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Erste Testberichte zur GeForce GTX 1630 zeigen eine Performance weit unterhalb der Radeon RX 6400 an

Mit dem Dienstag ist die GeForce GTX 1630 als neues LowEnd-Modell von nVidia offiziell geworden, von TechPowerUp liegt passenderweise ein (umfangreiches) Review vor. Auf Basis eines nochmals stark abgespeckten TU117-Chips mit dann nur noch 512 FP32-Einheiten an einem 64-Bit-Interface (beiderseits exakt die Hälfte des zugrundeliegenden Grafikchips) war zuletzt schon eine Performance eher nur in Richtung der GeForce GTX 1050 (non-Ti) zu erwarten gewesen. In der Praxis liegt die neue LowEnd-Karte wohl nochmals leicht niedriger und erreicht einen mageren FullHD Performance-Index von ca. 280-290%. Und dies ist dann etwas mehr als ein Drittel langsamer als GeForce GTX 1650 und Radeon RX 6400 – sowie sogar etwas langsamer als eine Arc A380.

AMD Polaris AMD RDNA1/2 nVidia Pascal nVidia Turing
RX 580 8GB  –  217% RX 5500 XT 4GB  –  218% GTX 1650 Super  –  213%
RX 6500 XT  –  201% GTX 1060 6GB  –  202%
RX 570 4GB  –  184%
RX 6400  –  157% GTX 1650 GDDR5  –  161%
... ... ... ...
GeForce GTX 1630  –  100%
FullHD Grafikkarten-Performance unter 25 Spielen gemäß TechPowerUp

Ein weiteres Review zur neuen nVidia-Karte beim Guru3D bietet leider innerhalb der Benchmark-Sektion nur selten mal die passenden Vergleichs-Karten auf, läßt sich somit kaum in der Frage der reinen Performance verwenden. Die Einordnung gegenüber derart Alt-Boliden wie einer GeForce GTX 1050 2GB (Perf.Index 310%) dürfte zudem dadurch erschwert werden, dass jene Karten mit unterhalb 4 GB Grafikkartenspeicher unter heutigen Benchmarks VRAM-bedingt oftmals kein Land mehr sehen bzw. dort maßgeblich langsamer laufen, sobald man jene zu hohen Texturensettings aussetzt. Insofern wird die GeForce GTX 1630 durchaus schneller als die GeForce GTX 1050 2GB sein, sobald die VRAM-Menge ins Spiel kommt – aber dennoch weiterhin etwas langsamer als jenes 2016er LowCost-Modell, so lange es rein nur um die Rechenleistung geht.

All dies wäre jedoch gangbar, wenn nVidia hierfür einen passenden LowEnd-Preis verlangen würde. nVidia selber hat leider gar keine Preismarke veröffentlicht, die ersten Hersteller-UVPs liegen jedoch mit 169-199 Dollar weit ab vom Schuß für echte LowEnd-Grafik. In der Praxis sind klar schnellere Karten längst für diesen Preispunkt erhält, selbst nVidias eigene GeForce GTX 1050 Ti ist immer noch in dieser Preisregion im Handel gut zu finden. Insofern stellt sich bei der GeForce GTX 1630 durchaus etwas die Frage, was die ganze Übung soll: nVidia liefert die schlechtere Performance auf einem größeren Grafikchip zu einem nicht besseren Preis. Dass nVidia vielleicht viele grob defekte TU117-Chip herumliegen hat, die sich nicht einmal für die (sowieso schon teil-deaktivierte) GeForce GTX 1650 eignen, ist aufgrund der zahmen Chipgröße und lange eingefahrenen Chipfertigung zudem arg unwahrscheinlich.

In der Summe legt nVidia hier ein Produkt auf, welches man eigentlich mittels der GeForce GTX 1050 Ti bereits in für den Abnehmer besserer und für nVidia wahrscheinlich wirtschaftlicherer Form bereits im Angebot hat. Als reiner Display-Beschleuniger eignet sich die GeForce GTX 1630 zudem aufgrund ihrer Preislage und des (für diesen Zweck) vergleichsweise großen TU117-Chips nicht. Möglicherweise läßt sich diese Situation irgendwann in der Zukunft über bessere Preislagen auflösen: Gerade LowCost- und LowEnd-Lösungen haben schließlich die Tendenz, anfänglich mit überzogenenen Preisen einzusteigen und dies dann im Laufe ihres Verkaufszyklus zu korrigieren. Jener These steht speziell bei der GeForce GTX 1630 allerdings weiterhin der Punkt entgehen, dass die Karte für wirklich niedrige Preise auf einem zu großem Chip basiert, auch die derzeit angesetzten Grafikboards sind oftmals für die schnelleren GeForce GTX 1650 Karten konzipiert.

Ob nVidia also aus wirtschaftlicher Sicht jemals mit der GeForce GTX 1630 gegenüber der Radeon RX 6400 konkurrieren kann, steht zu bezweifeln. In dieser Frage hat AMD mit dem (knapp halb so großem) Navi-24-Chip in der Tat die gelungere Wirtschaftlichkeits-Konzeption abgeliefert, über die vielen Schwächen der Radeon RX 6400 mal den Mantel des Schweigens deckend. Die GeForce GTX 1630 zeigt sich somit als weiterer Ausdruck der Entwicklung, dass nVidia ein wenig den Draht zum LowEnd-Markt verloren hat – sicherlich auch eine Seitenfolge der Konzentration auf höhere Performance-Bereiche. Sollte die GeForce GTX 1050 Ti tatsächlich auslaufen, wird der Markt unterhalb der RTX-Lösungen dann nur noch pro Forma von nVidia beliefert: Die GeForce GTX 1630 als wenig überzeugende neue LowEnd-Lösung – und die GeForce GT 1030 als frühere LowEnd-Lösung, welche inzwischen dafür nicht mehr schlagkräftig genug ist, als reiner Display-Adapter jedoch immer noch zu teuer kommt.

GeForce GTX 1050 Ti GeForce GTX 1630 GeForce GTX 1650 GDDR5 GeForce GTX 1650 GDDR6 Radeon RX 6400
Chip-Basis nVidia GP107 (Pascal) nVidia TU117 (Turing) AMD Navi 24 XL (RDNA2)
Fertigung 3,3 Mrd. Tr. in 14nm auf 132mm² bei Samsung 4,7 Mrd. Tr. in 12nm auf 200mm² bei TSMC 5,4 Mrd. Tr. in 7nm auf 107mm² bei TSMC
Hardware 6 Shader-Cluster (768 FP32) @ 128 Bit Interface 8 Shader-Cluster (512 FP32) @ 64 Bit Interface 14 Shader-Cluster (896 FP32) @ 128 Bit Interface 12 Shader-Cluster (768 FP32) @ 64 MB Interface, 16 MB IF$
Speicher 4 GB GDDR5 4 GB GDDR6 4 GB GDDR5 4 GB GDDR6 4 GB GDDR6
Taktraten 1290/1392 MHz & 7,5 Gbps 1740/1785 MHz & 12 Gbps 1485/1665 MHz & 8 Gbps 1410/1590 MHz & 12 Gbps ?/2039/2321 MHz & 16 Gbps
Rohleistungen 2,1 TFlops & 112 GB/sec 1,8 TFlops & 96 GB/sec 3,0 TFlops & 128 GB/sec 2,8 TFlops & 192 GB/sec 3,1 TFlops & 128 GB/sec
PCI Express PCIe 3.0 x16 PCIe 3.0 x16 PCIe 3.0 x16 PCIe 3.0 x16 PCIe 4.0 x4
TDP/Realverbr. 75W / 59W 75W / ca. 50W 75W / 71W 75W / ~73W 53W / ~51W
FHD Perf.Index 360% ~280-290% 450% 480% 440%
Listenpreis $139 ? $149 $149 $159
Straßenpreis 175-210 Euro erwartet für ~170-200€ 210-250 Euro 190-230 Euro 175-210 Euro
Release 25. Oktober 2016 28. Juni 2022 23. April 2019 April 2020 20. April 2022

Nachtrag vom 1. Juli 2022

VideoCardz zeigen offizielle Benchmarks zur GeForce GTX 1630 seitens Grafikkarten-Hersteller Inno3D, wonach jene LowEnd-Lösung grob genauso schnell wie eine GeForce GTX 1050 Ti und gleichfalls ca. +17% schneller als eine GeForce GTX 1050 (non-Ti) sein soll. Jene Aussage passt allerdings nicht wirklich zum derzeit zu sehenden Performance-Profil der Karte, selbst wenn der Vergleich gegenüber GeForce GTX 1050 & 1050 Ti derzeit nur indirekt angetreten wurde – neue Benchmark-Werte zu diesen Alt-Boliden sind vergleichsweise selten. Bei TechPowerUp liefen diese Pascal-Karten gar nicht im Parcour mit, beim Guru3D nur unter einzelnen Benchmarks, so dass sich da noch kein belegkräftiges Bild formen läßt.

AMD Intel nVidia
1650-GDDR6   480%
6400   ~440% 1650-GDDR5   450%
     
A380   ~350-380% 1050Ti   360%
1050-3GB   ~340%
560   ~300% 1050-2GB   310%
1630   ~280-290%
460 & 560D   260%
Performance-Angaben basierend auf dem 3DCenter FullHD Performance-Index

Andererseits wäre es arg ungewöhnlich, wenn jene Pascal-basierten Grafikkarten nunmehr so viel gegenüber einer Turing-basierten Grafikkarte (wie der GeForce GTX 1630) mit dem Unterschied von nur einer Technik-Generation verloren hätten. Insofern dürfe der indirekte Vergleich mittels der (groben) Einordnung der GeForce GTX 1630 im FullHD Performance-Index wohl nicht gänzlich falsch sein. Und danach ist die GeForce GTX 1050 Ti eben kein Gegner der GeForce GTX 1630 – sondern vielmehr trotz des Altersunterschieds klar schneller. Auch VRAM-technisch nehmen sich beide Grafikkarten mit jeweils 4 GB nichts, das VRAM-Problem betrifft nur die GeForce GTX 1050 (non-Ti). Jene ist mit nur 2 GB VRAM derzeit natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit, was je nach Spiel heftige Performance-Abschläge bedeuten kann (oder den Griff zum Texturenregler nahelegt).

Dies ist gut auch an den TechPowerUp-Benchmarks zu sehen, wo eine Radeon RX 560 mit ebenfalls nur 2 GB gewaltig zurückfällt, obwohl deren Nominal-Performance (ohne Speichersorgen, in der 4-GB-Ausführung) problemlos das Niveau der GeForce GTX 1630 erreichen bzw. leicht überbieten sollte. Dass es wirklich nur am VRAM liegt, drauf zeigt ein Benchmark wie "Witcher 3" beim Guru3D hin, wo die GeForce GTX 1630 – ganz wie es der Performance-Index prognostiziert – minimal hinter einer GeForce GTX 1050 (non-Ti) sowie beachtbar hinter einer GeForce GTX 1050 Ti durchs Ziel kommt. Im Endeffekt hat nVidia mittels der GeForce GTX 1630 sinngemäß eine GeForce GTX 1050 mit 4 GB VRAM erschaffen – welche in den Jahren 2016-2018 gut gewesen wäre, aber heuer auch im LowEnd-Segment niemand mehr hinter dem warmen Ofen der kühlenden AirCon hervorholt.

Nachtrag vom 17. August 2022

Bei Tom's Hardware hat man sich nVidias Kandidat im Wettstreit um die schlechteste LowCost-Grafikkarte des Jahres 2022 angesehen – die GeForce GTX 1630. Vorteilhafterweise wurde hierbei der Benchmark-Parcour unter der FullHD-Auflösung sowohl im Ultra- als auch Medium-Bildqualitätspreset durchgezogen, womit sich für die schwächeren/älteren Teilnehmer deren mangelhafte VRAM-Ausstattung (teilweise) übertünchen läßt. Nachteiligerweise hat man jedoch augenscheinlich nicht explizit deklarierte werksübertaktete Modelle im Test (wie die benutzte GeForce GTX 1630 von Colorful mit 1,6% höherem Boosttakt), womit die aufgezeigten Benchmark-Differenzen mit einer gewissen Toleranz zu betrachten sind. In jedem Fall kommt hierbei ein beachtbar besseres Ergebnis als in einem früheren Test seitens TechPowerUp heraus.

FullHD Medium FullHD Ultra "TH-Index" 3DC Perf-Index
Radeon RX 6400 4GB 56,4 fps 26,2 fps 150% ~440%
GeForce GTX 1650 4GB GDDR5 54,6 fps 29,3 fps 156% 450%
GeForce GTX 1050 Ti 4GB 39,8 fps 21,5 fps 114% 360%
GeForce GTX 1630 4GB 36,5 fps 18,1 fps 100% unsicher
Radeon RX 560 4GB 34,2 fps 16,0 fps 91% ~300%
GeForce GTX 1050 2GB 31,4 fps 16,7 fps 89% 310%
Anmerkungen: Benchmark-Werte gemäß Tom's Hardware (Durchschnitt unter jeweils 8 Spielen), der "TH-Index" stellt den Mittelwert zwischen Medium- und Ultra-Benchmarks dar

Gegenüber der GeForce GTX 1050 2GB – welche hier erstmals seit langem vollständig mitgetestet wurde – ist die GeForce GTX 1630 allerdings schwer vergleichbar, weil die 2 GB VRAM die GTX1050 selbst unter Medium-Bildqualität stark behindern. Gut ist dies an der Differenz zur 1050Ti zu sehen, welche eigentlich bei +16% liegen sollte, mit diesen Benchmarks jedoch +27-29% erreicht. Natürlich kann bzw. muß man damit sagen, dass die GeForce GTX 1630 heutzutage schneller ist als eine GeForce GTX 1050 – aber für die reine Einordnung im Performance-Index sollte man sich eher anhand der Benchmarks anderer 4-GB-Karten orientieren. Die kleine Werksübertaktung grob herausrechnend würde die GeForce GTX 1630 gemäß dieser neuen Benchmarks auf ~310% im 3DC FullHD Performance-Index kommen – wie gesagt klar besser als mit früheren Tests, wo nur ~280-290% herauskamen.

Die Frage, wo die GeForce GTX 1630 wirklich einzuordnen ist, scheint somit noch nicht ganz entschieden zu sein – zumindest gibt es die üblichen Abweichungen, je nachdem welchen Hardware-Tester man fragt. Die Bewerbung für die schlechteste LowCost-Grafikkarte 2022 ist jedoch einigermaßen erfolgsversprechend, denn AMDs Radeon RX 6400 sowie Intels Arc A380 kommen auf klar höhere Performance-Level. Für die GeForce GTX 1630 kommt als Negativpunkt die Preislage hinzu, welche mit ab 171 Euro nicht ausreichend besser gegenüber der (deutlich schnelleren) GeForce GTX 1650 GDDR6 mit ab 197 Euro ist, von einer mit ab 167 Euro sogar leicht günstigeren Radeon RX 6400 ganz abgesehen. Im Wortsinn echte "LowCost"-Lösungen sind diese Karten zu diesen Preislagen sowieso allesamt nicht, dazu wäre ein Preis-Level von unterhalb 120 Euro angebracht.

Die GeForce GTX 1630 soll langfristig offenbar die GeForce GTX 1050 Ti ersetzen (ab 177 Euro), deren Fertigung bereits angehalten wurde und sich demnächst ausverkaufen soll. Dann würde im Einsteiger-Bereich bei nVidia tatsächlich nur noch die GeForce GTX 1630 übrig bleiben – mit sicherlich etwas besserem Featureset, allerdings auch etwas weniger Performance ohne echten Preisvorteil. Dass der zugrundeliegende TU117-Grafikchip mit ~200mm² beachtbar größer ist als der GP107-Chip der GeForce GTX 1050 Serie (132mm²), macht diese Grafikkarten-Veröffentlichung nVidias um so merkwürdiger. Augenscheinlich ging es hier wirklich nur darum, den letzten Pascal-Chip aus dem Markt zu bekommen – auch wenn der Grund hierfür von außen her schwer zu deuten ist. Im dümmsten Fall geht es nur darum, dass man irgendwann den Treiber-Support für Pascal streichen will – und dafür alle Pascal-basierten Grafikkarten möglichst schon einige Jahre zuvor den Markt verlassen haben müssen.