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Hardware- und Nachrichten-Links des 26. Juni 2020

Wie die PC Games Hardware schon zum Monatsanfang berichtete, hat Intel-CEO Bob Swan in seiner Computex-Botschaft (zum Ende des Mai) die bemerkenswerte Aufforderung an die PC-Industrie gerichtet, sich künftig nicht mehr auf Benchmarks zu konzentrieren, sondern eher die Vorteile und Effekte der jeweils neuen Technologien herauszustreichen. An der generellen Aussage ist nichts falsches (so lange man jene nicht absolut betrachtet, wie selbige aber sicherlich nicht gemeint ist) – aber natürlich bekommt das ganze ein "Geschmäckle", wenn Intel diesen Vorstoß ausgerechnet dann ansetzt, wenn Intel (wie derzeit) in vielen Benchmarks gegenüber AMD zurückliegt. Ob jene Forderung wirklich etwas verändert, ist dagegen sowieso zu bezweifeln: Die von Intel zuletzt im Server-Bereich (mittels Cascade Lake & Cooper Lake) getätigten Innovationen mit neuen CPU-Befehlssatzerweiterungen zugunsten von DeepLearning-Berechnungen sind natürlich genauso auch über Benchmarks quantifizierbar. Daneben gelten Benchmarks nun einmal als vergleichsweise unparteiischer Gradmesser (auch wenn dies per se gar nicht zutrifft), Produkt-Bewertungen mit viel Prosa hingegen als potentiell tendentiös.

We should see this moment as an opportunity to shift our focus as an industry from benchmarks to the benefits and impacts of the technology we create. The pandemic has underscored the need for technology to be purpose-built so it can meet these evolving business and consumer needs.
Quelle:  Intel-CEO Bob Swan in seiner Computex-Botschaft via YouTube am 28. Mai 2020

Aber natürlich kann der Intel-CEO auch sein eigenes Markting-Team gemeint haben, welches in Intels jüngster Marketing-Präsentation in reihenweise (halbseidener) Benchmarks gegenüber AMD schwelgt. In diesem Fall wäre die Konzentration weg von Benchmarks möglicherweise doch besser gewesen – oder aber das Anbringen von wirklich guten Benchmarks, welche im Spiele-Bereich (abseits von durchschnittlichen Frameraten) schließlich durchaus existieren, Intel muß da einfach mehr als die bisherige Standardkost bringen. Letztlich sind beide Fälle aber natürlich nichts anderes als das Zurechtbiegen von Realität, neudeutsch "Marketing" genannt: Wenn man schlecht aussieht in Benchmarks, sollen es weniger davon sein – wenn man gut aussieht, darf es nichts anderes sein. Sobald Intel eines Tages wieder in die Spur gefunden hat, dürften diese Aussagen vergessen sein, dann wird auch Intel selber wiederum so viele Benchmark-Vergleiche wie möglich anstreben. Gänzlich ernst zu nehmen ist dies alles natürlich nicht – was man durchaus übergehen könnte, was aber auch nicht ganz so gut kommt angesichts der Größe und Bedeutung einer Firma wie Intel (mit 72 Mrd. Dollar Jahresumsatz).

Beim Stöbern in den Archiven (zugunsten der Auflistung der verschiedenen Fehlschüsse von AMD, Intel & nVidia in der Vergangenheit) fielen drei ältere Meldungen auf, welche es verdienen, heuer nochmals betrachtet zu werden: Als erstes Intels Vorhersage von anno 2013, bereits im Jahr 2017 die 7nm-Fertigung erreichen zu wollen. Wie bekannt, ist diese Planung sehr deutlich danebengegangen, Intel laboriert derzeit immer noch an der 10nm-Fertigung herum und kann jene nach wie vor nicht für das komplette Produkt-Portfolio einsetzen – wobei dieser Zustand sogar bis einschließlich 2021 anhalten dürfte, da ja auch Rocket Lake nochmals die 14nm-Fertigung bemüht. Mit der 7nm-Fertigung soll dann wohl zuerst Xe-HPC ("Ponte Vecchio") gegen Ende 2021 antreten, die breite Nutzung dürfte aber erst mit der "Meteor Lake" Prozessoren-Generation im Jahr 2023 erfolgen – mit einer "leichten" Abweichung von nur 6 Jahren gegenüber Intels ursprünglicher Planung.

Bei AMD fiel hingegen eine Meldung von Mai 2015 auf, welche mehr als vier Jahre vor dem Zen-2-Launch (sowie fast zwei Jahre vor dem initialen Zen-Launch) bereits MultiChip-Packages angesprochen hatte – wie jene dann ab Zen 2 realisiert wurden. Seinerzeit wurde diese Zukunftsperspektive teilweise noch etwas anders beschrieben (in Richtung extra CPU samt extra iGPU), wohingegen die Möglichkeit zur Benutzung von Chips aus unterschiedlichen Fertigungsverfahren bereits thematisiert wurde. AMD dürfte intern sicherlich bereits gewußt haben, wohin der Zug bei Zen 2 fährt, insbesondere die Konzeptionsphase liegt bei solcherart Großprojekten oftmals einige Jahre vor dem eigentlichen Produktrelease. Die Bedeutsamkeit dieser technologischen Entwicklung war jedoch seinerzeit außerhalb von AMD noch nicht abzusehen – immerhin hat AMD hiermit die Kern-Anzahl derart krass gesteigert, das Intel aktuell das Rennen im HEDT-Segment komplett aufgegeben hat und sich im Server-Segment vorsätzlich auf solche Nischen konzentriert, wo AMD noch nicht aktiv ist (4/8-Sockel-Systeme bei Cooper Lake).

Und letztlich noch erwähnens- wie wissenswert ist die Meldung vom Januar 2016 zur offiziellen Spezifikation von GDDR5X-Speicher – welcher gut ein halbes Jahr später dann erstmals von der GeForce GTX 1080 benutzt wurde. Relevanz hat das ganze über die derzeit herumfliegenden Gerüchte zu Ampere-Grafikkarten mit GDDR6X-Speicher – bei welchen immer etwas in Zweifel steht, ob dies mit dem "GDDR6X" so korrekt ist. Denn wie der Fall des GDDR5X-Speichers zeigt, kommen neue Speichersorten nicht aus dem Nichts, sondern werden normalerweise noch vor der Massenfertigung vom Speicherstandardisierungs-Gremium JEDEC offiziell spezifiziert. Dass diesbezüglich zu GDDR6X absolut gar nichts zu hören ist, zeigt eher darauf hin, das es sich hierbei kaum um einen offiziellen Standard handeln dürfte. Denkbar, das mit dem zusätzlichen "X" einfach nur der besonders hohe Speichertakt angezeigt werden soll. Dabei ist allerdings genauso in Frage zu stellen, ob die zuletzt gehandelten bis zu 21 Gbps wirklich real sind.

Schließlich wird GDDR6 derzeit bis maximal 16 Gbps angeboten (verbaut bei einer einzelnen MSI-Karte) und ist angeblich bis zu 20 Gbps in den Laboren – nur bedeutet dies nicht, das solcherart hohe Taktraten dann umgehend zu bezahlbaren Preisen lieferbar sind. Sollte bei GDDR6X tatsächlich das technische Prinzip von GDDR6 weiterverfolgt werden, ergeben 21 Gbps dann schon satte 5250 MHz QDR Speichertakt – was in dieser Höhe dann über das Grafikboard getrieben werden müsste. Für den Einsatz auf millionenfach verkauften Grafikkarten erscheint dies als extrem hohe Zielsetzung und somit weiterhin etwas zweifelhaft. Dabei ergibt sich noch eine andere, wenngleich rein spekulative Auslegung des "X" in GDDR6: Man könnte damit auch die erstmalige Fertigung und Verwendung von 1,5-GByte-Speicherchips anzeigen. Damit wäre auf den bekannten Interface-Größen dann doch ein Fortschritt bei der Speichermenge realisierbar – und mit den bisherigen Ampere-Spezifikationen beißt sich dies nicht wirklich, dort wurden im Kern nur die Interface-Größen genannt, die Speichermengen nur daraus interpoliert. Natürlich ist dies die unwahrscheinlichste Auflösung von allen – allerdings wohl auch die schönste, wenn an einem 256bittigen Interface dann 12-GB-Grafikkarten möglich würden.

1-GByte-Chips 1,5-GByte-Chips
256-Bit-Interface 8 GB Speicher 12 GB Speicher
320-Bit-Interface 10 GB Speicher 15 GB Speicher
352-Bit-Interface 11 GB Speicher 16,5 GB Speicher
384-Bit-Interface 12 GB Speicher 18 GB Speicher
Wie die PC Games Hardware schon zum Monatsanfang berichtete, hat Intel-CEO Bob Swan in seiner Computex-Botschaft (zum Ende des Mai) die bemerkenswerte Aufforderung an die PC-Industrie gerichtet, sich künftig nicht mehr auf Benchmarks zu konzentrieren, sondern eher die Vorteile und Effekte der jeweils neuen Technologien herauszustreichen. An der generellen Aussage ist nichts falsches (so lange man jene nicht absolut betrachtet, wie selbige aber sicherlich nicht gemeint ist) - aber natürlich bekommt das ganze ein "Geschmäckle", wenn Intel diesen Vorstoß ausgerechnet dann ansetzt, wenn Intel (wie derzeit) in vielen Benchmarks gegenüber AMD zurückliegt. Ob jene Forderung wirklich etwas verändert, ist dagegen sowieso zu bezweifeln: Die von Intel zuletzt im Server-Bereich (mittels Cascade Lake & Cooper Lake) getätigten Innovationen mit neuen CPU-Befehlssatzerweiterungen zugunsten von DeepLearning-Berechnungen sind natürlich genauso auch über Benchmarks quantifizierbar. Daneben gelten Benchmarks nun einmal als vergleichsweise unparteiischer Gradmesser (auch wenn dies per se gar nicht zutrifft), Produkt-Bewertungen mit viel Prosa hingegen als potentiell tendentiös.


We should see this moment as an opportunity to shift our focus as an industry from benchmarks to the benefits and impacts of the technology we create. The pandemic has underscored the need for technology to be purpose-built so it can meet these evolving business and consumer needs.
Quelle:  Intel-CEO Bob Swan in seiner Computex-Botschaft via YouTube am 28. Mai 2020