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Die nVidia-Geschäftsergebnisse im zweiten Quartal 2022

nVidia hat im abgelaufenden zweiten Quartal (für nVidia das zweite Finanzquartal des Finanzjahres 2023, von Juni bis August 2022 gehend) wie erwartet und vorab angekündigt einen deutlichen Geschäftseinbruch hinnehmen müssen. Die Kette an vorher 8 Rekordquartalen in Folge wurde damit deutlich durchbrochen: Der Unternehmens-Umsatz ging scharf um –19% gegenüber dem Vorquartal zurück, der nominelle Gewinn fiel sogar um –59% sowie der operative Gewinn um –73% niedriger aus. Beim Umsatz konnte man damit zwar knapp das Vorjahresergebnis übertreffen, die Gewinnzahlen zeigen allerdings ein ähnlich desaströses Ergebnis an wie im Vergleich zum Vorquartal.

Der Grund hierfür liegt überaus eindeutig im Geschäft mit Gaming-Grafikkarten, da die DataCenter-Sparte sogar erneut ein Rekordergebnis hinlegte und nVidias Nebensparten im Rahmen ihrer (beschränkten) Möglichkeiten vergleichsweise normale Zahlen ablieferten. Die Gaming-Sparte verlor hingegen gegenüber dem Vorquartal gleich –44% ihres Umsatzes, selbst gegenüber dem Vorjahreszeitraum gab es in diesem Fall mit –33% einen überaus erheblichen Rückgang. Damit wurde die DataCenter-Sparte, welche sich zuletzt langsam an die Ergebnisse der Gaming-Sparte herangerobbt hatte, quasi über die Nacht die unumschränkte Nummer-1-Sparte bei nVidia. Allerdings sollte dies in dieser Eindeutigkeit eher denn einen Einmaleffekt darstellen, selbst wenn die DataCenter-Sparte langfristig die Gaming-Sparte sicherlich auf den 2. Platz verweisen wird.

Q2/2021 Q3/2021 Q4/2021 Q1/2022 Q2/2022
Umsatz 6507 Mio. $ 7103 Mio. $ 7643 Mio. $ 8288 Mio. $ 6704 Mio. $
Gewinn 2374 Mio. $ 2464 Mio. $ 3003 Mio. $ 1618 Mio. $ 656 Mio. $
operativer Gewinn 2444 Mio. $ 2671 Mio. $ 2970 Mio. $ 1868 Mio. $ 499 Mio. $

Für dieses Quartal erfolgte in nVidias Gaming-Sparte augenscheinlich so etwas wie ein "Strömungsabriß". Sinngemäß läßt sich jener folgendermaßen beschreiben (kein Anspruch auf absolute Faktennähe, da so tief keiner der Hersteller blicken läßt): Die Auftragssituation Anfang des Jahres war wohl hervorragend, die Chipfertigung lief immer besser, vorherige Teilknappheiten konnten überwunden werden. Doch dann begannen sich bei den Händlern & Herstellern (u.a. wegen des Endes des Cryptomining-Booms) die ausgelieferten Grafikkarten zu stappeln, womit jegliche Nachbestellungen in der Lieferkette eingestellt wurden. Dieser Effekte wurde über den Einzelhandel zu den Distributoren zu den Grafikkarten-Herstellern letztlich zu nVidia getragen – womit nVidia innerhalb kurzer Zeit erhebliche Umsatzzahlen verlor.

Inzwischen ist nVidia mit den Grafikkarten-Hersteller daran, diese Situation wieder gerade zu biegen. Meistens wird dies realisiert über nachträgliche Rabatte seitens nVidia, welche dann den Einaufspreis der Grafikkarten-Hersteller und im Handel drücken und auf Lager liegende Ware, die (aus heutiger Sicht) zu teuer eingekauft wurde, wieder verkaufsfähig macht. All dies wird nVidia einiges kosten, womöglich sind gewisse Effekte dieser Lagerbereinigungs-Aktion bereits in diesen Geschäftszahlen zu sehen (die arg niedrigen Gewinne deuten dies an). Selbige Aktion wird sich sicherlich noch (mindestens) bis ins laufende dritte Quartal hinziehen, was Umsatz und Gewinn kosten wird. nVidia selber rechnet mit nur noch 5,9 Mrd. Umsatz (±2%) für das dritte Quartal, was nochmals deutlich weniger wäre als im abgelaufenen Quartal erzielt (und auch klar weniger als AMDs Prognose für Q3/2022).

Q2/2021 Q3/2021 Q4/2021 Q1/2022 Q2/2022
Gaming  (GeForce & Switch) 3061 Mio. $ 3221 Mio. $ 3420 Mio. $ 3620 Mio. $ 2042 Mio. $
Data Center  (Tesla & Mellanox) 2366 Mio. $ 2936 Mio. $ 3263 Mio. $ 3750 Mio. $ 3806 Mio. $
Professional Visualization  (Quadro) 519 Mio. $ 577 Mio. $ 643 Mio. $ 622 Mio. $ 496 Mio. $
Auto  (Tegra) 152 Mio. $ 135 Mio. $ 125 Mio. $ 138 Mio. $ 220 Mio. $
OEM & Other 409 Mio. $ 234 Mio. $ 192 Mio. $ 158 Mio. $ 140 Mio. $

Im Endeffekt erlebt nVidia hiermit den gleichen Kater wie nach dem letzten Cryptomining-Boom anno 2017/18: Dort ging es zum Ende des Jahres 2018 harsch nach unten und nVidia lieferte erst einmal drei arg durchschnittliche Quartale ab, ehe diese Scharte wieder ausgewetzt wurde. Heuer könnte ähnliches passieren – und dennoch gilt: nVidia hat in diesen Krisen-Quartalen immer nur Teile der vorher aufgetürmten Umsatzhöhen wieder abgegeben. Sowohl Cryptomining und der allgemeine IT-Boom der Jahre 2020/21 waren für nVidia höchst einträglich und der Absturz danach ist üblicherweise nur ein temporärer Rückschlag. Sollte beispielsweise das vierte Jahresquartal halbwegs anständig verlaufen (leicht besser als das dritte Quartal prognostiziert wird), könnte schon an diesem Jahresende sogar doch noch ein neuer Jahresumsatz-Rekord für nVidia stehen.