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Hardware- und Nachrichten-Links des 2. Juli 2018

Selbst ohne (dem nicht gänzlich sicheren) Polaris 30 wird es nach einer Phase der vergleichsweisen Ruhe im Hardware-Bereich einen "heißen Herbst" geben – mit reihenweise Neuvorstellungen, welche auch einiges umkrempeln werden. Den Anfang macht augenscheinlich AMDs Threadripper II, sofern dessen bisher kolportierter Launchtermin im August hält. Hiermit wird AMD wie bekannt dem HEDT-Segment dann Prozessoren mit bis zu 32 CPU-Kernen hinzufügen – und sofern sich die vorab genannten Preispunkte bestätigen lassen, Intel von Kern-Anzahl und Preispunkt her unter Druck setzen. Irgendwann im Zeitrahmen August bis Oktober dürften dann die ersten Grafikkarten von nVidias Turing-Generation antreten, vermutlich mit dem HighEnd-Chip GT104 in Form von GeForce GTX 1170 & 1180 als erste Lösungen. Hiermit dürfte nVidia primär das Performance-Level der GeForce GTX 1080 Ti überbieten bzw. jene frühere Enthusiasten-Lösung damit ablösen – wirklich schnellere Turing-Lösungen dürften dann später erscheinen.

Termin Segment Technik
AMD Threadripper II August CPU/HEDT 8C bis 32C für Sockel TR4 auf X399-Mainboards
nVidia GT104 (Turing) August-Oktober Gfx/HighEnd Performance (vermutlich) in Richtung GeForce GTX 1080 Ti +X%
Intel Coffee Lake 8C September CPU/HighEnd 8C für Sockel 1151v2 auf (neuen) Z390-Mainboards
Intel Cascade Lake Q4/2018 CPU/HEDT bis zu 28C auf (neuen) X399-Mainboards
AMD Polaris 30 Q4/2018 Gfx/Midrange zweiter Refresh von Polaris 10 mit (bestenfalls) 15% Mehrperformance
nVidia GT106 (Turing) Q4/2018-Q1/2019 Gfx/Midrange Performance (vermutlich) grob in Richtung GeForce GTX 1080
nVidia GT102 (Turing) Q4/2018-Q2/2019 Gfx/Enthusiast Performance (vermutlich) grob in Richtung GeForce GTX 1080 Ti +50%
Alle Terminangaben dieser Tabelle sind natürlich derzeit ungesicht, aber auch die restlichen Daten sind zumeist rein inoffizieller Natur.

Vermutlich im September tritt dann der lange erwartete Coffee-Lake-Achtkerner an, mittels welchem Intel im normalen Consumer-Segment bei der Kern-Anzahl mit AMD gleichziehen wird. Es gab zwar kürzlich Berichte über sogar eine komplett neue Prozessoren-Serie seitens Intel, aber dies klingt ohne weitere Bestätigung noch zu abenteuerlich, um darauf zu vertrauen. Zu einem unbestimmten Termin im vierten Quartal sollen dann zum einen der schon genannte Midrange-Refresh Polaris 30 sowie Intels neues HEDT-Angebot "Cascade Lake" erscheinen. Mit letzterem wird Intel die laufenden "Kern-Kriege" zwischen AMD und Intel zu einem vorläufigen Höhepunkt führen – wobei beide Anbieter ihre faire Chance haben, AMD mit ein paar mehr CPU-Kernen, Intel mit typischerweise etwas höheren Taktraten. Potentiell noch im letzten Jahresquartal könnten dann die weiteren Turing-Chips GT106 fürs Midrange-Segment (GeForce GTX 1160) sowie GT102 fürs Enthusiasten-Segment (GeForce GTX 1180 Ti) erscheinen, genauso gut könnten aber einer oder beide dieser Chips auch erst im Jahr 2019 antreten.

Videocardz notieren die ersten Benchmarks zum Ryzen 3 2300X, einem kommenden Vierkern-Prozessor auf Pinnacle-Ridge-Basis. Jene Vierkerner ohne SMT gehören zum Einsteiger-Segment und gehen dort in Konkurrenz zu Core i3 – welcher ab der Coffee-Lake-Generation nun ebenfalls Vierkerner ohne HyperThreading aufbietet. Das ganze gibt also einen Vergleich auf gleicher Kern- und Thread-Anzahl, was bislang zwischen AMD und Intel eher selten ist. Die Vorab-Benchmarks sehen dabei gut aus für den Ryzen 3 2300X – im eigentlichen zu gut, denn die 690 Cinebench-R15-Punkte sind deutlich mehr als beim vorhergehenden Ryzen 3 1300X (557 auf default-Taktraten, 620 bei Overclocking auf 4.0 GHz) und zeigen eher darauf hin, das die ausgewiesene Taktrate von 4.265 GHz nicht dynamisch per Precision Boost 2 erzielt wurde, sondern schlicht per Übertaktung zustandekam. Auf default-Taktraten sollte der Ryzen 3 2300X bei (grob) geschätzt 580-600 Punkten im Multithread-Test des Cinebench R15 herauskommen – was auch noch ein sehr gutes Ergebnis wäre und damit sogar Intels Core i3-8100 nahekäme. Dafür, das AMDs Prozessoren ansonsten gewöhnlich mehr CPU-Threads für gleichwertige Ergebnisse benötigen, wäre diese Nahezu-Gleichstand auf gleicher Thread-Anzahl durchaus beachtenswert.

AMD Cinebench R15 Intel
633 Core i3-8300 Coffee Lake, 4C, 3.7 GHz, 138$
616 Core i3-8100 Coffee Lake, 4C, 3.6 GHz, 117$
Pinnacle Ridge, 4C, 3.5/? GHz Ryzen 3 2300X (geschätzt)
580-600
Summit Ridge, 4C, 3.5/3.7 GHz, 129$ Ryzen 3 1300X 557
Summit Ridge, 4C, 3.1/3.4 GHz, 109$ Ryzen 3 1200 482

Im Fall des AVX1-Zwangs von "The Crew 2" gemäß der offiziellen PC-Systemanforderungen ist nachzureichen, das diese Bedingung nach der offenen Beta seitens der Spieleentwickler gestrichen wurde – trotz das jene immer noch auf der offiziellen Webseite notiert wird. Damit kann The Crew 2 also auch auf Prozessoren laufen, welche zwar SSE4 unterstützen, aber noch kein AVX1: Bei Intel sind dies die 45nm-basierten Core-2-Prozessoren, die komplette Nehalem-Architektur sowie die Pentium-Modelle von Kaby Lake und Coffee Lake – während es bei AMD gibt es keine solchen Prozessoren gibt, da AMD (mittels Bulldozer) direkt von SSE3 auf AVX1 gesprungen ist. Dies erklärt auch, wieso im Video der PC Games Hardware der benutzten Phenom II Prozessor (Basis: K10) das Spiel letztlich nicht darstellen konnte – der Prozessor bietet maximal SSE3 (sowie die selten genutzte AMD-Sonderform "SSE4a", was nichts mit dem offiziellen SSE4 zu tun hat). Die Spielentwickler haben das ganze allerdings reichlich unglücklich gelöst, indem der Phenom II das Spiel mit Vorspann und Menüs starten kann, dann beim Wechsel ins eigentliche Spiel jedoch ohne jede Fehlermeldung ins Hauptmenü zurückfällt. Insgesamt kann an dieser Stelle mitgenommen werden, das derzeit dann doch noch kein Spiel einen Zwang zu AVX1 hat – allerdings kann man durchaus sagen, das dies irgendwann passieren wird und dieser Fall sozusagen eine Vorwarnung dafür darstellt.