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Weitere nVidia-eigene Benchmarks zur GeForce GTX 1060 aufgetaucht

Nach den ersten nVidia-Angaben zur Performance der GeForce GTX 1060 haben Videocardz nun sogar den offiziellen "Reviewer's Guide" zur GeForce GTX 1060 zur Hand, in welchem nVidia umfangreichere Benchmark der neuen nVidia-Karte gegenüber GeForce GTX 960 (höchstwahrscheinlich in der 2-GB-Version) und Radeon RX 480 (genaue Version unbekannt) zum besten gibt. Gerade weil die benutzte Radeon RX 480 Karte (Performancedifferenz zwischen 4GB- und 8GB-Version bei 3-5%) nicht bekannt ist, kann man diese Benchmarks noch lange nicht auf die Goldwaage legen – zudem dürfte sich nVidia üblicherweise auch diese Setting aussuchen, wo die eigene (neue) Hardware jeweils am besten aussieht. Das Benchmark-Set selber ist mit immerhin 11 Spiele-Titeln hingegen eigentlich breit genug für eine halbwegs solide Performance-Aussage:

Differenz 960 -> 1060 Differenz 480 -> 1060
FullHD  (11 Tests) +68,2% +15,0%
WQHD  (11 Tests) +70,8% +12,9%
benutzte Treiber-Versionen: nVidia GeForce 368.64, AMD Crimson 16.6.2

Im Schnitt der Zahlen behauptet nVidia also, das die GeForce GTX 1060 unter FullHD um 68,2% schneller als eine GeForce GTX 960 sowie um 15,0% schneller als eine Radeon RX 480 sei. Bei allen AMD-Werten kann man noch einmal 2-3% abziehen, welche durch den neuen Treiber 16.7.1 zugunsten der Radeon RX 480 hinzukommen. Die +68,2% im nVidia-internen Vergleich sehen dann auch ganz anders aus als die ersten nVidia-eigenen Performance-Werte zur GeForce GTX 1060 mit einer (angeblichen) Performance-Verdopplung zur GeForce GTX 960. Bezogen auf unseren FullHD Performance-Index wäre die GeForce GTX 1060 nach diesen nVidia-eigenen Messungen demzufolge bei ~570% (hochgerechnet von der GeForce GTX 960) bzw. ~610% (hochgerechnet von der Radeon RX 480) einzuordnen. Dies liegt halbwegs in derselben Spanne von ~590-610%, wo wir die GeForce GTX 1060 bisher schon eingeordnet haben – und läßt allerdings die Möglichkeit offen, das die GeForce GTX 1060 doch nicht ganz die Performance der GeForce GTX 980 (Perf.Index 600%) erreicht.

Unter WQHD gewinnt die GeForce GTX 1060 verständlicherweise leicht gegenüber der GeForce GTX 960 hinzu, verliert allerdings auch leicht gegenüber der Radeon RX 480 – ein anhand der jeweils zur Verfügung stehenden Bandbreite nicht unerwartetes Ergebnis. Erstaunlich ist vielleicht eher, das die GeForce GTX 1060 hier nicht noch stärker gegenüber der GeForce GTX 960 zulegt, denn letztere Karte ist unter höheren Auflösungen dann sichtbar von ihrem nur 128 Bit breitem Speicherinterface sowie der default-Speichermenge von nur 2 GB GDDR5 gehandicapt. Aber dies sind dann aber auch Dinge, welche die kommenden Launch-Tests besser und auf breiterer Basis ermitteln können. Der vorgenannte "Reviewer's Guide" enthält im übrigen ansonsten kaum Neuigkeiten, es werden allenfalls gewisse (schon vermutete) Chipdetails bestätigt: So wird der GP106-Chip neben den bekannten 1280 Shader-Einheiten an 2 Raster-Engines und einem 128 Bit GDDR5-Speicherinterface über 80 TMUs und 48 ROPs verfügen, hinzu kommen 1,5 MB Level2-Cache und eine TDP von 120 Watt (sagt allerdings nichts über das gewählte Power-Limit aus). Der GP106-Chip selber besteht aus 4,4 Milliarden Transistoren auf 200mm² Chipfläche in der 16nm-Fertigung von TSMC.

Radeon R9 380X Radeon RX 480 GeForce GTX 960 GeForce GTX 980 GeForce GTX 1060
Chipbasis AMD Tonga AMD Polaris 10 nVidia GM206 nVidia GM204 nVidia GP106
Fertigung 5,0 Mrd. Transistoren in 28nm auf 359mm² Chipfläche bei TSMC 5,7 Mrd. Transistoren in 14nm auf 232mm² Chipfläche bei GlobalFoundries 2,94 Mrd. Transistoren in 28nm auf 227mm² Chipfläche bei TSMC 5,2 Mrd. Transistoren in 28nm auf 398mm² Chipfläche bei TSMC 4,4 Mrd. Transistoren in 16nm auf 200mm² Chipfläche bei TSMC
Architektur GCN3, DirectX 12 Feature-Level 12_0 GCN4, DirectX 12 Feature-Level 12_0 Maxwell 2, DirectX 12 Feature-Level 12_1 Pascal, DirectX 12 Feature-Level 12_1
Features Vulkan, Mantle, Asynchonous Compute, VSR, CrossFire, TrueAudio, FreeSync Vulkan, Mantle, Asynchonous Compute, VSR, CrossFire, TrueAudio Next, FreeSync Vulkan, DSR, SLI, PhysX, G-Sync Vulkan, Asynchonous Compute, DSR, PhysX, G-Sync
Technik 4 Raster-Engines, 2048 Shader-Einheiten, 128 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit GDDR5-Interface 4 Raster-Engines, 2304 Shader-Einheiten, 144 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit GDDR5-Interface, 2 MB Level2-Cache 2 Raster-Engines, 1024 Shader-Einheiten, 64 TMUs, 32 ROPs, 128 Bit GDDR5-Interface, 1 MB Level2-Cache 4 Raster-Engines, 2048 Shader-Einheiten, 128 TMUs, 64 ROPs, 256 Bit GDDR5-Interface, 2 MB Level2-Cache 2 Raster-Engines, 1280 Shader-Einheiten, 80 TMUs, 32 ROPs, 192 Bit GDDR5-Interface, 1,5 MB Level2-Cache
Taktraten ≤970/2850 MHz
(Ø-Chiptakt: ~970 MHz)
4GB: 1120/1266/3500 MHz
(Ø-Chiptakt: ? MHz)
8GB: 1120/1266/4000 MHz
(Ø-Chiptakt: 1209 MHz)
1127/1178/3500 MHz
(Ø-Chiptakt: 1316 MHz)
1126/1216/3500 MHz
(Ø-Chiptakt: 1153 MHz)
1506/1708/4000 MHz
(Ø-Chiptakt: ? MHz)
Speicherausbau 4 GB GDDR5 4/8 GB GDDR5 2/4 GB GDDR5 4 GB GDDR5 6 GB GDDR5
Layout DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot
Kartenlänge 24-27cm
(Herstellerdesigns)
24,3cm 21,5-27cm
(Herstellerdesigns)
27,0cm 24,9cm
Ref./Herst./OC / / / / / / / / / /
Stromstecker 2x 6pol. 1x 6pol. 1x 6pol. oder 1x 8pol.
(je nach Karte)
2x 6pol. 1x 6pol.
off. Verbrauch 190W (TBP) 150W (TBP) 120W (GCP) 165W (GCP) 120W (TDP)
Ausgänge 2x DualLink DVD-D, HDMI 1.4a (kein HDCP 2.2), DisplayPort 1.2 HDMI 2.0b (mit HDCP 2.2), 3x DisplayPort 1.3 (DP1.4-ready) DualLink DVI-I, HDMI 2.0 (mit HDCP 2.2), 3x DisplayPort 1.2 DualLink DVI-I, HDMI 2.0 (kein HDCP 2.2), 3x DisplayPort 1.2 DualLink DVI-I, HDMI 2.0b (mit HDCP 2.2), 3x DisplayPort 1.3 (DP1.4-ready)
FHD Perf.Index 390% 4GB: ~520%
8GB: ~540%
340% 600% gesch. ~570-610%
Listenpreis 229$ 4GB: 199$
8GB: 239$
2GB: 199$ 499$ 249$/299$
(Herst./Ref.)
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Hardware- und Nachrichten-Links des 11./12. Juli 2016

Videocardz zeigen nochmals neue Spezifikations-Folien zu Radeon RX 460 & 470 – welche zwar das gleiche Datum tragen wie die bereits bekannten Folien, dennoch aber leicht anders aussehen. Die jeweils gezeigten Informationen sind allerdings nicht abweichend, sondern bestätigen damit nur den bisher bekannten Stand: Die Radeon RX 470 kommt mit 2048 Shader-Einheiten an einem 256 Bit GDDR5-Interface und per default 4 GB Speicher (die Grafikkarten-Hersteller werden sicherlich auch 8-GB-Versionen auflegen), die Radeon RX 460 nun doch nur mit 896 Shader-Einheiten an einem 128 Bit GDDR5-Interface und per default nur 2 GB Speicher (hier sind ebenfalls auch 4-GB-Versionen zu erwarten). Leider gibt es zu beiden Karten noch keine Launchtermine – Videocardz gehen von einem Launch der Radeon RX 470 zum Ende Juli aus, mit einer Marktverfügbarkeit aber erst Anfang August. Angesichts dessen, das AMD sich die ganze Zeit sehr sicher war, gleich monatelang vor nVidia herauszukommen, ist dies doch eine unerwartet zähe Anlaufphase für Polaris-basierte Grafikkarten.

AMD Radeon RX 460 Spezifikationen (2)
AMD Radeon RX 460 Spezifikationen (2)
AMD Radeon RX 470 Spezifikationen (2)
AMD Radeon RX 470 Spezifikationen (2)

Laut Golem läuft Doom (2016) nach dem Umstellen auf die Vulkan-API – welche mit dem zweiten Patch hinzukam – teilweise bemerkbar schneller. Leider funktioniert Fraps noch nicht unter Vulkan, so das man nur die Performance in stehenden Szenen bewerten konnte, die Sache ist also noch nicht richtig auswertbar. Aber die angezeigten Performancegewinne im Rahmen von +3% bis +27% unter AMD-, Intel- und nVidia-Grafiklösungen sind schon eindeutig genug, um von einer klaren Performance-Verbesserung sprechen zu können. Dies sieht dann wirklich gut aus für Vulkan – wobei ein Beispiel kein Beispiel ist, dies kein Maßstab für die generelle Performance-Situation unter Vulkan sein muß. DirectX 12 hatte auch gute Beispiele für Mehrperformance – in der Praxis ist DirectX 12 dagegen eher ein Trauerspiel, sicherlich auch forciert durch die Anbindung an Windows 10 und damit Microsofts UWP-Konzept. Der Thematik, inwiefern DirectX 12 & Vulkan sich einiges Tages wirklich breitflächig durchsetzen können, nimmt sich derzeit auch eine Forendiskussion samt Umfrage an.

Epic-Gründer Tim Sweeney ist laut EuroGamer von den kommenden Konsolen Xbox Scorpio und PS4K "Neo" begeistert – weil sich damit der übliche Konsolenzyklus durchbrechen läßt. Jener setzt aller ca. 6-7 Jahre eine völlig neue Hardware an, welche zumeist auch völlig neue Spiele hervorbringt. Der Nachteil für die Spieleentwickler liegt hierbei darin, das damit der Kundenstamm jedesmal resettet wird und nachfolgend neu aufgebaut werden muß. Mit Xbox Scorpio und PS4K "Neo" kündigt sich dagegen eine grundsätzliche Veränderung dieser Verfahrensweise an: Die Konsolengenerationen kommen in kürzerem Zeitabstand, dafür gilt der Spielesupport immer für mindestens zwei Konsolengenerationen. Damit gibt es selbst nach Release einer neuen Konsolengeneration immer noch eine hohe Anzahl an potentiellen Spielekäufern, kann der Übergang zwischen zwei Konsolengenerationen fließender gestaltet werden.

So zumindest die Idee – ob das ganze in der Praxis funktionieren kann, ist allerdings ungewiß: Schon allein vom Hardware-Standpunkt aus ist es schwierig, Spiele über mehrere Konsolengenerationen zu supporten. Dies geht gut, so lange die hierfür relevanten Hardwareteile (x86-CPU und AMD-GPU) allesamt vom selben Chipentwickler stammen – aber damit macht man sich selbst die Tür zu für alternative Hardware-Anbieter, was in den Preisverhandlungen mit dem Hardware-Monopolisten (in diesem Fall AMD) nicht gut kommt. Zudem verhindert die verordnete Software-Kompatibilität mit der jeweils letzten Konsolen-Generation auch, das die jeweils aktuelle Konsolen-Generation wirklich ausgenutzt wird – gut zu sehen gerade an Xbox Scorpio und PS4K "Neo", von welchen faktisch nur auf eine native FullHD-Auflösung aufgepumpte Spiele der aktuellen Konsolengeneration zu erwarten sind. Und wenn dann einiges Tages mal die deren Nachfolger bereitstehen, müssten sich die Spieleentwickler an den Hardware-Kapazitäten von Xbox Scorpio und PS4K "Neo" ausrichten – und würden damit immer mindestens 3-4 Jahre zusätzlich hinter dem PC zurückliegen.

Dies ist sicherlich kein Zukunftsszenario, welches die Konsolenhersteller ernsthaft anstreben können, weil es langfristig die ganze Idee der Spielekonsolen entwertet. Praktisch realisierbar erscheint nur ein mittleres Szenario, in welchem einmal eine wirklich neue Konsolen-Generation aufgelegt wird (Xbox One und PS4) und in der Mitte der Laufzeit dann ein Hardware-Upgrade mit garantierter Software-Kompatibilität kommt (Xbox Scorpio und PS4K "Neo"). In diesem Modell würde auf Xbox Scorpio und PS4K "Neo" dann wieder eine echte neue Konsolen-Generation folgen müssen, ohne garantierte Software-Kompatibilität und somit mit der Möglichkeit für die Spieleentwickler, die Hardware der neuen Konsolengeneration auch wirklich ausnutzen. Allerdings ist natürlich aus heutiger Sicht alles nach Xbox Scorpio und PS4K "Neo" auch ziemliche Zukunftsmusik, weil kaum vor dem Jahr 2020 antretend. Zu diesem Zeitpunkt könnten dann ganz andere Faktoren mit hineinspielen – sei es Cloud-Gaming, der Zwang zu VR oder andere Dinge, welche heute noch nicht absehbar sind.

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Zur Performance-Differenz zwischen Radeon RX 480 4GB und Radeon RX 8GB

Zur Performance-Differenz zwischen den beiden Ausführungen der Radeon RX 480 liegen nunmehr mehrere Artikel vor, so das sich dieses Thema nunmehr genauer betrachten läßt. Zum Launch hatten AnandTech als seinerzeit einziger Artikel ein paar entsprechende Benchmark-Werte aufgenommen, welche die Radeon RX 480 4GB nur um -3,4% unter FullHD sowie -3,3% unter WQHD zurückliegend sahen. Angesichts des hohen Unterschieds beim Speichertakt (3500 zu 4000 MHz, -12,5% gegen die 4-GB-Version) sowie der bekannten Bandbreiten-Abhängigkeit der Radeon RX 480 überraschte dies durchaus, so das seinerzeit jene Werte noch nicht für voll genommen werden konnten. Inzwischen ergibt sich jedoch einer gewisse Erklärung dieser Werte: Da die 4-GB-Version durch den niedrigeren Speichertakt ein paar Watt Stromverbrauch (im Speicherinterface, die Auswirkung in den Speicherzellen selber dürften nur marginal sein) einspart und das Power-Limit der 4-GB-Version unverändert auf 170 Watt liegt, kann bei der Radeon RX 480 4GB schlicht der Grafikchip real etwas höher takten und die Bandbreiten-Differenz durch eine höhere praktische Rechenleistung somit teilweise wieder egalisieren.

Keine Rolle spielt hierbei im übrigen die Anzahl der Speicherchips – zumindest in diesem Fall. Normalerweise ist die Anzahl der Speicherchips sehr gewichtig für den Stromverbrauch des Speicher-Subsystems: Erfahrungsgemäß gibt es kaum Unterschiede im Stromverbrauch von Speicherchips unterschiedlicher Taktraten und Speichermengen pro Speicherchip. Die reine Anzahl der Speicherchips ist dagegen der entscheidende Punkt – und somit könnte eine Radeon RX 480 4GB mit hypothetisch nur vier verbauten Speicherchips nochmals einiges an Stromverbrauch einsparen, was dann anzunehmenderweise noch höhere reale Boosttaktraten ermöglichen würde. Aber dafür benötigt man GDDR5-Speicherchips mit 64-Bit-Interface, welche faktisch nicht erhältlich sind – und mit den vorliegenden GDDR5-Speicherchips mit 32-Bit-Interface müssen es angesichts des 256-Bit-Interfaces der Radeon RX 480 eben immer gleich acht Speicherchips auf dem Grafikboard sein.

Somit werden sich die nachfolgend erscheinenden Herstellerdesigns zur Radeon RX 480 4GB in dieser Frage auch nicht vom aktuellen Referenzdesign unterscheiden – wo wie bekannt 8 GB Speicher physikalisch verbaut werden, welche dann per BIOS auf 4 GB begrenzt sind. Die kommenden Herstellerdesigns werden an dieser Stelle nur 4 GB Speicher physikalisch verbauen, wobei aber wieder acht Speicherchips benutzt werden und somit die Stromverbrauchs- und damit auch die Performance-Charakteristik zum aktuell vorliegenden Referenzdesign nahezu identisch sein sollte. Insofern spielt es keine Rolle, das aktuell nur die nicht mehr lieferbaren Referenzdesigns getestet wurden, meistens sogar 8-GB-Versionen nur per BIOS-Patch zu 4-GB-Versionen umgewandelt wurden (die ausgelieferten 4-GB-Karten machen dies sowieso nicht anders):

FullHD WQHD UltraHD bemerkbare Ausreißer
Hardwareluxx  (10 Tests) -4,5% -5,0% - Rise of the Tomb Raider: -12,0% @ FullHD, -11,9% @ WQHD, The Division: -12,2% @ WQHD
AnandTech  (9 Tests) -3,4% -3,3% - keine
Gamers Nexus  (10 Tests) -6,4% -2,1%
(abweichendes Benchmark-Set)
- Assassin's Creed Syndicate: -14,5% @ FullHD, Mirror's Edge Catalyst: -24,5% @ FullHD & Hyper-Settings (beide Tests wurden leider nicht unter WQHD ausgeführt)
Legit Reviews  (3 Tests) -3,9% -3,5% -4,4% keine

Die Testergebnissen gehen einigermaßen durcheinander, aber eine grobe Richtung läßt sich durchaus erkennen: Zwischen 3 und 5 Prozent ist die 4-GB-Version langsamer als die 8-GB-Version. Je nach Größe des Benchmark-Sets kann dieser Wert auch durch einzelne besonders abweichende Resultate nach oben getrieben werden – aber noch sind jene in der klaren Minderzahl und bis auf große Ausnahmen (Mirror's Edge Catalyst @ Hyper-Settings) auch nicht außerhalb des Bereichs von -15% Performance. Primär dürfte diese geringere Performance auf den niedrigeren Speichertakt zurückzuführen sein – und nicht auf die geringere Speichermenge, jener Effekt war in diesen Benchmarks bis auf Ausnahmen kaum sichtbar.

Aber natürlich spielt die Zeit gegen die 4-GB-Version der Radeon RX 480 – mit zunehmenden Hardware-Anforderungen werden auch die 4 GB eines Tages selbst unter FullHD zu wenig werden, unter WQHD noch früher. Wer zudem mit dem Kauf eines noch höher auflösenden Monitors spielt oder aber wer den Wiederverkaufswert der Karte im Auge hat, für den lohnt sich der Griff zur Karte mit dem Mehrspeicher ganz gewiß. Der Preisunterschied beträgt nur derzeit immerhin 50 Euro (regulär sollten es 40 Euro sein), aber neben dem Mehrspeicher erhält man eben auch eine kleine Mehrperformance – und natürlich die wesentlich höhere Zukunftstauglichkeit zuzüglich des höheren Wiederverkaufswerts. Für Sparfüchse dürfte hingegen eher die Radeon RX 470 in Betracht kommen, welche per default mit nur 4 GB Speicher antreten und einen nochmals niedrigeren Preispunkt mitbringen wird.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 9./10. Juli 2016

Bezüglich der Meldung zum Dementi von mehr als 36 Shader-Clustern bei AMDs Polaris-10-Chip gibt es den berechtigten Einwand, das der offizielle Polaris-10-Dieshot letztlich nichts anderes als eine extrem bearbeitete Grafik darstellt – durch die von AMD vorgenommene starken Einfärbungen aller Baugruppen wird so viel vom originalen Dieshot überdeckt, das letztlich gar nichts mehr als sicher erscheint. Allerdings existiert auch noch ein anderer Dieshot – gefunden im RX480-Bericht von Hot Hardware – welcher näher an der Realität zu liegen scheint. Jener zeigt faktisch das gleiche wie der andere Dieshot, nur ohne Einfärbungen und damit weitaus weniger schematisch. Sofern das ganze also nicht eine vollkommene Erfindung seitens AMD darstellt, wird es hier schwierig, noch weitere 4 Shader-Cluster unterzubringen – jene müssten diagonal neben den bisherigen Shader-Cluster-Blöcken angeordnet werden, wo aber augenscheinlich schon andere Bauteile liegen. Eine endgültige Gewißheit ist dies natürlich nicht, da sich die Chipentwickler gern die Freiheit herausnehmen, die Presse in solchen Fragen bewußt fehlzuinformieren.

AMD Polaris 10 Dieshot (schematisch)
AMD Polaris 10 Dieshot (schematisch)
AMD Polaris 10 Dieshot (echt)
AMD Polaris 10 Dieshot (echt)

Ein anderer noch vakanter Punkt betrifft die Anzahl der bei der Radeon RX 460 freigeschalteten Shader-Einheiten. Der zugrundeliegende Polaris-11-Chip hat 16 Shader-Cluster aka 1024 Shader-Einheiten – doch die Radeon RX 460 beschreibt AMD in dem einen Dokument als mit 16 Shader-Clustern ausgerüstet (die hierbei angesetzte Fußnote erklärt nur, das ein Shader-Cluster aus 64 Shader-Einheiten besteht), in dem anderen Dokument hingegen als mit nur 14 Shader-Clustern ausgerüstet. Aller Vermutung nach stimmt aber wohl die zweite Angabe – dies würde auch besser zu eher mauen Performance der Radeon RX 460 bestenfalls auf Niveau der Radeon R7 370 passen. Die von AMD angegebenen 2 TeraFlops Rechenleistung sind in jedem Fall auch mit nur 896 Shader-Einheiten (in 14 Shader-Clustern) erreichbar, dafür muß einfach nur ein Chiptakt von 1116 MHz anliegen. Angesichts der Taktraten der Radeon RX 480 erscheint dies als absolut machbar, auch das TDP-Limit der Radeon RX 460 (von unter 75 Watt) dürfte mit diesen Taktraten nicht in Gefahr sein. Sicher ist diese Auflösung jedoch mitnichten, die gleiche Rechenleistung läßt sich letztlich auch mit 1024 Shader-Einheiten (in 16 Shader-Clustern) und einem Chiptakt von 977 MHz erreichen.

Auf Basis des von der PC Games Hardware gezeigten "nackten" GeForce GTX 1080 Boards kommen aus unserem Forum diverse Schätzungen zur Die-Fläche des nVidia GP106-Chips. Jene belaufen sich auf 204mm², ~200mm² und 198mm². Dies entspricht sogar ziemlich gut früheren Schätzungen, welche auf ~205mm² für den GP106-Die lauteten. Aufgrund der neuen Bilder kann man von nunmehr grob ~200mm² ausgehen – was in jedem Fall kleiner ist als in den letzten drei nVidia-Generationen: Der GM206-Chip kam auf 227mm², der GK106-Chip auf 214m² und der GF106-Chip auf 238mm², die letzten beiden sogar jeweils mit 192 Bit breitem Speicherinterface. Gemessen am Vergleich zu den jeweils nächsthöheren nVidia-Chips erscheint die Diefläche des GP106-Chips ziemlich passend, womit sich jetzt auch kein unmittelbarer Verdacht ergibt, das in jenem Chip noch mehr Shader-Einheiten schlummern, als nVidia jene mit 1280 Stück bei der GeForce GTX 1060 bereits offengelegt hat. Anders formuliert: Die GeForce GTX 1060 scheint den GP106-Chip bereits im Vollausbau zu nutzen.

Bei der weltweiten Betriebssystem-Verbreitung liegen neue Zahlen der Statistik-Dienstleister NetMarketShare und StatsCounter für den abgelaufenen Monat Juni 2016 vor. Wieder einmal sind sich beide Statistiken nur in der groben Tendenz einig, nicht aber in den Details: Bei NetMarketShare gewinnt Windows 10 zwar gleich 1,71% hinzu, die Verluste liegen aber maßgeblich bei Windows 8/8.1 und nicht bei Windows 7, welches (unrealistischerweise) sogar um 0,48% zulegen soll. Auch wenn NetMarketShare die insgesamt glaubwürdigeren Zahlen zeigt (StatsCounter hat ein starkes Gewicht auf der westlichen Welt, NetMarketShare den stärker wirklich globalen Ansatz), gibt es in letzter Zeit zu häufig statistische Anomalien, welche es eigentlich angesichts der vorliegenden enormen Datenmenge niemals geben dürfte. Bei StatsCounter gewinnt Windows 10 hingegen erneut 1,90% hinzu, wobei hier Windows 7 sogar der Hauptverlierer mit 1,26% Verlust ist.

Die Aussagen beider Statistik-Dienstleister liegen zu Windows 10 dabei gar nicht einmal weit auseinander – 19,1% bei NetMarketShare sowie 21,9% bei StatsCounter. Die Aussagen zu den früheren Microsoft-Betriebssystemen sind allerdings einigermaßen unterschiedlich, gerade bei Windows 7: Immerhin noch 49,1% bei NetMarketShare, aber nur noch 42,0% bei StatsCounter. Je nachdem, welche Statistik man hier betrachtet, kann man da schon zu völlig unterschiedlichen Interpretationen kommen. Bei Steam kam Windows 10 im Juni 2016 im übrigen schon auf 44,5%, Windows 7 liegt noch bei 37,0% – bei natürlich einer gänzlich anderen Nutzerschaft. Im 3DCenter dürfte Windows 10 inzwischen ebenfalls längst in Führung liegen, schon im Dezember 2015 stand es 38,1% zu 39,1% gegenüber Windows 7. Für den Gesamtmarkt wird natürlich insbesondere die Statistik in zwei Monaten interessant, wenn dann die August-Ergebnisse vorliegen – des ersten Monats, wo das Kostenlosumstieg-Angebots auf Windows 10 nicht mehr existiert. Jenes könnte gerade im laufenden Monat Juli noch für einige Zuwächse bei Windows 10 sorgen – und danach fängt dann die eigentliche Arbeit an, muß Windows 7 jeder einzelne Prozentpunkt mühsam abgerungen werden.

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Wie dramatisch wird ein Bruch der PCI-Express-Spezifikation gesehen?

Diese Umfrage nimmt natürlich das kleine Drama um die Radeon RX 480 zum Anlaß, fragt aber eher nach der generellen Haltung zum Thema, unabhängig also von der jeweils vorliegenen Hardware. Neben einem Einfangen der aktuellen Stimmungslage soll damit auch für uns klarer werden, für wie relevant die Leser das Thema überhaupt einschätzen.

Die ganze Thematik wird grundsätzlich überbewertet.
20% (929 Stimmen)
Schaue allein nach der Praxis, die Spec ist dagegen unwichtig.
6% (286 Stimmen)
Spec-Bruch ist unfein, aber ertragbar, so lange es in der Praxis keine Probleme macht.
33% (1589 Stimmen)
Spec ist Spec, die Hersteller sollten sich immer punktgenau daran halten.
41% (1945 Stimmen)
Gesamte Stimmen: 4749
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Hardware- und Nachrichten-Links des 7./8. Juli 2016

nVidia hat nun nachträglich noch die deutschen Listenpreise der GeForce GTX 1060 bekanntgegeben – welche mit 279 Euro für die Herstellerdesigns sowie 319 Euro für die (nur im nVidia-eigenen Onlineshop erhältliche) Founders Edition nur eher grob dem aktuellen Umrechnungskurs entsprechen (bei den Herstellerdesigns sind es immerhin 10 Euro Aufschlag zum Umrechnungskurs). Wie schon thematisiert, zeigen die aktuellen Straßenpreise zu GeForce GTX 1070 & 1080 jedoch eher darauf hin, das nVidias Preisvorgaben zu den Herstellerdesigns ziemliche Schönfärberei sind – beide HighEnd-Karten liegen mit ihren realen Straßenpreisen derzeit bei +12% bzw. +10% oberhalb ihrer Vorgabe durch den (umgerechneten) US-Listenpreis. Bezogen auf die GeForce GTX 1060 läßt dies keine Herstellerdesigns unterhalb von 300 Euro erwarten – vielleicht kann diese Marke dann im Laufe der nachfolgenden Wochen geknackt werden, aber eine glatte 300-Euro-Lösung wird die GeForce GTX 1060 so oder so bleiben. Der US-Listenpreis verspricht hier mehr, als gemäß der Erfahrungswerte zu GeForce GTX 1070 & 1080 voraussichtlich zu halten sein wird.

Die Übertaktungsergebnisse zur Radeon RX 480 sind wie bekannt nicht gerade großartig – wobei in dieser Frage deutlich besseres von den kommenden Herstellerdesigns erwartet wird, das Referenzdesign ist diesbezüglich prinzipbedingt wenig geeignet. Dies ist natürlich etwas enttäuschend angesichts der Vorberichterstattung, welche von einfach erreichbaren 1400 MHz und bis zu 1500 MHz Chiptakt sprach. Möglich sind diese Werte allerdings trotzdem, wie nunmehr die PC Games Hardware ausführt: Erreicht wurden nach Power-Mod und Umbau mit einer Wasserkühlung alltagsstabile 1480 MHz Chiptakt. Hierbei handelt es sich allerdings um eine HighEnd-Übertaktung, da sowohl die Chipspannung massiv auf bis zu 1.326 Volt angehoben wurde, gleichfalls der Stromverbrauch der reinen Grafikkarte auf 260 Watt hinaufging (und mittels der Modifikation bis zu 400 Watt möglich gewesen wäre). Jene erreichte Taktrate ist also nicht von den kommenden OC-Versionen der Grafikkarten-Hersteller zu erwarten, auch nicht von den allerbesten OC-Versionen. Es erscheinen weiterhin bis zu 1400 MHz als machbare Grenze für die Radeon RX 480 unter dem Einsatz von "normalen" Spannungen und Kühlmaßnahmen – ob die Grafikkarten-Hersteller diese Grenze erreichen können, wäre allerdings von jenen noch zu beweisen.

Die an dieser Stelle mal geäußerte Idee einer Radeon RX 480 4GB mit einer Speicherbestückung von nur vier Speicherchips ist natürlich Nonsens. Die üblicherweise gelieferten GDDR5-Speicherchips haben allesamt ein 32-Bit-Interface, womit zur Erreichung des 256 Bit breiten Speicherinterfaces des Grafikchips immer mindestens 8 Speicherchips vonnöten sind. Mehr (in Form von 16) würden genauso gehen – aber nicht weniger, den 4 x 32 Bit ergäben nur 128 Bit, womit das Speicherinterfaces des Grafikchips nur halb ausgenutzt wäre. Ergo muß die Radeon RX 480 4GB tatsächlich auf die 0,5 GB großen GDDR5-Speicherchips setzen, um ihre reguläre Speicherbestückung von 4 GB zu erreichen – wobei beide Speichergrößen (0,5 GB & 1 GB) wie bestätigt zu Taktraten von bis zu 4000 MHz lieferbar sind, die kleineren 0,5-GB-Chips sogar bis zu 4500 MHz. Das AMD für die Radeon RX 480 4GB einen niedrigeren Speichertakt ansetzte, könnte aber auch nur rein wirtschaftliche Motive gehabt haben – womöglich haben die Grafikkarten-Hersteller AMD hierzu gedrängt. AMD selber wollte die Radeon RX 480 eigentlich sowieso nur als 8-GB-Ausführung herausbringen, die 4-GB-Ausführung soll eine explizite Forderung der Grafikkarten-Hersteller gewesen sein.

Gleichzeitig wird nunmehr aber auch klarer, das AMD die Radeon RX 480 4GB und deren ins Auge stechenden Listenpreis von 199 Dollar sogar bewußt dazu ausgenutzt hat, um ein im Markt gar nicht existierendes Preisbrecher-Angebot in die Welt zu setzen. Wenn man sich zurückerinnert: Die 199 Dollar hatte AMD sogar schon einen Monat vor Launch bekanntgegeben – und erst in den Fußnoten wurde notiert, das dies nur für die 4-GB-Ausführung galt, während die 8-GB-Ausführung ihren offiziellen Listenpreis erst am Launchtag erhielt. Jene 4-GB-Ausführung der Radeon RX 480 simulierte AMD nachfolgend mittels einer 8-GB-Karte, die per BIOS auf die Nutzung von nur 4 GB Speicher limitiert wurde – und die dann in ebenso limitierter Anzahl auf den Markt kam. Faktisch gab es nur die erste Charge dieser Karte, danach keine Nachlieferungen mehr – und somit aktuell keine lieferbaren 4-GB-Versionen der Radeon RX 480, die Verfügbarkeit dieser Karte wird erst mit den nachfolgenden Herstellerdesigns wieder erreicht werden. AMD hat somit seinen Marketingplan durchziehen können und die eigentlich zu verkaufende 8-GB-Version erfolgreich mit dem Preis der 4-GB-Version promotet – ohne extra eine 4-GB-Version auflegen oder aber jene in großer Stückzahl verkaufen zu müssen.

Ein interessanter Punkt zur Problematik der (spezifikationsmäßigen) Überlastung des PCI-Express-Slots, notiert in unserem Forum: Heutige nVidia-Grafikkarten scheinen die 3V-Leitung nicht mehr zu nutzen, alles hängt bei diesen nur noch an der 12V-Leitung. Doch deren Spezifikation sieht eigentlich nur eine Strombelastung von 66 Watt ±8% vor (5,5A auf 12V) vor – wenn heutige nVidia-Grafikkarten allgemein die 3V-Leitung des PCI-Express-Slots nicht mehr nutzen, wären also nicht bis zu 75 Watt Stromverbrauch über den Slot spezifikationsgerecht, sondern nur maximal 71,3 Watt. Die Radeon RX 480 handhabt dies anders, hier fließt weiterhin Strom über die 3,3V-Schiene, aber bei nVidia-Grafikkarten gibt es nur noch die aktive 12V-Schiene – und einige Grafikkarten, welche knallhart an dieser eigentlichen 71-Watt-Grenze herumturnen und mit einzelnen Lastspitzen sogar deutlich überschreiten. Auch hier gilt natürlich, das die im Zuge der Tests zur Radeon RX 480 festgestellten Reserven greifen werden, das ganze rein praktisch also keinerlei Bedeutung hat. Hart an der Grenze der PCI-Express-Spezifikation und potentiell vielleicht sogar darüber können damit aber auch einzelne nVidia-Grafikkarten sein.

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