Launch-Analyse nVidia GeForce RTX 2060

Donnerstag, 17. Januar 2019
 / von Leonidas
 

Mit der GeForce RTX 2060 hat nVidia am 7. Januar 2019 (mit Auslieferung ab dem 15. Januar) die voraussichtlich kleinste Turing-basierende Lösung vorgestellt, welche noch mit aktivem RayTracing und damit unter dem Siegel "RTX" antreten wird. Die Karte basiert auf einer maßvollen Abspeckung des TU106-Chips der GeForce RTX 2070, welcher die GeForce RTX 2060 teilweise erstaunlich nahekommt. Als Pluspunkt gibt es mit 349 Dollar einen für Turing-Verhältnisse vergleichsweise freundlichen Preispunkt, als Negativpunkt dann allerdings nur 6 GB Grafikkartenspeicher. Die Karte bewegt sich damit im Grenzbereich von Midrange- zu HighEnd-Segment, tendiert je nach Betrachtungsweise mal zu der einen oder anderen Seite. Wo sich die Karte bei den harten Fakten von Performance, Stromverbrauch, Frametimes-Betrachtungen und Performance/Preis-Verhältnis gegenüber der vorhandenen Konkurrenz an AMD- und nVidia-Karten einordnen muß, soll mit dieser Launch-Analyse herausgefunden werden.

Bei der GeForce RTX 2060 stand nVidia unter dem Problematik, eine Abspeckung der GeForce RTX 2070 auf derselben Chipbasis erstellen zu müssen, welche sowohl eine klare Differenz der Karten untereinander ergibt als auch einen klar niedrigeren Preispunkt rechtfertigen kann – und gleichzeitig nicht zu langsam ist, um das "RTX"-Siegel und damit eine spielbare RayTracing-Performance zu gefährden. Diese Ausgangslage führte dann dazu, das nVidia den Rotstift weniger bei der reinen Rechenleistung angesetzt hat, sondern vor allem bei Speicherbandbreite und Speichermenge. Dafür ist dann aber auch ein Listenpreis von 349 Dollar herausgekommen, was immerhin 30% niedriger ist als bei der GeForce RTX 2070 im Referenz-Gewand – und vor allem gegenüber den bisherigen Turing-Grafikkarten doch deutlich freundlicher aussieht.

Die GeForce RTX 2060 verfügt somit nur über 30 von 36 physikalisch vorhandenen Shader-Clustern des zugrundliegenden TU106-Chips, alle damit zusammenhängenden Hardware-Einheiten (Shader-Einheiten, TMUs, RT- und Tensor-Cores) sind also nur zu 83% bei der GeForce RTX 2060 aktiv. Das Speicherinterface (samt ROP-Einheiten und Level2-Cache) wurde hingegen von 256 auf 192 Bit DDR beschnitten, ist also nur zu 75% gegenüber dem Vollausbau aktiv. Diese Abspeckung beim Speicherinterface führt allerdings auch dazu, das nVidia nur 6 GB GDDR6-Speicher verbauen musste – was nVidia und den Grafikkarten-Herstellern bei der Kostenseite weiterhilft, bedeutet natürlich eine gewisse Limitierung des Grafikkarten-Käufers. Denn damit ist die GeForce RTX 2060 sicherlich grenzwertig mit Grafikkartenspeicher ausgerüstet (gerade angesichts des Preispunkts), nicht wirklich für höhere Auflösungen geeignet und muß zudem die Langlebigkeit der Karte in Frage gestellt werden.

Obwohl Namenswahl und Speichermenge dies nahelegen, ist die GeForce RTX 2060 generell nicht als Ablösung der GeForce GTX 1060 zu sehen – da die GeForce RTX 2060 zu ihrem Preispunkt von 349 Dollar bzw. derzeit ab 370 Euro Straßenpreis eigentlich keine Midrange-Lösung mehr darstellt. Gemäß der Preislage ist die GeForce RTX 2060 eher denn eine kleine HighEnd-Karte in Nachfolge von GeForce GTX 970 (329$) und GeForce GTX 1070 (379$), letztgenannte läuft derzeit auch zugunsten der GeForce RTX 2060 aus. Gleiches trifft auf die GeForce GTX 1070 Ti (449$) zu, welche zwar preislich höher als die GeForce RTX 2060 angesetzt ist, von dieser bei der Performance jedoch erreicht wird und damit derzeit genauso aus dem Markt geht. Der natürliche AMD-Kontrahent ist dann die Radeon RX Vega 56 (399$), welche gemäß des Listenpreises etwas mehr kostet, bei den Straßenpreisen zumindest derzeit allerdings gleichwertiges bietet. Die preislichen Kontrahenten der GeForce RTX 2060 haben dann allesamt den Vorteil von gleich 8 GB Grafikkartenspeicher auf ihrer Seite, sowohl die Pascal-basierten nVidia-Beschleuniger als auch AMDs Angebote.

Radeon RX Vega 56 GeForce GTX 1070 GeForce GTX 1070 Ti GeForce RTX 2060 GeForce RTX 2070
Chipbasis AMD Vega 10 nVidia GP104
Fertigung 12,5 Mrd. Transistoren auf 495mm² Chipfläche in der 14nm-Fertigung von GlobalFoundries 7,2 Mrd. Transistoren auf 314mm² Chipfläche in der 16nm-Fertigung von TSMC 10,6 Mrd. Transistoren auf 445mm² Chipfläche in der 12nm-Fertigung von TSMC
Architektur Vega (GCN5), DirectX 12 Feature-Level 12_1 (Tier 3) Pascal, DirectX 12 Feature-Level 12_1 (Tier 2) Turing, DirectX 12 Feature-Level 12_1 (Tier 3)
Features DirectX 12, OpenGL, Vulkan, Asynchonous Compute, VSR, FreeSync, TrueAudio Next, XConnect DirectX 12, OpenGL, Vulkan, Asynchonous Compute, DSR, SLI, PhysX, G-Sync DirectX 12, OpenGL, Vulkan, Asynchonous Compute, RayTracing, DSR, DLSS, SLI, PhysX, NVLink, G-Sync
Technik 4 Raster-Engines, 56 Shader-Cluster, 3584 Shader-Einheiten, 224 TMUs, 64 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 2048 Bit HBM2-Interface (Salvage) 3 Raster-Engines, 15 Shader-Cluster, 1920 Shader-Einheiten, 120 TMUs, 64 ROPs, 2 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR5-Interface (Salvage) 4 Raster-Engines, 19 Shader-Cluster, 2432 Shader-Einheiten, 152 TMUs, 64 ROPs, 2 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR5-Interface (Salvage) 3 Raster-Engines, 30 Shader-Cluster, 1920 Shader-Einheiten, 120 TMUs, 30 RT-Cores, 240 Tensor-Cores, 48 ROPs, 2 MB Level2-Cache, 192 Bit GDDR6-Interface (Vollausbau) 3 Raster-Engines, 36 Shader-Cluster, 2304 Shader-Einheiten, 144 TMUs, 36 RT-Cores, 288 Tensor-Cores, 64 ROPs, 3 MB Level2-Cache, 256 Bit GDDR6-Interface (Vollausbau)
Taktraten 1156/1471/800 MHz 1506/1683/4000 MHz 1607/1683/4000 MHz 1365/1680/3500 MHz Ref: 1410/1620/3500 MHz   FE: 1410/1710/3500 MHz
Speicherausbau 8 GB HBM2 8 GB GDDR5 8 GB GDDR5 6 GB GDDR6 8 GB GDDR6
Layout DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot
Kartenlänge 27,0cm 27,0cm 27,0cm 22,9cm 22,9cm
Ref./Herst./OC / / / / / / / / / /
Stromstecker 2x 8pol. 1x 8pol. 1x 8pol. 1x 8pol. 1x 8pol.
off. Verbrauch 210W (TBP) 150W (GCP) 180W (GCP) 160W (GCP) Ref: 175W (GCP)   FE: 185W (GCP)
realer Verbr. 223W 147W 173W 160W Ref: ~174W   FE: ~191W
Ausgänge HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 DualLink DVI-D, HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 DualLink DVI-D, HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 DualLink DVI-D, HDMI 2.0b, 2x DisplayPort 1.4, VirtualLink per USB Type C HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4, VirtualLink per USB Type C
FHD Perf.Index 840% 800% 900% 920% Ref: 1030%   FE: 1070%
4K Perf.Index 114% 107% 122% 124% Ref: 146%   FE: 151%
Listenpreis 399$ 379$ 449$ 349$ Ref: 499$   FE: 599$
Straßenpreis 360-410€ 300-350€ (Auslauf) 380-450€ (Auslauf) 370-400€ Ref: 480-510€   FE: 629€
Release 14. August 2017 30. Mai 2016 2. November 2017 7. Januar 2019 16. Oktober 2018

Als Abweichung zu den bisherigen Turing-Grafikkarten gibt es bei der GeForce RTX 2060 keine Differenz zwischen einer Referenz-Ausführung und der "Founders Edition", sprich keine zwei Kartenvarianten mit abweichenden Taktraten und Listenpreisen. Dies wäre angesichts des Preispunktes von 349 Dollar auch eher schwierig geworden, auf dieser Preislage besteht kein Spielraum für die Preisaufschläge einer "Founders Edition" mehr. Die Grafikkarten-Hersteller werden natürlich versucht sein, eher denn Eigendesigns zur GeForce RTX 2060 anzubieten – da nVidias Founders Edition schlicht das Platinenlayout der GeForce RTX 2070 wiederverwendet, welches für 8 GB GDDR6-Speicher und eine etwas höhere Leistungsaufnahme ausgelegt ist. Für die GeForce RTX 2060 kann man sicherlich günstigere Platinenlayouts erstellen, was dann perspektisch vielleicht auch niedrigere Preislagen als nVidias Listenpreis-Vorgabe ermöglichen könnte.

Auch schon als Founders Edition hat die GeForce RTX 2060 gegenüber der (wie gesagt auf dem gleichen TU106-Chip basierenden) GeForce RTX 2070 den Vorteil der höheren real anliegenden Taktraten: Während jene bei der GeForce RTX 2070 Referenz bei ca. 1760 MHz liegen, sind es bei der GeForce RTX 2060 immerhin ca. 1880 MHz – was grob dem Niveau der GeForce RTX 2070 FE von ca. 1860 MHz entspricht. Dieser Taktraten-Vorsprung bringt die GeForce RTX 2060 dann von der Rechenleistung her nochmals etwas näher an die GeForce RTX 2070 Referenz heran, die nominelle Rechenleistungs-Differenz von -14% reduziert sich somit in der Realität auf -11%. Der real erreichte Stromverbrauch liegt dagegen im Mittel der Messungen mit 160 Watt punktgenau auf der TDP bzw. dem Power-Limit der Karte – wenngleich es auch hier wieder einige Messungen gab, welche (wie bei den bisherigen Turing-Karten) leicht mehr als diesen eigentlich als Maximum geltenden Wert ermittelt haben.

GeForce RTX 2060 Referenz/FE GeForce RTX 2060 Werks-OC
Temperatur-Limit 83°C 83°C
max. Temp-Limit bis 87°C einstellbar bis 87°C einstellbar
Power-Limit 160W Asus Strix OC: 190W
EVGA XC Ultra: 190W
Palit Gaming Pro OC: 190W
Zotac AMP: 170W
max. Power-Limit bis +19% einstellbar (=190W) Asus Strix OC: +25% (=238W)
EVGA XC Ultra: +14% (=217W)
Palit Gaming Pro OC: +18% (=225W)
Spiele-Stromverbrauch ComputerBase: 162W
Golem: 162W
Guru3D: 147W
Hardware.info: 162W
Hardwareluxx: 158W
Le Comptoir du Hardware: 158W
Les Numeriques: 160W
TechPowerUp: 164W
Tom's Hardware: 158W
Asus Strix OC @ ComputerBase: 183W
EVGA XC Ultra @ TechPowerUp: 189W
Palit Gaming Pro OC @ TechPowerUp: 180W
Zotac AMP @ TechPowerUp: 179W
nominelle Taktraten 1365/1680/3500 MHz Asus Strix OC: 1365/1830/3500 MHz
EVGA XC Ultra: 1365/1830/3500 MHz
Palit Gaming Pro OC: 1365/1830/3500 MHz
Zotac AMP: 1365/1800/3500 MHz
realer Chiptakt ComputerBase: Ø 1849 MHz (16 Tests)
Hardwareluxx: Ø 1918 MHz (9 Tests)
TechPowerUp: Ø 1865 MHz (23 Tests)
Asus Strix OC @ ComputerBase: Ø 1980 MHz (16 Tests)
EVGA XC Ultra @ TechPowerUp: Ø 1949 MHz (23 Tests)
Palit Gaming Pro OC @ TechPowerUp: Ø 1964 MHz (23 Tests)
Zotac AMP @ TechPowerUp: Ø 1973 MHz (23 Tests)

Die Performance-Ermittlung zur GeForce RTX 2060 konzentriert sich zuerst auf den Vergleich der im gleichen Preis- und Performance liegenden Grafikkarten – dies sind GeForce GTX 1070, 1070 Ti & 1080 sowie Radeon RX Vega 56 & 64. Zur bessere Einordnung ist natürlich auch noch der Vergleich zur GeForce RTX 2070 vonnöten, wobei hier zwischen Tests mit Referenz- und mit FE-Karten unterschieden werden muß. Und letztlich ist sicherlich auch der Quervergleich zur GeForce GTX 1060 interessant, selbst wenn beide 60er Karten nicht im selben Preisbereich liegen und somit die GeForce RTX 2060 eben keinen Nachfolger der GeForce GTX 1060 darstellt. Alles anderen eventuell gewünschten Vergleiche lassen sich dann mittels der vorliegenden Werte zu anderen Grafikkarten interpolieren.

FullHD-Perf. 1060 1070 Vega56 1070Ti 2060 Vega64 1080 2070Ref 2070FE
Adrenaline  (8 Tests) - 89,8% - - 100% 96,9% 103,6% 113,8% -
AnandTech  (9 Tests) 63,6% 87,8% 89,7% 96,9% 100% 102,6% 105,2% 114,4% -
ComputerBase  (19 Tests) 62,9% 87,9% 92,0% - 100% 103,0% 105,8% 114,3% -
Guru3D  (12 Tests) 60,1% 89,1% 94,2% 100,0% 100% 102,8% 107,2% 111,7% -
Hardware.info  (10 Tests) 65,9% 85,6% 88,5% 96,0% 100% 101,0% 102,1% 109,7% -
Hardwareluxx  (10 Tests) 74,3% 98,2% 98,2% - 100% 107,0% - - -
Lab501  (10 Tests) - 89,3% 92,6% 100,2% 100% 99,3% 107,9% 113,3% -
Le Comptoir d.H.  (20 Tests) 61,4% 83,3% 87,1% 95,1% 100% 100,7% 100,6% 115,0% 117,8%
Les Numeriques  (9 Tests) 63,0% 84,0% 85,7% 97,5% 100% 90,8% 106,7% 108,4% -
PCGamer  (17 Tests) 65,3% 87,7% 91,7% 99,4% 100% 99,9% 104,4% - 116,4%
PCLab  (11 Tests) 65,9% 90,8% - 100,4% 100% 100,3% 109,2% 111,1% -
PCWorld  (9 Tests) - 87,5% 95,6% 96,5% 100% 102,7% 103,9% - 113,0%
PurePC  (10 Tests) 59,8% 81,6% - - 100% 100,2% 98,8% 111,6% -
SweClockers  (10 Tests) 64,8% 88,6% 94,6% 100,0% 100% 105,1% 107,8% 111,9% -
TechPowerUp  (23 Tests) 64% 85% 90% 97% 100% 97% 102% - 115%
Tom's Hardware  (12 Tests) 66,4% 88,9% 91,1% 99,2% 100% 101,1% - - 117,5%
WASD  (13 Tests) - 86,1% 93,7% 97,4% 100% 102,1% - 113,8% -
Durchschnitt FullHD 64,2% 87,3% 91,2% 98,3% 100% 100,6% 104,9% 112,4% 116,2%
Listenpreis 249$ 379$ 399$ 449$ 349$ 499$ 499$ 499$ 599$
Performance-Durchschnitt leicht gewichtet zugunsten jener Hardwaretests mit größerer Anzahl an Einzel-Benchmarks; gesamte Benchmark-Anzahl: ca. 1550