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Die Prozessoren-Marktanteile im ersten Halbjahr 2020

Tom's Hardware haben basierend auf Ausarbeitungen der Marktforscher von Mercury Research neues zu den Marktanteile im weltweiten Prozessoren-Markt bekanntgegeben. Genannt wurden hierbei wiederum nur die AMD-Marktanteile – doch da die ganzen anderen x86-Hersteller (VIA, Thatic & Zhaoxin) vermutlich noch keinerlei beachtbare Stückzahlen liefern können, dürfte sich hiermit mit einer Fehlerquote von bestenfalls -0,1 Prozentpunkt auch auf den jeweiligen Intel-Marktanteil schließen lassen. Wie üblich gilt bei dieser Stückzahlen-Statistik allein der x86-Prozessoren, dass IoT-, Embedded- & SemiCustom-Prozessoren nicht mit gezählt wurden – womit primär Kleinst-"Prozessoren" sowie Spielekonsolen-SoCs ausgeschlossen werden. Dabei konnte AMD in allen Sparten zulegen, inzwischen zeigt sich im langfristigen Verlauf aber um so deutlicher, dass große Marktanteils-Zugewinne im weltweiten Prozessoren-Markt augenscheinlich nicht so schnell zu realisieren sind.

Denn das einzige Mal, wo AMD im Desktop-Feld mal wirklich deutlich zulegen konnte, war bisher zwischen dritten und vierten Quartal 2018 (Ära von Zen+ bzw. Ryzen 2000). Ansonsten geht die Kurve zwar stetig zugunsten von AMD, dies aber mit einem sehr flachen Verlauf. Auf Basis der Marktanteils-Veränderung über die letzten anderthalb Jahre (AMD +2,5 Prozentpunkte) würde AMD sagenhafte 18 Jahre (!) benötigen, um bei 50:50% einen Gleichstand der Desktop-Marktanteile gegenüber Intel zu erreichen. Die Tendenz, dass AMDs Marktanteilszugewinne faktisch zu klein sind, um in absehbarer Zeit das Marktanteils-Verhältnis eher dem Performance-Verhältnis anzupassen, war zuletzt schon zu sehen – wird nun aber hoffentlich endlich offensichtlich. Augenscheinlich sind die Beharrungskräfte im OEM-Segment ganz enorm – teilweise hervorgerufen durch sich langsam bewegende OEMs, durch AMDs Schwierigkeiten mit den Produktionsmengen und aber auch durch uninformierte PC-Käufer.

Intel wiederum kann voll auf diese Beharrungskräfte setzen, sich durch die aktuell schwierige Zeit ohne ganz große Marktanteils-Verluste hindurchlavieren und wird am Ende, wenn Intel wieder schlagkräftige Angebote bringen kann, immer noch aus der viel besseren Ausgangsposition (mit klar höherem Marktanteil) an den Start gehen. Es ist an dieser Stelle sicherlich ein wenig schade, dass der Prozessofen-Markt sich derart langsam bewegt, dass die (dauerhaft) gute Leistung des einen Marktteilnehmers nicht dazu führt, dass jener mit wirklich deutlich steigenden Marktanteilen belohnt würde. Aus den anderen Marktsegmenten werden dagegen sowohl eine positive als auch eine eher negative Note gemeldet: So geht es im Server-Geschäft für AMD genauso weiterhin nur arg langsam vorwärts, obwohl dort der technologische wie Performance-Vorsprung gegenüber Intel sogar noch größer ist als anderswo.

Im Mobile-Geschäft hat AMD hingegen über die erste Jahreshälfte hinweg gut hinzugewonnen, der Mobile-Marktanteil überstieg im zweiten Jahresquartal 2020 erstmals sogar (leicht) den Desktop-Marktanteil. Da AMD in diesem Marktsegment derzeit nicht wirklich gut lieferbar ist, ist mittelfristig auch noch Potential auf klar höhere Mobile-Marktanteile zu sehen – die 20%-Marke dürfte sicherlich demnächst fallen, vielleicht geht es aber auch mit gut steigenden Marktanteilen weiter und AMD könnte in absehbarer Zeit nahe der 30%-Marke im Mobile-Segment kommen. Andererseits ist "Mobile" üblicherweise das Segment, wo Intel die meiste Energie hineinsteckt, ergo dürfte hier mit erheblicher Gegenwehr zu rechnen sein – gerade da bei den Mobile-Prozessoren Intel nach wie vor seine Stärken hat bzw. technologisch auch auf der Höhe der Zeit steht.

Beim insgesamten x86-Marktanteil fehlt leider der Datensatz zum ersten Quartal 2020. Tom's Hardware haben hierzu "14,8%" notiert – was allerdings unmöglich stimmen kann, denn wenn alle Teilsparten zugewinnen, kann das Gesamtergebnis niemals weniger als im Vorquartal ergeben. Auch hier scheint nunmehr die 20%-Marke in Reichweite für AMD und dürfte demnächst genommen werden. Bevor allerdings AMD zu wirklich größeren Ufern aufbrechen kann, dürfte dennoch einige Zeit vergehen, denn auch insgesamt entwickelt sich der Markt langsam: Zuletzt waren es +4,4 Prozentpunkte Zugewinn pro Jahr, auch in diesem Fall würde es (platt hochgerechnet) noch 7 Jahre für die 50%-Marke benötigen. Wenn Börsenanalysten von 50% Marktanteil für AMD reden, zu erreichen sogar innerhalb der nächsten 12-18 Monate (wie zuletzt bei Seeking Alpha), erscheint dies gemäß der vorliegenden Marktdaten als extrem weit hergeholte Träumerei.

x86 Desktop x86 Mobile x86 Server x86 insgesamt
Q2/2020 19,2% vs. 80,8% 19,9% vs. 80,1% 5,8% vs. 94,2% 18,3% vs. 81,7%
Q1/2020 18,6% vs. 81,4% 17,1% vs. 82,9% 5,1% vs. 94,9% -
Q4/2019 18,3% vs. 81,7% 16,2% vs. 83,8% 4,5% vs. 95,5% 15,5% vs. 84,5%
Q3/2019 18,0% vs. 82,0% 14,7% vs. 85,3% 4,3% vs. 95,7% 14,6% vs. 85,4%
Q2/2019 17,1% vs. 82,9% 14,1% vs. 85,9% 3,4% vs. 96,6% 13,9% vs. 86,1%
Q1/2019 17,1% vs. 82,9% 13,1% vs. 86,9% 2,9% vs. 97,1% 13,3% vs. 86,7%
Q4/2018 15,8% vs. 84,2% 12,1% vs. 87,9% 3,2% vs. 96,8% 12,3% vs. 87,7%
Q3/2018 13,0% vs. 87,0% 10,9% vs. 89,1% 1,6% vs. 98,4% 10,6% vs. 89,4%
Q2/2018 12,3% vs. 87,7% 8,8% vs. 91,2% 1,4% vs. 98,6% 9,1% vs. 90,9%
Q1/2018 12,2% vs. 87,8% 8,0% vs. 92,0% 1,0% vs. 99,0% 8,6% vs. 91,4%
Q4/2017 12,0% vs. 88,0% 6,9% vs. 93,1% 0,8% vs. 99,2% -
Q3/2017 10,9% vs. 89,1% 6,8% vs. 93,2% - 7,5% vs. 92,5%
Q2/2017 11,1% vs. 88,9% - - -
Q1/2017 11,4% vs. 88,6% - - -
Q4/2016 9,9% vs. 90,1% - - -
Q3/2016 9,1% vs. 90,9% - - -
AMD-Marktanteil in rot, Intel-Marktanteil in blau – Quelle aller Zahlen: Mercury Research (jeweils ohne IoT/Embedded/SemiCustom-Prozessoren)