GeForce GTX 750 Ti, 780i & Titan Ultra: Wie nVidias Antwort auf AMDs "Volcanic Islands" aussehen könnte

Mittwoch, 16. Oktober 2013
 / von Leonidas
 

Insbesondere in den letzten Tagen ist AMDs Volcanic-Islands-Serie ein bestimmendes Thema – ganz besonders nachdem klar wird, daß speziell die drei Top-Modelle Radeon R9 280X, 290 & 290X mit richtig attraktiven Preis/Leistungs-Verhältnissen antreten werden. Aber dies wird nVidia natürlich auch zu einer Reaktion zwingen, wenn sich die GeForce GTX Titan zu einem Preis von mehr als 800 Euro gegen eine wohl leicht schnellere Radeon R9 290X zu einem Preis von scheinbar unter 600 Euro versuchen muß. Und so dürfte nVidia sein Portfolio speziell im HighEnd-Bereich dann, wenn sich der Rauch des Volcanic-Islands-Launches verzogen hat, mittels Preissenkungen und neuen Karten ebenfalls grundlegend neu ordnen. Folgendes dürften (gemäß unserer Überlegungen) die Eckpunkte einer solchen Portfolio-Neuordnung sein:

  • GeForce GTX 660 Ti
    Diese Karte dürfte zugunsten der gleich schnellen GeForce GTX 750 Ti auslaufen. Gleichzeitig kann nVidia mit der Launch der neuen Karte auch einen neuen Preispunkt realisieren, welcher näher an die Preisvorgabe der Radeon R9 270X heranrückt.
  • GeForce GTX 760
    Diese Karte steht gut im Markt und wird durch das Auslaufen der Radeon HD 7000 Serie demnächst keinen direkten Kontrahenten mehr haben. Daher ergibt sich hier für nVidia keinerlei Handlungsbedarf.
  • GeForce GTX 670 & 680   Diese Karten laufen derzeit schon großflächig aus und werden somit hier nicht mehr eingreifen. Das Preisloch zwischen GeForce GTX 760 & 770 wird nVidia wohl primär durch die kommende Preissenkung bei der GeForce GTX 770 stopfen, danach werden GeForce GTX 670 & 680 wirklich nicht mehr benötigt.
  • GeForce GTX 770
    Sofern nVidia hier keine neue Karte herausbringt (bisher nichts bekannt), muß der Preis dieser Karte aggressiv nach unten gesenkt werden – 260 Euro kann man dabei problemlos anpeilen, was dem aktuellen Preispunkt der Radeon R9 280X entspricht.
  • GeForce GTX 780/780i
    Die bisherige GeForce GTX 780 wird in Kürze Zuwachs in Form der GeForce GTX 780i erhalten. Jene Karte könnte aufgrund ihrer nahezu gleichen bzw. minimal besseren Performance die bisherigen GeForce GTX 780 glatt ersetzen – denkbar wäre allerdings auch, daß nVidia beide Karten am Markt läßt: Die GeForce GTX 780i als billige Variante, die preislich mit der Radeon R9 290 konkurrieren soll – und die bisherige GeForce GTX 780 als Grundlage für die bekannt interessanten ab Werk übertakteten Varianten, deren Performance ins Feld der GeForce GTX Titan und damit auch der Radeon R9 290X hereinreichen. Für diesen Übertaktungs-Zweck ist die GeForce GTX 780i aufgrund ihrer schon ab Werk hohen Taktraten nicht geeignet.
  • GeForce GTX Titan
    Diese Karte dürfte wohl irgendwann doch auslaufen: Zum einen ist die Karte nur zweiter Sieger gegenüber der Radeon R9 290X, was nVidia (selbst mit einem besserem Preispunkt) nicht derart stehenlassen kann. Zum anderen passt zwischen die leicht schnellere GeForce GTX 780i und die kommende GeForce GTX Titan Ultra (ca. 15-20% Performance-Differenz) eigentlich keine weitere Grafikkarte mehr hinein. Den Job der Konkurrenz zur Radeon R9 290X werden wahrscheinlich schlicht die ab Werk übertakteten Varianten der GeForce GTX 780 übernehmen.
  • GeForce GTX Titan Ultra
    Diese Karte unter dem Vollausbau des GK110- oder auch GK180-Chips soll wieder nVidias alte Stellung einer unangefochten schnellsten Karte sichern, für welche man dann auch einen 1000-Dollar-Preispunkt machen kann.
 

Die Daten zu den drei kommenden neuen nVidia-Grafikkarten sind faktisch nahezu bekannt: Sowohl zu GeForce GTX 750 Ti als auch zu GeForce GTX 780i gibt es bereits handfeste Informationen. Einzig die GeForce GTX Titan Ultra ist derzeit Gegenstand reiner Spekulationen – da die Möglichkeiten des GK110-Chips allerdings begrenzt sind, läßt sich diese Karte dennoch schon ganz gut einkreisen.

GeForce GTX 750 Ti GeForce GTX 780i GeForce GTX Titan Ultra
Chipbasis nVidia GK104, 3,54 Mrd. Transistoren in 28nm auf 294mm² Chipfläche nVidia GK110/GK180, 7,1 Mrd. Transistoren in 28nm auf 561mm² Chipfläche
Architektur Kepler, DirectX 11.0
Technik 3 Raster-Engines, 960 Shader-Einheiten, 80 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit DDR Interface 4 Raster-Engines, 1920 Shader-Einheiten, 160 TMUs, 48 ROPs, 384 Bit Interface wahrscheinlich 5 Raster Engines, 2880 (1D) Shader-Einheiten, 240 TMUs, 48 ROPs, 384 Bit DDR Interface
Taktraten 1033/1098/3000 MHz 1033/1150/3000 MHz angenommen ~950/3400 MHz
Speicher 2 GB GDDR5 3 GB GDDR5 6 GB GDDR5
3DC Perf.Index
(1920x1080 4xAA)
~280% ~450-460% ~530-550%
Release Ende Oktober bis November Ende Oktober bis November November
Zielsetzung direkte Ablösung der GeForce GTX 660 Ti zur gleichen Performance bzw. etwas besserer Performance unter höheren Auflösungen, möglicherweise etwas niedrigerer Preis, gedacht als Gegenspieler zur Radeon R9 270X direkte Ablösung der nicht ab Werk übertakteten GeForce GTX 780 mit minimal höherer Performance, gedacht als Gegenspieler zur Radeon R9 290 Ablösung der GeForce GTX Titan als Top-Modell des Portfolios zu einer besseren Performance und wieder demselben 999-Dollar-Preispunkt, gedacht als neuer Inhaber des Performance-Throns

Damit ergibt sich eine schon recht solide Prognose, wie das Winter-Portfolio bei nVidia aussehen könnte: Neu zu launchen wären hierbei GeForce GTX 750 Ti, 780i und Titan Ultra, hinzu kommen Preissenkungen bei der GeForce GTX 770 & 780. Somit könnte nVidia nachfolgend AMDs Radeon R200 Serie überall gute Angebote entgegenstellen – allein das Gegenangebot gegenüber der Radeon R9 290X in Form der ab Werk übertakteten GeForce GTX 780 erscheint noch nicht so richtig zwingend. Andererseits kann nVidia aufgrund des niedrigeren Kartennamens bei dieser Lösung auch einen richtigen Kampfpreis gegenüber der Radeon R9 290X machen – was dann weniger zur GeForce GTX Titan in derselbe Rolle passen würde. Deswegen ist es auch wahrscheinlicher, daß den Counterpart zur Radeon R9 290X nicht eine preisgesenkte GeForce GTX Titan, sondern eben die ab Werk übertakteten Varianten der GeForce GTX 780 übernehmen.

AMD nVidia (aktuell) nVidia (Winter)
GeForce GTX Titan Ultra
~530-550%
 ~800€
Radeon R9 290X
~490-510%
 ~550€
GeForce GTX Titan
480%
 820-880€
GeForce GTX 780 OC
~480-500%
 ~550€
Radeon R9 290
~450-470%
 ~450€
GeForce GTX 780
440%
 520-560€
GeForce GTX 780i
~450-460%
 ~450€
Radeon R9 280X
380%
 260-290€
GeForce GTX 770
380%
 320-350€
GeForce GTX 770
380%
 ~260€
GeForce GTX 760
310%
 200-230€
GeForce GTX 760
310%
 ~200€
Radeon R9 270X
290%
 165-190€
GeForce GTX 660 Ti
280%
 180-210€
GeForce GTX 750 Ti
280%
 ~170€

Interessanterweise würde damit das komplette nVidia-Portfolio ab 170 Euro Preispunkt von den Grafikchips GK104 und GK110 gebildet werden, welche insbesondere zu GeForce-600-Zeiten noch für klares HighEnd standen. Die kleineren Grafikchips GK107 und GK106 würden damit klar in Richtung Mainstream-Segment abrutschen, was möglicherweise auch noch mittels neuer GK107- und GK106-Lösungen im Rahmen der GeForce-700-Serie manifestiert werden wird. Dieser Nachschlag zur GeForce-700-Serie dürfte aber wohl noch etwas auf sich warten lassen, da nVidia wie zu sehen zuerst sein HighEnd-Segment neu ordnen muß.

Ein wenig vakant ist sowohl bei AMD und nVidia, wie beide Grafikchip-Entwickler die riesige Preislücke zwischen Radeon R9 280X sowie GeForce GTX 770 auf der seinen Seite (klar unter 300 Euro) und Radeon R9 290 sowie GeForce GTX 780i auf der anderen Seite (Richtung 450 Euro) langfristig erklären wollen. Normalerweise müsste man in diese Preislücke noch eine weitere Grafikkarte hinein plazieren – jedoch, der Leistungsabstand zwischen den genannten Karten ist schon gering genug, da ist eigentlich kein Platz für eine weitere Grafikkarte.

Leider noch völlig unklar ist, wann nVidia diese oder eine andere Zukunfts-Version seines Grafikkarten-Portfolios realisieren wird. Sicherlich wird nVidia erst einmal abwarten, bis sich AMD mit Radeon R9 290 & 290X vollständig offenbart hat. Danach muß man allerdings schnellstmöglich reagieren, denn derzeit verkaufen sich die HighEnd-Grafikkarten von nVidia schon bemerkbar schlechter, da die Hardware-Enthuasiasten (nicht zu Unrecht) auf die Hawaii-Grafikkarten warten. Clever wäre es seitens nVidia, schon zum Ende des Oktobers mit dem Umbau des Portfolios anzufangen, auf daß man sich dann schon Mitte November komplett neu aufgestellt hätte. Jede Verzögerung würde nur AMD in die Hände spielen, welche teilweise wirklich interessante Preispunkte aufbieten und dafür derzeit vom Markt scheinbar auch belohnt werden.

Nachtrag vom 19. Oktober 2013

Im Rahmen einer freitäglichen nVidia-Veranstaltung in Montreal hat nVidia mit der GeForce GTX 780 Ti den eigentlichen Kontrahenten zur Radeon R9 290X für eine Veröffentlichung Mitte November angekündigt. Die bisher bekanntgegebenen Daten zu dieser Karte sind allerdings nur höchst spärlich: 3 GB GDDR5 werden als Speicher Verwendung finden, zudem deuten ein 6poliger samt einem 8poligen Stromstecker auf eine TDP kleiner 300 Watt an – was natürlich viel Spielraum läßt. Am ehesten kann man wohl daran, für welchen Zweck die Karte gedacht ist, deren Hardware-Daten und damit deren Performance abschätzen. Und hierzu hat nVidia eine klare Maßgabe gegeben: Man tritt gegen die Radeon R9 290X an, welche die GeForce GTX Titan im Normalfall leicht überbieten sollte – und will zugleich die schnellste je hergestellte nVidia-Karte auflegen, was auch aus diesem Blickwinkel eine Performance leicht oberhalb der GeForce GTX Titan andeutet.

Dafür ist faktisch die Hardware der GeForce GTX Titan mit etwas mehr Taktrate vonnöten – etwas, was sich sicherlich realisieren lassen wird, sieht man sich die Taktfreudigkeit der GeForce GTX Titan im Overclocking-Betrieb an. Unsere bisherige Idee, nVidia wolle die Radeon R9 290X mit den ab Werk übertakteten Versionen der GeForce GTX 780 bekämpfen, hat sich damit schnell erledigt – diesen Job wird keine "alte" Grafikkarte, sondern somit die GeForce GTX 780 Ti übernehmen. Alle anderen Vorhersagen dürften jedoch eintreffen: Die GeForce GTX 780 wird durch die leicht schnellere, aber nicht mehr so Overclocking-freudige GeForce GTX 780i abgelöst – und an die absolute Leistungsspitze wird nVidia eine GeForce GTX Titan Ultra stellen, um wieder eine 999-Dollar-Grafikkarte im Portfolio zu haben.

AMD nVidia (aktuell) nVidia (Winter)
GeForce GTX Titan Ultra
~530-550%
 ~800€
Radeon R9 290X
~490-510%
 ~550€
GeForce GTX Titan
480%
 820-880€
GeForce GTX 780 Ti
~490-510%
 ~550€
Radeon R9 290
~450-470%
 ~450€
GeForce GTX 780
440%
 520-560€
GeForce GTX 780i
~450-460%
 ~450€
Radeon R9 280X
380%
 260-290€
GeForce GTX 770
380%
 320-350€
GeForce GTX 770
380%
 ~260€
GeForce GTX 760
310%
 200-230€
GeForce GTX 760
310%
 ~200€
Radeon R9 270X
290%
 165-190€
GeForce GTX 660 Ti
280%
 180-210€
GeForce GTX 750 Ti
280%
 ~170€

Wie genau die Hardware der GeForce GTX 780 Ti aussieht, ist damit gar nicht so großartig relevant – nVidia will einen direkten Kontrahenten zur Radeon R9 290X und wird jenen mit ein wenig Feinabstimmung auch passgenau hinzimmern können. Erste Aufgabe der GeForce GTX 780 Ti ist dabei, der Radeon R9 290X vor allem preislich etwas passenden entgegenstellen zu können – ohne dafür die Preise zur GeForce GTX Titan /Ultra herunterreißen zu müssen. Spannend wird natürlich, wie jene GeForce GTX Titan Ultra dann konkret aussehen wird, wenn die GeForce GTX 780 Ti jetzt noch etwas schneller als die bisherige GeForce GTX Titan ausfällt – hier muß sich dann wirklich zeigen, was im GK110- oder auch GK180-Chip an Reserven stecken. Eventuell überrascht uns nVidia hier mit einer viel stärkeren GeForce GTX Titan Ultra als ursprünglich vermutet.