Launch-Analyse AMD Radeon RX 7900 GRE

Samstag, 9. März 2024
 / von Leonidas
 

Ende Februar hat AMD die eigentlich schon im letzten Sommer vorgestellte Radeon RX 7900 GRE in den weltweiten Einzelhandel gebracht. Die Navi-31-basierte Karte war dabei schon seit Ende Juli 2023 sowohl in China im Einzelhandel als auch für westliche OEMs und Systembuilder verfügbar. Nachfolgend hatten sich allerdings immer mal wieder Retail-Exemplare der Karte in den deutschen Einzelhandel verirrt, seit letzten Herbst war die Karte dort fast durchgehend verfügbar, wenngleich nur mit wenigen Exemplaren und schwankenden Preisen. Mit dem offiziellen Retail-Start der Radeon RX 7900 GRE gibt es nun beachtbar mehr Angebot und auch die Preislage zur Karte ist inzwischen konstant (niedrig). Zugleich hat jener Retail-Start auch eine Reihe von weiteren Reviews zur Radeon RX 7900 GRE ausgelöst, auf deren Basis die Karte nachfolgend neu in der Performance gegenüber der bisherigen Schätzung eingeordnet werden soll.

Technologisch ist die Radeon RX 7900 GRE ein Produkt in der Mitte zwischen Radeon RX 7800 XT und 7900 XT, da hierbei der Navi-31-Chip der Radeon RX 7900 XT auf das kleinere Package der Navi-32-basierten Radeon RX 7800 XT gepackt wurde. Letzteres bedingt auch die Beschneidung auf 4 MCDs, sprich ein 256-Bit-Speicherinterface wie bei der Radeon RX 7800 XT. Der Navi-31-Chip wurde für die Radeon RX 7900 GRE ebenfalls deutlich abgespeckt, so sind nur 80 von maximal 96 Shader-Clustern sowie 64 von maximal 96 MB Infinity Cache freigeschaltet, zudem wurden recht niedrige Taktraten samt niedrigem Powerlimit angesetzt. Trotz dass die Radeon RX 7900 GRE somit gegenüber der Radeon RX 7800 XT um ein Drittel mehr Shader-Cluster verfügt, liegt die nominelle Rohleistung nur um +23% höher. Eine etwas geringere Speicherbandbreite, nahezu dieselbe TDP und ein gleich großer Infinity Cache sind weitere Merkmale, welche die Radeon RX 7900 GRE leistungsmäßig (viel) näher an die Radeon RX 7800 XT ziehen.

7800XT Differenz 7900GRE Differenz 7900XT
Chipfläche 348mmm² +29% / –22% 448mm² +8% / –8% 485mm²
Shader-Cluster 60 +33% / –25% 80 +5% / –5% 84
FP32 (nominell) 37,3 TFlops +23% / –19% 46,0 TFlops +12% / –11% 51,6 TFlops
Infinity Cache 64 MB ±0 64 MB +25% / –20% 80 MB
Speicherbandbreite 624 GB/sec –8% / +8% 576 GB/sec +39% / –28% 800 GB/sec
Speicherausbau 16 GB GDDR6 ±0 16 GB GDDR6 +25% / –20% 20 GB GDDR6
TDP 263W –1% / +1% 260W +21% / –17% 315W

Dafür setzt AMD die Radeon RX 7900 GRE preislich recht attraktiv mit 549 Dollar bzw. 609 Euro Listenpreis an, dies ist nur 50 Dollar bzw. 60 Euro mehr als bei der Radeon RX 7800 XT. AMD bietet zwar für die Radeon RX 7900 GRE kein Referenz-Design an, dafür können die Grafikkarten-Hersteller mittels des Retail-Starts nunmehr auch Eigendesigns mit Werksübertaktung auflegen – und nutzen dies auch reichlich aus. Zur Radeon RX 7900 GRE gibt es daher derzeit eine ungewöhnliche Häufung von werksübertakteten Modellen, während hingegen Modelle auf Referenz-Takt eher selten sind. Letztere sind allerdings nach wie vor anzutreffen bei den Angeboten von Komplett-PC-Herstellern, zudem könnten solche nicht werksübertakteten Varianten durchaus später noch aufgelegt werden. Unsere Performance-Ermittlungen beziehen sich (wie üblich) immer auf den Referenz-Takt, da dies den einzigen allgemeingültigen Maßstab darstellt.

Radeon RX 7700 XT Radeon RX 7800 XT Radeon RX 7900 GRE Radeon RX 7900 XT
Chipbasis AMD Navi 32 XL AMD Navi 32 XT AMD Navi 31 XL AMD Navi 31 XT
Fertigung 26,0 Mrd. Transistoren auf 311mm² Chipfäche in der 5/6nm-Fertigung von TSMC 28,1 Mrd. Transistoren auf 348mm² Chipfäche in der 5/6nm-Fertigung von TSMC 53,6 Mrd. Transistoren auf 448mm² Chipfäche in der 5/6nm-Fertigung von TSMC 55,6 Mrd. Transistoren auf 485mm² Chipfäche in der 5/6nm-Fertigung von TSMC
Architektur AMD RDNA3, DirectX 12 Feature-Level 12_2
Features DirectX 12, OpenGL, Vulkan, RayTracing, VSR, FSR 1/2/3, FreeSync, TrueAudio Next, XConnect, rBAR
Technik 3 Raster-Engines, 54 Shader-Cluster, 6912 FP32-Einheiten, 216 TMUs, 54 RA-Einheiten v2, 108 KI-Kerne, 96 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 48 MB Infinity Cache v2, 192 Bit GDDR6-Interface (Salvage) 3 Raster-Engines, 60 Shader-Cluster, 7680 FP32-Einheiten, 240 TMUs, 60 RA-Einheiten v2, 120 KI-Kerne, 96 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 64 MB Infinity Cache v2, 256 Bit GDDR6-Interface (Vollausbau) 6 Raster-Engines, 80 Shader-Cluster, 10'240 FP32-Einheiten, 320 TMUs, 80 RA-Einheiten v2, 160 KI-Kerne, 192 ROPs, 6 MB Level2-Cache, 64 MB Infinity Cache v2, 256 Bit GDDR6-Interface (Salvage) 6 Raster-Engines, 84 Shader-Cluster, 10'752 FP32-Einheiten, 336 TMUs, 84 RA-Einheiten v2, 168 KI-Kerne, 192 ROPs, 6 MB Level2-Cache, 80 MB Infinity Cache v2, 320 Bit GDDR6-Interface (Salvage)
Taktraten 1700/2171/2544 MHz & 18 Gbps 1295/2124/2430 MHz & 19,5 Gbps 1287/1880/2245 MHz & 18 Gbps 1500/2000/2400 MHz & 20 Gbps
Rohleistungen 35,2 TFlops & 432 GB/sec 37,3 TFlops & 624 GB/sec 46,0 TFlops & 576 GB/sec 51,6 TFlops & 800 GB/sec
Speicherausbau 12 GB GDDR6 16 GB GDDR6 16 GB GDDR6 20 GB GDDR6
Anbindung PCI Express 4.0 x16 PCI Express 4.0 x16 PCI Express 4.0 x16 PCI Express 4.0 x16
Ref./Herst./OC / / / / / / / /
Layout Dual- & TripleSlot Dual- & TripleSlot Dual- & TripleSlot Dual-, Triple- & QuadSlot
Kartenlänge AIBs: 26,3-33,5cm Ref: 26,5cm
AIBs: 28,0-33,5cm
AIBs: 26,9-33,8cm Ref: 27,6cm
AIBs: 31,3-35,3cm
Stromstecker 2x 8pol. 2x 8pol. 2x 8pol. 2x 8pol.
off. Verbrauch 245W 263W 260W 315W
Ausgänge HDMI 2.1a, 3x DisplayPort 2.1 HDMI 2.1a, 3x DisplayPort 2.1 HDMI 2.1a, 3x DisplayPort 2.1 HDMI 2.1a, USB Type-C, 2x DisplayPort 2.1
Listenpreis $419 / 459€ (zum Launch: $449/489€) $499 / 549€ $549 / 609€ $899 / 1049€
Release 6. September 2023 6. September 2023 OEM/SI: 28.7.23 — Retail: 27.2.24 13. Dezember 2022

Der ermittelte Realtakt bestätigt das Bild der nominellen Taktraten: Die Radeon RX 7900 GRE taktet in der Praxis klar niedriger als die umliegenden RDNA3-Modelle Radeon RX 7800 XT & 7900 XT. Gegenüber letzterer ist der Taktraten-Abstand mit 200-400 MHz besonders hoch, gegenüber der Radeon RX 7800 XT mit 100-200 MHz aber immer noch beachtbar. Genauer war dies leider nicht zu ermitteln, da nur wenige Hardwaretester auf Karten zum Referenz-Takt zugreifen konnten und die viel getesteten werksübertakteten Modelle sich in ihren Taktraten-Eigenschaften deutlich von den Referenz-Modellen unterschieden: So haben TechPowerUp eine Sapphire Pulse auf 2308 MHz gemessen, eine Sapphire Pure auf 2395 MHz, eine Sapphire Nitro+ auf 2445 MHz und eine ASRock Steel Legend auf 2415 MHz. Alle diese genannten Karte sind werksübertaktet sowie treten mit höherem Powerlimit an, takten somit (klar) höher als ein echtes Referenz-Design.

Basis Durchschnitt Max gemessener Realtakt
AMD-Bezeichnung: "Base Clock" "Game Clock" "Boost Clock" "Max Clock" CB PCGH TPU Tom's
Radeon RX 7900 XTX 1900 MHz 2300 MHz 2500 MHz ? 2556 MHz 2.60 GHz 2612 MHz 2507 MHz
Radeon RX 7900 XT 1500 MHz 2000 MHz 2400 MHz ? 2566 MHz 2.40 GHz 2687 MHz 2515 MHz
Radeon RX 7900 GRE 1287 MHz 1880 MHz 2245 MHz ? 2151 MHz 2.23 GHz - -
Radeon RX 7800 XT 1295 MHz 2124 MHz 2430 MHz ? 2386 MHz 2.35 GHz 2425 MHz 2334 MHz
Radeon RX 7700 XT 1700 MHz 2171 MHz 2544 MHz ? 2507 MHz 2.56 GHz 2560 MHz 2535 MHz
Radeon RX 7600 XT 1980 MHz 2470 MHz 2755 MHz ? 2716 MHz 2.79 GHz 2790 MHz 2707 MHz
Radeon RX 7600 1720 MHz 2250 MHz 2625 MHz ? 2645 MHz 2.61 GHz 2613 MHz 2631 MHz
nVidia-Bezeichnung: "Base Clock" "Boost Clock" "Max Clock" CB PCGH TPU Tom's
GeForce RTX 4090 2235 MHz 2520 MHz ? 2744 MHz 2.74 GHz 2701 MHz 2752 MHz
GeForce RTX 4080 Super 2295 MHz 2550 MHz ? 2729 MHz 2.73 GHz 2715 MHz 2787 MHz
GeForce RTX 4080 2205 MHz 2505 MHz ? 2725 MHz 2.78 GHz 2737 MHz 2783 MHz
GeForce RTX 4070 Ti Super 2340 MHz 2610 MHz ? 2785 MHz 2.67 GHz 2708 MHz 2745 MHz
GeForce RTX 4070 Ti 2310 MHz 2610 MHz ? 2802 MHz 2737 MHz - -
GeForce RTX 4070 Super 1980 MHz 2475 MHz ? 2735 MHz 2.72 GHz 2715 MHz 2718 MHz
GeForce RTX 4070 1920 MHz 2475 MHz ? 2758 MHz 2769 MHz 2762 MHz 2722 MHz
GeForce RTX 4060 Ti 2310 MHz 2535 MHz ? 2714 MHz 2.74 GHz 2767 MHz 2783 MHz
GeForce RTX 4060 1830 MHz 2460 MHz ? 2738 MHz 2.69 GHz 2640 MHz 2726 MHz
Intel-Bezeichnung: - "Graphics Clock" "Max Clock" CB PCGH TPU Tom's
Arc A770 16GB - 2100 MHz 2400 MHz - 2.33 GHz 2386 MHz 2311 MHz
Arc A750 - 2050 MHz 2400 MHz - 2.39 GHz 2394 MHz 2379 MHz
Arc A580 (AIBs) - 2000 MHz 2400 MHz 2396 MHz 2.33 GHz 2354 MHz 2325 MHz
Realtakt-Angaben gemäß den Ausarbeitungen der ComputerBase (Ø 11-23 Spiele), PC Games Hardware (üblicherweise Praxis-Angaben, zuzüglich teilweise MHz-genaue Werte aus Ø 20 Spiele), TechPowerUp (Ø 22-25 Spiele) und Tom's Hardware (Ø 15 Spiele, WQHD) von jeweils Referenz-Varianten (oder auf Referenz-Taktung/TDP laufend); letzte Tabelle mit allen Radeon RX 6000 & GeForce RTX 30 Modellen siehe hier

Letzteres war ein gewisses Problem der Performance-Ermittlung zur Radeon RX 7900 GRE: Selbst die oft getestete Sapphire Pulse ist eine werksübertaktete Karte mit erhöhtem Powerlimit – und dies obwohl die meisten anderen Pulse-Modelle von Sapphire sich an den jeweiligen Referenz-Takt halten. Dabei läßt sich nach Studium aller Benchmarks sagen, dass selbst das nur 10 Watt höhere Powerlimit dieses Sapphire-Modells durchaus etwas ausmacht. Denn die Radeon RX 7900 GRE ist auf der Referenz-TDP von 260 Watt augenscheinlich stark TDP-limitiert, spricht daher sehr gut auf jede Erhöhungen des Powerlimits an. In den nachfolgenden Berechnungen der durchschnittlichen Performance wurde daher die Sapphire-Karte mit einem Offset von –2% eingearbeitet (das XFX-Modell mit –3%), was natürlich nur eine qualifizierte Schätzung darstellt. Andererseits ist den Wertetabellen allein beim Blick auf die Einzelwerte oftmals direkt entnehmbar, wo eine werksübertaktete Radeon RX 7900 GRE zum Einsatz kam, ein gewisser Offset musste hier zwingend verrechnet werden.

Differenz zur Referenz verwendet von diesen Reviewern
simulierte Referenz ComputerBase
OEM-Karte (auf Referenz-Niveau) Hardware & Co, KitGuru, PC Games Hardware, TechSpot
Sapphire Pulse +47 MHz Game-Clock, +48 MHz Boost-Clock, +10W TDP Digital Foundry, PurePC, SweClockers, TechPowerUp, Tom's Hardware, Tweakers
XFX Merc +172 MHz Game-Clock, +150 MHz Boost-Clock, ca. +15W TDP Quasarzone
weitere Werksübertaktungen im Test: Gigabyte 7800XT Gaming OC bei Hardware & Co