7

AMD verliert erhebliche Marktanteile in einem insgesamt zurückgehenden Prozessoren-Markt

Auf Investor Village wurde eine interessante Statistik seitens der Marktforscher von Mercury Research gepostet, welche die Verkäufe an x86-Prozessoren für das erste Quartal 2013 sowie das vorhergehende vierte Quartal 2012 und den Vergleichszeitraum des Vorjahres (in Form des ersten Quartals 2012) betrachtet. Dabei stechen zwei Punkte sofort hervor: AMD hat im Jahresvergleich erheblich an Marktanteil eingebüßt: Von vormals 19,1% Marktanteil zu Anfang 2012 auf nunmehr nur noch 14,3% Anfang 2013. Dies ist insbesondere deswegen erstaunlich, als daß die Prozessoren-Marktanteile über die letzten Jahre eigentlich immer zwischen 17-20% für AMD und 80-83% für Intel lagen – und zwar derart konstant, daß sich die Berichtstattung hierüber oftmals gar nicht lohnte. Nun liegt erstmals wieder ein klarer Ausbruch aus diesen bisher sehr konstanten Marktverhältnissen vor – zum Leidwesen von AMD, welches eigentlich eher die 30%-Marke anstrebt, in die völlig falsche Richtung.

Der zweite bemerkenswerte Punkt ist der allgemeine Rückgang an verkauften Stückzahlen im Markt der x86-Prozessoren von 98,78 Millionen Stück im ersten Quartal 2012 auf nunmehr nur 82,875 Millionen Stück im ersten Quartal 2013 – ein Rückgang um immerhin 16,1% innerhalb eines Jahres. Für eine Branche, die bisher eigentlich immer nur aufwärts gehende Stückzahlen gewohnt war (zumindest wenn nicht gerade große Weltwirtschaftskrisen laufen), ist dies schon ein schockierendes Ergebnis – ein Rückgang von ein paar Prozentpunkten kann immer einmal passieren, aber 16 Prozent sind eine Größe, welche eine eher systemische Ursache haben. Und diese liegt ganz offensichtlich in einer Übersättigung des Marktes mit PCs & Notebooks bzw. dem Wegziehens eines Teils der Konsumentengelder in Richtung der Tablets. Wenn AMD & Intel auch in diesem Marktsegment gut im Sattel sitzen würden, wäre jenes Problem vielleicht gar nicht zu sehen – da AMD & Intel aber eben fast nur im PC-Segment zu Hause sind, trifft sie dieser Umschwung der Konsumentenstimmung überdeutlich.

Q1/2012 Q4/2012 Q1/2013
AMD 18,868 Mill.
(19,1%)
13,177 Mill.
(14,7%)
11,816
(14,3%)
Intel 79,230 Mill.
(80,2%)
76,208 Mill.
(84,8%)
70,618
(85,2%)
VIA 0,682 Mill.
(0,7%)
0,490 Mill.
(0,5%)
0,441 Mill.
(0,5%)
insgesamt 98,780 Mill. 89,875 Mill. 82,875 Mill.
Die Marktanteile der einzelnen Segmente Mobile, Desktop & Server lagen im ersten Quartal bei 5,4%, 52,5% und 42,0%, was ziemlich ähnlich der Zahlen von Q4/2012 und Q1/2012 war.

Erschwerend für AMD und Intel kommt hinzu, daß heutige PC-Systeme nicht mehr so schnell "alt & langsam" sind wie noch vor zehn Jahren, wo ein drei Jahre altes System schon deutlich nach "Neukauf" gerufen hat. Die Software-Anforderungen (außerhalb des Spiele-Bereichs) sind seit Windows Vista faktisch kaum noch gestiegen, womit die gebotene Hardware-Leistung trotz der eher geringen Fortschritte der letzten Jahre gerade im CPU-Bereich für die meisten Anwender mehr als ausreichend hoch genug selbst über einen längeren Benutzungszeitraum ist. Nicht umsonst ergab eine Umfrage vom Jahresende 2012, daß die CPU-Nutzungsdauer unter 3DC-Lesern bei mittlerweile 3 Jahre und einem Monat liegt, Tendenz in Zukunft zunehmend. Im Massenmarkt dürfte dieser blanke Durchschnitt noch deutlich höher liegen, wohl in Richtung 6 bis 7 Jahre Nutzungsdauer.

Beide Faktoren – zunehmende Lebensdauer heutiger PC-Systeme und das Abwandern von Kaufkraft in Richtung Tablets – dürften die Bilanzen der x86-Prozessorenbauer sowie aller angeschlossenen Hersteller des Komponenten- und Zubehörbereichs auch in Zukunft nach unten ziehen. Einzelne Hersteller könnten sich dabei durchaus dem Trend wiedersetzen, aber diese generelle Tendenz dürfte wohl noch eine Weile lang anhalten. Allerdings ist dieser Abwärtstrend durchaus auch endlich: Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird sich die durchschnittliche Computer-Nutzungsdauer auf einem gewissen (höheren) Wert einpendeln, von dort aus voraussichtlich aber nicht mehr zunehmen. Und genauso wird der Trends pro der Tablets auch irgendwann seinen Höhepunkt erreichen – und danach in ein normales Geschäft übergehen, wo es keine übermäßigen Wachstumsaussichten mehr gibt. Die Frage für die Hersteller des klassischen PC-Segments ist nur, wie lange die derzeitige Schwächephase andauern wird und wieviel Business man bis dahin einbüßen wird.