Launch-Analyse AMD Radeon RX 6700 XT

Mittwoch, 24. März 2021
 / von Leonidas
 

Mit dem Release der Radeon RX 6700 XT stellt AMD seine vierte Desktop-Grafikkarte der RDNA2-Architektur und die erste nicht auf dem bisher alleinig verwendeten "Navi 21" Grafikchip basierende Lösung vor. Der für die Radeon RX 6700 XT zum Einsatz kommende "Navi 22" Grafikchip ist deutlich kleiner und bietet nominell auch deutlich weniger Hardware-Einheiten, soll durch höhere Taktraten sowie unter Mithilfe des "Infinity Caches" aber dennoch einen schlagkräftigen Midrange-Grafikchip auf dem Performance-Level von immerhin der GeForce RTX 3070 abgeben. Ob AMD diese selbst herausgegebene Performance-Zielsetzung im Schnitt der Launchreviews tatsächlich erreichen konnte bzw. was jene sonst noch zu Performance, Stromverbrauch, Lüfter-Lautstärke und Übertaktungseignung von Referenzdesign sowie ersten Custom-Designs zur Radeon RX 6700 XT sagen können, wird diese Launch-Analyse nachfolgend zusammenfassen.

Jener der Radeon RX 6700 XT zugrundeliegende "Navi 22" Grafikchip arbeitet mit einem vergleichsweise gewöhnungsbedürfigen Ansatz: Bei den eigentlichen Rechen-Einheiten geht es gegenüber "Navi 21" auf die Hälfte herunter (40 anstatt 80 Shader-Cluster, nur 2 anstatt 4 Raster-Engines, nur 64 anstatt 128 ROPs), wohingegen Level3-Cache, Infinity Cache und Speicherinterface jeweils nur um ein Viertel abgespeckt wurden (3 anstatt 4 MB Level3-Cache, 96 anstatt 128 MB Infinity Cache, 192 Bit anstatt 256 Bit Interface). Teilweise handelt es sich damit auch um einen Wiedergänger des "Navi 10" Chips der Radeon RX 5600/5700 Serien, welcher ebenfalls bereits 40 Shader-Cluster aufbot, dafür allerdings mit doppelter Anzahl an Raster-Engines samt größerem Speicherinterface daherkam. Trotzdem ist Navi 22 (in der gleichen 7nm-Fertigung bei TSMC) mit 336mm² Chipfläche deutlich größer als Navi 10 (251mm²), was wohl primär einen Effekt der verbauten 96 MB Infinity Cache darstellt.

Hiermit versucht AMD wiederum, möglichst viele Speicherzugriffe abzufangen bzw. im Grafikchip selber zu halten, damit das Speicherinterface (und dessen Energieverbrauch) nicht zu groß ausfallen muß. Somit ist das Speicherinterface bei Navi 22 mit 192 Bit passend breit genug für eine hohe, aber nicht übertriebene Speicherbestückung von 12 GB herausgekommen – womit AMD den bekannten Speichermengen-Vorteil der Navi-21-Lösungen nun auch bei Navi 22 repliziert. Die um ein Viertel geringere Größe des Infinity Caches ist dabei zum einen der Wirtschaftlichkeit und zum anderen der Ausrichtung auf eine möglichst hohe WQHD-Performance geschuldet. Indirekt deutet AMD mit dieser Aussage auch an, dass Navi 22 unter der 4K-Auflösung womöglich mehr Federn lassen muß als andere Grafikkarten – was anhand der nachfolgenden Benchmark-Auswertungen nachzuprüfen wäre.

Navi 22 Navi 21
Codename "Navy Flounder" "Sienna Cichlid" ("Big Navi")
Chipbasis 17,2 Mrd. Transistoren auf 336mm² Chipfläche in der 7nm-Fertigung von TSMC 26,8 Mrd. Transistoren auf 520mm² Chipfläche in der 7nm-Fertigung von TSMC
Technik 2 Raster-Engines, 40 Shader-Cluster, 2560 FP32-Einheiten, 160 TMUs, 40 RA-Einheiten, 64 ROPs, 3 MB Level2-Cache, 96 MB "Infinity Cache", 192 Bit GDDR6-Interface 4 Raster-Engines, 80 Shader-Cluster, 5120 FP32-Einheiten, 320 TMUs, 80 RA-Einheiten, 128 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 128 MB "Infinity Cache", 256 Bit GDDR6-Interface
verbaut bei Radeon RX 6700 XT (Vollausbau) Radeon RX 6800 & 6800 XT (beide Salvage), Radeon RX 6900 XT (Vollausbau)
RDNA1-Vorgänger Navi 10: 10,3 Mrd. Transistoren auf 251mm² in der 7nm-Fertigung von TSMC, 4 Raster-Engines, 40 Shader-Cluster, 2560 FP32-Einheiten, 160 TMUs, 64 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR6-Interface -

Die Radeon RX 6700 XT selber tritt dann im Vollausbau des Navi-22-Chips mit den genannten 12 GB Grafikkartenspeicher an, kleinere Lösungen auf Basis jenes Grafikchips sind hingegen schon in Vorbereitung. Damit schickt AMD seine neue Grafikkarte als direkten Nachfolger der Radeon RX 5700 XT ins Rennen, wobei über die höheren Taktraten der RDNA2-Architektur eine stattliche Mehrperformance erwartet werden darf. Jene drückt sich auch im (offiziellen) Preispunkt aus, welcher mit 479 Dollar doch beachtbar höher als bei der Radeon RX 5700 XT ($399) liegt. Gleichzeitig will AMD das ganze zu einer ähnlich hohen TDP von 230 Watt aufbieten (Radeon RX 5700 XT: 225W), womit also – trotz gleichem Fertigungsverfahren – jene Mehrperformance (nominell) Stromverbrauchs-neutral erwirtschaftet wäre.

GeForce RTX 3060 Ti GeForce RTX 3070 Radeon RX 5700 XT Radeon RX 6700 XT
Chipbasis nVidia GA104-200 nVidia GA104-300 AMD Navi 10 XT AMD Navi 22 XT
Fertigung 17,4 Mrd. Transistoren auf 392mm² in der 8nm-Fertigung von Samsung 10,3 Mrd. Transistoren auf 251mm² in der 7nm-Fertigung von TSMC 12,7 Mrd. Transistoren auf 336mm² in der 7nm-Fertigung von TSMC
Architektur nVidia Ampere, DirectX 12 Feature-Level 12_2 AMD RDNA1, DirectX 12 Feature-Level 12_1 AMD RDNA2, DirectX 12 Feature-Level 12_2
Features DirectX 12, OpenGL, Vulkan, Asynchronous Compute, RayTracing, DSR, DLSS, PhysX, G-Sync, FreeSync DirectX 12, OpenGL, Vulkan, Asynchronous Compute, VSR, FreeSync, TrueAudio Next, XConnect DirectX 12, OpenGL, Vulkan, Asynchronous Compute, RayTracing, VSR, FreeSync, TrueAudio Next, XConnect
Technik 5 Raster-Engines, 38 Shader-Cluster, 4864 FP32-Einheiten, 152 TMUs, 38 RT-Cores v2, 152 Tensor-Cores v3, 80 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR6-Interface (Salvage) 6 Raster-Engines, 46 Shader-Cluster, 5888 FP32-Einheiten, 184 TMUs, 46 RT-Cores v2, 184 Tensor-Cores v3, 96 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR6-Interface (Salvage) 4 Raster-Engines, 40 Shader-Cluster, 2560 FP32-Einheiten, 160 TMUs, 64 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR6-Interface (Vollausbau) 2 Raster-Engines, 40 Shader-Cluster, 2560 FP32-Einheiten, 160 TMUs, 40 RA-Einheiten, 64 ROPs, 3 MB Level2-Cache, 96 MB "Infinity Cache", 256 Bit GDDR6-Interface (Vollausbau)
Taktraten 1410/1665 MHz & 14 Gbps 1500/1725 MHz & 14 Gbps 1605/1755 MHz & 14 Gbps 2321/2424 MHz & 16 Gbps
Rohleistungen 16,2 TFlops & 448 GB/sec 20,3 TFlops & 448 GB/sec 9,0 TFlops & 448 GB/sec 12,4 TFlops & 384 GB/sec
Speicherausbau 8 GB GDDR6 8 GB GDDR6 8 GB GDDR6 12 GB GDDR6
Anbindung PCI Express 4.0 PCI Express 4.0 PCI Express 4.0 PCI Express 4.0
Ref./Herst./OC / / / / / / / /
Layout Dual/TripleSlot Dual/TripleSlot Dual/TripleSlot Dual/TripleSlot
Kartenlänge Herst: 17,2-32,3cm
FE: 24,5cm
Herst: 21,6-33,7cm
FE: 24,5cm
Herst: 23,0-32,6cm
Ref: 27,5cm
Herst: 22,8-32,3cm
Ref: 27,0cm
Stromstecker 1x 12pol. 1x 12pol. 1x 6pol. & 1x 8pol. 1x 6pol. & 1x 8pol.
off. Verbrauch 200W (GCP) 220W (GCP) 225W (TBP) 230W (TBP)
realer Verbr. 203W 221W 221W 222W
Ausgänge HDMI 2.1, 3x DisplayPort 1.4 HDMI 2.1, 3x DisplayPort 1.4 HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 HDMI 2.1, 3x DisplayPort 1.4
FullHD Perf.Index 1420% 1590% 1160% 1490%
4K Perf.Index 212% 245% 163% 217%
Listenpreis $399  (UVP: 419€) $499  (UVP: 519€) $399  (UVP: 399€) $479  (UVP: 479€)
Release 2. Dezember 2020 29. Oktober 2020 7. Juli 2019 18. März 2021

Mit den angesetzten Taktraten stellt AMD bei der Radeon RX 6700 XT neue Rekordwerte für Desktop-Grafikkarten auf, selbst das Niveau der Radeon RX 6800/6900 Serie wird nochmals deutlich überboten. Allerdings wäre dennoch zu beachten, dass die offiziellen Taktraten eine beachtbar höhere Differenz vorgeben, als es dann tatsächlich der Fall ist: Zwischen Radeon RX 6700 XT und Radeon RX 6800 liegen offiziell ca. 500-600 MHz Mehrtakt – welcher sich laut den vorliegenden Messungen in der Realität auf ca. 320 MHz Mehrtakt sehr erheblich einschrumpft. Dies ist immer noch ein beachtbarer Taktraten-Unterschied, liegt aber bei weitem unterhalb dessen, was die offiziellen Taktraten-Angaben auf den ersten Blick suggerieren.

Basis Durchschnitt Maximum gemessener Realtakt
AMD-Bezeichnung "Base Clock" "Game Clock" "Boost Clock"
Radeon RX 6900 XT 1825 MHz 2015 MHz 2250 MHz 2800 MHz CB: 2265 MHz – TPU: 2233 MHz
Radeon RX 6800 XT 1825 MHz 2015 MHz 2250 MHz 2577 MHz CB: 2216 MHz – TPU: 2257 MHz
Radeon RX 6800 1700 MHz 1815 MHz 2105 MHz ? CB: 2177 MHz – TPU: 2205 MHz
Radeon RX 6700 XT 2321 MHz 2424 MHz 2581 MHz 2699 MHz CB: 2531 MHz – TPU: 2491 MHz
nVidia-Bezeichnung "Base Clock" "Boost Clock"
GeForce RTX 3090 1400 MHz 1700 MHz ? TPU: 1754 MHz
GeForce RTX 3080 1450 MHz 1710 MHz 1995 MHz CB: 1827 MHz – TPU: 1931 MHz
GeForce RTX 3070 1500 MHz 1725 MHz 2040 MHz CB: 1892 MHz – TPU: 1882 MHz
GeForce RTX 3060 Ti 1410 MHz 1665 MHz 2010 MHz CB: 1900 MHz – TPU: 1877 MHz
GeForce RTX 3060 1320 MHz 1777 MHz ? grob bei 1850-1900 MHz
Realtakt-Angaben gemäß den Ausarbeitungen der ComputerBase (Ø 17 Spiele) und von TechPowerUp (Ø 23 Spiele)