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AMD legt anscheinend eine "Zen 3+" Zwischen-Generation zwischen Zen 3 und Zen 4 ein

Videocardz zeigen einen auf Twitter kurzzeitig zu sehenden Ausschnitt einer augenscheinlichen AMD-Roadmap, welche mit "Warhol" eine neuen, bislang unbekannten Codenamen für einen Zen-3-basierten augenscheinlichen Desktop-Prozessor notiert. Für die Auslegung als Desktop-Prozessor spricht, das dessen Vorgänger bereits PCI Express 4.0 beherrschen können soll, der Nachfolger dann mit einem "Ra" anfängt – was auf "Raphael" hindeutet, was der Codename der Zen-4-basierten Desktop-Prozessoren sein soll. Das originale Postings ist wie gesagt nicht mehr bei Twitter einzusehen, aber dessen Urheber MebiuW hat gleich noch einmal in Textform nachgelegt: Hierbei werden Codename, Zen-Revision und Strukturgröße der Fertigung in dieser Reihenfolge angegeben, was zusammen mit dem Roadmap-Ausschnitt das Bild (für den augenblicklichen Stand des Irrtums) abrundet:

AMD "Warhol" (mglw. Ryzen 5000 Serie)
AMD "Warhol" (mglw. Ryzen 5000 Serie)

Matisse 2/7   Vermeer 3/7   Warhol 3/7   Raphael 4/5

Quelle:  MebiuW @ Twitter am 27. Mai 2020
zu lesen als:
Matisse = Zen 2 in 7nm, Vermeer = Zen 3 in 7nm,
Warhol = Zen 3 in 7nm, Raphael = Zen 4 in 5nm

Danach scheint Warhol tatsächlich zwischen Vermeer (Zen 3) und Raphael (Zen 4) eingeschoben zu werden, somit eine eigene Prozessoren-Generation zu bilden. Dies sollte dann auch mit den entsprechend eigenen Modellnamen einhergehen, womit dann eben Warhol die "Ryzen 5000 Serie" darstellt, während Raphael dann zur "Ryzen 6000 Serie" wird. Insofern ist hierbei dann doch mehr zu erwarten als beim demnächst anstehenden Matisse-Refresh, wo AMD nur ein paar neue Prozessoren-Modelle bringt, aber keine neue Generation aus der Taufe hebt. Auf weiterhin der Basis von Zen 3 sowie der 7nm-Fertigung könnte AMD für Warhol zum einen Fertigungs-Fortschritte aktivieren, zum anderen aber vor allem mit neuen I/O-Chips spielen. Mit (gegenüber Vermeer) anderen I/O-Chips könnte AMD dann schon einen DDR5-Support bieten, dafür muß die Zen-3-Architektur bzw. das Zen-3-Chiplet nicht abgeändert werden. Zusammen mit anderen kleineren Verbesserungen kann dies durchaus für einen Generations-Sprung reichen – ähnlich wie seinerzeit bei Zen+, welches technologisch ja auch "nur" auf dem originalen Zen basiert, dennoch aber durchaus zu gefallen wusste.

Inwiefern AMD das ganze dann offiziell als "Zen 3+" betitelt, ist noch nicht heraus – eine solche Bezeichnung würde sich zur Abgrenzung allerdings sicherlich anbieten, da augenscheinlich auch in anderen Bereichen eine Zwischen-Generation geplant ist. So schwirren im APU-Bereich derzeit ausreichend Codenamen herum, um ebenfalls eine Zwischen-Generation zu begründen – und in diesem Zusammenhang wurde erst kürzlich sogar "Zen 3+" explizit erwähnt (wenngleich nicht ganz sicher ist, ob dies vielleicht nicht nur im Sinne von "besser als Zen 3" gemeint war). Gerade da AMD angeblich mit seiner nächsten APU "Cezanne" zwar auf die Zen-3-Prozessorenarchitektur gehen, aber weiterhin bei der Vega-Grafikarchitektur bleiben soll, würde sich dann ein Nachfolger mit Zen-3-Unterbau und dann (endlich) der RDNA-Grafikarchitektur anbieten – wie selbiger mittels "van Gogh" sogar schon mehrfach so genannt wurde (No.1 & No.2). Spekulativ könnte das zukünftige AMD-Programm somit derart aussehen:

Fertigung Desktop APU HEDT Server
Zen 14nm GloFo Summit Ridge Raven Ridge Whitehaven Naples
Zen+ 12nm GloFo Pinnacle Ridge Picasso Colfax -
Zen 2 7nm TSMC Matisse Renoir Castle Peak Rome
Zen 3 7nm TSMC Vemeer angbl. Cezannne Genesis Peak Milan
Zen 3+ 7nm TSMC angbl. Warhol mglw. van Gogh ? -
Zen 4 5nm TSMC angbl. Raphael angbl. Rembrandt ? Genoa

Wirklich sicher ist von dieser Zukunfts-Projektion natürlich noch nichts, derzeit sind eigentlich nur die Codenamen der initialen Zen-3-Generation (außerhalb von "Cezanne") sicher bekannt. Daneben steht dann natürlich die Frage im Raum, welchen Zweck AMD mit dieser anscheinenden Zwischen-Generation verfolgt. Wahrscheinlich dürfte es wieder nur um das Gewinnen von Zeit gehen – wobei auch die Variante, das AMD vielleicht gar nicht mehr so schnell muß, wenn Intel derart weit zurückliegt, eine Chance hat. Terminlich ist Zen 3 zwar noch dieses Jahr zu erwarten, aber vermutlich tritt das breitere Zen-3-Portfolio sowieso erst 2021 an. Zen 4 ist zwar gemäß AMDs eigenen Roadmaps eigentlich noch innerhalb des Jahres 2022 zu erwarten, aber dieses Versprechen könnte man auch einfach mittels Server-Prozessoren erfüllen, das reguläre Desktop-Programm von Zen 4 dann erst im Jahr 2023 nachfolgen lassen. Zwischen Anfang 2021 und Anfang 2023 ergäbe sich damit genügend Platz für eine Zwischen-Generation – eben Zen 3+.