Das Referenzdesign-Konzept der Grafikkarten ist der Alptraum eines jeden Marketing-Managers. Wie soll er dem Anwender vermitteln, dass seine Grafikkarte besser ist, als eine vergleichbare Grafikkarte eines anderen Herstellers, wenn das Referenzdesign die Produkte verschiedener Hersteller vereinheitlicht? Es gilt also auszubrechen, indem man technische oder gestalterische Elemente verändert.
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Es ist interessant zu beobachten, dass die vermeindliche Vereinheitlichung des Referenzdesigns eher einen Innovations-Schub bedingt. Denn während sich früher die Hersteller schon damit zufrieden gaben, ein qualitatives Produkt auf den Markt zu bringen, muss man heute weit aus mehr bieten, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Das Resultat sind nicht nur optische Verschönerungen, sondern vor allem auch ein weiterer Qualitätsanstieg.
Ein gutes Beispiel sind die verwendeten Kondensatoren, Spulen und Spannungswandler. So glänzen selbst die verschleißfreudigen Kondensatoren mittlerweile schon mit einer Lebenserwartung von bis zu mehreren Jahrzehnten. Auch wurde die Effizienz von Kondensatoren, Spulen und Spannungswandlern soweit gesteigert, dass sie im Schnitt ein Drittel weniger Abwärme produzieren. Damit macht sich ein Qualitätsbewußtsein breit, dass vor 3-4 Jahren nur im Ansatz existierte.
Auch praktisch nutzbare Innovationen präsentieren die Hersteller. Dazu zählen leisere Kühlmaßnahmen, die durch großflächigere Kühler oder durch zusätzliche und langsam drehende Lüfter realisiert werden. Zu beobachten ist auch ein verstärktes Aufkommen von Wasserkühler-vorbereiteten-Grafikkarten. Früher blieben diese nur 1-2 Herstellern vorbehalten und dann auch zu sehr stolzen Preisen. Doch mittlerweile entdecken immer mehr Hersteller die Not der WaKü-Anwender, denen beim selbst-durchgeführten Kühlerwechsel der Garantieverlust droht.
Ganz allgemein ist auch ein Zuwachs an Spezial-Lösungen zu beobachten. Die neben den regulären und übertakteten Grafikkarten auf den Markt schwemmen. Dazu zählen Grafikkarten mit einer Semi-Passiven Kühlung, wie bei der MSI Hybrid Frozr, die nur im 3D-Betrieb ihren Lüfter zuschaltet. Oder Midrange Grafikkarten, wie die Radeon HD 4650, die von Sapphire als Low-Profile Modell angeboten wird, um damit auch in flachen HTPCs eine adäquate 3D-Leistung zu realisieren. Vergleichbares bietet auch Zotac mit einer Low Profile GeForce 9600, die trotz der geringen Dimensionen mit einem 256bit Speicherinterface glänzen kann. Ganz allgemein steht damit außer Frage, ob die Einführung des Referenzdesigns einen nachteiligen Effekt auf die Produktvielfalt hatte. Viel eher ist sogar das Gegenteil der Fall.