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Bringt Intel zukünftig neue CPU-Architekturen für den Desktop nur noch aller zwei Jahre?

Ein wenig versteckt in der Meldung, daß es keine Broadwell-Chips für den Desktop geben wird (keine Neuigkeit im übrigen), behaupten Fudzilla desweiteren, daß Intel dieses System auch für die Zukunft übernehmen werde und damit zukünftig nur noch aller zwei Jahre neue CPU-Architekturen für den Desktop vorstellen wird. Leider ist Fudzilla als Quelle für sichere Informationen nicht wirklich gut geeignet, da dort öfters einmal etwas in den falschen Hals geht bzw. Fudzilla-intern aus Indizien für Einzelfälle gleich auf generelle Fakten geschlossen wird. Nichtsdestotrotz scheint sich Fudzilla in diesem Fall seiner Sache sicher zu sein – hoffen wir, daß Fudzillas Quellen die Sache auch in dieser Form gesagt haben und daß das ganze nicht maßgeblich der Fantasie von Fudzilla entstammt.

Prinzipiell gesehen ist die Idee allerdings nicht verkehrt – noch dazu, wo Intel dieses System mit Broadwell nächstes Jahr durchexerzieren und damit entsprechende Erfahrungen sammeln wird. Erstens einmal sind die Zugewinne auf CPU-Seite bei den letzten, jeweils jährlich neuen CPU-Architekturen von Intel eher gering ausgefallen, was bei Haswell dann schon zu einem eher durchschnittlichen Stimmungsbild geführt hat. Zieht man die Launch-Politik etwas auseinander auf einen Zweijahres-Rythmus, fallen die Verbesserungen auf CPU-Seite dann automatisch größer aus, womit dieses Problem umgangen wird. Zweitens hat sich Intel zuletzt auch stark auf Verbesserungen bei der integrierten Grafik gekümmert – und wird diesen Weg auch weiterhin verfolgen. Diese Schiene ist aber eher nur für das Mobile-Segment relevant, im Desktop interessiert die integrierte Grafik für Gaming-Systeme gar nicht bzw. dient bei Office-PCs nur der Bilderstellung im 2D-Modus.

Desweiteren nimmt dies bei Intel auch den Druck heraus, welcher sich primär bei der Einführung neuer Fertigungsverfahren aufbaut: Die Fertigstellung neuer Architekturen bzw. Architektur-Schritte ist halbwegs planbar, die Fertigstellung neuer Fertigungsverfahren jedoch immer mit höheren Unwägbarkeitsrisiken verbunden. Bisher hat Intel dies noch immer hinbekommen, aber dies muß für die Zukunft (auch angesichts der weiterhin aggressiven Fertigungstechnologie-Roadmap bei Intel) ja nicht so bleiben. Der Verzicht auf Desktop-Chips in jenem Jahr, wo bei Intel ein neues Fertigungsverfahren ansteht, nimmt jedenfalls viel Druck aus der Sache: Bei Mobile-Chips kann man jederzeit releasen, muß aber nicht sofort lieferfähig sein, da die Notebook-Hersteller in aller Regel einige Wochen bis Monate brauchen, um ihre neuen Geräte auf Basis der neuen Prozessoren zu validieren. Bei Desktop-Chip steht dagegen ein weltweiter Launchtermin an, zu welchem Intel in aller Regel breit lieferbar ist, demzufolge reichlich vorher produziert und ausgeliefert haben muß.

Und letztlich kommt hier noch der Seiteneffekt hinzu, daß Intel auf CPU-Seite derzeit wirklich aufpassen muß, daß AMD nicht richtig abschmiert: Der finanzielle Erfolg von AMDs APUs ist immer noch nicht richtig erwiesen, trotz daß AMDs technologische Ansatzpunkte eigentlich erstklassig sind. So lange aus diesem Marktsegment aber nicht größere Stückzahlen-Zuwächse zugunsten von AMD kommen, drückt die faktische Nichttätigkeit von AMD im Performance- und Enthusiasten-Segment auch weiterhin auf die (sowieso schon geringe) Bedeutung von AMD im Prozessorenmarkt. Eine gewisse Entschleunigung bei Intel in diesem Segment könnte auch ein wenig Druck von AMD nehmen – daran, daß AMD auf diesem Segment zukünftig entscheidend mehr bieten muß, um wieder mitspielen zu können, ändert dies allerdings nichts.

Aus diesen Gründen würde eine solche Entscheidung Intels durchaus stimmig sein. Wie schon im Fall Broadwell wird man dann wohl einfach in dem "ausgelassenem" Jahr den Desktop-Bereich mit einem Taktraten-Upgrade auf Basis der Vorgänger-Architektur beliefern – so wie es im Jahr 2014 im Desktop-Bereich ein Taktraten-Upgrade von Haswell geben wird. Auf den ersten Blick mag dies für den Desktop-Nutzer nach noch weniger Vorwärtsentwicklung (als bisher schon) aussehen, aber hier täuscht der erste Blick wohl ein wenig: Das Entwicklungstempo bei Intel ist hiervon nicht betroffen – Intel vermeidet es schlicht nur, jeden der kleinen Entwicklungsschritte im Desktop-Bereich als "neue Architektur" zu vermarkten. Sollte diese Entscheidung Intels so stehen, wird man zukünftig schlicht wieder etwas größere Sprünge im Desktop-Bereich sehen – dafür aber eben nur noch aller zwei Jahre. Am derzeit schwachen Entwicklungstempo bei x86-Prozessoren ändert sich damit nichts, selbiges wird nur besser offensichtlich.