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GDDR6 und HBM3 als Grafikkartenspeicher der Zukunft

Noch nachzutragen von der kürzlichen HotChips-Konferenz sind die dortigen Aussagen zu diversen kommenden Speichertechnologien. Bezüglich des für PC-Systeme als Hauptspeicher verwendeten DDR5 hatten wir dies bereits getan – interessant hierzu noch der Nachtrag, das DDR5 nunmehr einen Prefetch von 16 benutzen soll, was die Marketing-Umschreibung eines 16fachen Datentransfers pro Takt der eigentlichen Speicherzellen darstellt. Üblicherweise wurde dies in der DDR-Entwicklung derart gelöst, das der Takt des Speicherinterfaces deutlich höher als derjenige der reinen Speicherzellen wurde – bei DDR4 mit einem Prefetch von 8 handelt es sich um ein Verhältnis von 4:1, das zusätzliche DDR-Verfahren zur Datenübertragung ergibt dann den Prefetch von 8. Bei DDR5 sieht es derzeit ganz danach aus, als würde man exakt dieses Methode nochmals nutzen – die Differenz der Taktraten zwischen Speicherinterface und reinen Speicherzellen also auf 8:1 steigen und unter Hinzunahme des DDR-Datenübertragungsprotokolls dann jener Prefetch von 16 erreicht werden. In jedem Fall wird es hierbei eine deutlich andere zugrundeliegende Technologie geben, womit sich die lange Wartezeit auf DDR5 erklärt.

Im Grafikkartenspeicher-Bereich soll es dagegen mit GDDR6 und HBM3 weitergehen. GDDR6 erscheint dabei auf den ersten Blick wie die Graphics-Abwandlung von DDR5 – darauf deuten ähnliche Terminlage und diverse technische Einzelheiten hin, sicher ist diese Auslegung derzeit aber noch mitnichten. Zumindest wäre jene logisch, denn bisher hat noch jede neue Hauptvariante von DDR-Speicher zu einer entsprechenden GDDR-Abwandlung geführt. Insofern kann man auch von GDDR6 einen auf ähnliche Weise wie bei DDR5 erreichten Prefetch von 16 erwarten. Der Problempunkt von GDDR6 liegt dabei eher darin, das jener Speicher nur mit Datenübertaktungsraten von 14-16 Gbps (Gigabit pro Sekunde pro Pin) geplant wird – dies wäre zwar eine Verdopplung gegenüber GDDR5, aber nur wenig mehr als was für GDDR5X prognostiziert wird, welcher ebenfalls schon 12-14 Gbps erreichen können soll. GDDR5X hat zudem den Vorteil der QDR-Datenübertragung, was die Taktraten des Speicherinterfaces (relativ gesehen) niedrig und somit den Strombedarf des Speichersubsystems auf Spitzengrafikkarte im Zaum hält.

GDDR5 GDDR5X GDDR6 HBM2
HBM-Stacks - - - bis zu 4
GPU-Interface flexibel, üblich bis zu 512 Bit flexibel, üblich bis zu 384 Bit flexibel, wahrscheinlich bis zu 256-384 Bit pro Stack 1024 Bit
üblicher Speichertakt bis zu 4000 MHz derzeit bis zu 2500 MHz
(bis zu 3500 MHz geplant)
bis zu 8000 MHz geplant derzeit bis zu 700 MHz
(bis zu 1000 MHz geplant)
Datenübertragung DDR QDR DDR DDR
Speicherbandbreite eines Spitzenprodukts 384 GB/sec
(Radeon R9 390X)
480 GB/sec
(Titan X Pascal)
- 717 GB/sec
(Tesla P100)
maximale Speicherbandbreite 512 GB/sec
(4000 MHz DDR @ 512 Bit SI)
896 GB/sec
(3500 MHz QDR @ 512 Bit SI)
1024 GB/sec
(8000 MHz DDR @ 512 Bit SI)
1024 GB/sec
(1000 MHz DDR @ 4096 Bit SI)
realisierbare Speichermengen flexibel bis zu 16 GB
(Vielfache von 64 MB)
flexibel bis zu 32 GB
(Vielfache von 512 oder 768 MB)
noch unklar pro Stack 4 oder 8 GB
Verfügbarkeit voll verfügbar beginnend verfügbar Jahr 2018 beginnend verfügbar

GDDR6 wäre somit die natürliche Ablösung von GDDR5, wenn GDDR5X nicht dazwischengekommen wäre – und die Sache am Ende erstaunlich gut macht. Noch fehlen die hohen Taktraten von GDDR5X, aber sollten jene eines Tages erscheinen, liegen die Vorteile eher bei GDDR5X. GDDR6 wäre dann eventuell aus Preis/Leistungssicht für die Grafikkarten des Mainstream- und Midrange-Segments die langfristig bessere Wahl, da sicherlich breiter hergestellt als GDDR5X. Viel interessanter wäre natürlich, wenn man das "X" aus GDDR5X auf GDDR6 transferieren könnte, damit ließe sich eine (theoretische) Vervierfachung der Speicherbandbreite gegenüber GDDR5 erreichen. Denn das Problem von GDDR-Speicher bei heutigen Grafikkarten liegt in den hohen Interface-Taktraten, welches zum einen stromdurstige Interfaces ergibt und ab einem gewissen Maß auch nicht gerade einfach zu beherrschen sind. Bei GDDR6 würde schließlich in der höchsten Ausbaustufe ein Speichertakt von gleich 8000 MHz DDR anliegen – sprich ein echter Datentakt von 8000 MHz, über welchem im DDR-Verfahren Daten geschaufelt werden.

Immer schon als die bessere Lösung gegenüber GDDR-Speicher genannt wurde natürlich HBM-Speicher – wo derzeit die zweite Variante mit den GP100-basierten Tesla-Lösungen gerade einmal antritt, zu welchem aber schon über die dritte Variante in Form von HBM3 geredet wurde. Allerdings liegt selbige mit einer Planung in Richtung der Jahre 2019 und 2020 noch einigermaßen weit entfernt, somit gab es zur Technik von HBM3 auch eher nur Projektionen und keinerlei exakte Angaben. Man will sowohl die Stack-Kapazität erhöhen als auch mehr Stacks ermöglichen, was eine sehr deutliche Erhöhung der insgesamten Speicherkapazität auf maximal wohl 128 GB ermöglichen würde. Die Speicherbandbreite (pro Stack) sollte ebenfalls erhöht (mindestens verdoppelt) werden, wobei man sich über die hierzu eingesetzte Technik komplett ausschwieg. Prinzpiell erscheint HBM3 trotz der größeren Änderungen eher denn als Evolution – man wird primär die Speicherkapazität dem dann benötigen Stand anpassen und nimmt wohl einfach eine gewisse Taktratenerhöhungen samt verdoppelter Stack-Anzahl herbei, um eine höhere Bandbreite zur Verfügung zu stellen. Insbesondere die höhere Stack-Anzahl wird natürlich wieder auf die Kostenseite schlagen, so daß nicht dafür garantiert werden kann, ob jemand diese technischen Möglichkeiten letztlich überhaupt ausnutzen wird.

HBM1 HBM2 HBM3 LowCost-HBM
HBM-Stacks 4 bis zu 4 bis zu 8 1
GPU-Interface 4096 Bit pro Stack 1024 Bit pro Stack 1024 Bit 512 Bit
üblicher Speichertakt bis zu 500 MHz derzeit bis zu 700 MHz
(bis zu 1000 MHz geplant)
unbekannt bis zu 1500 MHz geplant
Datenübertragung DDR DDR DDR DDR
Speicherbandbreite eines Spitzenprodukts 512 GB/sec
(Radeon R9 Fury X)
717 GB/sec
(Tesla P100)
- -
maximale Speicherbandbreite 512 GB/sec
(512 MHz DDR @ 4096 Bit SI)
1024 GB/sec
(1000 MHz DDR @ 4096 Bit SI)
angenommen: 3072 GB/sec
(1500 MHz DDR @ 8192 Bit SI)
192 GB/sec
(1500 MHz DDR @ 512 Bit SI)
realisierbare Speichermengen 4 GB pro Stack 4 oder 8 GB pro Stack bis zu 16 GB unbekannt
Verfügbarkeit voll verfügbar beginnend verfügbar Jahre 2019/2020 unbekannt

In die gänzlich umgekehrte Richtung soll dann eine LowCost-Variante von HBM gehen, womit man einen eher breiteren Markt für diese nach wie vor arg teure Speichersorte ansprechen will. Hierfür wird der bisher feste HBM-Stack von 1024 auf 512 Pins beschnitten, zudem gibt es wohl auch nur diesen einen Stack. Zusammen mit einem höheren Speichertakt von 1500 MHz DDR (HBM2 ist mit maximal 1000 MHz DDR geplant) würde dieser LowCost-HBM-Stack dann eine Speicherbandbreite von 192 GB/sec erreichen. Dies wäre für Mainstream- und Midrange-Grafikkarten sowie gerade auch für APUs und Spielekonsolen-SoCs ein durchaus interessantes Angebot – ob jenes auch von der Kostenlage her passend ist, läßt sich natürlich anhand der technischen Beschreibung schwerlich erkennen. Aber man kann anhand der Adaptionsrate von HBM derzeit schließlich schon sehen, daß das ganze noch weit davon entfernt ist, im Massenmarkt aufzutauchen – ergo ist jene LowCost-Variante von HBM ebenfalls eher Zukunftsmusik für eine Zeit, wo HBM-Speicher wesentlich breiter im Geschäft steht.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 1. September 2016

Auch von der ComputerBase kommen erste Grafikkarten-Benchmarks zu Battlefield 1 herein. Auch hierbei sieht man im Multiplayer-Spiel eine neue Optik-Referenz – die aber trotzdem mit vergleichsweise mittelprächtigen Hardware-Anforderungen daherkommt. Sicherlich wird ein vernünftiger Gamer-PC für Battlefield 1 benötigt, aber angesichts der gebotenen Grafik erstaunt regelrecht, daß es eben kein HighEnd-Modell sein muß. So reichen laut den Messungen der ComputerBase unter FullHD bereits Radeon R9 380 und GeForce GTX 970 für 60 fps aus, unter WQHD müssen es Radeon R9 390 oder GeForce GTX 980 sein, unter UltraHD kommt allein die GeForce GTX 1080 (als Referenzmodell) noch auf knapp 55 fps. Bei der benötigten Speichermenge spricht sich die ComputerBase für 4 GB aus, welche selbst bis zur UltraHD-Auflösung halten sollen (obwohl bei jener die Speicherbelegung bereits 5 GB erreicht). Tests mit Grafikkarten mit nur 2 GB Speicherausstattung wurden augenscheinlich nicht angetreten, so daß nicht klar ist, ob es unter FullHD vielleicht auch weniger Speicher genauso gut richten würden.

Insgesamt betrachtet sind dies gegenüber den gestern besprochenen Ergebnissen der PC Games Hardware auffallend gleichlautende Resultate, obwohl zu Battlefield 1 kein default-Benchmark vorliegt und beide Artikel sich somit jeweils mit einer eigenkreierten Benchmark-Sequenz weiterhelfen mussten. Aber eventuell spielt hier auch eine Rolle, das derzeit nur eine einzige Map vorliegt – andere Maps könnten dann durchaus auch andere Performance-Ergebnisse ausweisen. Interessant zudem der Hinweis, das in WorstCase-Szenarien aka heftigen Multiplayer-Gefechten mit ca. 20% niedrigeren Frameraten zu rechnen ist, ergo würde die vorstehend angenommene Zielframerate von 60 fps dann auf ca. 45-50 fps herunterfallen – für einen schnellen Multiplayer-Shooter aber immer noch gutklassig bis ausreichend. Insgesamt betrachtet wird damit ziemlich klar, das Battlefield 1 im Gegensatz zu anderen Spielen basierend auf der Frostbite-Engine kaum zum echten Hardware-Schocker taugt, respektive sehr gut auf eine möglichst breiten Einsatz optimiert wurde.

Die Meldung über die fehlenden Windows 7/8 Treiber für Intels Kaby Lake wäre noch dahingehend zu präzisieren, daß es sich bei den fehlenden Treibern natürlich um die Treiber für den Mainboard-Chipsatz sowie die integrierte Grafikeinheit dieser Prozessoren handelt. Jene Mainboard-Treiber schließen aber natürlich auch direkt in die CPU verbaute Teile mit ein, beispielsweise das PCI-Express-Interface der CPU selber. Die Prozessoren selber bzw. deren CPU-Teil könnte wohl auch ganz ohne Treiber funktionieren, da Prozessoren üblicherweise dem Betriebssystem ihre Hardware-Kapazitäten melden und Betriebssystem jene dann einfach so nutzt (und wenn das Betriebssystem ein bestimmtes Feature nicht supportet, bleibt jenes funktionslos, führt aber zu keinen direkten Problemen). Aber ohne das ganze Mainboard-Subsystem wird das Betriebssystem keinen performanten Zugriff auf Festplatten und Steckkarten haben – und ob Windows-Standardtreiber heutige Spitzen-Hardware überhaupt sinnvoll verwalten kann, käme zwar auf einen Test an, die Chancen hierauf halten sich allerdings in Grenzen. Abseits dieser ganz treiberlosen Variante gibt es zumindest für Kaby Lake wahrscheinlich noch eine Seitenlösung: Weil der Sockel zu Skylake gleich ist, sollte Kaby Lake (nach BIOS-Update) auch in Mainboards für Intels 100er Chipsätze laufen. Jene sind für Skylake gedacht und von jenen gibt es auch noch Versionen für Windows 7/8.

Diese Treiber sollten normalerweise auch Kaby-Lake-Prozessoren fressen (sofern Intel keine gegenteilige Abfrage einbaut), gerade da der CPU-Teil zu Skylake ja unverändert ist. Nur die höheren Media-Fähigkeiten von Kaby Lake kann man mit diesem Skylake-Treiber dann nicht ansteuern. Jene Lösung gilt natürlich nur für Bastelsysteme im Desktop-Markt, nicht für Komplett-Systeme & Notebooks sowie nicht im professionellen Einsatz. Funktioniert diese Idee nicht, bliebe am Ende nur noch die Modifikation von Windows-10-Treibern für Kaby Lake zugunsten von Windows 7/8. Dies kann funktionieren, muß es aber überhaupt nicht. Gerade wenn Intel alte Zöpfe abschneidet, müssen sich die Treiberprogrammierer zukünftig nur noch um Windows 10 kümmern und könnten damit durchaus Wege bei der Treiberprogrammierung gehen, welche unter Windows 7/8 in handfesten Problemen münden. Auch diese Lösung per Treiber-Modifikation wäre natürlich nichts für professionelle Systeme. Basteltechnisch wird sich für Kaby Lake aufgrund der Nähe zu Skylake wohl irgendwie immer noch ein Weg finden – aber für die Masse der Nutzer und Anwendungsfälle wäre dies keine gangbaren Lösung. Und sobald Intel irgendwann neue Sockel auflegt, wird der Ofen dann endgültig aus sein.

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Intel und Microsoft werden für Kaby Lake keine Windows 7/8 Treiber mehr zur Verfügung stellen

Nachdem Microsoft bereits in diesem Januar einen entsprechenden Vorstoß gemacht hatte, kommt nun tatsächlich das dicke Ende: Sowohl Intel als auch Microsoft werden für die "Kaby Lake" Prozessoren-Generation keine entsprechenden Treiber für Windows 7/8 mehr zur Verfügung stellen – sondern nur noch Windows-10-Treiber. Bei Microsoft war dieser Schritt schon nach der Januar-Meldung klar, nun zog laut der PCWorld auch noch Intel gleichlautend nach, indem man jener Webseite per eMail bestätigte: "Intel will not be updating Win 7/8 drivers for 7th Gen Intel Core". Damit fallen beide Quellen für mögliche Kaby-Lake-Treiber flach – und sofern man nicht (manuell) modifizierte Skylake-Treiber verwendet (welche dann die neuen Media-Fähigkeiten der Kaby-Lake-Grafiklösung nicht anbieten könnnen), fällt die Nutzung von Kaby Lake unter Windows 7/8 somit flach. Sicherlich dürfte ein entsprechendes System nicht gänzlich funktionslos sein, aber zu vielen Komponenten dürfte dann die explizite Hardware-Beschleunigung fehlen – es käme zwar auf einen konkreten Test an, aber derzeit erscheint "ganz treiberlos" nicht als gangbarer Weg.

Der diesbezügliche Artikel von PCWorld zäumt das Pferd allerdings von der völlig falschen Seite auf: Nicht Microsoft ist hieran Schuld – denn das Microsoft irgendwann für nicht mehr angebotene Betriebssysteme keine neuen Hardware-Treiber mehr auflegt, ist das normalste der Welt. Daraus ergibt sich jedoch – im Gegensatz zu Darstellung der PCWorld, welche dann auch im Internet weit übernommen wurde – überhaupt keinerlei Problem für Intel, selber entsprechende Treiber aufzulegen. Das die Kaby-Lake-Generation laut Microsoft von Windows 7/8 rein offiziell nicht supportet wird, ist eher nur Marketing-Neusprech, bedeutet aber nichts zur möglichen Funktionalität – welche regulärerweise ja auch immer vom Hardwarehersteller selber zu leisten ist. Microsofts eigene Treiberarbeit ist eher nur als zusätzliche Option zu sehen, um Bloatware-überladenen Treibern aus dem Weg gehen zu können oder halt für Uralt-Hardware noch Standardtreiber unter einem neuen Betriebssystem zu bekommen. Die Erstellung von Treibern für neue Hardware für ältere Betriebssysteme ist aber immer schon primäre Aufgabe der Hardwarehersteller.

Und dieser Aufgabe verweigert sich nun Intel – und ist damit auch der eigentlich Schuldige, wenn Kaby Lake nicht unter Windows 7/8 genutzt werden kann. Der Weg über Microsoft-Treiber wäre nur die Alternative gewesen, aber zuerst ist allein Intel in der Bringschuld. Irgendwelche bedeutsamen Einschränkungen seitens Windows 7/8 gegenüber Kaby Lake sind auch nicht zu sehen, es handelt sich hierbei eher nur um den Willen Intels, den Support dieser Betriebssysteme mit neuer Hardware einzuschränken. Daß es Teile der Fachpresse nunmehr Microsoft primär in die Schuhe schieben, dürfte Intel allerdings gut in die Karten spielen, denn so bekommt man den entstehenden Ärger nur zum geringen Teil ab. Natürlich bleibt davon unbenommen, ob Microsoft vielleicht hinter den Kulissen auf Intel eingewirkt hat, den Support für Windows 7/8 zu kürzen, um somit (im Sinne Microsofts) Windows 10 weiter zu puschen. Trotzdem wäre es originäre Aufgabe von Intel gewesen, sich diesem Ansinnen zu wiedersetzen, hingegen allein auf die Nutzerbasis zu schauen – und dort in der klaren Mehrheit noch Systeme mit Windows 7 vorzufinden, welche zu einem gewissen Teil auch völlig bewußt auf Windows 7 setzen.

Natürlich hat der Verzicht auf die Weiterentwicklung von Windows 7/8 Treibern zugunsten neuer Hardware für Intel auch Vorteile in Form eines geringeren Treiberentwicklungs- und Support-Aufwands. Aber dies darf im Rahmen einer riesigen Firma wie Intel und gleichzeitig zudem eines Nahezu-Monopolisten nicht zählen. Intel erledigt hier eher die Drecksarbeit für Microsoft, welche mit allen Methoden – und nun also auch das künstliche Abwürgen gut laufende Betriebssysteme – ihre jeweils neueste Software puschen wollen. Offen bleibt an dieser Stelle noch, wie dies bei AMDs kommenden Prozessoren "Bristol Ridge" (Carrizo-basiert) und "Summit Ridge" (Zen-basiert) aussieht: Das von der PCWorld hierzu eingeholte AMD-Statement ist reichlich unklar gehalten, indem man einen Gleichklang der Strategie zwischen AMD und Microsoft beschwört. Dies könnte man als Abschaffung der Windows 7/8 Treiber für zukünftige AMD-Prozesoren deuten – dies kann aber auch einfach nur Marketing-Blabla sein, welches bewußt keine Aussage zum Thema treffen will. Würde allerdings gerade AMDs Zen ohne Windows 7/8 Treiber durch AMD kommen (von Microsoft sind wie gesagt keine zu erwarten), dann würde für die Nutzer von Windows 7/8 Intels Skylake-Generation die letzte verfügbare Hardware-Basis auf Prozessoren/Mainboard-Seite darstellen.

An dieser Stelle sei dann auch einmal ein offenes Wort an AMD erlaubt: AMD sollte diesen Unsinn nicht mittragen – dies wäre auch für alle von AMDs Bemühungen, im CPU-Markt wieder in die Spur zu kommen, arg kontraproduktiv. Man kann hierbei einfach nur auf die weltweite Betriebssystem-Verbreitung schauen, welche derzeit noch sehr klar gerade für Windows 7 spricht und selbst bei dem irgendwann anstehenden Führungswechsel noch lange Zeit stabile Nutzerkontingente für Windows 7 erwarten läßt. Und zum anderen sollte AMD eigentlich klar sein, daß ein beachtbarer Teil des künftigen Zen-Käuferpotentials gerade aus der Ecke der sich vorsätzlich alternativ entscheidenden bzw. bewußt gegen drohende Monopole agierenden Nutzer kommt. Bei diesen Nutzern ist die Chance, auf ein Windows 7 zu treffen, logischerweise viel größer als sonstwo – womit die Auflage entsprechender Treiber für die kommenden Zen-Prozessoren eigentlich eine klare Pflichtaufgabe für AMD sein sollte. Wie gesagt hätten die entschiedenen Windows-7-Nutzer anderenfalls gar keine andere Wahlmöglichkeit mehr, als denn auf Intels Skylake zu gehen.

Nachtrag vom 1. September 2016

Diese Meldung über die fehlenden Windows 7/8 Treiber für Intels Kaby Lake wäre noch dahingehend zu präzisieren, daß es sich bei den fehlenden Treibern natürlich um die Treiber für den Mainboard-Chipsatz sowie die integrierte Grafikeinheit dieser Prozessoren handelt. Jene Mainboard-Treiber schließen aber natürlich auch direkt in die CPU verbaute Teile mit ein, beispielsweise das PCI-Express-Interface der CPU selber. Die Prozessoren selber bzw. deren CPU-Teil könnte wohl auch ganz ohne Treiber funktionieren, da Prozessoren üblicherweise dem Betriebssystem ihre Hardware-Kapazitäten melden und Betriebssystem jene dann einfach so nutzt (und wenn das Betriebssystem ein bestimmtes Feature nicht supportet, bleibt jenes funktionslos, führt aber zu keinen direkten Problemen). Aber ohne das ganze Mainboard-Subsystem wird das Betriebssystem keinen performanten Zugriff auf Festplatten und Steckkarten haben – und ob Windows-Standardtreiber heutige Spitzen-Hardware überhaupt sinnvoll verwalten kann, käme zwar auf einen Test an, die Chancen hierauf halten sich allerdings in Grenzen. Abseits dieser ganz treiberlosen Variante gibt es zumindest für Kaby Lake wahrscheinlich noch eine Seitenlösung: Weil der Sockel zu Skylake gleich ist, sollte Kaby Lake (nach BIOS-Update) auch in Mainboards für Intels 100er Chipsätze laufen. Jene sind für Skylake gedacht und von jenen gibt es auch noch Versionen für Windows 7/8.

Diese Treiber sollten normalerweise auch Kaby-Lake-Prozessoren fressen (sofern Intel keine gegenteilige Abfrage einbaut), gerade da der CPU-Teil zu Skylake ja unverändert ist. Nur die höheren Media-Fähigkeiten von Kaby Lake kann man mit diesem Skylake-Treiber dann nicht ansteuern. Jene Lösung gilt natürlich nur für Bastelsysteme im Desktop-Markt, nicht für Komplett-Systeme & Notebooks sowie nicht im professionellen Einsatz. Funktioniert diese Idee nicht, bliebe am Ende nur noch die Modifikation von Windows-10-Treibern für Kaby Lake zugunsten von Windows 7/8. Dies kann funktionieren, muß es aber überhaupt nicht. Gerade wenn Intel alte Zöpfe abschneidet, müssen sich die Treiberprogrammierer zukünftig nur noch um Windows 10 kümmern und könnten damit durchaus Wege bei der Treiberprogrammierung gehen, welche unter Windows 7/8 in handfesten Problemen münden. Auch diese Lösung per Treiber-Modifikation wäre natürlich nichts für professionelle Systeme. Basteltechnisch wird sich für Kaby Lake aufgrund der Nähe zu Skylake wohl irgendwie immer noch ein Weg finden – aber für die Masse der Nutzer und Anwendungsfälle wäre dies keine gangbaren Lösung. Und sobald Intel irgendwann neue Sockel auflegt, wird der Ofen dann endgültig aus sein.

Nachtrag vom 4. September 2016

Es ist schon ein klein wenig verwunderlich, wie Teile der "Fachpresse" die Meldung verwurstet haben, das von Intel keine Kaby-Lake-Treiber zu erwarten sein werden. Denn hierbei sieht man sehr oft allein Microsoft in der Verantwortung, die entsprechenden Artikel reden oftmals breit über Microsofts entsprechende Aussagen. Microsoft ist diesbezüglich als Betriebssystem-Hersteller jedoch in keinerlei Bringpflicht – denn Aufgabe eines Betriebssystem-Herstellers ist es, einem neuen Betriebssystem bei dessem Release möglichst alle Treiber für zu dieser Zeit existierende Hardware mitzugeben, gern auch für alle mögliche Alt-Hardware, welche von ihren Herstellern nicht mehr gepflegt wird. Alles darüber hinaus ist ein Bonus – welcher allerdings eher unnötig ist, denn Treiber für neu erscheinende Hardware sind von ihren jeweiligen Herstellern anzubieten und zu pflegen. Jene können natürlich frei wählen, für welche Betriebssysteme man Treiber anbietet – aber im konkreten Fall mit Windows 7 als das mit Abstand am weitesten verbreitete Betriebssystem sollte diese Entscheidung eigentlich eher klar sein. An diesem Punkt patzt dann aber eben Intel – und nicht Microsoft, auch wenn der Betriebssystem-Hersteller in vielen Artikeln zum Thema fälschlicherweise in den Vordergrund gerückt wird (und es Intel damit um so einfacher gemacht wird, die Sache durchzuziehen).

Nebenbei gesagt könnte eine Quelle für Kaby Lake Chipsatz-Treiber für Windows 7/8 womöglich bei den Herstellern von Komplett-PCs und Notebooks liegen. Jene werden von Intel teilweise lange, nachdem Intel den offiziellen Treiber-Support einstellt, doch noch mit entsprechenden Treibern beliefert. Jene Treiber werden dann von den OEM-Herstellern manchmal noch mit eigenem Logo oder/und Installer versehen und nachfolgend auf deren Webseiten für bestimmte Geräte zum Download angeboten, sind aber in aller Regel unveränderte Intel-Treiber, welche sich auch mit den Geräten anderer OEM-Hersteller nutzen lassen. Konkret ist man in unserem Forum bereits über ein Lenovo-Notebook gestolpert, dessen Lenovo-Treiber bereits den Support für Kaby-Lake-Innereien auch für Windows 7, 8.0 und 8.1 mit sich bringt. Allein dieser eine Treiber könnte (sofern fehlerfrei und nicht beschnitten) bereits ausreichend sein, um Kaby Lake ganz generell und unabhängig des Geräte-Herstellers auch auf diesen älteren Microsoft-Betriebssystemen installieren zu können. Die echten Schwierigkeiten fangen erst dann an, wenn es neue Sockel gibt, wo dann solche und andere Tricks nicht mehr funktionieren. Bei Intel dürfte dies im Consumer-Segment anzunehmenderweise mit Coffee Lake der Fall sein (noch unbekannter Sockel), im Enthusiasten-Segment mittels Kaby-Lake-X und Skylake-X (neuer Sockel 2066). Bei AMD ist leider schon Zen betroffen, da jene neue Prozessoren-Architektur einen grundlegend neuen Chipsatz- und Sockel-Unterbau mit sich bringt.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 31. August 2016

Die PC Games Hardware hat sich mit der Grafikkarten-Performance in der nunmehr offenen Beta von Battlefield 1 beschäftigt. Das Spiel unter einer wieder einmal verbesserten Frostbite-Engine benötigt für die stimmungsvolle Grafik eine vertretbar leistungsfähige Hardware: Unter FullHD reichte schon eine Radeon R9 280X sowie eine (stark werksübertaktete) GeForce GTX 770 für jeweils 60 fps aus. Selbst eingerechnet des Punkts, daß man wegen der nicht vorhandenen Reproduzierbarkeit unter Multiplayer-Titeln hierbei kein Worstcase-Benchmarkszenario verwenden konnte, sieht dies nicht nach übermäßigen Anforderungen aus. Unter WQHD liegen dann Radeon R9 390X oder GeForce GTX 1060 6GB auf 60 fps, während UltraHD selbst eine werksübertaktete GeForce GTX 1080 erst bei 55 fps sieht. Bei der Grafikkartenspeichermenge sollen wohl 2 GB unter FullHD ausreichend sein, ab WQHD empfiehlt sich (gegen Nachladeruckler) ein 3-GB-Modell. DirectX 12 führt derzeit unter Battlefield 1 noch nicht zu höheren durchschnittlichen Frameraten, erbringt allerdings zumindest auf einem FX-8350 deutlich höhere Minimum-Frameraten. Bis zum finalen Spiel könnte dies theoretisch alles noch etwas besser werden – insbesondere Multiplayer-Titel werden letztlich ganz gern in diese Richtung hin optimiert, das wirklich keinerlei Performanceprobleme mit Standard-Hardware auftreten.

Zur soeben vorgestellten "Kaby Lake" Prozessoren-Generation hat Intel auch entsprechende Die-Shots eines 2C+GT2 Dies veröffentlicht – einmal normal und einmal mit Markierungen, anhand deren die Lage diverser Bauteile erkennbar wird. Auffallend hierbei ist, wie gering die für die eigentlichen CPU-Rechenkerne benötigte Fläche noch ist – auf dem Kaby Lake Die sind es gerade einmal ~8% des Dies für einen Rechenkern, während für die integrierte Grafiklösung (ohne Speichercontroller) dagegen gleich ~45% der Chipfläche draufgehen. Eine reine CPU mit allein Speichercontroller und Anbindung zu einem Mainboard-Chipsatz könnte glatt in die Hälfte der Chipfläche passen – oder anders formuliert, in dieselbe Chipfläche würde ohne die integrierte Grafik gleich ein Vierkerner hineinpassen. Jenes Verhältnis wird dann bei GT3-Grafiklösungen mit doppelter Anzahl an Shader-Einheiten noch dramatischer sein, ein 2C+GT3 Die dürfte von seiner integrierten Grafiklösung regelrecht dominiert werden. Die reine Chipfläche jenes Kaby Lake 2C+GT2 Dies ist im übrigen nicht bekannt, dürfte aber wegen der geringfügigen Änderungen sehr ähnlich zu den bekannten Chipflächen von Skylake liegen.

Intel "Kaby Lake" Die 2C+GT2
Intel "Kaby Lake" Die 2C+GT2
Intel "Kaby Lake" Die 2C+GT2 (mit Markierungen)
Intel "Kaby Lake" Die 2C+GT2 (mit Markierungen)

Der Tech Report vermeldet eine bedeutsame Änderung des Wafer-Abkommens zwischen AMD und GlobalFoundries – welches AMD mehr Möglichkeiten zu einer Fremdfertigung gibt, dafür AMD jedoch auch eine gute Stange Geld kostet. Da AMDs Geschäftsverlauf nun eher das Gegenteil von vollen Kassen darstellt, drängt sich somit die Frage auf, wieso für AMD die größere Unabhängigkeit von GlobalFoundries einen derartigen Geldeinsatz wert war. Dies könnte durchaus auf eine gewisse Unzufriedenheit mit der 14nm-Fertigung von GlobalFoundries hindeuten – allerdings sind die aktuellen und zeitnah angekündigen 14nm-Produkte von AMD auch nicht so schnell auf eine andere Fertigung herüberziehbar, so etwas ist regelmäßig ein Akt von mehreren Monaten. Andererseits könnte AMD möglicherweise auch einfach nur für die 10nm-Fertigung vorbauen, welche man zwar nutzen will, welche von GlobalFoundries bekannterweise jedoch nicht angeboten wird. Derzeit gibt es in dieser Frage noch jede Menge Möglichkeiten, aber noch keine zündende Idee, wieso AMD sich zu dieser Änderung des Wafer-Abkommens entschlossen hat.

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