Launch-Analyse: nVidia GeForce GTX 780 Ti

Freitag, 8. November 2013
 / von Leonidas
 

Nach dem Launch der Radeon R9 290X mit einer Performance auf Augenhöhe der (lange einsam führenden) GeForce GTX Titan benötigte nVidia eine neue Top-Grafikkarte, welche das alte Bild der klaren Performance-Führerschaft wieder herstellen konnte. Lange Zeit wurde hierfür eine "GeForce GTX Titan Ultra" gehandelt, von welcher man den Vollausbau des GK110-Chips samt etwas höherer Taktraten annahm. Mit der GeForce GTX 780 Ti bringt nVidia nunmehr eine solche Karte – zwar nicht unter dem "Titan"-Namen, aber faktisch ziemlich exakt mit den seinerzeit vorhergesagten Spezifikationen. Um wieviel schneller nVidia neues Top-Modell gegenüber Radeon R9 290X und GeForce GTX Titan ist und welche weiteren Besonderheiten zur GeForce GTX 780 Ti beachtenswert sind, soll diese Launch-Analyse aufzeigen.

Seit immerhin April schwirrt die Idee zu einer leistungsfähigeren Grafikkarte als die GeForce GTX Titan durch die Gegend – geboren allein aus der Tatsache, daß nVidia den GK110-Chip mit der GeForce GTX Titan noch lange nicht ausgefahren hatte. Es war nur die Frage, wann nVidia diesen vorhandenen Spielraum nutzen würde, nicht, ob dies passieren würde. Mit dem Launch der Radeon R9 290X hat nVidia nunmehr den benötigten Anlaß – die GeForce GTX Titan wird von dieser AMD-Karte erreicht und teilweise überboten, vor allem aber ist die AMD-Lösung deutlich preisgünstiger und damit klar in der Pole Position gegenüber der GeForce GTX Titan.

Da nVidia mit dem GK110-Chip aber den klar größeren Grafikchip in der Hinterhand hat, war ein entsprechender Konter nur eine Frage der Zeit. Zuerst sah die hierfür von nVidia avisierte GeForce GTX 780 Ti wie ein glatter Ersatz zur GeForce GTX Titan zu einem schlicht besseren Preis aus, zuletzt kristallisiert sich allerdings heraus, daß nVidia mit dieser Karte mehr wollte. Durch mehr Shader-Einheiten und höhere Taktraten bei Chip und Speicher bietet die GeForce GTX 780 Ti klar mehr Rohleistung als die GeForce GTX Titan und wird damit diese nVidia-Karte sowie die Radeon R9 290X überflügeln. Faktisch haben wir es mit einer zweiten Titan-Grafikkarte zu tun – nur eben nicht unter diesem Namen.

Dabei passen sogar die Spezifikationen der GeForce GTX 780 Ti nahezu perfekt zu den seinerzeit angenommenen Spezifikationen der "GeForce GTX Titan II": Man ging seinerzeit vom Vollausbau des GK110-Chips mit 2880 Shader-Einheiten, 240 TMUs, 48 ROPs und 384 Bit DDR Speicherinterface aus, was die GeForce GTX 780 Ti nunmehr exakt so bietet. Die Taktraten wurden seinerzeit mit ~950/3400 MHz angenommen, was heuer mit 875/928/3500 MHz nahezu erreicht wird. Betrachtet man die real im Durchschnitt erreichte Chip-Taktrate von gemäß der ComputerBase immerhin 952 MHz, liegen unsere früheren Prognosen sogar überaus perfekt. Mit dieser realen Taktrate liegt die GeForce GTX 780 Ti dann im übrigen sogar nahezu 100 MHz oberhalb der realen Taktrate der GeForce GTX Titan von nur 854 MHz – was sogar ein etwas größeres Performanceplus vermuten läßt als es die offiziellen Spezifikationen hergeben.

Radeon R9 290 Radeon R9 290X GeForce GTX 780 GeForce GTX Titan GeForce GTX 780 Ti
Chipbasis AMD Hawaii, 6,2 Mrd. Transistoren in 28nm auf 438mm² Chip-Fläche nVidia GK110, 7,1 Mrd. Transistoren in 28nm auf 561mm² Chipfläche
Technologie GCN 1.1 Architektur, DirectX 11.2b & Mantle, TrueAudio Kepler-Architektur, DirectX 11.0, PhysX
Technik 4 Raster-Engines, 2560 Shader-Einheiten, 160 TMUs, 64 ROPs, 512 Bit DDR Interface 4 Raster-Engines, 2816 Shader-Einheiten, 176 TMUs, 64 ROPs, 512 Bit DDR Interface 4 bis 5 Raster-Engines, 2304 Shader-Einheiten, 192 TMUs, 48 ROPs, 384 Bit DDR Interface 5 Raster-Engines, 2688 Shader-Einheiten, 224 TMUs, 48 ROPs, 384 Bit DDR Interface 5 Raster-Engines, 2880 Shader-Einheiten, 240 TMUs, 48 ROPs, 384 Bit DDR Interface
Taktraten ≤947/2500 MHz
(Ø-Chiptakt: 826 MHz)
≤1000/2500 MHz
(Ø-Chiptakt: 851 MHz)
863/902/3000 MHz
(Ø-Chiptakt: 888 MHz)
837/876/3000 MHz
(Ø-Chiptakt: 854 MHz)
875/928/3500 MHz
(Ø-Chiptakt: 952 MHz)
Speicher 4 GB GDDR5 4 GB GDDR5 3 GB GDDR5 6 GB GDDR5 3 GB GDDR5
Layout DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot
Kartenlänge 27,5cm 27,5cm 27,0cm 27,0cm 27,0cm
Stromstecker 1x 6pol. + 1x 8pol. 1x 6pol. + 1x 8pol. 1x 6pol. + 1x 8pol. 1x 6pol. + 1x 8pol. 1x 6pol. + 1x 8pol.
TDP 250W 250W 250W 250W 250W
Idle-Verbrauch 19W 20W 12W 12W 14W
Spieleverbrauch 253W 239W 189W 203W 249W
Perf.Index
(19x10 4xAA)
460% 480% 440% 480% 530%
Listenpreis 399$ 549$ 499$ 999$ 699$
Straßenpreis 350-380€ 470-500€
(nicht lieferbar)
420-450€ 890-900€
(Auslauf)
620-650€
Release 5. November 2013 24. Oktober 2013 23. Mai 2013 21. Februar 2013 7. November 2013

Einzig allein bei der Speichermenge gibt es einen kleinen Rückschritt: Im Gegensatz zur GeForce GTX Titan verbaut nVidia nicht 6 GB GDDR5-Speicher, sondern "nur" 3 GB bei der GeForce GTX 780 Ti. Es fällt allerdings schwer, dies als echten Nachteil anzusehen, da diese 3 GB Speicher für alle heutigen Anforderungen mehr als ausreichend sind – selbst Hardware-Kracher wie Battlefield 4 benötigen unter 1920x1200 nur Grafikkarten mit 1,5 GB Speicher für eine bestmögliche Performance und laufen auch mit 1-GB-Modellen noch (relativ) anständig. Beachtbare Anwendungsfälle schon allein für den Sprung von 2 auf 3 GB Speicher gibt es derzeit nicht zu berichten – und für den Sprung von 3 auf 4 GB demzufolge schon gar nicht. Selbst für die NextGen-Konsolen geschaffene Spiele dürften kaum oberhalb von 3 GB Grafikkartenspeicher auf dem PC belegen, da sich die 8 GB insgesamter Speicher der NextGen-Konsolen schließlich CPU, GPU und Betriebssystem teilen müssen.

Ausgestattet mit ihrem Mehr an Shader-Einheiten und Taktraten kommt die GeForce GTX 780 Ti natürlich spielend auf klar bessere Rohleistungen gegenüber der GeForce GTX Titan: Es gibt – auf realen durchschnittlichen Taktraten – gleich 19,5% mehr Rechen- und Texturierleistung, 11,5% mehr ROP- und Rasterizer-Power und letztlich noch 16,7% mehr Speicherbandbreite. Dies sind beste Voraussetzungen für die GeForce GTX 780 Ti, um sich in einem ähnlichen Maße von der GeForce GTX Titan unter realen Benchmarks abzusetzen – gesetzt den Fall, daß man nicht durch PowerTargets etc. limitiert wird. Nachfolgender Rohleistungs-Vergleich wurde durchgehend auf real erreichten Taktraten und nicht mehr auf den Taktraten laut der offiziellen Spezifikationen angesetzt, da letztere bei diese Karten inzwischen doch um einiges von der Realität entfernt sind: