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nVidia stellt den Treiber-Support für Kepler-Grafikkarten sowie für Windows 7/8/8.1 zum Herbst 2021 ein

Nachdem bereits im Mai über eine sich anbahnende Einstellung des Treiber-Supports seitens nVidia für Kepler-basierte Garfikkarten (GeForce 600/700 Serien) berichtet wurde, hat nVidia selbiges nun offiziell erklärt – und gleichzeitig auch auf die Betriebssysteme Windows 7, 8 und 8.1 ausgeweitet, unabhängig der benutzten Grafikkarte. Beide Support-Zweige werden zum 31. August letztmalig mit einem neuen Treiber bedient, alle nachfolgende nVidia-Treiber unterstützen dann weder Kepler-Grafikkarten noch Windows 7/8/8.1. Eine Ausnahme hiervon würde nVidia nur bei kritischen Fehler im Treiber selber oder aber gewichtigen Sicherheits-Lücken machen – aber der reguläre Nachschub mit den sogenannten Game-Ready-Treibern wird ab diesem Zeitpunkt für Kepler sowie für Windows 7/8/8.1 seitens nVidia eingestellt.

Windows 7/8/8.1 Windows 10
Kepler-Grafikkarten (GeForce 600/700 Serien) Supportende 31. August 2021 Supportende 31. August 2021
GeForce GTX 750 & 750 Ti Supportende 31. August 2021 wird weiterhin unterstützt (da Maxwell-basiert)
alle neueren nVidia-Karten (GeForce 900-30 Serien) Supportende 31. August 2021 wird weiterhin unterstützt

Zuerst noch etwas unklar war die Situation zu den Grafikkarten-Modellen GeForce GTX 750 & 750 Ti – welche Verkaufs-technisch beide der GeForce-700-Serie angehören, Architektur-technisch hingegen der Maxwell-Generation. Allerdings gibt es dennoch gewisse technische Unterschied zur regulären Maxwell-Generation (GeForce 900 Serie), welche man aus Architektur-Sicht auch gern als "Maxwell 2.0" bezeichnet. Ursprünglich hatte nVidia jene beiden Grafikkarten mit unter denjenigen Modellen aufgelistet, zu denen der Treiber-Support eingestellt werden soll. Die aktualisierte FAQ bei nVidia enthält nun aber keine GeForce GTX 750 & 750 Ti mehr – was bedeutet, dass nVidia dies doch aus Architektur-Sicht betrachtet und somit GeForce GTX 750 & 750 Ti (rein unter Windows 10) weiterhin unterstützt werden.

Beide genannten großen Schritte nVidias zur Support-Einstellung sind letztlich zu erwarten gewesen, da speziell Windows 7 vor immerhin anderthalb Jahren bereits sein eigenes Support-Ende erreicht hat sowie der Nutzeranteil von Windows 8/8.1 schon des längeren marginal ist. Im Spiele-Bereich hat es sich inzwischen seitens der Spiele-Entwickler etabliert, offiziell nur noch Windows 10 zu unterstützen – ganz egal ob vielleicht nur DirectX 11 geboten wird und damit ein Windows-7-Support technisch weiterhin möglich wäre. Zudem war nVidia immer etwas früher dran bei diesen Entscheidungen als AMD – welche allerdings in einem Fall bereits fixer sind, denn bei AMD gibt es schon des längerem keinen Treiber-Support für Windows 8/8.1 mehr (allerdings natürlich weiterhin für Windows 7). Dennoch läßt sich Kritik an dieser Entscheidung nVidias anbringen, liegen hierzu durchaus Gegenargumente vor:

  1.   Die stärkeren Kepler-Grafikkarten liegen zumeist noch in den Mindestanforderungen heutiger Spiele.
  2.   Windows 7 bekommt noch bis Anfang 2023 alle Updates mittels des ESU-Programms.
  3.   Windows 8.1 ist derzeit weiterhin im offiziellen Support seitens Microsoft, welcher bis zum 10. Januar 2023 läuft.

Der Anmängelung der Support-Einstellung von Windows 7/8/8.1 werden die meisten Anwender sicherlich nichts abgewinnen können, da jene in der großen Mehrzahl längst auf Windows 10 umgestiegen sind. Aus Sicht der letzten Windows-7-Nutzer wäre es jedoch sinnvoll seitens nVidia gewesen, diesen Schritt langfristig anzukündigen. Immerhin hätte man auch gestern noch eine neue nVidia-Grafikkarte für ein älteres Windows-7-System erwerben können – welche dann einen Treiber-Support von real nur drei Monaten erreichen würde. Im Fall von Windows 8.1 kann man dies sogar noch kritischer sehen: Hier wird der Treiber-Support für ein bei Microsoft noch nicht ausgelaufenes Betriebssystem einfach kurzfristig abgesagt – und zwar mehr als ein Jahr bevor Microsoft den Support einstellt. Dies darf eigentlich nicht passieren bzw. dürfte wenn dann nur mit einer Vorwarnfrist von wenigstens einigen Quartalen geschehen.

Die Einstellung des Kepler-Supports mag hingegen eher "Normalität" darstellen, denn irgendwann läuft nun einmal der Treiber-Support jeder alten Grafikkarten-Serie aus. Allerdings macht nVidia hierbei aus unserer Sicht dennoch zwei Fehler: Erstens einmal sind die schnelleren Kepler-Grafikkarten derzeit immer noch mit der Performance aktueller LowCost- und Mainstream-Modellen vergleichbar. In den meisten Fällen reicht es auch aus, um unter heutigen Spielen die offiziellen Mindestanforderungen zu erfüllen, in einigen Spielen ergibt sich sogar eine vollkommen ehrbare Performance mit GeForce 600/700 Grafikkarten. Man kann also nicht sagen, dass die Kepler-Generation bereits komplett zum Alteisen geworden ist, die schnelleren Kepler-Modelle sind teilweise immer noch nutzbar.

Mindest-Anforderung entspricht in GF600-Serie entspricht in GF700-Serie
Days Gone GeForce GTX 780 GeForce GTX Titan GeForce GTX 780
Resident Evil Village GeForce GTX 1050 Ti (4GB) GeForce GTX 680 4GB GeForce GTX 770 4GB
Valheim (EarlyAccess) GeForce GTX 950 GeForce GTX 660 Ti GeForce GTX 760
The Medium GeForce GTX 1060 Performance-Level nicht ausreichend
Hitman 3 GeForce GTX 660 GeForce GTX 660 GeForce GTX 760
Call of Duty: Black Ops Cold War GeForce GTX 670 GeForce GTX 670 GeForce GTX 760
Assassin's Creed: Valhalla GeForce GTX 960 DirectX 12 Feature-Level 12_0 fehlt
DiRT 5 GeForce GTX 970 - GeForce GTX 780 Ti
Watch Dogs: Legion GeForce GTX 970 (4GB) - GeForce GTX Titan Black
Cyberpunk 2077 GeForce GTX 780 (3GB) GeForce GTX Titan GeForce GTX 780
Star Wars: Squadrons GeForce GTX 660 GeForce GTX 660 GeForce GTX 760

Viel gewichtiger ist allerdings der zweite Punkt: Mittels der Support-Einstellung sollten letztlich alle Kepler-Grafikkarten (bis auf in Retrosystemen befindliche) außer Dienst gehen und nachfolgend durch neuere Grafikkarten ersetzt werden. Dies zu den aktuell im Einzelhandel aufgerufenen Preislagen von den Anwendern abzuverlangen, erscheint als reichlich harsch bzw. überhaupt nicht mitgedacht. Sicherlich besteht die Außenseiter-Chance, dass die Grafikkarten-Preise bis zum September wieder "normal" sind – aber dann müsste nVidia ja auch nur drei Monate abwarten, um sich diesbezüglich sicher zu sein. Wenn die Grafikkarten-Preise hingegen nicht so schnell auf ein Normalmaß zurückgehen, zwingt nVidia hiermit die letzten Kepler-Nutzer gerade zur Unzeit zu einem Umstieg.

Sicherlich betreffen solcherart Dinge immer nur einen geringen Bruchteil der Nutzer und haben somit wenig Chancen darauf, von der Mehrheit mitgetragen zu werden. Genauso ist die Support-Einstellung älterer Hard- und Software immer irgendwann an der Reihe. Aber in diesem Fall kommt das ganze schlicht mit dem falschen Timing. Indirekt zeigt nVidia hiermit darauf hin, dass man augenscheinlich immer noch nicht den aktuellen Gemütszustand der Gamer-Gemeinde begriffen hat – wo es derzeit darum geht, überhaupt erst einmal Grafikkarten zu vernünftigen Preislagen zu bekommen, anstatt sich gleich an den Austausch eigentlich noch funktionierender Alt-Beschleuniger zu machen. In einer anderen, "normalen" Situation des Grafikkarten-Marktes könnte man wohl problemlos mit diesem Schritt nVidias leben – aber jetzt ist genau der falsche Zeitpunkt.

Nachtrag vom 13. Juni 2021

Bezüglich der kürzlichen Meldung zum Support-Ende von Windows 7/7/8.1 sowie von Kepler-Grafikkarten bei nVidia sind noch zwei Punkte nachzutragen: Erstens einmal wäre herauszustreichen, dass die Einstellung des Treiber-Supports durch nVidia keineswegs eine umgehende Nichtnutzbarkeit der betroffenen Hardware bedeutet. Jene läuft einfach so weiter wie bisher, schlicht unterstützt durch die letzte passende Treiberversion vom August 2021. Was zukünftig fehlt, sind die nVidia-typischen Game-Ready-Treiber für diverse AAA-Titel mit ihren Spiele-Fixes und Performance-Verbesserungen. Auf die Performance-Verbesserungen könnte man notfalls verzichten, aber das Fehlen der Spiele-Fixes führt potentiell zu Problemen in der Zukunft. Selbstverständlich bricht damit nicht alles umgehend zusammen, es werden sich einfach nur über die Zeit die Inkompatibilitäten mehren – und somit indirekt den jeweiligen Nutzer dann doch zum Umstieg auffordern.

Viel gewichtiger ist allerdings das Signal, welches nVidia mit dieser Support-Einstellung bezüglich der Microsoft-Betriebssysteme Windows 7/8/8.1 gibt: Speziell Windows 7 wurde gerade von den Grafikchip-Entwicklern noch gut mit durchgeschleppt, obwohl im CPU/Mainboard-Bereich seitens AMD & Intel der offizielle Support hierfür schon seit einigen CPU-Generationen abgesagt ist (bei AMD kein Ryzen, bei Intel bis Core i-8000). Nominell sind hiermit sowieso nur Alt-Systeme zu betreiben, was die Nutzeranzahl effektiv limitiert. Mit dem Wegfall des Grafikkarten-Supports wird neben der CPU/Mainboard-Geschichte nunmehr das zweite große Warnsignal an die letzten Windows-7-Nutzer gegeben – dass es Zeit zu einem Umstieg wird. Dem Wegfall der Windows-7-Treiber für nVidia-Grafikkarten dürften sich nachfolgend vor allem die Spieleentwickler anschließen – womit dann auch der Grund entfällt, außerhalb vom Retro-Bereich Windows-7-Systeme weiterzubetreiben. Denkbar also, dass dieser Schritt nVidias die "Abwicklung" von Windows 7 stark beschleunigt und jenes Betriebssystem in absehbarer Zeit in die Unbenutzbarkeit (für moderne PC-Systeme) drängt.

Nachtrag vom 20. Juni 2021

Mit der Kritik an der Einstellung der Windows 7/8/8.1 Treiber ist nVidia wahrscheinlich etwas zu schlecht weggekommen. Sicherlich kann man sagen, dass auch letzte Woche noch jemand eine GeForce RTX 3090 für Windows 7/8/8.1 gekauft haben könnte – und nun nur noch bis August jeweils neue Game-Ready-Treiber bekommt. Dabei wird insbesondere Windows 8.1 seitens Microsoft noch bis Anfang 2023 mit allen Sicherheits-Updates versorgt, ist also keineswegs irgendwie unaktuell. Das Haupt-Gegenargument ergibt sich weniger aus der nominellen Situation, sondern eher aus der Praxis: Die Spiele-Entwickler (insbesondere im AAA-Bereich) verzichten inzwischen breitflächtig auf die offizielle Unterstützung von Windows 7/8/8.1, geben in ihren Mindestanforderungen zumeist nur noch Windows 10 an. Damit macht es für nVidia auch wenig Sinn, Treiber-Fixes für aktuelle Spiele unter Windows 7/8/8.1 zu erstellen, wenn die Spiele-Entwickler jene Betriebssysteme nicht einmal mehr selber offiziell unterstützen.

Im Zuge der Diskussion zu dieser Meldung hat sich im übrigen auch der erwähnenswerte Punkt gegeben, worin die zusätzlichen Kosten für nVidia und andere Treiber-Entwickler in einem solchen Fall liegen: Denn natürlich müssen die Fixes für Windows 7/8/8.1 nicht extra entwickelt werden, zumeist können die Fixes für Windows 10 regelrecht 1:1 übernommen werden. Die eigentlichen Kosten entstehen hierbei beim Testen der neuen Treiber: Hierfür müssen entsprechende PC-Systeme vorgehalten werden – nominell für alle unterstützten Betriebsysteme mit jeweils wenigstens einer Karte aus jeder Grafikchip-Architektur (besser einer Karte von jedem Grafikchip). Dies sind schnell eine Vielzahl an Systemen, auf denen jeder neue Treiber meistens recht intensiv durchgetestet werden muß – was den eigentlichen Kostenfaktor ergibt. Wie hoch der Kostenfaktor in absoluten Zahlen ist, läßt sich natürlich nicht sagen. Aber da der Treiber-Support keinerlei Einnahmenquelle darstellt, ist dies immer ein Posten, der sich aus unternehmerischer Sicht auch tatsächlich rechtfertigen lassen muß.