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nVidia übernimmt ARM

nVidia hat den zuletzt häufiger kolportierten Kauf des britischen Chipentwicklers ARM nunmehr offiziell bestätigt, der Kaufpreis liegt (erfolgsabhängig) zwischen 33,5 bis 38,5 Mrd. Dollar für 90% der ARM-Aktien (10% der Aktien sowie die "ARM IoT Services Group" verbleiben beim bisherigen Eigner "SoftBank"). Hiervon zahlt nVidia allerdings nur 12 Mrd. Dollar in bar, der Rest wird in nVidia-Aktien beglichen – womit nVidia eine gute Möglichkeit bekommt, die sprudelnden Gewinne der letzten Jahre sinnvoll "loszuwerden", ohne sich dabei jedoch finanziell gänzlich zu übernehmen. Diese Übernahme wird maßgeblich durch nVidias hohe Aktienkurse der letzten Zeit begünstigt, nachdem nVidia derzeit einen Unternehmenswert von knapp 300 Mrd. Dollar aufweist (sogar deutlich mehr als Intel). Insbesondere die Begleichung von mehr als der Hälfte des Kaufpreises in Aktien kommt nVidia somit derzeit sehr günstig.

Natürlich sind potentiell fast 40 Mrd. Dollar dennoch ein sehr stolzer Preis für eine reine Entwickler-Firma, durch deren Bücher üblicherweise keine fertigen Chips, sondern nur anteilige Lizenzkosten gehen. Bisher erwirtschafte ARM damit Quartalsumsätze von 400-500 Mio. Dollar, was auf Höhe der aktuellen nVidia-Geschäftszahlen durchaus nur bei einem grob 10%igen Umsatz-Zuschlag für nVidia herauskommen würde (was in dieser direkten Form jedoch nicht passieren wird, denn ARM wird ein eigenes Unternehmen bleiben). Vorher muß die Übernahme aber natürlich erst einmal von den Wettbewerbshütern abgesegnet werden, deren Finalisierung wird erst in anderthalb Jahren erwartet. Regulatorisch sind jedoch kaum große Probleme zu erwarten, denn bislang operieren beide Unternehmen auf ziemlich getrennten Geschäftsfeldern, womit sich auch keine Bedenken ob einer zu groß werdenden Marktmacht ergeben sollten. Sicherlich könnte nVidia rein potentiell den bisherigen Markt für Smartphone-SoCs empfindlich stören – aber da es dort schließlich auch andere Techologie-Anbieter gibt, spielt dies wettbewerbsrechtlich keine Rolle.

nVidia hat allerdings schon angekündigt, am bisherigen Geschäftsmodell von ARM erst einmal nichts zu verändern. Vermutlich haben die Nutzer von ARM-Lizenzen auch entsprechend langfristige Vereinbarungen, auf dass jene selbst bei eventuellen Veränderungen noch lange im Status Quo weiterarbeiten können. Dennoch besteht natürlich das Risiko, dass diese Übernahme von den an ARM-Lizenzen hängenden CPU- und Geräte-Entwicklern eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird – und sich die bisherigen ARM-Kunden somit nach Alternativen umsehen. Es dürfte nVidias erste Aufgabe im Rahmen der Abwicklung dieser Übernahme sein, alle Befürchtungen in diese Richtung hin zu zerstreuen. Sofern dies gelingt, würde diese Übernahme erst einmal keine Auswirkungen auf den derzeit ARM-dominierten Markt an Smartphone-SoCs haben. nVidia wird jedoch weiterhin immer unter starker Beobachtung der ARM-Kunden bleiben, denn jene können es sich natürlich nicht leisten, hiermit irgendwann in einer technologischen oder wirtschaftlichen Sackgasse zu landen.

nVidias Interesse an ARM liegt allerdings eher darin, im zukünftig (wahrscheinlich) sehr viel bedeutsamer werdenden Datacenter-Geschäft eine eigene CPU-Grundlage zu besitzen – nachdem die möglichen CPU-Zulieferer AMD und Intel schließlich eigene Anstrengungen in diese Richtung hin unternehmen und somit als nVidias Markt-Kontrahenten keine sicheren Kandidaten für eine langfristige CPU-Unterstützung darstellen. Speziell der Punkt, dass ARM bislang nicht zwingend als Hochleistungs-Architektur bekannt ist, muß nVidia dabei noch am wenigsten stören – schließlich soll die wirkliche Performance in nVidias Datacenter-Ansatz immer von deren eigenen CUDA-Cores generiert werden. Ob es dafür allerdings nicht auch gereicht hätte, sich eine ARM-Lizenz zu nehmen und darauf aufbauend eigene Prozessoren zu kreiieren, kann wohl nur die Zeit zeigen. nVidia ist mit der ARM-Übernahme in jedem Fall in der schwierigen Zwickmühle, zum einen das bisherige ARM-Ökosystem nicht zu zerstören und damit jenen Kauf nicht selbsttätig zu entwerten, gleichfalls aber auch irgendwann einmal einen so entscheidenden Vorteil daraus zu generieren, auf dass sich der hohe Kaufpreis wirklich rentiert.