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Intel stellt mittels "Tiger Lake" den Mobile-Teil seiner 11. Core-Generation vor

Ein klein wenig untergegangen diese Woche ist die Vorstellung von Intels "Tiger Lake" Generation an Mobile-Prozessoren mit integrierter Xe-Grafik. Jene laufen bei Intel unter der 11. Core-Generation, welche im Desktop-Segment dann allerdings mittels der kommenden "Rocket Lake" Prozessoren gebildet werden wird. Tiger Lake geht hingegen rein ins Mobile-Segment und bringt für den Anfang auch auch erst einmal maximal 4 CPU-Kerne mit sich, eine weitere Ausführung mit maximal 8 CPU-Kernen soll dann 2021 nachfolgen. Technologisch hat sich auf der CPU-Seite vergleichsweise wenig gegenüber dem Vorgänger "Ice Lake" getan: Es gibt die angekündigte Vergrößerung von Level2- und Level3-Caches, daneben spricht nicht einmal Intel von irgendwelchen IPC-Gewinnen. Der eigentliche Vorteil von Tiger Lake soll auf der CPU-Seite im rein praktischen Bereich liegen, da nunmehr (im Gegensatz zu Ice Lake) auch wieder übliche (hohe) Taktraten erreicht werden.

    Intel "Tiger Lake"

  • 10nm-Fertigung von Intel ("10nm SuperFin")
  • (derzeit) bis zu 4 CPU-Kerne + HyperThreading (in 2021 bis zu 8C+HT)
  • "Willow Cove" CPU-Kerne als leichte Verbesserung der "Sunny Cove" CPU-Kerne von "Ice Lake"
  • integrierte Grafik der Xe-Architektur mit bis zu 96 EU (768 Shader-Einheiten)
  • Aufbohrung der Caches: 1,25 MB Level2-Cache & 3 MB Level3-Cache per CPU-Kern (Ice Lake: 0,5 MB & 2 MB)
  • DualRing-Architektur
  • DualChannel-Speicherinterface mit Speichersupport bis DDR4/3200 und LPDDR4X/4266 (in 2021 auch LPDDR5/5400)
  • Support für PCI Express 4.0, USB 4.0, Thunderbolt 4
  • UP4-Serie mit konfigurierbaren TDPs 7-15W, UP3-Serie mit konfigurierbaren TDPs 12-28W
  • vermarktet rein im Mobile-Segment als 11. Core-Generation

Der Vorteil auf Seiten der integrierten Grafik ist hingegen augenscheinlich: Intel bringt hiermit seine 12. Grafik-Generation in der Ausführung "Xe-LP" an den Start, welche die iGPU-Version der Xe-Architektur darstellt. Neben der Modernisierung der Grafik-Architektur gibt es zudem bis zu 96 EU (768 Shader-Einheiten), was ein ordentliches Performance-Niveau auf der Höhe von Mobile-Einsteigerlösungen (beispielsweise nVidias MX-Klasse) ermöglichen sollte. Zur Unterstützung dessen gibt es einen Speichersupport von bis zu DDR4/3200 und LPDDR4X/4266, welches nächstes Jahr dann sogar auf LPDDR5/5400 ausgedehnt werden wird. Aber auch jetzt schon sieht sich Intel bei der iGPU-Performance klar vor AMDs Renoir-iGPUs, welche ihrerseits nur mit bis zu 512 Shader-Einheiten (und aber höheren Taktraten) antreten. Der Schnitt der Intel-eigenen Benchmarks zeigt gegenüber einer GeForce MX350 eine Performance auf Augenhöhe an, der Vega 8 eines Ryzen 7 4800U will man hingegen um immerhin gleich +43% voraus sein.

Dies wäre dann sicherlich noch mittels unabhängiger Benchmarks zu bestätigen, denn gemäß der vorliegenden Technik erscheint dies als etwas zu hoch gegriffen. Das grundsätzliche Bild, dass Intel nun plötzlich den Performance-Führer im iGPU-Feld gibt, dürfte aber wohl trotzdem herauskommen – mit allerdings der Einschränkung, dass man AMD durchaus die besseren Spiel-bezogenen Treiber zutrauen kann und Intels Performance-Werte immer ein wenig unter dem Vorbehalt stehen, ob denn auch selten (oder gar nicht) getestete Spiele-Titel wirklich ähnlich gut mitkommen, wie die üblicherweise benutzten Benchmark-Titel. Mittels jener Performance-Führerschaft im iGPU-Feld darf sich Intel nun in jedem Fall der interessante Frage stellt, wieviel dies bringt, wenn man CPU-seitig (gewissermaßen) zurückliegt. Denn mit nur 4 CPU-Kernen kann sich Intel eher weniger mit den heutzutage im Spitzen-Feld üblichen Sechskern- und Achtkern-Modellen anlegen, welche sowohl AMD als aber auch Intel (Comet-Lake-Serie) aufbieten. Intels eigene Benchmarks sehen dies an dieser Stelle zwar anders, aber dabei werden (wie üblich) nur Intel genehme Programme vermessen, darunter gleich 4x der SYSMark und 5x der PCMark:

Es ist nicht zu sehen, wie sich dies Performance-Prophezeiung unter unabhängigen Benchmarks halten lassen soll und Intel so einfach einen Achtkerner von AMD schlagen kann. Sicherlich bringt Tiger Lake eine für Vierkern-Prozessoren ungewöhnlich hohe Performance an den Start, aber die (unabhängigen) Cinebench-Werte von Notebookcheck bestätigen schon, dass Tiger Lake keinen Ryzen 7 4800U unter Druck setzen kann, sofern ernsthaft Multithreading-Performance abgefragt wird. Dabei stehen diese Benchmarks zudem noch unter dem Vorbehalt, dass derzeit die Tiger-Lake-Testsamples gern mit der maximalen TDP von 28 Watt betrieben werden (zuzüglich etwaiger weiterer Kurzzeit-Boosts durch PL2 etc.), während die Vergleichswerte bei Notebookcheck aus den eigenen Testberichten zu real kaufbaren Notebooks stammen, wo also Geräte mit maximaler TDP eher selten vertreten sein dürften. Gut möglich, dass hierbei also ein Core i7-1165G7 auf 28W TDP gegen Ryzen 7 4800U Notebooks mit üblicherweise nur 15W TDP im Vergleich stehen – was natürlich keinen legitimen Vergleich ergibt.

Technik CB20 ST CB20 MT 3DM13 FS 3DM13 TS
Core i7-1165G7 TGL, 4C/8T, Xe @ 96 EU 565  (126%) 2530  (161%) 4820  (192%) 1590  (201%)
Core i5-1135G7 TGL, 4C/8T, Xe @ 80 EU 510  (113%) 2000  (128%) - -
Core i7-1065G7 ICL, 4C/8T, Gen11 @ 64 EU Ø 438  (100%) Ø 1503  (100%) 2504  (100%) 791  (100%)
Ryzen 7 4800U Renoir, 8C/16T, Vega 8 Ø 477  (106%) Ø 3260  (208%) 3938  (157%) 1173  (148%)
gemäß den Benchmarks von Notebookcheck mit Presamples von Tiger-Lake-Notebooks

Insofern sind diese vorliegenden unabhängigen Vorab-Benchmarks leider kaum zu werten, weil die TDP-Angaben nicht durchgehend vorliegen. Intels Performance-Prophezeiungen für Tiger Lake sind damit derzeit somit noch nicht nachprüfbar – dies wird sich wohl erst ab Oktober erledigen lassen, wenn die ersten kaufbaren Tiger-Lake-Notebooks zu erwarten sind. So oder so laufen die vorliegenden Performance-Werte aber bereits darauf hinaus, dass Intels "Tiger Lake" sich nicht wirklich mit den Achtkern-Modellen von AMDs "Renoir" anlegen kann – sprich vorerst im Performance-Feld der kleineren bis mittleren Notebooks verbleibt. Da dort die allermeisten Notebooks verkauft werden und Intel zudem mit seinem besseren Standing unter den Notebook-Käufern wuchern kann, könnte Intels Rechnung aber trotzdem aufgehen. Nur für Notebook-Käufer mit höherem Performanceanspruch bietet Tiger Lake vorerst nichts – was Intel wie gesagt im nächsten Jahr mit dem Schritt auf bis zu 8 CPU-Kerne ausbessern will.

Nachtrag vom 8. September 2020

Zu Intels "Tiger Lake" Mobile-Prozessoren muß noch die Anmerkung getroffen werden, dass nach derzeitigem Wissensstand das PCI-Express-Interface des vorliegenden Vierkern-Dies von Tiger Lake auf 4 Lanes (PCI Express 4.0) limitiert ist – und man normalerweise diese 4 Lanes für eine NVMe-SSD benötigen würde. Weitere PCI Express Lanes 3.0 sind zwar vorhanden, sind jedoch gemäß eines Tiger Lake Block-Diagramms fest für andere Komponenten verplant. Damit kann man sich bei Tiger Lake anscheinend für eine NVMe-SSD oder aber eine extra Grafiklösung entscheiden – alternativ kann man natürlich auch beides zusammen an die nur 4 Lanes hängen, was der Performance beider Geräte jedoch nicht zuträglich ist. Dabei sind jene 4 Lanes (trotz dass es gleich PCI Express 4.0 ist) sowieso etwas knapp für potente Grafik-Beschleuniger. Dies ist letztlich nur die gleiche PCI-Express-Bandbreite wie bei AMDs "Renoir"-APU (PCI Express 3.0 mit maximal 8 Lanes im Mobile-Bereich) – welche dafür einigermaßen gescholten wurden, hierbei teilweise sogar eine (angebliche) Nichteignung für Notebooks mit potenten Grafiklösungen beschrieen wurde.

Dass man beim Vierkern-Die von Tiger Lake jedoch zugunsten einer extra Grafiklösung auf die NVMe-SSD verzichten muß, macht es arg unwahrscheinlich, das überhaupt entsprechende Notebooks mit extra Grafiklösung erscheinen – sofern man da eine Turing-basierte GeForce RTX 20xx verbaut, würde die PCI-Express-Bandbreite schließlich gleich auf 4 Lanes PCI Express 3.0 zurückfallen, ein Viertel von deren nomineller PCI-Express-Bandbreite. Das Vierkern-Die von Tiger Lake (bzw. die daraus resultierenden UP3- und UP4-Serien) ist somit wirklich nur für Ultrabooks verwendbar, wo man bewußt auf extra Grafiklösungen verzichtet. Gut denkbar, das Intel beim (im Jahr 2021) kommenden Achtkern-Die von Tiger Lake dann auch wieder ein größeres PCI-Express-Interface aufbietet, denn in der Geräteklasse von H-Notebooks (TDPs bis 45 Watt) geht es dann natürlich nicht mehr ohne der Fähigkeit zur (gutklassigen) Anbindung von extra Mobile-Grafikbeschleunigern. Nächstes Jahr dürfte es dann vermutlich auch Ampere im Mobile-Segment geben, was gut zum kommenden Achtkern-Die von Tiger Lake passt.

Nachtrag vom 13. September 2020

Eine letzte Bestätigung für die Existenz eines Tiger-Lake-Achtkerners hat Intel mittels eines eigenerstellten Artikels auf Medium geliefert: Danach wird bei den Details zum Cache-System der Tiger Lake zugrundeliegenden "Willow Cove" CPU-Kerne explizit ein Achtkern-Die erwähnt – und gleichfalls ausgeführt, dass es zu diesem später genauere Informationen geben wird. Mittels jenes Achtkern-Dies will Intel gemäß der Gerüchteküche dann Tiger Lake-H aus der Taufe heben, sprich Mobile-Prozessoren bis zu einer TDP von 45 Watt erstellen. Dies dürfte auf Basis des bisher zu Tiger Lake gezeigten recht problemlos und vermutlich ohne größere Rückschritte bei den Taktraten machbar sein. Leider wird dies erst nächstes Jahr passieren, womit entsprechende Notebooks kaum vor Frühling bis Jahresmitte 2021 zu erwarten sind. Dann erst kann Tiger Lake gegenüber AMD so richtig in den Ring steigen – denn die derzeit vorliegenen Vierkerner von Tiger Lake sind nun einmal Technik-bedingt nicht für alle Performance-Klassen geeignet.

The Willow Cove core increases the mid-level cache to 1.25MB — up from 512KB. We also added a 3MB non-inclusive last-level-cache (LLC) per core slice. A single core workload has access to 12MB of LLC in the 4-core die or up to 24MB in the 8-core die configuration (more detail on 8-core products at a later date).
Quelle:  Intels Boyd Phelps auf Medium am 3. September 2020

Jenes Achtkern-Die von Tiger Lake dürfte dann sicherlich auch die Scharte der aktuellen Tiger-Lake-Prozessoren auswetzen, wo es nur ein PCI Express 4.0 Interface mit x4 Lanes zur gleichzeitigen Anbindung von NVMe-SSD und extra Grafikkarte gibt. Gleichzeitig wird jenes Achtkern-Die von Tiger Lake die höchst interessante Frage aufwerfen, wieso man bei gutem Funktionieren eigentlich noch "Rocket Lake" als Extra-Architektur für den Desktop-Einsatz benötigt. Schließlich stellt Rocket Lake nichts anderes als Tiger Lake auf 14nm dar – potentiell sogar mit etwas zurückhängender, zwischen Ice Lake und Tiger Lake liegender Architektur. Mehr CPU-Kerne bringt Rocket Lake ebenfalls nicht (ebenfalls maximal 8) – und wenn Tiger Lake im Power-Limit von 45 Watt auf gute, konkurrenzfähige Taktraten kommt, sollte Tiger Lake eigentlich auch Desktop-fähig sein, dort hat man schließlich viel höhere Power-Limits zur Verfügung. In jedem Fall dürfte es einen interessanten Zweikampf ergeben, wenn man Tiger Lake-H und Rocket Lake auf dasselbe Power-Limit bringt und gegeneinander antreten läßt.

Nachtrag vom 14. September 2020

In Bezugnahme auf Intels Bestätigung zum Tiger-Lake-Achtkerner fügt Leaker "Sharkbay" im "PC-Shopping-Teil" des PTT-Boards (nach Stichwort "Sharkbay" suchen) noch die Information über die Kern- und iGPU-Konfigurationen von Tiger Lake Y/U/H an. Danach wird es zum einen eine 35W-Version von Tiger Lake-H auf Basis des bekannten Vierkern-Dies geben, die "richtigen" Modelle treten dann mit 45 Watt TDP auf Basis des neuen Achtkern-Dies an. Jene ist allerdings bei der integrierten Grafik ganz deutlich auf nur 32 EU abgespeckt – selbige Prozessoren sind dann weniger als APUs gedacht, sondern vielmehr zur Kombination mit einer extra Mobile-Grafiklösung. Jene hohe Abspeckung von 96 auf 32 EU dürfte zudem erhebliche Flächenvorteile mit sich bringen – gut möglich, dass das Achtkern-Die von Tiger Lake (mit 32 EU) sogar nur ähnlich groß kommt wie das Vierkern-Die (mit 96 EU). Intel geht somit beide Marktsegmente jeweils sehr spezifisch an – unter allerdings dem Nachteil, im Ultrabook-Bereich nicht mehr als 4 CPU-Kerne und im H-Bereich (der großen Notebooks) nicht seine leistungsfähigste iGPU anbieten zu können.

Die CPU-Kerne iGPU-EU Wattage Release
Tiger Lake UP4 Vierkern-Die 2C/4C 48-96 EU 7-15W Q4/2020
Tiger Lake UP3 Vierkern-Die 2C/4C 48-96 EU 12-28W Q4/2020
Tiger Lake H35 Vierkern-Die 4C 96 EU 35W 2021
Tiger Lake-H Achtkern-Die 4C/6C/8C 32 EU 45W 2021
Ein klein wenig untergegangen diese Woche ist die Vorstellung von Intels "Tiger Lake" Generation an Mobile-Prozessoren mit integrierter Xe-Grafik. Jene laufen bei Intel unter der 11. Core-Generation, welche im Desktop-Segment dann allerdings mittels der kommenden "Rocket Lake" Prozessoren gebildet werden wird. Tiger Lake geht hingegen rein ins Mobile-Segment und bringt für den Anfang auch auch erst einmal maximal 4 CPU-Kerne mit sich, eine weitere Ausführung mit maximal 8 CPU-Kernen soll dann 2021 nachfolgen. Technologisch hat sich auf der CPU-Seite vergleichsweise wenig gegenüber dem Vorgänger "Ice Lake" getan: Es gibt die angekündigte Vergrößerung von Level2- und Level3-Caches, daneben spricht nicht einmal Intel von irgendwelchen IPC-Gewinnen. Der eigentliche Vorteil von Tiger Lake soll auf der CPU-Seite im rein praktischen Bereich liegen, da nunmehr (im Gegensatz zu Ice Lake) auch wieder übliche (hohe) Taktraten erreicht werden.




Intel "Tiger Lake"
10nm-Fertigung von Intel ("10nm SuperFin")
(derzeit) bis zu 4 CPU-Kerne + HyperThreading (in 2021 bis zu 8C+HT)
"Willow Cove" CPU-Kerne als leichte Verbesserung der "Sunny Cove" CPU-Kerne von "Ice Lake"
integrierte Grafik der Xe-Architektur mit bis zu 96 EU (768 Shader-Einheiten)
Aufbohrung der Caches: 1,25 MB Level2-Cache & 3 MB Level3-Cache per CPU-Kern (Ice Lake: 0,5 MB & 2 MB)
DualRing-Architektur
DualChannel-Speicherinterface mit Speichersupport bis DDR4/3200 und LPDDR4X/4266 (in 2021 auch LPDDR5/5400)
Support für PCI Express 4.0, USB 4.0, Thunderbolt 4
UP4-Serie mit konfigurierbaren TDPs 7-15W, UP3-Serie mit konfigurierbaren TDPs 12-28W
vermarktet rein im Mobile-Segment als 11. Core-Generation