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Reloaded: Wie AMDs Radeon R400 Serie womöglich aussieht

Nun also doch: Nachdem der Codename "Vega 11" zu AMDs Polaris/Vega-Generation lange Zeit nur spekulativ herumgereicht wurde (bislang ging man immer von nur drei neuen Grafikchips in dieser Serie aus, Vega 11 wäre dann der vierte), bringen AnandTech hierzu eine klare Aussage: "Meanwhile AMD has also confirmed the number of GPUs in the Vega stack and their names. We’ll be seeing a Vega 10 and a Vega 11." Damit kommt es nunmehr zu einer 4-Chip-Aufstellung in der Polaris/Vega-Generation – und unser gestriger Artikel zur möglichen Ausgestaltung der Radeon R400 Serie ist damit schon wieder überholt. Damit wird jene Ausgestaltung der Radeon R400 Serie allerdings nochmals klarer, lassen sich die vermutlichen Chipgrößen der einzelnen benutzten Grafikchips und damit deren abgeschätztes Leistungspotential nochmals besser einordnen.

Als Ausgangpunkte dürfen hierfür die bekannte Chipfläche von Polaris 11 von (per Augenzeugen geschätzt) 120-150mm² sowie die 232mm² von AMDs "Project F" gelten. Alles andere wird sich darum anordnen müssen, wobei die 120-150mm² für einen Mainstream-Chip sprechen, die 232mm² für einen Performance-Chip. Bleiben also noch die Positionen eines HighEnd- und eines Enthusiasten-Chips übrig – wobei der HighEnd-Chip folgerichtig auf ~350mm² Chipfläche zu schätzen ist, der Enthusiasten-Chip dann auf ~500mm² Chipfläche. Es kann bei letzteren auch etwas mehr werden – aber es steht eher nicht zu erwarten, das AMD die neue 14/16nm-Fertigung gleich maximalmöglich mit Chipflächen wie beim Fiji-Chip (596mm²) ausreizt, dies dürfte für AMD ein eher singuläres Ereignis gewesen sein.

Ausgehend von diesen Chipflächen kann man ziemlich gut auf die Performance dieser Grafikchips schätzen: Regulär gesehen müsste es in etwa dieselbe Performance sein, welche ein 28nm-Grafikchip der doppelten Chipfläche erreicht. Jene Schätzung ist recht solide bei den kleineren Grafikchips – bei den größeren wird man sehen müssen, ob diese Milchmädchenrechnung aufgeht, da kommen dann auch noch Punkte wie begrenzte maximale Taktraten bei den größeren Chips des Angebotsportfolios und natürlich die gerade bei AMD immer zu thematisierende Skalierung bei den größeren Chips zum tragen. Regulär gesehen müsste man sogar mit den allerersten 28nm-Chips vergleichen (bei AMD die Radeon HD 7000 Serie), da die jetzt am Markt befindlichen jüngeren 28nm-Chips schließlich inzwischen hochoptimiert auf ihr Fertigungsverfahren sind – ein Vorteil, welchen die ersten 14/16nm-Chip nicht haben werden.

Hier liegt also noch einige Spielbreite vor, welche allerhöchstens eine grobe Performanceabschätzung möglich macht. Als ziemlich sicher darf man allerdings den Punkt betrachten, das AMD mit seiner kommenden Polaris/Vega-basierten HighEnd-Lösung (Radeon R9 480 Serie) die aktuellen Fiji-basierten Karten der Radeon R9 Nano/Fury Serie zumindest erreichen sollte. Diese Zielsetzung muß in einer 4-Chip-Aufstellung einfach drin sein – und wird schließlich auch vom Markt gefordert werden, denn AMD kann im Jahr 2016 nicht mit großem Tamtam neue Grafikkarten vorstellen, wenn damit die alten Grafikkarten nicht zumindest erreicht werden. Regulär sollte man die Radeon R9 Fury X sogar überbieten müssen, ansonsten könnte man kaum von einer gelungenen Vorstellung sprechen – und AMD dürfte diese einfache Weisheit sicherlich genauso wissen und einkalkulieren.

Polaris 11 Vega 11 Polaris 10 Vega 10
Chipgröße per vorgezeigtem Die geschätzt 120-150mm² vermutlich 232mm²  (AMDs "Project F") vermutlich Richtung ~350mm² vermutlich Richtung ~500mm²
Speicher höchstwahrscheinlich GDDR5 wahrscheinlich GDDR5X wahrscheinlich GDDR5X bestätigt HBM2
Zielrichtung laut AMD Mainstream & Mobile wahrscheinlich Performance wahrscheinlich HighEnd wahrscheinlich neue Enthusiasten-Klasse
Vergleich vermutlich Radeon R7 370 bis R9 380 vermutlich Radeon R9 390 vermutlich Radeon R9 Fury X oder etwas schneller vermutlich (sehr) deutlich schneller als die Radeon R9 Fury X
Launch laut AMD Sommer 2016 laut AMD Anfang 2017 höchstwahrscheinlich Sommer bis Herbst 2016 laut AMD Anfang 2017
Verkaufsname angenommen Radeon R7 460 Serie angenommen Radeon R7 470 Serie angenommen Radeon R9 480 Serie angenommen Radeon R9 490 Serie

Demzufolge ergibt es sich auch fast automatisch, das Polaris 10 als der größere der beiden 2016er AMD-Chips der neue HighEnd-Chip der Polaris/Vega-Generation sein muß. Wenn dem nicht so ist und Polaris 10 nur das Performance-Segment beackert, würde AMD dieses Jahr nur zwei Midrange-Lösungen herausbringen, was dann doch arg enttäuschend wäre. AMDs Performance-Angabe zu Polaris 10 von 60 fps (wahrscheinlich mit Framecap) unter WQHD bei Hitman (2016) deutet schon die Konkurrenz dieses Grafikchips zu den bisherigen Enthusiasten-Lösungen hin – denn eine solche Framerate ist (unter diesem Setting) das Feld von Radeon R9 Nano bis Fury X. Damit wäre dann Vega 10 der kommende Enthusiasten-Chip der Polaris/Vega-Generation (Radeon R9 490 Serie) und Vega 11 folgerichtig die Performance-Lösung zwischen Polaris 11 und 10 als Radeon R7 470 Serie.

AMD würde dann dieses Jahr die Polaris/Vega-Generation mit den beiden Polaris-Chips starten, der große Zwischenraum zwischen diesen beiden Grafikchips dürfte zum Abverkauf von Altlösungen wie der Tonga-basierten Radeon R9 380 Serie sowie der Hawaii-basierten Radeon R9 390 Serie dienen. Unterhalb von Polaris 11 dürfte AMD sowieso ältere Chips für entsprechende LowCost-Angebote verwenden – ob dies auch unter dem Siegel der Radeon R400 Serie passiert, bliebe abzuwarten, AMD hatte sich eigentlich klar gegen Rebrandings ausgesprochen. Gut möglich, das daher ab Sommer 2016 Angebote aus den Serien Radeon R300 & R400 gemeinsam am Markt sind bzw. ein gemeinsames Angebotsportfolio bilden. Ab Anfang 2017 dürften dann auch die Radeon R9 380 & 390 Serie in den Ruhestand gehen, wenn Vega 11 deren Feld einnimmt – zusätzlich wird an der absoluten Angebotsspitze Vega 10 endlich für neue Enthusiasten-Lösungen sorgen.