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Die AMD-Geschäftsergebnisse im zweiten Quartal 2022

AMD hat seine Geschäftszahlen für das zweite Jahresquartal 2022 vorgelegt – und mit einem erneuten Rekordquartal bewiesen, dass Intels kürzlicher Geschäftseinbruch keineswegs auf die gesamte Branche zu verallgemeinern ist. Zwar hat sicherlich auch AMD mit schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zu tun, allerdings konnte man sich innerhalb dieser deutlich besser als Intel behaupten. Somit erzielt man nun endlich den wirklichen Lohn der ganzen Mühe um zuerst die Zen-Prozessoren und später die in konkurrenzfähige Höhe getriebene Grafikchip-Entwicklung: Während Intel in der beginnenden wirtschaftlichen Krise strauchelt, gewinnt AMD sogar hinzu. Hier sind also ziemlich eindeutig Geschäftsanteile von Intel zu AMD gewandert – was man eigentlich bereits deutlich früher erwartet hatte, gerade in den Jahren 2020/21 jedoch von der allgemein anziehenden IT-Nachfrage überdeckt wurde.

So brachte das nunmehr 8. Rekordquartal in Folge einen Umsatzsprung auf 6,55 Mrd. Dollar, was +11% mehr als im Vorquartal sowie satte +70% mehr als im Vorjahreszeitraum sind. Die Gewinnzahlen sehen nominell nicht so gut aus bzw. hat AMD hierbei sogar deutliche Abstriche machen müssen. Erklärt wird dies über den Einmaleffekt von Abschreibungen – rein aus der eigentlichen Geschäftstätigkeit heraus (non-GAAP) hat man sogar satte 1,7 Mrd. Dollar Plus gemacht, mehr als das Doppelte gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Aber selbst dies nicht berücksichtigend sind AMDs Geschäftsergebnisse aus Sicht von Markt und Konsumenten exzellent: AMD kann sich endlich auch auf wirtschaftlich halbwegs vergleichbarer Höhe präsentieren, bekommt nunnehr satt Geld in die Kasse, um die in diesem Segment exorbianten Entwicklungskosten zu stemmen. Dies bedeutet für das Duopol im CPU- und künftige Triopol im GPU-Markt, dass mit AMD als Wettbewerber auf Augenhöhe weiterhin zu rechnen ist, selbst einzelne schwächere Generationen AMD nun nicht mehr zurückwerfen würden.

Q2/2021 Q3/2021 Q4/2021 Q1/2022 Q2/2022
Umsatz 3850 Mio. $ 4313 Mio. $ 4826 Mio. $ 5887 Mio. $ 6550 Mio. $
Gewinn 710 Mio. $ 923 Mio. $ 974 Mio. $ 786 Mio. $ 447 Mio. $
operativer Gewinn 831 Mio. $ 948 Mio. $ 1207 Mio. $ 951 Mio. $ 526 Mio. $

Mit den neuen Geschäftsergebnissen hat AMD auch eine Umstrukturierung der eigenen Geschäftssparten vorgenommen – womit endlich einmal klarer zu erkennen ist, wo AMD gut und wo nur mittelmäßig darsteht. Die diesbezüglichen Zahlen sind derzeit noch nicht vollständig, allerdings zeigen sich jetzt schon die DataCenter- sowie die Client-Sparte als Geschäfts-Vorantreiber – während die Gaming-Sparte durchaus auch mal Hänger produziert. Hier hat AMD als einzige im letzten Quartal Abstriche machen müssen – sprich es verkauften sich weniger Grafikchips und/oder Konsolen-SoCs, oder auch beides zusammen. Hierbei sind sicherlich auch die langen Durchlaufzeiten bei der Grafikkarten-Fertigung zu beachten: Ein im zweiten Quartal von AMD verkaufter Radeon-Grafikchip geht erstmal in die Grafikkarten-Fertigung (1-2 Monate) und dann auf dem Seeweg zum Verkaufsland (1 Monat), wird also zumeist erst im dritten Quartal den Einzelhandel erreichen.

Q2/2021 Q1/2022 Q2/2022
Data Center  (Epyc & Instinct) 813 Mio. $ 1293 Mio. $ 1486 Mio. $
Client  (Ryzen) 1728 Mio. $ 2124 Mio. $ 2152 Mio. $
Gaming  (Radeon & Konsolen-SoCs) 1255 Mio. $ 1875 Mio. $ 1665 Mio. $
Embedded 54 Mio. $ 595 Mio. $ 1257 Mio. $

AMDs Verkaufs-Rückgang für das zweite Quartal betrifft also die aktuell im Einzelhandel liegenden Grafikkarten – und deren Bedarf schwindet angesichts der kommenden NextGen-Grafikkarten, ergo dürften die Grafikkarten-Hersteller schon vorauschauend weniger RDNA2-Chips nachgeordert haben. Sinkenden Durchschnittspreise im Zuge der Beruhigung der Grafikkarten-Preise über das erste Halbjahr 2022 hinweg dürften natürlich hier genauso mit hineingespielt haben. Der in dieser Sparte mit einfliessende Effekt der Konsolen-SoCs ist sowieso unbekannt und könnte diese ganze Aufrechnung zunichtemachen. Letztlich lassen sich bei AMD nun aber wenigstens die Verkaufserfolge bei Server- und Consumer-Prozessoren vergleichsweise solide ablesen. Die Gaming-Sparte dürfte hingegen immer etwas schwankende Ergebnisse vorweisen, je nach dem Stand der Spielekonsolen im Markt.

Mit den aktuell guten Zahlen im Rücken erwartet AMD für das laufende dritte Jahresquartal einen eher verhaltenen Zuwachs auf 6,7 Mrd. Dollar Umsatz (±200 Mio. $) sowie für das Gesamtjahr ein Umsatz-Ergebnis von 26,3 Mrd. Dollar (±300 Mio. $). Beides wären neue Rekorde – wobei das Jahresergebnis ein überaus deutlicher Rekord wäre, das Jahr 2021 schloß AMD mit "gerade einmal" 16,4 Mrd. Dollar Jahresumsatz ab. Auch wenn AMD damit noch nicht in die Größen-Kategorie von Intel (70 Mrd. $ Jahresumsatz aufwärts) geht, entfällt damit der frühere Größenvergleich von Maus zu Elefant – wie noch im Jahr 2019, als es Intel auf 72,0 Mrd. Dollar Jahresumsatz brachte und AMD nur auf 6,7 Mrd. Dollar (sprich mehr als das Zehnfache). AMD fällt nunmehr auch rein geschäftlich endlich in halbwegs dieselbe Kategorie wie Intel – was in dieser Branche der absoluten Schwergewichte auch irgendwie als notwendig erscheint.