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Die Grafikchip- und Grafikkarten-Marktanteile im zweiten Quartal 2019

Jon Peddie Research haben nun auch ihren Bericht über den Markt der Desktop-Grafikkarten im zweiten Quartal 2019 abgeliefert – welche eine heftige Marktanteilsänderung zugunsten von AMD enthält. Jene schiessen zwischen dem ersten und zweiten Quartal von 22,7% auf 32,1% Marktanteil um fast 10 Prozentpunkte hinauf, nVidia verliert in gleichem Maßstab von 77,3% auf 67,9%. Die Pressemitteilung gibt hierzu keinerlei Gründe an – allenfalls war der saisonal bedingte Markteinbruch vom ersten auf das zweite Quartal mit -16,6% deutlich stärker ausgeprägt als im zehnjährigen Durchschnitt von -10%. Eine derart große Marktanteils-Änderung ist damit aber auch nicht vollständig zu erklären – hier dürften dann andere Faktoren im Spiel sein. Eine gute Möglichkeit liegt in der Lagerbereinigung vor dem Launch von nVidias "SUPER"-Grafikkarten – hierbei wurden dann primär die Lagerbestände bei Distributoren und Einzelhändlern abverkauft, aber eben nur noch wenige bis gar keine Kontingente dieser auslaufenden Karten mehr nachgeordert.

AiB-Grafikchips Q2/2018 Q3/2018 Q4/2018 Q1/2019 Q2/2019
AMD 36,1% 25,7% 18,8% 22,7% 32,1%
nVidia 63,9% 74,3% 81,2% 77,3% 67,9%
Quelle: Jon Peddie Research

An dieser Stelle muß eine wichtige Information zur Einordung dieser Marktanteils-Zahlen eingeflochten werden, welche bislang wohl noch zu selten genannt wurde: Denn natürlich handelt es sich bei diesen Zahlen nicht um das, was beim Endkunden passiert, egal ob im Retail- oder KomplettPC-Segment. Es handelt sich hierbei vielmehr um Zahlen dessen, was AMD und nVidia verkaufen – und jene setzen ihre Grafikchips an Grafikkarten-Hersteller und OEMs ab, nicht direkt an Endkunden. Was AMD & nVidia absetzen (und nachfolgend in der Statistik von Jon Peddie Research auftaucht), landet also erst einmal in den Lägern von Grafikkarten-Herstellern und OEMs – und wird dann erst in den nachfolgenden Wochen an die Endkunden ausgeliefert (sofern entsprechender Bedarf existiert). Die von Jon Peddie Research gemeldeten Zahlen gehen also nicht mit dem konform, was im für die Endkunden sichtbaren Grafikkarten-Markt passiert, sondern wird durch einen anderen (früheren) zeitlichen Ablauf sowie Sondereffekte wie Lageraufstückungen & Lagerbereinigungen dem gegenüber verzerrt.

Auf das konkrete Beispiel des zweiten Quartals 2019 gemünzt bedeutet dies schlicht, das primär die Grafikkarten-Hersteller aufgrund nVidias internen Vorab-Ankündigungen wohl schon aufgehört haben, die auslaufenden Turing-Beschleuniger nachzuordern – sondern vielmehr versucht haben dürften, deren Lagerbestände bestmöglich abzubauen. Deswegen hat nVidia (wahrscheinlich) bereits in diesem Zeitraum weniger verkauft, obwohl jener Effekt auf dem Endkunden-Markt erst ab dem Launch der "SUPER"-Grafikkarte zum Juli-Anfang offensichtlich wurde. Eine gewisse Käuferzurückhaltung wegen der zum Juli-Anfang vorgestellten neuen AMD- und nVidia-Grafikkarten könnte hierbei natürlich auch noch eine Rolle gespielt haben, scheint AMD aber weit weniger getroffen zu haben. Und letztlich könnten hier natürlich auch noch letzte Reste der Bewältigung der Folgen des Cryptomining-Booms mit hineinspielen – auch in diesem Fall muß das Geschehen auf dem sichtbaren Grafikkarten-Markt wenig mit dem übereinstimmen, was zu diesem konkreten Zeitpunkt durch AMDs und nVidias Bücher gelaufen ist.

Inwiefern diese Geschehnisse im Desktop-Segment etwas zu den Zahlen für den Markt aller PC-Grafikchips (inkl. der integrierten Grafiklösungen) beigetragen haben, wäre eher zu bezweifeln. Dafür ist dieses Segment zu klein, fehlen hier schließlich auch noch alle Mobile-Grafiklösungen basierend auf extra Grafikchips, wo AMD derzeit fast gar nichts zu bieten hat – und trotzdem hat AMD im Markt aller PC-Grafikchips im zweiten Quartal 2019 wie bekannt den zweiten Platz von nVidia übernommen. Dies dürfte wohl schlicht über bessere Absätze von AMD-APUs passiert sein, welche (positiverweise) von immer mehr PC-Herstellern für Desktop- und Mobile-Gerätschaften adaptiert werden. Dabei hat AMD hier noch gar keine herausragenden APU-Produkte im Markt stehen, sind viele derzeit verkaufte AMD-APUs noch Zen-1-basiert, wird das APU-Portfolio basierend auf Zen+ gerade erst vollständig aufgebaut und sind APUs basierend auf Zen 2 wie bekannt erst für das Jahr 2020 anstehend.

alle Grafikchips Q2/2018 Q3/2018 Q4/2018 Q1/2019 Q2/2019
AMD 14,8% 14,2% 13,6% 15,7% 17,2%
Intel 68,2% 69,7% 71,2% 68,2% 66,9%
nVidia 17,0% 16,1% 15,2% 16,1% 16,0%
Quellen: Hochrechnung (±0,2PP) aus den von Jon Peddie Research angegebenen quartalsweisen Änderungen; Q1/2019 & Q1/2019 basieren dagegen auf der Meldung von Tom's Hardware zu den Zahlen von Jon Peddie

Wahrscheinlich hilft AMD hier primär die immer stärker werdende Marke "Ryzen" entscheidend weiter: Es wird mittels jener grundsätzlicher Bedarf generiert, was sich dann in guten Verkäufen quer durchs komplette Produktportfolio zeigt. Einrechnend die kommenden APU-Produkte und den Zen-2-Effekt, welcher in diesen Zahlen noch gar nicht enthalten ist, hat AMD ein gutes Sprungbrett, um sich zukünftig bei diesen Zahlen zum Markt aller PC-Grafikchips entscheidend und dauerhaft von nVidia abzusetzen. Dies ist natürlich nicht als Beinbruch für nVidia zu verstehen, denn ganz ohne CPU-Geschäft ist nVidia naturgemäß nicht in der Lage, um Spitzen-Positionen in einem Markt mitzumischen, welcher nun einmal mengenmäßig von in PC-Prozessoren verbauter integrierter Grafik dominiert wird. Eher Sorgen muß nVidia der Umstand machen, das AMD im Markt der Desktop-Grafikkarten schon vor dem Navi-Launch so gut anzieht – was angesichts der breitflächig guten Bewertung von AMDs Navi und des kommenden Ausbau des Navi-Portfolios eher bessere Aussichten für AMD als für nVidia ergibt.

Allerdings darf man sich diesbezüglich auch keinen Träumereien hingeben: nVidia ist inzwischen im Grafikchip-Geschäft derart fest im Sattel wie Intel es im Prozessoren-Geschäft ist. Damit können beide Marktführer auf die Beharrungskräfte des Marktes zugunsten ihrer Marktposition bauen – sprich, jeglicher Wandel läuft sehr zähflüssig ab und bietet somit mittel- und langfristig genügend Zeit für eigene Konter. Genauso wie es (arg) unwahrscheinlich ist, das AMD demnächst der CPU-Marktführer wird, gilt selbige Zielsetzung für den Grafikchip-Markt – selbst wenn AMD hierbei zumindest bei den Desktop-Grafikkarten schon viel näher am Marktführer dran ist als bei den (kürzlich notierten) Marktanteile von PC-Prozessoren. Um irgendwann noch einmal einen ausgeglichenen Markt zwischen AMD und nVidia bzw. AMD und Intel zu erleben, muß doch noch sehr viel Wasser Elbe & Rhein herunterfließen. Speziell im Grafikchip-Bereich wird da in jedem Fall noch vorher Intels Markt-Wiedereintritt passieren und aus dem bisherigen Grafikchip-Zweikampf einen Wettstreit dreier Anbieter machen.

Nachtrag vom 4. September 2019

Von Fudzilla kommt eine weitere Erklärung für AMDs stark angestiegenen Grafikkarten-Marktanteil im zweiten Quartal 2019, welcher gegenüber dem ersten Quartal von 22,7% auf 32,1% um fast 10 Prozentpunkte zulegen konnte. Für ein Quartal ohne Grafikkarten-Launches ist dies erstaunlich viel und wurde unsererseits erst einmal mit einem Rückgang der internen Bestellungen bei nVidia zu den auslaufenden nVidia-Grafikkarten GeForce RTX 2070 & 2080 erklärt. Laut Fudzilla sollen hier allerdings eher gute Verkäufe der Polaris-Grafikkarten Radeon RX 570 & 580 am Wirken gewesen sein. Jene sind wegen ihrers Alters inzwischen ein wenig aus dem Blickfeld, haben allerdings gerade ab diesem Jahr wirklich niedrige Preispunkte unterhalb von 200 Euro erreicht – wo nVidia mit der GeForce GTX 1060 6GB nicht mehr vollumfänglich mitgehen wollte, wo die GeForce GTX 1060 3GB wegen ihrer Speichermenge nichts zu melden hat und wo selbst die neuere GeForce GTX 1650 einfach nicht potent genug ist, um mitspielen zu können. Insbesondere im Preissegment von ca. 150 Euro tut sich nVidia derzeit ziemlich schwer, da die alten Pascal-Beschleuniger auslaufen und die neuen Turing-Beschleuniger kein vergleichbar gutes Preis/Leistungs-Verhältnis aufbieten.

AMD FHD-Index April 2019 FHD-Index nVidia
180-220€ 590% GeForce GTX 1060 6GB
Radeon RX 580 8GB 590% 175-210€
170-200€ 530% GeForce GTX 1060 3GB
Radeon RX 580 4GB 570% 165-200€
140-160€ 360% GeForce GTX 1050 Ti 4GB
Radeon RX 570 8GB 520% 135-160€
Radeon RX 570 4GB 520% 120-150€

Die genannten AMD-Grafikkarten wurden (und werden) hingegen teilweise zu Kampfpreisen vertickt, womit AMD in diesem Preissegment insbesondere im zweiten Quartal wesentlich mehr fürs Geld bot als nVidia. Dies mag den westlichen Grafikkarten-Enthusiasten vielleicht weniger interessieren, aber in anderen Teilen der Welt (mit anderer Einkommensstruktur) ist dieses Preissegment teilweise schon "HighEnd", sind da also nach wie vor erhebliche Absätze realisierbar. Natürlich verdient AMD an diesen (niedrigen) Grafikkarten-Preisen für ehemalige Midrange-Beschleuniger wahrscheinlich nicht mehr viel – währenddessen nVidia wiederum die AMD-Preise wohl teilweise bewußt nicht mitgeht, um sich die eigene Gewinnmarge nicht maßlos zu versauen. Andererseits bringt AMD diese niedrige Preislage der Polaris-Beschleuniger zukünftig unter gewissen Druck bei der als nächstes auf dem Plan stehenden Mainstream-Ausführung von Navi: Mit dem Navi-14-Chip wird eine Ablösung von Radeon RX 570, 580 & 590 erwartet, wobei dies Performance-seitig wohl problemlos zu erreichen sein wird – ob Navi 14 bzw. die daraus wahrscheinlich resultierende Radeon RX 5600 Serie allerdings die Preispunkte der günstigsten Radeon RX 570 Karten erreichen kann, bleibt noch etwas zu bezweifeln.

Nachtrag vom 11. September 2019

Auf Anregung unseres Forums wurden beim Übersichts-Diagramm zu den historischen Grafikchip-Marktanteilen ein grober Fehler zu den Werten des zweiten Quartals 2004 korrigiert – wobei (bislang) augenscheinlich die Werte zwischen AMD & nVidia vertauscht waren, wie zwei andere solcher Aufstellungen unabhängig voneinander auswiesen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Werte eines alternativen Werte-Diagramms aus dem Beyond3D-Forum eingearbeitet, welches gerade in der weiter zurückliegenden Vergangenheit oftmals eine andere Wertequelle zugrunde liegen hatten – meistens Werte von Mercury Research anstatt von Jon Peddie Research. All dies ist nun in eine Neuauflage unseres Markanteil-Diagramms eingeflossen, womit sich auch abseits des genannten zweiten Quartal 2004 hier und da ein paar Wertekorrekturen ergeben haben – natürlich nichts, was jetzt besonders erwähnenswert wäre. Jenes Diagramm stützt sich auf die Werte der beiden genannten Marktbeobachter, wobei oftmals jeweils nur ein Wert vorhanden war, nur für eine vergleichsweise kurze Zeitspanne (Q3/2013 bis Q2/2017) durchgehend beide Werte vorlagen (welche bei Vorliegen dann gemittelt wurden). Das ganze erhebt somit natürlich keinerlei Anspruch auf echte Genauigkeit – es bildet einfach nur das ab, was öffentlich bezüglich dieser Marktanteils-Werte aus der Vergangenheit bekannt ist.