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NextGen-Konsolen Playstation 5 und Xbox "Scarlett" treten wohl im Jahr 2020 an

Die PC Games Hardware hat eine Aussage von AMD-Chefin Lisa Su gegenüber Börsenanalysten ausgegraben, wonach AMDs SemiCuston-Sparte "nach dem Jahr 2019" (und damit ab dem Jahr 2020) wieder in Richtung eines "signifikanten Wachstums" gehen soll. Da in selbiger Sparte neben den Konsolen-SoCs nur noch die eher unbedeutenden Embedded-Aktivitäten stehen, darf dies wohl als Termin-Teaser für die nächste Spielekonsole-Generation betrachtet werden. Angesichts der üblicherweise (vor einem Launch) mehrmonatigen Vorproduktion ist mit deren Release somit spätestens Anfang 2021 zu rechnen, wenn selbige für AMD noch im Jahr 2020 geschäftswirksam werden soll. Dies bedeutet auch, das technologisch spätestens zur Jahresmitte 2019 alle Messen gelesen sein müssen – dann muß der Tape-Out der jeweiligen Konsolen-SoCs über die Bühne gebracht werden. An selbigen schließt sich dann eine ungefähr einjährige Evaluierungsphase an, ehe ab (spätestens) Mitte 2020 die Massenfertigung aufgenommen werden wird.

... we see beyond 2019 that the semi-custom business returns to growth and actually significant growth for us.
Quelle:  AMDs CEO Lisa Su zur "22nd Annual Credit Suisse Technology, Media & Telecom Conference" am 27. November 2018

Dies bedeutet letztlich auch, das alle grundsätzlichen Designentscheidungen längst gefallen sind und man derzeit nur noch an deren Finalierung arbeiten dürfte – wenn man einen Tape-Out spätestens zur Jahresmitte 2019 noch erreichen will. Alle für diese NextGen-Konsolen annehmbare Hardware läßt sich damit eigentlich jetzt schon spekulieren – ausgehend davon, was im Zeitrahmen 2019/2020 als verfügbar einzuschätzen ist. Sofern die Konsolen-Hersteller nichts außergewöhnliches bezüglich der beauftragten Chipentwicklern tun, dürfte es auch bei Microsoft wieder auf einen CPU/GPU-SoC von AMD hinauslaufen – weil nur AMD ein entsprechend vollständiges Baukastensystem bietet und gleichzeitig bei den Preisvorstellungen am ehesten für die (an jedem Zehntel-Cent sparenden) Konsolenhersteller tragbar ist. Bei der Playstation 5 ist dies mehr oder weniger schon gesichert, da AMDs Navi-Architektur mit starkem Blick auf eben diese kommende NextGen-Konsole entwickelt worden sein soll. Intel ist mit seiner eigenen Grafikchip-Entwicklung sicherlich jetzt noch nicht spruchreif für einen solchen Großauftrag, nVidia fehlen dagegen die entsprechend leistungsfähigen CPUs.

Fertigungstechnisch dürfte es auf TSMCs 7FF+ hinauslaufen, sprich der leicht verbesserten EUV-Variante der 7nm-Fertigung, welche nächstes Jahr bei TSMC (in der Erprobungsphase) anlaufen wird. Damit kann man sehr viel höheres anpeilen, als bei den bisherigen Standard-Konsolen, deren SoCs noch auf Basis der 28nm-Fertigung geplant wurden. Nichtsdestotrotz dürften sich beide Konsolenhersteller trotzdem auf das beschränken, was sinnvoll nutzbar ist – alles andere widerspricht dem Mainstream-Ansatz, welcher bei der letzten Spielekonsolen-Generation eingeführt wurde und sich geschäftlich ziemlich bewährt hat. Ergo dürfte es kaum mehr als 8 CPU-Kerne geben – schließlich wechselt man dann von der Jaguar- auf die Zen-Architektur (wahrscheinlich Zen 2), dies dürfte allein für sich schon einen erheblichen Performance-Boost mit sich bringen, etwaige Taktratengewinne noch gar nicht eingerechnet. Vor allem aber wird man sich lieber bei der Grafiklösung verausgaben wollen, hiermit ist einfach ein größerer Effekt zugunsten der mit diesen NextGen-Konsolen erstellbaren Spiele erreichbar.

Wieviele Shader-Einheiten auf diesen NextGen-Konsolen verbaut sind bzw. was hierbei für eine Rechenleistung erreichbar ist, hängt dann maßgeblich davon ab, wie dick der Konsolen-SoC werden soll. Denn da die Kosten pro Transistor mit den neuen Fertigungsverfahren nicht mehr bedeutsam gesunken sind, ist durchaus eine kleinere Größe als jene 348mm² Chipfläche der originalen PS4 vorstellbar. Dies könnte man dann allerdings über höhere Taktraten auch wieder kompensieren – so das letztlich eine (theoretische) Rechenleistung von zwischen 10-20 TFlops im Zielfeld stehen sollte. Genauer kann man dies derzeit noch nicht angeben, da noch kein echtes 7nm-Grafikchip-Design erschienen ist – der Vega-20-Chip zählt diesbezüglich nicht, da die Vega-Architektur ursprünglich für die 14nm-Fertigung entwickelt wurde. Nichtsdestotrotz kann man Vega 20 mit seinen 331mm² Chipfläche und 14,7 TFlops FP32-Rechenleistung als gewissen Anhaltspunkt benutzen, denn bei den Konsolen-SoCs muß auf dieser Fläche auch noch eine CPU und Chipsatz-Komponeten untergebracht werden – da bleibt nicht viel Raum, um jene Rechenleistung noch deutlich zu überbieten.

Angesichts der von der aktuellen Spielekonsolen-Generation gebotenen 1,8 TFlops (PS4) bzw. 1,3 TFlops (Xbox One) wären aber selbst "nur" 10 TFlops Rechenleistung bei der nächsten Spielekonsolen-Generation schon sehr viel und ein massiver Sprung. Die aktuellen Pro-Konsolen darf man hierbei nicht als Vergleich heranziehen, auch wenn die Xbox One X schon 6 TFlops FP32-Rechenleistung erreicht – aber technologischer Ausgangspunkt der auf dieser Konsole erscheinenden Spiele ist eben immer noch die reguläre Xbox One mit deren nur 1,3 TFlops. Demgegenüber 10 TFlops für die nächste Generation anzunehmen, wäre im übrigen sogar ein leicht stärkerer Sprung als seinerzeit zwischen Xbox 360 und Xbox One – ergo sind die maximal angegebenen 20 TFlops auch wirklich als das höchste der Gefühle zu sehen, nicht hingegen als wirklicher Zielwert für die nächste Konsolen-Generation. Sprich: Alles ab 10 TFlops ist schon gut, volle 20 TFlops die unwahrscheinlichste Auflösung.

    NextGen-Spielekonsolen

  • Sony: Playstation 5
  • Microsoft: Projekt "Scarlett"
  • Fertigung: vermutlich 7FF+ von TSMC
  • CPU-Teil: vermutlich 8 Kerne von Zen 2
  • GPU-Teil: vermutlich Navi-basierte Grafiklösung mit zwischen 10-20 TFlops
  • Speicher: vermutlich 16 GB GDDR6
  • Releasetermin: geplant augenscheinlich für das Jahr 2020 bzw. spätestens Anfang 2021

Bezüglich des verbauten Speichers dürfte alles auf GDDR6 hinauslaufen, denn HBM wird den Konsolenherstellern wohl viel zu riskant sein, gerade angesichts der benötigten Mengen. Die Speichermenge dürfte dann ziemlich sicher 16 GB betragen – mehr ist zwar immer besser, aber in diesem Fall aus Kosten- und Effizienzsicht nicht gerade wahrscheinlich. Hier kann man sicherlich auch den Erfahrungswert einrechnen, das die aktuelle Konsolen-Generation keinesfalls so wie ihre Vorgänger am Ende des Lebenszyklus auf dem letzten Loch bezüglich der Speichermenge pfeift – eigentlich sind die 8 GB der aktuellen Konsolen-Generation nirgendwo ein Bremsschuh. Insofern muß dieser Teilaspekt bei der nächsten Konsolen-Generation dann nicht nochmals übermäßig gesteigert werden, selbst wenn es für die Spiele-Fortentwicklung natürlich besser wäre, Standard-Konsolen mit gleich 32 GB Speicher zu sehen.

Stichwort Spiele-Fortentwicklung: Wie üblich dürfte eine neue Konsolen-Generation diesbezüglich einige Bremsen lösen – welche sich gerade in den Jahren 2017 und 2018 mit ihren nur noch zaghaft steigenden Spiele-Systemanforderungen (für PC-Titel) bereits manifestiert haben. Das Ende dieser verschleppten Entwicklung ist mit den am Horizont erscheinenden NextGen-Konsolen nunmehr aber abzusehen, denn in aller Regel gehen die Spieleentwickler bereits vor deren Release mit den PC-Systemanforderungen nach oben, kümmern sich insbesondere im letzten Jahr der alten Konsolen-Generation dann immer weniger um deren Belange. Die Jahre nach dem Release einer neuen Konsolen-Generation dürften dann auch für den PC wieder einen erheblichen Zuwachs an Optik-Qualität und damit Hardware-Anforderungen bringen, die jeweilige Konsolen-Hardware dürfte über kurz oder lang zum neuen Mindeststandard auf dem PC werden.