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Die Intel-Geschäftsergebnisse im vierten Quartal sowie Gesamtjahr 2023

Prozessoren-Hersteller Intel hat seine Geschäftsergebnisse für das vierte Jahresquartal 2023 sowie das Gesamtjahr 2023 vorgelegt. Jenes war bei Intel von einem weiteren Geschäftseinbruch sowie Kosten-intensiven Umbauten am Unternehmen geprägt, der Abschluß mit dem vierten Quartal fiel allerdings recht versöhnlich aus. Hierbei wurden mit 15,4 Mrd. Dollar Quartalsumsatz erstmals seit einigen Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wieder positive Zahlen geschrieben, so dass der Umsatzwert letztlich um +8,8% gegenüber dem Vorquartal sowie um +9,7% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zulegte. Die Entwicklung der Gewinnzahlen ist nochmals erfreulicher, war das Jahr 2023 doch ansonsten bei Intel geprägt von Sondereffekten und anderen Kostentreibern. Das vierte Quartal sah als einziges vergleichsweise "normale" Gewinnzahlen – und wenn Intel dies fortschreiben könnte, würde man auf einem vernünftigen Weg sein.

Q4/2022 Q1/2023 Q2/2023 Q3/2023 Q4/2023
Umsatz 14'042 Mio. $ 11'715 Mio. $ 12'949 Mio. $ 14'158 Mio. $ 15'406 Mio. $
(nomineller) Gewinn –661 Mio. $ –2768 Mio. $ 1473 Mio. $ 310 Mio. $ 2660 Mio. $
Bruttomarge 39,2% 34,2% 35,8% 42,5% 45,7%
operativer non-GAAP-Gewinn 602 Mio. $ –294 Mio. $ 456 Mio. $ 1924 Mio. $ 2580 Mio. $

Sicherlich zur Verwunderung einiger lief wieder einmal die Consumer-Sparte bei Intel am besten – obwohl man hier doch nun nicht gerade besonders griffige Angebote hat bzw. mit der 14. Core-Generation nun wahrlich keine Bäume ausreißt. Aber Intels bombastische Stellung im OEM-Markt kann dies alles augenscheinlich locker übertünchen – was ebenfalls wichtig ist für den Umstand, dass die Server-Sparte wiederum nur maßvolle Zuwäche erzielen konnte und im Jahresvergleich sogar leicht negativ dasteht. Dies ist eigentlich angesichts der Zeichen der Zeit mit dem vorrückenden HPC- und KI-Computing eine schwache Kür – und zeigt darauf hin, dass Intels eigentliche Server-Prozessoren nicht wirklich vorwärts kommen bzw. dass Intel im Feld der KI-Beschleuniger noch nichts tatsächlich Umsatz-wirksames anzubieten hat. Während vor Jahresfrist somit die Server-Sparte schon bei 65% des Umsatzes der Consumer-Sparte stand, ist erstere nunmehr wieder auf 45% des Wertes von letzterer zurückgefallen.

Umsätze Q4/2022 Q1/2023 Q2/2023 Q3/2023 Q4/2023
Client Computing  ("Consumer-Sparte") 6625 Mio. $ 5767 Mio. $ 6780 Mio. $ 7867 Mio. $ 8844 Mio. $
Data Center and AI  ("Server-Sparte") 4304 Mio. $ 3718 Mio. $ 4004 Mio. $ 3814 Mio. $ 3985 Mio. $
Network and Edge 2061 Mio. $ 1489 Mio. $ 1364 Mio. $ 1450 Mio. $ 1471 Mio. $
Mobileye 565 Mio. $ 458 Mio. $ 454 Mio. $ 530 Mio. $ 637 Mio. $
Intel Foundry Services 319 Mio. $ 118 Mio. $ 232 Mio. $ 311 Mio. $ 291 Mio. $

Während Intel die Quartalsprognose für das vierte Quartal 2023 leicht schlagen konnte, setzt man die Quartalsprognose für das laufende erste Quartal 2024 mit 12,2-13,2 Mrd. Dollar recht niedrig an, dies wäre im schlimmsten Fall nur knapp oberhalb des Ergebnisses des ersten Quartals 2023. Logischerweise muss Intel in einem ersten Quartal mit einem etwas geringeren Geschäft rechnen, aber diese typisch saisonale Entwicklung könnte bei einem stark nach vorn gehenden Unternehmen auch durch das Gesamtwachstum übertüncht werden. Augenscheinlich ist Intel jedoch nicht derart stark wachsend, sondern muß sich die früheren Lorbeeren nun recht mühsam und langwierig wieder verdienen. Dies kann als erstes Anzeichen dafür gewertet werden, dass das Jahr 2024 geschäftlich für Intel nur ähnlich bzw. nur maßvoll besser laufen dürfte als 2023. Die schnelle Rückkehr zu den geschäftlichen Höhen der Jahre 2020/21 erscheint somit nicht auf dem Plan.

Das komplette Jahr 2023 war für Intel geschäftlich eher zum Vergessen, da man nach dem starken Absturz des Jahres 2022 erneut bedeutsam nachgeben musste. Intel ist derzeit auf dem Umsatz-Niveau der Jahre 2011-2015 angelangt, hat ergo eine halbe Dekade an Umsatzwachstum in nur zwei Jahren pulverisiert. Zugleich dürfte in der Jahresschlußrechnung beim Umsatz erstmals nVidia an Intel vorbei ziehen – vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar angesichts der damals herrschenden Unterschiede. Eigentlich noch schlimmer ist der Rückfall bei den Gewinnzahlen, dieses Jahr hat Intel gerade einmal so ein negatives Ergebnis für das Gesamtjahr verhindert. Das Delta zwischen Umsatz und Gewinn weitete sich dabei sehr heftig aus: Von teilweise besser als 4:1 zu Spitzenzeiten auf im Jahr 2023 nur noch bei 32:1 liegend. Dies kann dann 2024 nur noch besser werden – und dürfte es auch, wenn die Zahlen des vierten Quartals 2023 eine gewisse Richtung vorgeben.