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Hardware- und Nachrichten-Links des 29. Juli 2016

AMD hat nunmehr die kürzlich schon notierten Spezifikationen zu Radeon RX 460 & 470 offiziell gemacht und auch deren Launch-Termine bestätigt: Die größere Radeon RX 470 kommt am 4. August (Donnerstag), die kleinere Radeon RX 460 am 8. August (Montag) – jeweils um 15 Uhr deutscher Zeit. Beide Grafikkarten werden nur als Herstellerdesigns im Retailhandel zu finden sein, das trotzdem aufgelegte Herstellerdesign wird AMD nur an OEM-Hersteller abgeben. Vorher wird am 2. August wie bekannt noch nVidias neue Enthusiasten-Lösung Titan X ihr Debüt geben. Nach dem Launch dieser drei Karten wird das 14/16nm-Angebot von AMD & nVidia dann schon recht ansehnlich aussehen – zwar gibt es nicht in allen Feldern Wettbewerb, aber wenigstens für jedes Preissegment ein unter der 14/16nm-Fertigung hergestelltes Angebot. Zu Titan X und Radeon RX 470 sind jeweils recht breit angesetzte Launches zu erwarten – offen muß dies noch bei der Radeon RX 460 bleiben, zu dieser Karte ist AMD nach wie vor eher zurückhaltend (und setzt den zugrundeliegenden Polaris-11-Chip auch lieber im Mobile-Segment ein). Die einzige weitere 14/16nm-Grafikkarte, welche danach schon regelrecht sichtbar ist, wäre die GeForce GTX 1060 3GB – zu allerdings nach wie vor unsicheren Spezifikationen und Terminlage.

Die PC Games Hardware hat nun auch noch eine Herstellerdesign-Übersichtliste zur Radeon RX 480 aufgelegt, welche die bekannten Herstellerkarten zu den derzeit bekannten technischen Spezifikationen auflistet. Interessanterweise scheinen die Hersteller dabei immer nur Angaben zum Power-Limit des verbauten Polaris-10-Grafikchips zu machen (AMD-default: 110W), nicht aber zur Karte selber (AMD-default: 170W). Aber natürlich läßt sich auch diese indirekte Angabe deuten: Alles, was oberhalb von 110 Watt Power-Limit für den Polaris-10-Chip der Radeon RX 480 ist, trägt positiv zu deren Performance bei. Besonders tragisch ist dieser Punkt allerdings angesichts des per Treiber bei allen Karten einstellbaren Spielraums von +50% sowie nicht – wer will, kann somit auch das Referenzdesign bis zum Anschlag ausnutzen. Leider fehlen zu vielen Karten noch benötigte Angaben – angesichts dessen, das die Radeon RX 480 sogar vor der GeForce GTX 1060 in den Markt kam, eigentlich ein Unding. Die Grafikkartenhersteller sollten in dieser Frage besser darauf achten, das neben allen Teasern mit viel Marketing-Material auch die Versorgung mit grundsätzlichen Informationen wie Taktraten, Stromversorgung, Power-Limit und Preislage jederzeit garantiert ist.

Bei EuroGamer hat man sich an einer Simulation der PS4K "Neo" versucht – um damit herauszufinden, welcher Performancegewinn mit jener erwartbar ist und ob die angepeilte UltraHD-Auflösung eine realistische Zielsetzung darstellt. Hierfür wurde die originale PS4 mittels einer umgetakteten Radeon R7 265 simuliert, die PS4K "Neo" hingegen mittels einer umgetakteten Radeon RX 480. Jener Vergleich allein auf PC-Hardware ist natürlich niemals wirklich akkurat, trotz das bei den Spieletests versucht wurde, eine Konsolen-artige Bildqualität einzustellen – aber gewisse Tendenzen sollten schon sichtbar sein. Erst einmal gewinnt die simulierte PS4K "Neo" gegenüber der simulierten PS4 mit +67,4% unter FullHD überaus deutlich an Performance hinzu und erreicht vor allem überall die 60-fps-Marke. Der Performance-Abfall der simulierten PS4K "Neo" unter höheren Auflösungen ist dann allerdings erheblich: WQHD ist noch im Rahmen dessen, die 40-fps-Marke wird überall gehalten, oftmals gibt es 50-60 fps. UltraHD führt hingegen zu kaum sinnvollen Ergebnissen: Im Schnitt der Spiele sind es grob 30 fps, viele Titel liegen aber darunter mit einem Tiefstwert auf nur 22,1 fps.

Und dies sind dann ja alles nur durchschnittliche Frameraten, in einzelnen Szenen wird es also nochmals tiefer heruntergehen. Eine gewisse Möglichkeit läge natürlich darin, die Grafikqualität speziell für die UltraHD-Auflösung und damit die PS4K "Neo" zu begrenzen, bei diversen Settings kann man sicherlich viel einsparen. Wirklich im Sinne einer neuen Spielekonsole mit leistungskräftiger Hardware wäre dies allerdings nicht – und am Ende wird dieser Gewinn umgehend wieder von den Spielen der Jahre 2017 und nachfolgend aufgefressen werden. UltraHD erscheint als Renderauflösung weiterhin eine kaum realisierbare Wahl für die PS4K "Neo" – vielleicht bei einigen Titeln zum Start, aber kaum im langfristigen Einsatz. Wenn man dann zudem eventuell auch lieber 60 fps als eine höhere Auflösung sehen will, dann ist doch eher FullHD als Rendering-Auflösung der PS4K "Neo" die sinnvollere Wahl – jene garantiert Konsolen-typisch sehr stabile Frameraten und hat zudem auch noch ein paar Reserven für die Zukunft. Um wirklich UltraHD als Renderingauflösung anpeilen zu können, würde eine deutlich stärkere Grafiklösung benötigt werden – was auf dem PC nicht anders ist, wo die (passabel vergleichbare) Radeon RX 480 ebenfalls nicht als UltraHD-Beschleuniger gesehen wird.

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Umfrage-Auswertung: Welche Monitorauflösung steht für den Spielerechner zur Verfügung (2016)?

Eine Umfrage von Ende Mai stellte wieder einmal die Frage nach der für den Spielerechner zur Verfügung stehenden Monitorauflösung auf – äquivalent und (meistens) vergleichbar mit früheren Umfragen aus den Jahren 2014, 2013, 2010 und 2008. Mit der aktuellen Umfrage sind weder neue Auflösungen hinzugekommen noch andere verschwunden, aber es gab natürlich wiederum den allgemeinen Trend hin zu höheren Auflösungen zu beobachten: Innerhalb der anderthalb Jahre seit der letzten Umfrage ging der Anteil der FullHD-Besitzer bemerkbar von 66,3% auf derzeit 57,0% zurück. Dabei verloren kleinere Auflösungen als FullHD deutlich von früher noch 15,1% auf nunmehr nur noch 9,0. Die höheren Auflösungen als FullHD konnten hingegen regelrecht durchstarten, jene nahmen von früher 18,6% auf nunmehr ganze 34,0% zu.

Logischerweise wird dieser Trend zuerst durch die Nutzer des HighEnd-Bereichs befeuert – in welchem es mit dieser Umfrage zum ersten Mal (knapp) mehr Besitzer von WQHD- und UltraHD-Monitoren gibt Besitzer anderer, kleinerer Monitore, inklusive auch der ansonsten dominierenden FullHD-Auflösung (53,1% zu 46,9%). Aber auch bei den Mainstream- und Performance-Nutzern ergaben sich mit dieser Umfrage erstmals bedeutsame Anteile an UltraHD-Besitzern sowie natürlich auch eine deutliche Zunahme an WQHD-Besitzern. Bezogen auf Enthusiasten-Kreise kann man WQHD- und UltraHD-Monitore damit als inzwischen weit verbreitet ansehen – was auch bedeutet, das die Entwickler von Hardware und Spielen mit deren (zahlreichen) Vorhandensein rechnen müssen.

Oktober 2008 April 2010 September 2013 September 2014 Mai 2016
1400x900 oder kleiner
(Mainstr. – Perfm. – HighEnd)
~32% 17,9%
29,7% – 18,9% – 9,8%
4,9%
13,0% – 3,7% – 2,4%
2,6%
7,2% – 1,4% – 0,3%
2,1%
5,1% – 0,8% – 0,7%
1680x1050 & 1600x900/1200
(Mainstr. – Perfm. – HighEnd)
~41% 36,4%
38,0% – 42,0% – 28,6%
14,6%
23,0% – 17,3% – 8,6%
12,5%
21,9% – 12,1% – 5,1%
6,9%
13,6% – 6,7% – 1,9%
1920x1080/1200
(Mainstr. – Perfm. – HighEnd)
~25% 42,4%
30,9% – 38,1% – 54,4%
66,9%
59,2% – 71,7% – 66,0%
66,3%
63,6% – 74,1% – 59,4%
57,0%
67,3% – 62,9% – 44,3%
2560x1440/1600
(Mainstr. – Perfm. – HighEnd)
~2% 3,3%
1,4% – 1,0% – 7,2%
11,2%
4,5% – 6,1% – 18,6%
14,0%
6,3% – 10,7% – 24,2%
22,4%
9,9% – 20,1% – 33,9%
3840x2160 oder größer
(Mainstr. – Perfm. – HighEnd)
- - 2,4%
0,3% – 1,2% – 4,4%
4,6%
1,0% – 1,7% – 11,0%
11,6%
4,1% – 9,5% – 19,2%

Eine gute Aussage zum Mainstream-Markt ist mit dieser Umfrage unter 3DCenter-Lesern natürlich kaum zu treffen – man kann allerhöchstens annehmen, daß eine Umfrage im Massenmarkt dem vorliegenden Umfrage-Ergebnis der Teilgruppe der Mainstream-Nutzer (im 3DCenter) halbwegs gleicht. Basierend auf dieser Annahme sind FullHD-Monitore im Massenmarkt nach wie vor extrem dominierend, sind größere Monitore als FullHD mit unter 15% Nutzeranteil weiterhin nicht gerade bedeutsam verbreitet. Dabei konnten FullHD-Monitore mit dieser Umfrage speziell unter den Mainstream-Nutzern sogar noch etwas zulegen – obwohl jene ansonsten bemerkbar verloren.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 28. Juli 2016

Die auf Sammelklagen-Verfahren spezialisierte Webseite Top Class Action vermeldet eine (späte) Einigung im Streitfall der GeForce GTX 970 und ihres 3,5-GB-Problems – zu welchem wie bekannt auch noch ein kleineres Speicherinterface, weniger ROPs und ein kleinerer Level2-Cache gehören. Danach wird nVidia jedem Käufer der GeForce GTX 970 eine Entschädigung von 30 Dollar zahlen und zusätzlich die aufgelaufenen Anwaltskosten von 1,3 Millionen Dollar berappen – sofern das damit befasste Gericht die Einigung als "fair, zumutbar und angemessen" ansieht und damit bestätigt. Augenscheinlich kann sich dabei wohl jeder US-Käufer der GeForce GTX 970 melden und Anspruch auf jene 30 Dollar Entschädigung anmelden, diese Zahlung gilt wohl nicht nur für die direkt klagenden Käufer dieser Grafikkarte. Ob man außerhalb der USA auch an jene Entschädigung herankommt, muß offenbleiben – wie auch das ganze Prozedere hierzu noch nicht bekannt ist und sicherlich noch von nVidia genauer erläutert werden dürfte.

Sollte es zu Entschädigungszahlungen kommen, können sich die Empfänger bei jenen Käufern der GeForce GTX 970 bedanken, die an der Sache drangeblieben sind und jene vor Gericht gebracht haben. Denn auch wenn nVidia dieser Einigung nunmehr zugestimmt hat, wirklich freiwillig sind die Entschädigungszahlungen natürlich nicht (dies wäre nur der Fall, wenn nVidia jene noch vor irgendwelchen Klagen angeboten hätte). Dabei bleibt die Höhe der Entschädigungszahlung in einem absolut vertretbaren Rahmen – nVidia legt zwar Geld auf den Tisch, kann sich dies momentan jedoch sehr gut leisten. Zudem scheint derzeit nach dem Launch der Pascal-Generation und damit absehbaren End-of-Life der GeForce GTX 970 aus der Maxwell-Generation ein exzellenter Zeitpunkt zu sein, um diesen Fall so still wie möglich abzuwickeln. Das nVidia seinerzeit versucht hat die Grafikkartenkäufer ziemlich heftig zu foppen, bleibt natürlich weiterhin bestehen – wenngleich die Hoffnung existiert, das nVidia aus der seinerzeitigen Affäre gelernt hat und selbiges nie wieder passiert.

Aus unserem Forum kommt ein Radeon RX 480 Stromverteilungs-Mod seitens anddill, bei welchem das durch AMDs Treiber-Fix nur gerade so knapp zurechtgebogene Stromverteilungs-Modell der Radeon RX 480 (mehr Last auf den Stromstecker, weniger Last auf den Slot) nochmals modifiziert wird. Sinn und Zweck der Modifikation ist es, den Slot noch weniger zu belasten – zum einen zugunsten kritischer Mainboards, zum anderen zugunsten einer eventuell besseren Speicherübertaktung. Denn bei der Modifikation wird die Stromversorgung der Speicherchips vom Slot auf den Stecker umgelenkt, womit die Radeon RX 480 nachfolgend aus dem PCI-Express-Slot nur noch ca. 60 Watt zieht – und damit erstmals weit unterhalb der entsprechenden Spezifikation bleibt. Der Stecker muß dann natürlich runde 110 Watt aushalten (genaue Meßwerte), was aber bekannterweise in der Praxs unkritisch ist, ganz besonders bei neueren Netzteilen oder mit 6pol/8pol-Kombisteckern. Um das ganze abzurunden, wurde nachfolgend im übrigen noch die Kühllösung optimiert, nachdem ein auffälliger Resonanzraum um den Kartenlüfter herum identifiziert werden konnte.

Interessanterweise listet der Geizhals-Preisvergleich bereits drei GeForce GTX 1060 3GB Grafikkarten seitens Palit auf – welche sogar schon bei zwei österreicher Onlinehändlern vorbestellbar sind. Technische Daten zu diesen Karten hat leider noch niemand zu bieten, aber deren pure Existenz (inkl. Hersteller-Nummer und EAN-Code) deutet eigentlich darauf hin, das jene alsbald erscheinen dürften – und das alle anderslautenden Gerüchte über eine eventuelle Verschiebung oder/und Umbenennung wohl eher Nonsens sind (Restchancen hierfür bleiben allerdings erhalten). Kommt die GeForce GTX 1060 3GB dagegen in der zuerst angedachten Form, dann handelt es sich hierbei um einen Kontrahenten zur Radeon RX 480 4GB. Jener Kontrahent sollte dann wegen der nur 3 GB Speicher die Radeon RX 480 4GB bei der Performance eigentlich schlagen und deren Preispunkt von 199$ sicherlich nicht überbieten. Ausgehend vom Listenpreis der GeForce GTX 1060 6GB von 249$ ist dies mittels Hardware- und Speicherabspeckung wohl doch noch realisierbar – auch wenn nVidia vorab sicherlich nicht damit gerechnet hat, seine kleineren Pascal-Chips bereits vom Start weg derart günstig abgeben zu müssen.

Zur kürzlich u.a. bei Golem zu lesenden Meldung, das AMD nun auch Chips bei Samsung (in deren 14nm-Fertigung) herstellen läßt, wäre noch eine gewisse Aufklärung bezüglich der damit herzustellenden Chips anzubringen: Wie unserem Forum zu entnehmen, hat AMD in dieser Frage bereits die Phase von Testchips hinter sich gelassen und wäre somit bei Samsung schon produktionsreif. Notfalls könnte AMD also auch die momentan nicht in ausreichender Menge verfügbaren Polaris 10/11 Chip bei Samsung auflegen und wohl schon in wenigen Wochen verkaufbare Produkte daraus ziehen. Eher wahrscheinlich ist natürlich, das man die Samsung-Fertigung primär für weitere Chipprojekte im 14nm-Prozeß benutzt, sprich die kommenden Vega-Chips, Spielekonsolen-SoCs oder auch Zen-Prozessoren. Regulär gesehen sollte dies alles eigentlich bei AMDs Hausfertiger GlobalFoundries vom Band laufen, aber dort existiert derzeit nur ein einziges auf den 14nm-Prozeß umgerüstetes Werk – was wohl zu wenig ist für die jetzt von AMD in relativ kurzer Zeit gewünschten großen 14nm-Fertigungskontingente. Da GlobalFoundries bekannterweise den 14nm-Prozeß von Samsung lizenziert hat und 1:1 verwendet, ist in diesem speziellen Fall ein Wechsel der Fertigungsstätte ohne größeren Aufwand aka Kostenpunkt möglich.

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GeForce GTX 1070 & 1080 sind teurer als gedacht & angekündigt

Schon zum Launch von GeForce GTX 1080 und GeForce GTX 1070 gab es eine gewisse Skepsis, ob nVidia seine offiziellen Listenpreise würde halten können – oder ob die reale Preislage dieser Grafikkarten nicht höher ausfallen würde als nVidia mittels der Listenpreisangabe für die Herstellerdesigns zu suggerieren versuchte. Beide Grafikkarten kommen wie bekannt mit zwei Listenpreisen an: Einem niedrigeren für die Herstellerdesigns und einem höheren für die (zuerst lieferbare) Founders Edition aka das Referenzdesign. Die Preisdifferenz ist dabei erheblich und im Fall der GeForce GTX 1080 mit 100 Dollar sogar unrealistisch hoch – trotz der angeblichen Hochwertigkeit des Referenzdesigns ist es eher unwahrscheinlich, das man rein am Boardlayout einfach mal so 100 Dollar einsparen kann. Insofern gab sich von Anfang an der Verdacht, das die Listenpreise für die Herstellerdesigns seitens nVidia zu niedrig gewählt sein könnten, um eine günstigere Preislage vorzutäuschen.

Jetzt nun, einige Wochen nach Launch und Marktstart, läßt sich dies auch in Zahlen ausdrücken und belegen: Beide HighEnd-Grafikkarten erreichen (auch in den inzwischen gut verfügbaren Herstellerdesigns) nicht im Ansatz die Vorgaben des Listenpreises für Herstellerdesigns. Dies ist insbesondere in den USA gut sichtbar – wo der Listenpreis zudem auch noch als "Medium Selling Retail Price" (MSRP) aka durchschnittlicher Einzelhandelspreis gilt, demzufolge die günstigsten Angebote jenen durchaus auch einmal etwas unterbieten dürfen. Davon ist die GeForce GTX 1080 bei Preisen ab 700 Dollar weit entfernt, dies entspricht gerade einmal der Marke des Listenpreises für das Referenzdesign (699$). Der durchschnittliche Verkaufspreise der GeForce GTX 1080 dürfte angesichts lieferbarer Preisnotierungen von 700-750 Dollar sogar noch höher als jene 699$ MSRP ausfallen – ganz zu schweigen vom Listenpreis für die Herstellerdesigns (599$), von welchem die Grafikkartenkäufer in den USA derzeit nur träumen können.

Bei der GeForce GTX 1070 ist es ähnlich: Die Einzelhandelspreise in den USA bei 430-480 Dollar liegen perfekt im Bereich des Listenpreises für das Referenzdesign (449$) und in jedem Fall weit weg vom Listenpreis für die Herstellerdesigns (379$). In Euroland sieht das ganze jeweils ähnlich aus, ist aber durch Umrechnungskurse, Mehrwertsteuer-Aufschlag und minimal andere Preisgestaltung aufgrund nationaler Gegebenheiten nicht so gut auf den ersten Blick erkennbar. Die Tendenz ist aber auch in Euroland dieselbe: Nimmt man die US-Listenpreise wirklich als "durchschnittliche Einzelhandelspreise", dann treffen bei GeForce GTX 1070 & 1080 auf die aktuell zu sehenden Straßenpreise eher die Listenpreise für das Referenzdesign zu, nicht aber die Listenpreise für die Herstellerdesigns (Preisermittlung gemäß Newegg & Geizhals).

GeForce GTX 1060 GeForce GTX 1070 GeForce GTX 1080
Launch 19. Juli 2016 30. Mai 2016 17. Mai 2016
Marktstart 19. Juli 2016 10. Juni 2016 27. Mai 2016
US-Listenpreise (Hersteller/Referenz) 249$/299$ 379$/449$ 599$/699$
aktuelle US-Straßenpreise (lieferbar) 250-290$ 430-480$ 700-740$
(einzelnes Angebot bei 670$)
aktuelle US-Straßenpreise (out-of-stock) ab 250$ ab 400$ ab 630$
US-Listenpreise umgerechnet auf Euro-Niveau 270€/325€ 410€/485€ 650€/755€
aktuelle DE-Straßenpreise (lieferbar) 280-320 Euro 440-480 Euro 700-750 Euro
(einzelnes Angebot bei 669 Euro)
aktuelle DE-Straßenpreise (out-of-stock) ab 269 Euro ab 429 Euro ab 659 Euro

Die GeForce GTX 1060 geht in dieser Frage dann allerdings ihren eigenen Weg, obwohl erst kurz verfügbar und damit sicherlich noch auf leicht erhöhten Preisen aufgrund der hohen Nachfrage direkt nach deren Launch unterwegs. Sowohl in den USA als auch Euroland nähert sich der Straßenpreis der GeForce GTX 1060 von 250-290$ bzw. 280-320€ eher deren Listenpreis für die Herstellerdesigns (249$, umgerechnet 270€) als denn dem Listenpreis für das Referenzdesign (299$, umgerechnet 325€) an. Mit besserer Verfügbarkeit der Karte dürfte dieser Punkt dann wohl noch deutlicher werden. Vorteilhaft für die GeForce GTX 1060 ist an dieser Stelle sicherlich der Umstand, daß deren Referenzdesign allein von nVidia selber verkauft wird.

Hier dürfte wohl auch ein Grund für diese große Abweichung der Straßenpreise vom Listenpreis für die Herstellerdesigns bei GeForce GTX 1070 & 1080 liegen: Beide Grafikkarten kamen zuerst nur als (teures) Referenzdesign in den Markt, vertrieben in diesem Fall aber durch die Grafikkartenhersteller. Nachdem jene anhand der hereinkommenden Verkaufszahlen feststellen konnten, das die Grafikkartenkäufer selbst die (hohen) Preisaufschläge der Founders Edition zu löhnen bereit waren, ergab sich natürlich wenig Anlaß für die Grafikkartenhersteller, die nachkommenden Herstellerdesigns jetzt gleich um -100 Dollar/Euro (GeForce GTX 1080) bzw. -70 Dollar/Euro günstiger in den Ring zu schicken. Vielleicht passiert dies noch im Laufe der Zeit – allerdings sind gewisse Preisverschiebungen im Laufe der Zeit auch wieder völlig normal und sollten nicht gerade dazu dienen, Monate nach Launch erstmalig den Listenpreis zu erreichen.

nVidia GeForce GTX 1070 & 1080 können damit eher mit Listenpreisen von 449$ bzw. 699$ ausgerüstet beschrieben werden – als die in der Praxis nach mehreren Wochen Marktverfügbarkeit nirgendwo im Ansatz erreichen Listenpreise für die Herstellerdesigns von 379$ bzw. 599$ zu zitieren. Möglicherweise mag dies nVidia noch nicht einmal selber derart geplant haben und es ist nur eine Entwicklung, welche sich primär aus den zuerst in den Markt kommenden (teureren) Herstellerdesigns und der Abwesenheit jeglicher Konkurrenz in diesem Marktsegment ergibt. Aber natürlich profitiert nVidia auch aus der fälschlichen Angaben dieses zu niedrigen Listenpreises bei gleichzeitig viel höheren im Markt vorhandenden Absatzpreisen – insofern sollte man GeForce GTX 1070 & 1080 besser ehrlich zu Listenpreisen von 449$ bzw. 699$ nennen.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 27. Juli 2016

Golem haben sich den Fall der Radeon RX 480 unter DirectX12/Vulkan noch einmal auf einer schwächeren CPU in Form des FX-6300 angesehen. Beide LowLevel-APIs sollten eigentlich (gerade unter niedrigen bis mittleren Auflösungen) einer schwächeren CPU besonders auf die Sprünge helfen – was im Test auch belegt werden konnte, mit dem FX-6300 ging es von DirectX11/OpenGL zu DirectX12/Vulkan um +24,8% nach oben, auf einem Core i7-6700K waren es dagegen nur +15,0%. Trotzdem lag die Performance des FX-6300 allerdings weiterhin bemerkbar hinter der des Core i7-6700K zurück, selbst unter DirectX12/Vulkan waren es unter FullHD noch -19,3%. Unter höheren Auflösungen verliert sich dieser Abstand etwas, da hierbei die Grafikkarten-Limitierung zunimmt. Nichtsdestotrotz können DirectX 12 & Vulkan eine klar zurückhängenden CPU nicht wieder zum jungen Springbock machen, trotz der erheblichen Performancezuwäche bleibt ein Performance-Abstand bestehen. Allerdings kann jener gerade unter FullHD letztlich auch wieder in einem unerheblichen Bereich liegen, wo es um Framerate klar oberhalb von 60 fps geht – welche im praktischen Gameralltag sowieso nicht benötigt bzw. oftmals auch durch VSync abgeschnitten werden.

Der Performance-Boost durch DirectX12 & Vulkan bringt beispielsweise den FX-6300 immer noch so weit auf Touren, das man jenen recht problemlos mit einer neuen Grafikkarte wie der Radeon RX 480 bestücken kann und somit nicht umgehend ersetzen muß. In dieser Frage dürften AMD-Grafikkarten einen weiteren Vorteil auf ihrer Seite haben – denn das ganze funktioniert natürlich nur gut mittels AMD-Grafikkarten und ihres erwiesenen Performance-Boosts unter DirectX 12 & Vulkan. Die GeForce GTX 1060 in derselben Situation kann aus dem FX-6300 auch unter DirectX12 & Vulkan nicht mehr viel herausholen und dürfte mit diesem Prozessor eher unterdurchschnittlich performen – da wäre es dann wohl doch an der Zeit, über ein CPU-Update nachzudenken. Mittels einer Radeon RX 480 kann man in derselben Situation die CPU hingegen noch etwas behalten und deren (sowieso fälliges) Update auf einen Zeitpunkt verschieben, wenn neue Prozessoren-Generationen von AMD (Zen) und Intel (Coffee Lake) verfügbar werden. Benutzer älterer & schwächerer CPUs fahren also mit AMD-Grafikkarten unter DirectX12/Vulkan-Titeln sogar noch besser, als bisher schon dargestellt.

Zehn Jahre nach dessen Launch (offiziell am 27. Juli 2006, mit NDA-Fall aber schon am 14. Juli 2006) haben sich AnandTech Intels Core 2 Prozessor nochmals neu angesehen. Seinerzeit konnte Intel mit diesen Prozessoren den Markt im Sturm erobern und die vergleichsweise schwachen Pentium-4-Prozessoren vergessen machen. AMD, welche vor den Zeiten des Core 2 sowohl bei der Performance als auch der Pro/MHz-Leistung (!) führend waren, musste mit heftigen Preisnachlässen reagieren und haben es seitdem nicht mehr vermocht, von dieser Schiene herunterzukommen. Heuer nun ist der Core 2 natürlich maßlos überrundet, im Test von AnandTech verliert ein Core 2 Duo E6400 (2C, 2.13 GHz) selbst gegen einen Pentium G1620 (Ivy Bridge, 2C, 2.7 GHz) oder einen Athlon X4 845 (Carrizo, 4C, 3.5/3.8 GHz) mehr als deutlich. Allerdings sei zur Ehrenrettung der Core-2-Generation gesagt, das jene Prozessoren relativ lange liefen und sich deren Hardwaredaten mit der Zeit enorm weiterentwickelten: Von Zweikernern bei grob 2 GHz Takt hinauf zu Vierkernern mit mehr als 3 GHz Takt und Overclocking-Spielraum bis zu 4 GHz. Insbesondere diese späteren Modelle haben vergleichsweise lange durchgehalten und sind erst in letzter Zeit wirklich "alt" geworden.

Die PC Games Hardware berichtet über eine wichtige Änderung mit dem (am 2. August) kommenden Windows 10 "Anniversary Update": Der Sprachassistent "Cortana" wird dann sowohl die reguläre Windows-Suche ersetzen als auch generell nicht mehr deaktivierbar sein. Wer Cortana nicht mag, dem bleibt nur die Möglichkeit der Nichtnutzung (in diesem Fall sammelt Cortana auch keine Daten) – was allerdings natürlich auch bedeutet, das Windows 10 dann faktisch über keine eigene Suchfunktion mehr verfügt. Als Zwischenweg bietet sich an, zwar Cortana zu nutzen, aber dies nur im Rahmen eines lokalen Benutzerkontos zu tun – dann werden die durch Cortana automatisch gesammelten Daten wenigstens nicht direkt einer Person zugeordnet (ein schwacher Trost, aber immerhin). Wie man ein einmal existierendes Microsoft-Konto in ein lokales Konto unter Windows 10 umwandeln kann, wird passenderweise bei Antary erklärt.

Unter einem gewissen Teil der Windows-10-Nutzer (und einem größeren Teil der Windows-10-Kritiker) dürfte diese Änderung Microsofts keine Freude hervorrufen – weil einen damit Microsoft mal wieder dazu treibt, etwas zwangsweise zu nutzen. Das Microsoft über die gewonnenen Daten der Hauptnutznießer der ganzen Aktion ist, kommt dann noch dazu. Hinzu zeigt sich, wie Microsoft das mit Windows 10 eingeführte System des "Betriebssystems in ständiger Weiterentwicklung" letztlich wirklich anwendet: Weniger für echte Weiterentwicklung – sondern vielmehr dazu, nach dem Einfangen der User die Daumenschrauben immer weiter anzuziehen. Mit dem neuen Update-System ist schließlich auch ein Ablehnen von solchen Feature-Updates nicht mehr vorgesehen, womit Microsoft Windows 10 nicht einfach nur weiterentwickelt, sondern vielmehr im Laufe der Zeit vollkommen umbauen kann – und die Nutzer mitschleift, ob sie wollen oder nicht. Jener Punkt, das Microsoft sich mit Windows 10 die Macht gegeben hat, das Angebot (Betriebssystem) jederzeit so zu verändern, wie es allein Microsoft in den Kram passt, war schon zum Launch von Windows 10 zu sehen, wurde aber seitens der "Fachpresse" viel zu selten thematisiert.

Dies passierte womöglich auch, weil man Microsoft ein solch rabiates Vorgehen nicht zugetraut hatte. Doch der Wind hat sich bei Microsoft in den letzten Jahren stark gedreht und nunmehr kämpft man mit allen Mitteln um jeden Stückchen Marktanteile – meist auf dem Rücken der Bestandskunden ausgetragen, siehe die (letztlich erfolglosen) Anstrengungen von Microsoft im Smartphone- und Tablet-Markt, welche mit schweren Rückschritten bei der Desktop-Tauglichkeit von Windows 8 erkauft wurden. Diese schlechte, kundenunfreundliche Entwicklung wird leider weitergehen, weil Microsoft dafür einfach noch viel zu wenig Gegenwind kassiert – gut zu sehen am Launch von Windows 10, welches einfach nur etwas besser als Windows 8 sein musste, um nahezu überschwängliche Wertungen zu erhalten. Das in den 6 Jahren zwischen Windows 7 und Windows 10 Microsoft mehrheitlich nur zugunsten der eigene Monopol-Infrastruktur gearbeitet hatte, wurde hierbei viel zu wenig beachtet. Die Auswirkungen dieser Arbeit beginnen sich nun zu zeigen und dürften auch in Zukunft für immer weitere neue Einschränkungen der Windows-10-Nutzer sorgen – so lange, bis man sich entweder damit arrangiert hat oder einem Windows vollkommen vergällt wird.

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