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Sony gibt die Hardware-Spezifikationen der Playstation 5 bekannt

Nach Microsoft hat nun auch Sony die mehr oder weniger vollständigen Hardware-Spezifikationen seiner NextGen-Konsole "Playstation 5" im Rahmen eines Videostream-Events bekanntgegeben. Eigentlich sollte diese Vorstellung auf der (nunmehr abgesagten) GDC erfolgen – war insofern wohl lange vorher geplant und ist demzufolge keine Reaktion auf die kürzliche Microsoft-Offenlegung der Xbox Series X. Gegenüber dieser hat es die Playstation 5 derzeit in den Augen der Öffentlichkeit schwer, da man mit der Playstation 5 unterhalb der Hardware-Daten der Microsoft-Konsole herauskommt: Bei der CPU ergibt sich noch ein grober Gleichstand, aber die GPU ist mit nur 36 Shader-Clustern und bis zu 10,3 TFlops Rechenleistung an einem 256 Bit GDDR6-Interface doch augenscheinlich kleiner ausgelegt als beim Microsoft-Pendant mit 52 Shader-Clustern auf 12,1 TFlops Rechenleistung an einem 320 Bit GDDR6-Interface.

Sony Playstation 5 Microsoft Xbox Series X
Prozessor 8C/16T Zen 2 @ ≤3.5 GHz 8C/16T Zen 2 @ 3.6 GHz (ohne SMT @ 3.8 GHz)
Grafiklösung 36 CU RDNA2 @ ≤2.23 GHz (≤10,3 TFlops) 52 CU RDNA2 @ 1.825 GHz (12,1 TFlops)
Speicherinterface 256 Bit GDDR6 @ 3500 MHz QDR (448 GB/sec) 320 Bit GDDR6 @ 3500 MHz QDR (Ø 476 GB/sec)
Speicher 16 GB GDDR6 16 GB GDDR6 (13,5 GB für Spiele)
Festplatte 825 GB NVMe-SSD @ 5,5 GB/sec (8-9 GB/sec mit Kompression) 1 TB NVMe-SSD @ 2,4 GB/sec (4,8 GB/sec mit Kompression)
Preislage ??? ???
Release "Holiday Season" 2020 "Holiday Season" 2020

Vorteile hat Sony hingegen bei der Anbindung seiner NVMe-SSD mit gleich 5,5 GB/sec, was mehr als das doppelte als bei Microsoft ist (XBSX: 2,4 GB/sec). Dass der Sony-Massenspeicher mit 825 GB etwas kleiner ausfällt, dürfte da weniger ins Gewicht fallen – gerade da Sony einen weiteren M.2-Steckplatz anbietet und dort auch handelsübliche SSDs verbaut werden können. Bei Microsoft laufen die extra erwerbbaren Expansion Cards dagegen unter einem proprietärem Anschluß, stehen also unter der preislichen Kontrolle von Microsoft (die 1-TB-Version soll angeblich über 100 Dollar kosten). Als gewissen Sony-Vorteil kann man zudem das "einheitliche" Speicherinterface werten, wo jeder der Speicherchips mit der gleichen Interface-Breite und damit der gleichen Speicherbandbreite von 448 GB/sec angeschlossen ist – nicht wie bei Microsoft, wo nur 10 GB Speicher mit 560 GB/sec angeschlossen sind, die restlichen 6 GB Speicher dann aber nur noch mit 336 GB/sec.

Diese Differenzen sind aber sicherlich weit weniger wirkmächtig wie der Unterschied bei der Grafik-Rechenleistung: Sony tritt hierbei mit bis zu 10,3 TFlops gegenüber Microsoft mit 12,1 TFlops an. Sony verwendet zudem (erstmals bei Spielekonsolen) ein Boost-Verfahren, kann also die (hohe) nominelle GPU-Taktrate von ≤2.23 GHz letztlich nicht garantieren. Natürlich nutzt Sony mit diesem im PC-Bereich seit Jahren überaus üblichen Boost-Verfahren die Grenzbereiche besser aus, während Microsoft mit seinem starren Takt faktisch mögliche Performance liegenläßt. Aber in der Praxis sind die 12,1 TFlops bei Microsoft halt garantiert, während die 10,3 TFlops bei Sony nur in der Spitze erreicht werden. Real dürfte es vielleicht (durchschnittlich) ca. 9,5-10 TFlops sein, was dann die reale Differenz zur Rechenleistung der Xbox Series X auf ca. ein Viertel erhöht (bzw. hat die PS5 ca. ein Fünftel weniger Rechenleistung gegegenüber der XBSX).

Allerdings darf man sich an dieser Stelle dann auch etwas zurücknehmen und die grundsätzliche Überlegung ins Feld führen, wieviel diese Differenz gerade im Konsolen-Bereich wirklich wert ist. Zurückblickend zur letzten Konsolen-Generation kam die seinerzeitige Xbox One mit nur 1,31 TFlops Rechenleistung daher, die seinerzeitige Playstation 4 mit immerhin 1,84 TFlops. Der damalige Differenz-Betrag lag also bei gleich +40% (bzw. -29%), demzufolge klar höher als es heuer mit +24% (bzw. -19%) sind. Zudem hatte die PS4 einen überaus klaren Vorteil bei der Speicherbandbreite von 68 GB/sec zu 176 GB/sec (ohne den eDRAM der XBO gerechnet), bot also eine wirklich klar bessere Grafiklösung. In der Praxis haben das die Konsolenprogrammierer bei ihren Spieletiteln maßgeblich verwischt, es ergaben sich nur marginale Nachteile bei XBO-Spielen – meist in Form von etwas geringeren (internen) Render-Auflösungen.

Heuer nun mit einem deutlich kleineren Nachteil bei der Rechenleistung, faktisch kaum einer echten Differenz bei der Speicherbandbreite sowie eben dem Vorteil der klar schnelleren SSD dürfte der Technik-Nachteil der PS5 in nochmals geringeren praktischen Folgen resultieren. Wenn schon der klare Hardware-Vorteil von Sony in der letzten Konsolen-Generation nicht zu grundsätzlich anderen Spielen geführt hat, dann wird dies bei dem allenfalls mittelprächtigen Hardware-Vorteil von Microsoft in der kommenden Konsolen-Generation keinesfalls derart passieren. Die Konsolenprogrammierer dürften sich in der Praxis schlicht auf den (jeweils) kleinsten gemeinsamen Nenner einschießen – und jener ist schließlich groß genug, um damit für wirklich bessere Spiele bzw. Spiel-Welten sorgen zu können. Mit grob 10 TFlops Rechenleistung wird man schon etwas reißen können – dies sind nominell 7x so viel wie (beim kleinesten Modell) der letzten Konsolen-Generation und Recheneffizienz-normiert eher denn 10x so viel. Insofern wird an dieser Stelle weit mehr Aufregung über die "zurückhängende" Hardware der PS5 gemacht, als es angesichts der real wirkenden Differenz tatsächlich angebracht wäre.

Dabei kann der (nominelle) Nachteil von Sony bei der Hardware sich letztlich durchaus noch als Vorteil auf der Preis-Seite auswirken: Denn die Playstation 5 kommt schließlich nur mit 69% der Anzahl der Shader-Cluster der Xbox Series X (sowie einem etwas kleineren Speicherinterface) daher, dürfte ergo (angesichts der nahezu identischen CPU) beachtbar weniger Chipfläche verbraten, respektive geringere SoC-Kosten aufweisen. Ausgehend von den bekannten 360mm² Chipfläche des XBSX-SoCs ist der PS5-SoC somit auf eine Chipfläche von grob 300mm² oder etwas darunter zu schätzen – was jetzt keinen großen Abstand ergibt, aber angesichts der immer noch teuren 7nm-Fertigung durchaus auch etwas ausmacht. Gut denkbar also, das Sony seiner Playstation 5 letztlich den attraktiveren Launchpreis mitgeben kann – während bei Microsofts Xbox Series X weiterhin in Frage steht, ob mit diesem vergleichsweise dicken Hardware-Ansatz die Preislage von 500 Dollar wirklich noch realisiert werden kann.

    Sony Playstation 5  (offizielle Spezifikationen)

  • "Custom"-CPU auf der Basis von Zen 2 mit 8 CPU-Kernen +SMT @ ≤3.5 GHz
  • "Custom"-GPU auf der Basis von RDNA2 mit 36 Shader-Clustern @ ≤2.23 GHz (≤10,3 TFlops)
  • (bekannte) Grafik-Features: Hardware-beschleunigtes RayTracing
  • 256 Bit GDDR6-Speicherinterface @ 3500 MHz (QDR)
  • 16 GB GDDR6-Speicher (448 GB/sec)
  • PCI Express 4.0 Interface
  • 825 GB "Custom" NVMe-SSD @ 5,5 GB/sec Transferrate (8-9 GB/sec mit "Custom" Hardware-Kompression)
  • Nutzung der NVMe-SSD sowohl als Massenspeicher sowie als virtueller Arbeitsspeicher
  • Support für weitere NVMe-SSD über M.2-Slot
  • Support für externe USB-Festplatte
  • eigene "Tempest 3D" Audio-Lösung
  • UltraHD BluRay-Laufwerk
  • Display-Features: HDMI 2.1, 8K-Support & Variable Refresh Rate (VRR)
  • Abwärtskompatibilität zum aktuellen PSVR-Headset
  • Abwärtskompatibilität zu PS4- & PS4Pro-Spielen
  • angekündigt für die "Holiday Season 2020", sprich Zeitrahmen November/Dezember 2020
  • Quellen:  Sony-Vorankündigung im April 2019 & Sony-Technikvorstellung im März 2020