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nVidia bringt im März mit der "GeForce GTX 950 SE" wohl eine dritte GM206-Variante

Laut dem chinesischen Expreview (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) soll nVidia an einer "GeForce GTX 950 SE" arbeiten, welche im März 2016 erscheinen soll. Als Basis hierfür benutzt man den schon von GeForce GTX 950 & 960 bekannten GM206-Chip, dürfted jenen allerdings vermutlich nochmals abspecken, um eine weitere etwas leistungsschwächere Grafikkarte zu erhalten – die gerade einmal vor einem halben Jahr in den Markt gekommene GeForce GTX 950 regelrecht zu ersetzen, macht schließlich kaum einen Sinn. Insofern haben all die von Videocardz ausgehenden Spezifikations-Spekulationen zur GeForce GTX 950 SE sogar ihre Berechtigung – es muß allerdings auch klar gesagt werden, daß die Originalquelle in Form von Expreview keinerlei Kartenspezifikationen nennt und noch nichtmal die weiteren Abspeckungen als "sicher" klassifizieren kann.

Insofern ist es derzeit eine reine Annahme seitens Videocardz, daß die GeForce GTX 950 SE mit 640 Shader-Einheiten, 40 Textureneinheiten und 16 ROPs an einem 128 Bit DDR Speicherinterface zu Taktraten von 1000+/3250+ MHz antritt. Jene Hardware-Gestaltung würde die Karte im übrigen exakt auf das Niveau der GeForce GTX 750 Ti mit GM107-Chip bringen – für welche eine GeForce GTX 950 SE allerdings trotzdem eine interessant Ablösung darstellen würde: Die Maxwell-2-Architektur des GM206-Chips ermöglicht die Hardware-Funktionen von DirectX 12, während der GM107-Chip nur das Feature-Level 11.0 erreicht (allerdings den Software-Part von DirectX 12 ausführen kann und damit ganz offiziell als "DirectX-12-Beschleuniger" gilt). Zudem ist die Video-Einheiten des GM206-Chips die bislang modernste von nVidia und bietet im Gegensatz zu allen anderen nVidia-Beschleunigern auch das Decodieren von H.265-Material (GM200 & GM204 unterstützen nur H.265-Encoding) sowie den Kopierschutz HDCP 2.2 (GM200 & GM204 unterstützen zwar HDMI 2.0, aber kein HDCP 2.2 über HDMI). Man kann jetzt darüber streiten, ob dies bei einem Produkt des Preisbereiches von vermutlich klar unterhalb von 150 Euro wirklich notwendig ist, aber "nett zu haben" sind jene Checklisten-Features allemal.

Radeon R7 370 GeForce GTX 750 Ti GeForce GTX 950 SE GeForce GTX 950
Chipbasis AMD Pitcairn, 2,8 Mrd. Transistoren in 28nm auf 212mm² Chip-Fläche nVidia GM107, 1,87 Mrd. Transistoren in 28nm auf 148mm² Chipfläche nVidia GM206, 2,94 Mrd. Transistoren in 28nm auf 227mm² Chipfläche
Architektur GCN 1.0, DirectX 12 Feature-Level 11_2 Maxwell 1, DirectX 12 Feature Level 11_0 Maxwell 2, DirectX 12 Feature Level 12_1
Technik 2 Raster-Engines, 1024 Shader-Einheiten, 64 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit Interface 1 Raster-Engine (mit doppelter Raster-Power), 640 Shader-Einheiten, 40 TMUs, 16 ROPs, 128 Bit Interface spekulativ 1-2 Raster-Engines (mit doppelter Raster-Power), 640 Shader-Einheiten, 40 TMUs, 16-32 ROPs, 128 Bit Interface 2 Raster-Engines (mit doppelter Raster-Power), 768 Shader-Einheiten, 48 TMUs, 32 ROPs, 128 Bit Interface
Taktraten ≤975/2800 MHz 1020/1085/2700 MHz
(Ø-Chiptakt: 1144 MHz)
spekulativ 1000+/3000+ MHz 1024/1188/3300 MHz
(Ø-Chiptakt: 1332 MHz)
Speicherausbau 2 GB GDDR5
(4 GB mit Aufpreis)
2 GB GDDR5
(4 GB mit Aufpreis)
spekulativ 2 GB GDDR5 2 GB GDDR5
TDP/TBP/GCP 110W (TBP) 60W (GCP) spekulativ 70W 90W (GCP)
3DC Perf.Index 260% 210% voraussichtlich 220-250% 290%
Straßenpreis 130-145 Euro 115-130 Euro spekulativ ab 130 Euro 155-170 Euro

Geht man einfach einmal davon aus, daß jene spekulativen Spezifikationen halbwegs passen, würde die GeForce GTX 950 SE in ein Performancefeld von ungefähr 220-250% gemäß dem 3DCenter FullHD Performance-Index hineingehen. Wohin es innerhalb dieser Spannbreite genau geht, entscheiden die konkret anliegenden Boost-Taktraten, welche bei den bisherigen GM206-Grafikkarten wie bekannt recht hoch sind – hier könnte nVidia natürlich ebenfalls noch den Rotstift ansetzen und jene Boost-Taktraten bei der GeForce GTX 950 SE durch niedrige Power-Limits effektiv begrenzen. Insofern kann bei der GeForce GTX 950 SE also eine Lösung herauskommen, die irgendwo in der Mitte zwischen GeForce GTX 750 Ti und 950 liegt – oder auch eine Lösung, die nur minimal schneller als die GeForce GTX 750 Ti herauskommt.

Aller Vermutung nach dürfte nVidias Zielsetzung aber eher darin liegen, der Radeon R7 370 einen besseren Kontrahenten gegenüberzustellen, ohne hierfür den Preis der GeForce GTX 950 absenken zu müssen (was dann gleich wieder einen gewissen Druck auf die Preise der GeForce GTX 960 ausüben würde). Ergo versucht man es wohl lieber mit der GeForce GTX 950 SE, welche man vermutlich in die Nähe der Performance der Radeon R7 370 positionieren wird und auf dem gleichen Preispunkt wie jene loslaufen läßt. Damit würde dann die GeForce GTX 750 Ti nicht ersetzt werden, sondern kann unterhalb der GeForce GTX 950 SE weiter verkauft werden – vielleicht mit etwas absinkenden Preisen, um einen klareren preislichen Abstand zur GeForce GTX 950 SE zu wahren. Unter Enthusiasten wird dies natürlich allesamt keine großen Bäume ausreißen, da diese Grafikkarten für die dort herrschenden Ansprüche schon grenzwertig sind – aber für den Massenmarkt sind Radeon R7 370 und GeForce GTX 950 SE durchaus interessante Angebote, welche dort ihr (zahlreiches) Publikum finden werden.

Nachtrag vom 17. Februar 2016

Bezüglich der "GeForce GTX 950 SE" auf GM206-Basis kann man als weiteren Hinweis auf die Existenz einer solchen Karte auf eine Meldung von Anfang Dezember 2015 schauen, welche seinerzeit schon eine dritte GM206-Variante "GM206-150" prophezeite. Seinerzeit ging man noch von einem Ersatz der GeForce GTX 750 aus, nunmehr scheint es eher auf eine Lösung im Preis- und Performance-Bereich zwischen GeForce GTX 750 Ti und GeForce GTX 950 hinauszulaufen – was auch deutlich wahrscheinlicher klingt, den kleineren und damit wirtschaftlicheren GM107-Chip (148mm² Chipfläche) wird nVidia sicherlich nicht zugunsten des größeren und damit teureren GM206-Chips (227mm² Chipfläche) einfach so aufgeben wollen. Ein anderes früheres Gerücht hat sich dagegen nicht bewahrheitet: Im Oktober 2015 gab es mal die Meldung über das Auslaufen der GeForce GTX 960 mit 2 GB Speicher zugunsten deren 4-GB-Version. Davon ist bis jetzt allerdings nichts zu sehen gewesen – und angesichts der guten Verkäufe in diesem Marktsegment sowie der gewissen zeitlichen Nähe der Pascal-Architektur dürfte nVidia an seinem aktuellen Produktportfolio wohl keine solch bedeutsamen Änderungen mehr vollziehen.

Nachtrag vom 18. Februar 2016

HT4U weisen (völlig zu Recht) darauf hin, daß der Suffix "SE" bei der kommenden GeForce GTX 950 SE eigentlich nicht angebracht ist, wenn es sich hierbei um eine noch langsamere Grafikkarte gegenüber der ursprünglichen GeForce GTX 950 handeln sollte. Vielmehr sollte der Suffix "SE" für eine mindestens gleichschnelle, wenn nicht gar (etwas) schnellere Grafikkarte stehen. Insbesondere letztere Vorstellung wäre dann aber nochmals irritierender, denn eine weitere Grafikkarte zwischen GeForce GTX 950 (Perf.Index 290%) und GeForce GTX 960 (Perf.Index 340%, sprich unterhalb 20% Performance-Differenz) wird nun wirklich nicht mehr benötigt. Ein direkter Ersatz der GeForce GTX 950 (egal ob nun leicht schneller oder leicht langsamer) erscheint allerdings genauso wenig zwingend – insofern ist die wahrscheinlichste Auflösung dieses Dilemmas tatsächlich die GeForce GTX 950 SE als nochmals langsamere Grafikkarte klar unterhalb der regulären GeForce GTX 950. Dafür passt zwar die Namenswahl nicht ganz – aber in dieser Frage haben die Hersteller auch schon früher reichlich "Kreativität" gezeigt.

Nachtrag vom 23. Februar 2016

Laut dem chinesischem BenchLife (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) sind die bisherigen Darstellungen zur GeForce GTX 950 SE nicht korrekt. nVidia wird zwar eine solche Karte bringen, aber nicht als weitere Lösung zwischen GeForce GTX 750 Ti und 950, sondern als regelrechten Ersatz der GeForce GTX 950 im gleichen Performance- und Preissegment. Dementsprechend ändert sich auch nichts am Verkaufsnamen, nur rein intern läuft das ganze als "Second Edition" – und zwar im Wortsinne. Auf eine solche Auslegung zeigen auch die von BenchLife genannten weiteren Details hin: Anstatt der Chip-Ausführung "GM206-250" für die originale GeForce GTX 950 wird für deren zweite Variante die Chip-Ausführung "GM206-251" verwendet – und keine augenscheinlich kleinere Lösung wie beispielsweise "GM206-200". Und zweitens soll die TDP der zweiten Ausführung auf 75 Watt sinken, von bisher 90 Watt bei der originalen GeForce GTX 950 – ohne Änderungen der Spezifikationen & Taktraten allerdings, sprich zu weiterhin derselben Rechenleistung.

Damit können die Grafikkarten-Hersteller für ihre Einsteigermodelle ohne extra PCI-Express-Stromanschluß arbeiten, das ganze Board könnte dadurch (und durch eventuell weitere wegfallende, die Spannungsversorgung betreffende Bauteile) günstiger werden. Auf den vielen ab Werk übertakteten Lösungen wird es sicherlich auch weiterhin nicht ohne extra PCI-Express-Stromanschluß gehen, diese Karten dürften womöglich unverändert im Markt stehenbleiben – nur die Standardversionen könnten halt etwas günstiger werden. Damit dürfte nVidia versuchen, den Grafikkarten-Herstellern einen kleinen Preisvorteil zu geben (ohne selbst die eigenen Abgabepreise zu senken), um die GeForce GTX 950 besser gegenüber der günstigeren Radeon R7 370 positionieren zu können. Der AMD-Kontrahent ist zwar etwas langsamer, aber in diesem Preissegment zählt im Massenmarkt der derzeitige Preisunterschied von gut 25 Euro wohl noch stärker. Trifft diese Darstellung seitens BenchLife zu, kommt es also nicht zu einer "echten" dritten GM206-Variante, sondern nur zu potentiell niedrigeren Preisen für Standardausführungen der GeForce GTX 950. Abzuwarten bleibt allerdings, ob diese neue GeForce GTX 950 wirklich die Boost-Taktraten des Originals halten kann – oder am Ende durch ihr niedrigeres TDP-Limit nicht doch ein paar Prozentpunkte an Performance verliert.

Nachtrag vom 4. März 2016

Bei Asus findet sich nun tatsächlich eine GeForce GTX 950, welche bei einer TDP von 75 Watt ohne extra PCI-Express-Stromanschluß auskommt – obwohl die offiziellen nVidia-Spezifikationen der Karte eine TDP von 90 Watt und damit natürlich einen extra Stromanschluß vorsehen. Hier zeigt sich anscheinend die kürzlich genannte zweite Ausführung der GeForce GTX 950, bei welcher nVidia schlicht die TDP auf 75 Watt abgesenkt hat, damit die Grafikkarten-Hersteller günstigere Referenzmodelle anbieten können. Offen bleibt nach wie vor, ob sich damit dann allerdings die hohen realen Boost-Taktraten der GeForce GTX 950 halten lassen, welche mit durchschnittlich 1332 MHz Chiptakt weit über die Referenztaktung von 1024/1188/3300 MHz hinausgehen und maßgeblich das Performanceprofil der GeForce GTX 950 bestimmen. Ein niedrigerer Boost dieser 75W-Ausführung könnte schließlich immer noch im Rahmen dieser offiziellen Taktraten liegen, würde damit also kein Bruch des Marketingversprechens bedeuten – und dennoch könnte die 75W-Ausführung der GeForce GTX 950 am Ende bemerkbar langsamer herauskommen als die einstmals getestete originale GeForce GTX 950. Dieser Punkt wäre seitens der bekannten Hardwaretest-Webseiten nachzuprüfen, sobald diese 75W-Ausführung der GeForce GTX 950 erhältlich wird.