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AMD stellt den Treiber-Support für pre-Polaris-Karten sowie für Windows 7 unvermittelt ein

Nachdem es nVidia vorgemacht hatte, zieht AMD nunmehr nach – und stellt gemäß einer Ankündigung im AMD-eigenen Blog den Treibersupport für frühere Grafikkarten sowie frühere Microsoft-Betriebssysteme ein. Der Grad der Support-Einstellung ist dabei teilweise sogar höher als bei nVidia, die nunmehr ohne zukünftige Treiber-Aktualisierungen dastehenden AMD-Grafikkarten in der Anzahl größer. Denn während nVidia auf Grafikkarten-Seite nur den Support der Kepler-Generation (GeForce 600/700 Serien) einstellen wird, läßt AMD jenen für gleich drei Grafikkarten-Serien auslaufen: Radeon HD 7000, Radeon R200, Radeon R300/Fury. Als Schmankerl oben drauf gilt dies bei AMD unverzüglich – und nicht wie bei nVidia mit wenigstens etwas Vorwarnzeit.

Windows 7 Windows 10
pre-Polaris-Karten (Radeon HD 7000, R200, R300 & Fury Serien) Supportende 21. Juni 2021 Supportende 21. Juni 2021
alle neueren AMD-Karten (Radeon RX400 bis RX6000 Serien) Supportende 21. Juni 2021 wird weiterhin unterstützt
Anmerkung: Windows 8/8.1 wurde von AMD schon seit längerer Zeit generell nicht mehr unterstützt

Gleiches gilt für den Windows-7-Support, welchen AMD nunmehr für alle seine Grafikkarten beendet. In der Betriebssystem-Frage kommt AMD allerdings etwas besser weg, da man schon seit einigen Jahren keinen Support an neuen Treibern für Windows 8/8.1 mehr bot (letzte Treiber-Version: 17.7.1) – womit es auch nicht (wie bei nVidia) zur unglücklichen Situation kommt, den Treiber-Support für ein noch seitens Microsoft gepflegtes Betriebssystem (Windows 8.1) einzustellen. Alle betroffenen Grafikkarten/Betriebssystem-Kombinationen erhalten mit der WHQL-Version des (eigentlich schon im Mai veröffentlichten) Radeon-Treibers 21.5.2 ein letztmaliges Update, danach sind keine weiteren Treiber seitens AMD geplant. Wie schon bei nVidia ergeben sich an dieser Treiber-Politik allerdings durchaus Kritikpunkte:

  1.   Die stärkeren R200/R300/Fury-Grafikkarten liegen zumeist noch in den Mindestanforderungen heutiger Spiele.
  2.   R200/R300/Fury-Grafikkarten laufen selbst unter heutigen Titeln meist gut mit, haben ihre Performance über die Zeit gut konserviert.
  3.   Die GCN2/3-basierten Modelle der R200/R300/Fury-Serien bieten sogar Hardware-Support für DirectX 12 Feature-Level 12_0.
  4.   Windows 7 bekommt noch bis Anfang 2023 alle Updates mittels des ESU-Programms.
  5.   Keinerlei Vorwarnzeit, der Treiber-Support wird unvermittelt & umgehend eingestellt.

Die reine Anzahl dieser Kritikpunkte sollte nicht überbewertet werden, es handelt sich oftmals nur um verschiedene Betrachtungsweisen desselben Umstandes: Die stärkeren der R200/R300-Grafikkarten sind auch heute noch gangbar, sowohl von Performance, Grafikkartenspeicher-Bestückung als auch dem zugrundeliegendem DirectX-12-Featurelevel. AMD stellt hier faktisch – und dies im krassen Gegensatz zu nVidia – den Treiber-Support zu den ersten echten DirectX-12-Beschleuniger ein (nVidias Kepler-Grafikkarten konnten DirectX 12 nur in Software, haben Hardware-technisch nur Feature-Level 11_0). Und dabei ist deren Performance-Level derzeit immer noch so weit ausreichend, dass nahezu alle der in der Spiele-Saison 2020/21 veröffentlichen Spitzen-Titel damit laufen könnten, nennen einige Mindestanforderungen sogar immer noch Radeon HD 7950/7970 Karten:

Mindest-Anforderung entspricht in HD7000-Serie entspricht in R200-Serie entspr. in R300/Fury-Serie
Days Gone Radeon R9 290 - Radeon R9 290 Radeon R9 390
Resident Evil Village Radeon RX 560 (4GB) - Radeon R9 270X 4GB Radeon R9 380 4GB
Valheim (EarlyAccess) Radeon HD 7970 Radeon HD 7970 Radeon R9 280X Radeon R9 380
The Medium Radeon R9 390X - - Radeon R9 390X
Hitman 3 Radeon HD 7870 Radeon HD 7870 Radeon R9 270 Radeon R7 370
Call of Duty: Black Ops Cold War Radeon HD 7950 Radeon HD 7950 Radeon R9 270X Radeon R9 380
Assassin's Creed: Valhalla Radeon R9 380 (4GB) - Radeon R9 290 Radeon R9 380 4GB
DiRT 5 Radeon RX 480 - Radeon R9 290X Radeon R9 390
Watch Dogs: Legion Radeon R9 290X - Radeon R9 290X Radeon R9 390
Cyberpunk 2077 Radeon RX 470 - Radeon R9 290 Radeon R9 390
Star Wars: Squadrons Radeon HD 7850 Radeon HD 7850 Radeon R7 265 Radeon R7 370

Am schmerzlichsten dürfte dies aus Sicht von Radeon R9 390 & 390X sein, welche ein gutes Performance-Level auf Höhe von Radeon RX 570/480 aufweisen, generell mit 8 GB Grafikkartenspeicher ausgerüstet sind – und zusammen mit dem DirectX 12 Feature-Level 12_0 kein neues Spiel wirklich fürchten müssen. Sicherlich kann es hier und da zu Fällen kommen, wo diese Karte nur noch für die Mindestanforderungen taugen, aber gänzlich und unspielbar oder wegen der Speichermenge praktisch unbrauchbar sind gerade diese beiden Grafikkarten mitnichten. Dies geht dann leider auch ein wenig gegen AMDs bisherigen Ruf, wonach AMDs Grafikkarten üblicherweise gut altern und noch lange Zeit mit vernünftigen Performance-Ergebnissen benutzbar sind.

All dies steht natürlich (wie bei nVidia) gegen die Einschränkung, dass der eingestellte Treiber-Support keineswegs eine umgehende Unnutzbarkeit dieser Grafikkarten bedeutet. Alles was besteht, funktioniert erst einmal einwandfrei so weiter. Betroffen sind vom fehlenden Support an neuen Treibern immer nur neue Spieletitel – und auch nur dann, wenn in jenen gewichtige Treiber-Fixes enthalten sind, welche der Stabilität dienen oder erhebliche Performance-Vorteile bieten. So etwas ist mittlerweile selten, in aller Regel gibt es mit den Spiel-bezogenen Treibern nur gewisse Performance-Verbesserungen – welche zum Gewinnen von Benchmarks nützlich sind, aber zumeist keinen generellen Einfluß auf die Spielbarkeit oder Spiel-Stabilität haben.

Trotzdem bedeutet die Einstellung des Treiber-Supports natürlich, dass dieser Krug nun nicht mehr ewig zum Brunnen gehen wird. Ab sofort arbeitet die Zeit gegen die betroffenen Grafikkarten, ist diese Support-Einstellung somit ein Weckruf, einen kommenden Grafikkarten-Wechsel einzuplanen. Und wie auch bei nVidia liegt exakt an dieser Stelle der hauptsächliche Kritikpunkt: Dies kommt einfach zu einem schlechten Zeitpunkt. Auch jetzt noch sind die Grafikkarten-Preise maßgeblich überzogen und sollten die Grafikchip-Entwickler daher andere Prioritäten setzen, als ausgerechnet jetzt den Treiber-Support zusammenzukürzen. Dies ist sicherlich eine Minderheiten-Meinung, musste aber dennoch (zugunsten dieser Minderheiten) einfach gesagt werden.