicht genau genug erklärt wurde, weshalb das präsentierte (angebliche) "Rocket Lake" Plattform-Blockdiagramm nunmehr als wahrscheinlich wahrheitsgemäß anzunehmen sein solle. Dabei gilt sicherlich der Punkt, das man sich diesem Blockdiagramm letztlich nicht gänzlich sicher sein kann, da so etwas vergleichsweise einfach zu fälschen ist. Als Pluspunkte kann diese Darstellung jedoch für sich in Anspruch nehmen, das die Quelle "Videocardz" doch ziemlich pendantisch in solcherart Angelegenheiten arbeitet: Es werden dort viele Gerüchte überhaupt nicht erwähnt, für welche sich keine unabhängige Bestätigung finden läßt – ganz egal ob jene Gerüchte sich später dann als "wahr" erweisen. Hinzu kommt der andere Punkt, dass das Blockdiagramm letztlich alle vorherigen Gerüchte zu Rocket Lake 1a bestätigt: Eine inoffizielle Intel-Roadmap von April 2019 zeigt Rocket Lake schon in der 14nm-Fertigung und rein für Desktop-Bedürfnisse, die eventuell extra gefertigte Grafik deutet sich dort schon an, nur bei der Anzahl der maximalen CPU-Kerne hatte man mit "bis zu 10C" eine andere Aussage. Die Abstammung von einer anderen CPU-Architektur als Skylake sowie der Grafik-Generation 12 wurde dann erstmals im August 2019 genannt, Quellenlage damals interessanterweise das 3DCenter-Forum auf Basis eines entsprechenden Treiber-Eintrags, also durchaus etwas außerhalb üblicher Gerüchte.

Im Dezember 2019 folgte darauf eine Auflistung diverser Rocket-Lake-Spezifikationen, welche aufgrund der technischen Daten klar auf eine Abstammung von den "Willow Cove" CPU-Kernen der Tiger-Lake-Generation hindeutete, erstmals dann aber auch die Anzahl der maximalen CPU-Kerne bei Rocket Lake auf "8" limitierte. Und über PCI Express 4.0 bei Rocket Lake wurde zuletzt Anfang März 2020 disktiert, wobei dies als reine Annahme letztlich schon seit Mai 2019 im Raum stand. Dabei gab es zu Rocket Lake interessanterweise auch nie anderslautende Gerüchte – Rocket Lake wurde die ganze Zeit über exakt so beschrieben, wie es sich jetzt entblättert, nur früher eben unvollständig. Insofern kann man das gut als ein "sich zusammenfügendes Bild" charakterisieren, was die Chance darauf, das es dann doch irgendwie noch (deutlich) anders kommt, ziemlich stark minimiert. Aus Erfahrung läßt sich sagen, das derart konkrete und zusammenhängende Angaben bisher immer das zukünftige Produkt beschrieben haben, während hingegen Überraschungen eigentlich nur in Fällen drin sind, wo vorab sehr wenige, sich widersprechende oder gar keine Angaben vorhanden waren. Eine 100%ige Gewißheit kann logischerweise niemals eingeräumt werden – aber für "Rocket Lake" lautet die derzeitige Einschätzung darauf, das selten ein (non-Refresh) Zukunftsprojekt technologisch bereits derart klar erkennbar war. Andere Meinungen & Einschätzungen hierzu müssen aber keineswegs falsch sein, jeglicher (inhaltliche) Diskussionsbeitrag ist wertvoll zum weiteren Erkenntnisgewinn.