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Spezifikations-Update zu AMDs Radeon RX 460 & 470

Mit dem Launch der Radeon RX 480 gab es auch ein paar neue Informationen zu den Spezifikationen der nachfolgenden kleineren Polaris-Karten Radeon RX 460 und 470. Zur kleineren Polaris-11-basierten Radeon RX 460 hat AMD hierbei schon die genauen Hardware-Spezifikationen samt einem Blockdiagramm offengelegt – was fehlt, sind nur noch die konkreten Taktraten. Danach wird die Radeon RX 460 augenscheinlich im Vollausbau des Polaris-11-Chips (früher von AMD schon mit 16 Shader-Clustern beschrieben) mit 1024 Shader-Einheiten an einem 128 Bit GDDR5-Speicherinterface daherkommen. Sinngemäß handelt es sich damit bei Polaris 11 um eine leicht aufgebohrte Bonaire-Neuauflage, dort standen 896 Shader-Einheiten an einem 128 Bit GDDR5-Speicherinterface zur Verfügung, gleich ist beiden Grafikchips die Verwendung von zwei Raster-Engines (wichtiger Unterschied zum vorhergehenden Cape-Verde-Chip). Der Vergleich mit dem Pitcairn-Chip wird dagegen schwierig, da jener nicht nur 20% mehr Shader-Einheiten, sondern auch ein doppelt so breites Speicherinterface zur Verfügung hat.

Je nach anliegenden Taktraten könnte sich Polaris 11 sicherlich dennoch mit kleineren Pitcairn-Varianten anlegen – einmal abgesehen allerdings davon, das Polaris 11 dafür nicht gebaut wurde. Jener Grafikchip wurde ganz extrem für Mobile-Bedürfnisse entwickelt – dafür wurde sogar eine mit 146m² vergleichsweise große Chipfläche in Kauf genommen, nur um den Polaris-11-Chip besonders flach zu bekommen (bei 1,5mm Chiphöhe, Bonaire ist dagegen 1,9mm hoch). Die – offiziell noch nicht bestätigte – Chipfläche erstaunt dennoch, denn somit packt AMD zwischen Polaris 11 und 10 in ca. 59% mehr Chipfläche mehr als die doppelte Anzahl an Recheneinheiten sowie ein doppelt so breites Speicherinterface hinein. Zwar skalieren Grafikchips (aufgrund fixer Einheiten wie Video-Einheit, Display-Engine und PCI-Express-Interface) niemals perfekt mit der Einheitenanzahl, aber die hier vorliegende Skalierung erscheint eher als besonders schlecht (oder hat ihren Hintergrund in dem besonders flachen Chip).

Mit den früher vermeldeten (wenngleich unbestätigten) Taktraten von 1000/3500 MHz ist sicherlich nicht viel Staat zu machen – AMDs Augenmerk liegt bei der Radeon RX 460 jedoch nicht auf einer großen Performance-Offenbarung, sondern einer soliden Grafikkarten klar unter 75 Watt Realverbrauch und damit ohne extra Stromstecker. Ein normgerechter Stromverbrauch auf dem PCI-Express-Slot ist dafür dann sogar mehr als obligatorisch – denn eine Karte wie die Radeon RX 460 wandert gern auch einmal in ältere oder/und leistungsschwache PCs, wo man nicht auf Mainboards mit besonders großen Reserven setzen kann. Die dem PCI-Express-Slot zugeschriebenen maximal 75 Watt Stromverbrauch sind im übrigen auch nur eine eher grobe Angabe: Real sind es bis zu 5,5 Ampere auf der 12V-Schiene ±8% (=66W ±8%, ergibt maximal 71,3W) – zuzüglich ein paar Watt aus der 3,3V-Schiene, woraus sich jedoch gewöhnlich der Grafikchip sowie die Speicherchips selber nicht speisen können.

AMD Radeon RX 460 Spezifikationen
AMD Radeon RX 460 Spezifikationen
AMD Radeon RX 470 Spezifikationen
AMD Radeon RX 470 Spezifikationen

Zur Radeon RX 470 gibt es bei der ComputerBase dagegen die Information zu lesen, das diese Grafikkarte mit 2048 Shader-Einheiten an jedoch dem vollen 256 Bit breiten Speicherinterface antreten wird. Dies liegt im Rahmen der Erwartungen – welche für diese Salvage-Lösung dann auch den Gang unter 150 Watt realen Stromverbrauch annehmen. Der Grafkchip soll auf der Radeon RX 470 schon einmal 25 Watt weniger verbrauchen, was AMD für eine besonders niedrige offizielle Verbrauchsangabe von nur 110 Watt TBP ausnutzt – aber auch das real anliegende Power-Limit sollte damit im höchstmöglichen Fall bei 145 Watt liegen (realistisch eher bei 130-140 Watt). Dies hängt natürlich auch an den konkreten Taktraten, welche sich gemäß früheren Informationen auf 1266/3850 MHz belaufen sollen – aber in dieser Frage ist noch nichts gänzlich sicher, AMD könnte hier sicherlich noch kurz vor Launch nachjustizieren. Wie die Radeon RX 480 soll die RX 470 mit Speicherbestückungen von 4 und 8 GB erscheinen, die RX 460 im übrigen mit Speicherbestückungen von 2 und 4 GB:

Radeon RX 460 Radeon RX 470 Radeon RX 480
Chipbasis AMD Polaris 11 AMD Polaris 10
Fertigung ? Mrd. Transistoren in 14nm auf 146mm² Chipfläche bei GlobalFoundries 5,7 Mrd. Transistoren in 14nm auf 232mm² Chipfläche bei GlobalFoundries
Architektur GCN4, DirectX 12 Feature-Level 12_0
Technik 2 Raster-Engines, 1024 Shader-Einheiten, 64 TMUs, 16 ROPs, 128 Bit GDDR5-Interface, 1 MB Level2-Cache 4 Raster-Engines, 2048 Shader-Einheiten, 128 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit GDDR5-Interface, 2 MB Level2-Cache 4 Raster-Engines, 2304 Shader-Einheiten, 144 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit GDDR5-Interface, 2 MB Level2-Cache
Taktraten angbl. 1000/3500 MHz angbl. 1266/3850 MHz 4GB: 1120/1266/3500 MHz
(Ø-Chiptakt: ? MHz)
8GB: 1120/1266/4000 MHz
(Ø-Chiptakt: 1209 MHz)
Speicherausbau 2/4 GDDR5 4/8 GB GDDR5 4/8 GB GDDR5
off. Verbrauch ≤75W TBP 110W TBP 150W TBP
Power-Limit ? ? 170W (max. +50%)
FHD Perf.Index gesch. ~230-250% gesch. ~470-480% 530%
Listenpreis 2GB: vermlt. 99-109$
4GB: vermlt. 119-129$
4GB: vermlt. 159-169$
8GB: vermlt. 199-209$
4GB: 199$
8GB: 239$

Bezüglich der Performance der Radeon RX 470 kann man sich zum einen an die AMD-eigenen Benchmarks halten, welche einen Performance-Index von ~480% für die Radeon RX 470 ergeben würden. Zum existieren noch früheren 3DMark11-Messungen, welche auf eine Performance-Differenz von -10,5% zwischen Radeon RX 470 & 480 hindeuten und damit einen Performance-Index von ~470% ergeben würden. In genau dieses Feld kann man die Radeon RX 470 damit derzeit einordnen – bei einem FullHD Performance-Index von ~470-480%, was in etwa das Niveau der Radeon R9 290 (Perf.Index 480%) ist bzw. minimal darunter wäre. Das Hauptaugenmerk bei der Radeon RX 470 dürfte allerdings sowieso auf dem Vergleich mit den im gleichen Preissegment liegenden Radeon R9 380 (Perf.Index 360%) und GeForce GTX 960 (Perf.Index 340%) liegen – wobei die Radeon RX 470 jene 28nm-Karten mit fliegenden Fahnen besiegen sollte.

Die frühere Performance-Prognose zur Radeon RX 460 kann bei dieser Gelegenheit auch einmal neu überdacht werden: Denn obwohl die vorliegenden 3DMark11-Werte auf eine Performance ziemlich exakt wie bei der Radeon R7 360 hindeuten, ist durch den Launch der Radeon RX 480 klar, das alle Vorabmessungen mit dem 3DMark 11/13 eine um 5-10% zu gute Performance der Radeon RX 480 prognostiziert haben. Bezogen auf die Radeon RX 460 ergibt dies eine Zurückstufung von deren Performance-Prognose auf einen FullHD Performance-Index von ~230-250%. Dies ist dann nur noch knapp oberhalb der Performance der besten Bonaire-basierten Grafikkarten (Radeon R7 260X bei Perf.Index 200%) und ziemlich im Feld der kleineren Pitcairn-basierten Lösungen (Radeon HD 7850 bei Perf.Index 225% sowie Radeon R7 245 bei Perf.Index 245%). Gegenüber allen diesen Karten wird die Radeon RX 460 allerdings einen deutlich niedrigeren Stromverbrauch mitbringen, welcher bei den schnelleren Bonaire-Varianten sowie bei allen Pitcairn-Lösungen durchgehend bei 100 Watt und mehr lag.

Nachtrag vom 10. Juli 2016

Ein noch vakanter Punkt betrifft die Anzahl der bei der Radeon RX 460 freigeschalteten Shader-Einheiten. Der zugrundeliegende Polaris-11-Chip hat 16 Shader-Cluster aka 1024 Shader-Einheiten – doch die Radeon RX 460 beschreibt AMD in dem einen Dokument als mit 16 Shader-Clustern ausgerüstet (die hierbei angesetzte Fußnote erklärt nur, das ein Shader-Cluster aus 64 Shader-Einheiten besteht), in dem anderen Dokument hingegen als mit nur 14 Shader-Clustern ausgerüstet. Aller Vermutung nach stimmt aber wohl die zweite Angabe – dies würde auch besser zu eher mauen Performance der Radeon RX 460 bestenfalls auf Niveau der Radeon R7 370 passen. Die von AMD angegebenen 2 TeraFlops Rechenleistung sind in jedem Fall auch mit nur 896 Shader-Einheiten (in 14 Shader-Clustern) erreichbar, dafür muß einfach nur ein Chiptakt von 1116 MHz anliegen. Angesichts der Taktraten der Radeon RX 480 erscheint dies als absolut machbar, auch das TDP-Limit der Radeon RX 460 (von unter 75 Watt) dürfte mit diesen Taktraten nicht in Gefahr sein. Sicher ist diese Auflösung jedoch mitnichten, die gleiche Rechenleistung läßt sich letztlich auch mit 1024 Shader-Einheiten (in 16 Shader-Clustern) und einem Chiptakt von 977 MHz erreichen.

Nachtrag vom 12. Juli 2016

Videocardz zeigen nochmals neue Spezifikations-Folien zu Radeon RX 460 & 470 – welche zwar das gleiche Datum tragen wie die bereits bekannten Folien, dennoch aber leicht anders aussehen. Die jeweils gezeigten Informationen sind allerdings nicht abweichend, sondern bestätigen damit nur den bisher bekannten Stand: Die Radeon RX 470 kommt mit 2048 Shader-Einheiten an einem 256 Bit GDDR5-Interface und per default 4 GB Speicher (die Grafikkarten-Hersteller werden sicherlich auch 8-GB-Versionen auflegen), die Radeon RX 460 nun doch nur mit 896 Shader-Einheiten an einem 128 Bit GDDR5-Interface und per default nur 2 GB Speicher (hier sind ebenfalls auch 4-GB-Versionen zu erwarten). Leider gibt es zu beiden Karten noch keine Launchtermine – Videocardz gehen von einem Launch der Radeon RX 470 zum Ende Juli aus, mit einer Marktverfügbarkeit aber erst Anfang August. Angesichts dessen, das AMD sich die ganze Zeit sehr sicher war, gleich monatelang vor nVidia herauszukommen, ist dies doch eine unerwartet zähe Anlaufphase für Polaris-basierte Grafikkarten.

AMD Radeon RX 460 Spezifikationen (2)
AMD Radeon RX 460 Spezifikationen (2)
AMD Radeon RX 470 Spezifikationen (2)
AMD Radeon RX 470 Spezifikationen (2)
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AMD dementiert mehr als 36 Shader-Cluster bei Polaris 10

Während AMD den Polaris-10-Chip von Radeon RX 470 & 480 fest als mit 36 Shader-Clustern (und damit 2304 Shader-Einheiten) im Vollausbau nennt, gab es hierzu am Launchtag auch Gegenstimmen: Sowohl ComputerBase als auch Golem berichten von eigentlich 40 auf dem Polaris-10-Die befindlichen Shader-Clustern – bei der ComputerBase auf Basis von "externen Quellen", bei Golem wohl sogar auf Basis einer unter-der-Hand-Information seitens der AMD-Ingenieure. Völlig abwegig ist diese These nicht, denn AMD gibt regulär nur Spezifikationen für einzelne Grafikchip-Varianten (wie eben die Radeon RX 480) an, nicht aber für den vollständigen Grafikchip. Allerdings wird es schwierig, auf den vorliegenden Die-Bildern zu Polaris 10 noch Platz für die restlichen vier Shader-Cluster zu finden – denn jene zeigen recht eindeutig diese 36 gleichartigen Funktionsblöcke (aka die Shader-Cluster) an:

AMD Polaris 10 Die & Package
AMD Polaris 10 Die & Package
AMD Polaris 10 Dieshot (schematisch)
AMD Polaris 10 Dieshot (schematisch)

Hinzu kommt, das AMD das ganze bei der PC Games Hardware nunmehr nochmals klar dementiert hat – laut AMD gibt es auf dem Polaris-10-Chip (und gemeint war damit nicht die Radeon RX 480) nicht mehr als 36 Shader-Cluster. Damit kann diese Variante faktisch ausgeschlossen werden – und insgesamt betrachtet wäre eine solche Lösung auch wenig erfolgversprechend: 4 Shader-Cluster mehr würden (auf gleichen Taktraten) die Rechenleistung zwar um 11,1% steigern. Dies bringt der Karte jedoch bekanntlich ohne weitere Speicherübertaktung nicht viel, außerdem würde somit der Strombedarf nochmals steigen (wollte man nicht den realen Boosttakt reduzieren). Nur mit höheren Speichertaktraten und hochgesetztem Power-Limit könnte man eine hypothetische Chipvariante mit gleich 40 Shader-Clustern zum Erfolg führen: Mit aber bestenfalls 10% Mehrperformance zur Radeon RX 480 und aber einem Stromverbrauch in Richtung 190 Watt wäre dann jedoch die Zielsetzung von Polaris deutlich verfehlt.

Nachtrag vom 10. Juli 2016

Bezüglich der Meldung zum Dementi von mehr als 36 Shader-Clustern bei AMDs Polaris-10-Chip gibt es den berechtigten Einwand, das der offizielle Polaris-10-Dieshot letztlich nichts anderes als eine extrem bearbeitete Grafik darstellt – durch die von AMD vorgenommene starken Einfärbungen aller Baugruppen wird so viel vom originalen Dieshot überdeckt, das letztlich gar nichts mehr als sicher erscheint. Allerdings existiert auch noch ein anderer Dieshot – gefunden im RX480-Bericht von Hot Hardware – welcher näher an der Realität zu liegen scheint. Jener zeigt faktisch das gleiche wie der andere Dieshot, nur ohne Einfärbungen und damit weitaus weniger schematisch. Sofern das ganze also nicht eine vollkommene Erfindung seitens AMD darstellt, wird es hier schwierig, noch weitere 4 Shader-Cluster unterzubringen – jene müssten diagonal neben den bisherigen Shader-Cluster-Blöcken angeordnet werden, wo aber augenscheinlich schon andere Bauteile liegen. Eine endgültige Gewißheit ist dies natürlich nicht, da sich die Chipentwickler gern die Freiheit herausnehmen, die Presse in solchen Fragen bewußt fehlzuinformieren.

Nachtrag vom 21. Juli 2016

In der Frage der (realen) Anzahl der Shader-Cluster bei Polaris 10 gibt es nunmehr einen praktischen Beweis in Form eines "geöffneten" Polaris-10-Chips: Der Nutzer hatte hierbei Wärmeleitkleber mit Wärmeleitpaste verwechselt und hat den Grafikchip somit beim Kühlerwechsel unfreiwillig geöffnet/zerstört. Mit dem Blick auf einen Teil des originalen Polaris-10-Dies lassen sich 9 Funktionsblöcke erkennen, die zu einem der vier Raster-Engines von Polaris 10 gehören. Die Anordnung entspricht damit exakt dem, was AMD auf seinen Dieshots bereits abgebildet hatte, egal wie nachbearbeitet jene letztlich sind. In dieser Anordnung gibt es somit keine andere Auflösung als 36 Shader-Cluster aka 2304 Shader-Einheiten beim Polaris-10-Chip – sollten es 40 Shader-Cluster aka 2560 Shader-Einheiten sein, hätten sich 10 anstatt nur 9 Funktionsblöcke erkennen lassen müssen. Dieses Thema darf somit als abgeschlossen betrachtet werden – und davon ganz abgesehen ist der Polaris-10-Chip auch so schon mit sehr vielen Hardware-Einheiten ausgerüstet: nVidia bekommt beim GP106-Chip in eine um 14% kleinere Chipfläche nur 1280 Shader-Einheiten unter, dies sind gerade einmal 55% von den 2304 Shader-Einheiten des Polaris-10-Chips.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 2./3. Juli 2016

Weiterhin ein Thema großer Diskussionen in unserem Forum ist der Bruch der PCI-Express-Spezifikationen durch die Radeon RX 480 – ganz besonders, nachdem in einem konkreten Fall eine Systemabschaltung in Folge dieser Problematik nachgewiesen werden konnte. Dabei sind allerdings zwei Dinge einschränkenderweise hinzuzusagen: Erstens macht ein Einzelfall noch keinen Sommer, denn einzelne Hardware-Inkompatibilitäten gibt es immer wieder einmal bzw. sind sogar (vereinzelt) normal bei Millionen verkaufter Systeme und Komponenten. Und zweitens wurde in diesem Test bewußt versucht, ein eher kritisches Board zu finden – gefunden wurde dies dann bei einem Altsystem, welches noch nicht einmal über PCI Express 3.0 verfügt. Jene PCI-Express-Norm erhöht zwar nur die Bandbreite und hat keine (beachtbaren) Änderungen bei der Stromversorgung, aber es zeigt das Alter des Systems an – wo die Spannungsversorgung bei weitem nicht so gut wie bei modernen Boards geregelt sein muß und gleichzeitig aus Abnutzungsgründen das Risiko auf unerwartete Effekte bei knapp über Kante gebauter Hardware wie der Radeon RX 480 logischerweise viel höher ausfällt. Aus diesem Einzelfall kann man ergo nicht schließen, daß das ganze zum breiten Phänomen wird – vielmehr scheint es nach ein paar Tagen im Verkauf so, das die Stromversorgung bei der Radeon RX 480 eben her kein praktisches Problem darstellt (gerade unter Beachtung einfacher Hinweise).

Nichtsdestotrotz will AMD den Bruch der PCI-Express-Spezifikationen nicht auf sich sitzen lassen und hat eine Abhilfe angekündigt. AMD testet intern schon einen entsprechend angepassten Treiber und wird am Dienstag dann weiteres hierzu mitteilen. Generell denkbar wären in Form einer Treiberanpassung zwei Wege: Erstens eine Absenkung des Power-Limits auf 150 Watt – was der Karte jedoch einiges an Performance kosten würde, eventuelle Regressansprüche und vor allem eine massive Negativpresse nach sich ziehen würde. Oder zweitens eine Neujustizierung der Stromverbrauchs-Aufteilung – mehr in Richtung des extra Stromanschlusses und eher weg vom PCI-Express-Slot. Wie aus unserem Forum zu erfahren, beherrscht das Platinenlayout der Radeon RX 480 eine solche Programmierbarkeit, wäre also eine solche Neujustizierung der Stroverbrauchs-Aufteilung technisch durchaus realisierbar. Aller Vermutung nach läuft AMDs interne Arbeit genau darauf hinaus, denn eine Performanceminderung durch ein niedrigeres Power-Limit wäre ein kaum vorstellbarer GAU.

Zur ganzen Thematik haben Tom' Hardware im übrigen noch einen weiteren, extra Artikel nachgeschoben. Jener beschäftigt sich nicht nur mit dem Bruch der PCI-Express-Spezifikationen bei der Radeon RX 480, sondern gibt auch interessante Einblicke über die generelle Stromversorgung und die Stromverbrauchs-Aufteilung auf Grafikkarten. So läßt sich erfahren, wie sich der seitens Tom's Hardware ausgemessene Spiele-Stromverbrauch der Radeon RX 480 von 164 Watt (im Schnitt weiterer Messungen waren es 162 Watt) aufteilt: Der Polaris-10-Grafikchip nimmt sich hiervon ziemlich exakt 110 Watt – der Rest sind die Speicherchips (grob mit 28 Watt angegeben), weitere Baugruppen (Lüfter & Elektronik mit grob 6 Watt angegeben), Wandlerverluste (die restlichen 16 Watt) sowie die (wenig genutzte) 3,3V-Leitung des PCI-Express-Slots. Sehr interessant auch die Erklärung, weshalb die allermeisten Systeme keinerlei Probleme mit der Spezifikationsüberschreitung haben sollten: Die ursprüngliche PCI-Express-Norm sieht wohl nur vier 12V-Pins am Steckplatz vor, zuzüglich einem freien Pin. Bei neuerer Hardware (wie auch der Radeon RX 480) wird dieser inoffizielle fünfte 12V-Pin aber oftmals genutzt, was dann allen Probleme mit dem PCI-Express-Slot zuverlässig aus dem Wege gehen sollte.

Mainboard-seitig könnte es dann allerhöchstens noch ein Problem mit der generellen 12V-Versorgung geben – aber da die Radeon RX 480 kein echter Schluckspecht ist und über die 12V-Leitung auch die CPU mitversorgt wird, ist dies in der Praxis eigentlich nicht möglich (Ausnahme: 3/4fach-CrossFire mit der Radeon RX 480). Auf allen neueren Systemen und ganz besonders bei solider Retail-Ware sollte man mit der Radeon RX 480 komplett aus dem Schneider sein, da nicht einfach nur übliche Reserven genutzt werden, sondern da dort viel höhere Reserven vorhanden sind, als es die PCI-Express-Spezifikation eigentlich vorsieht. Wie gesagt: In der Praxis dürfte diese Problematik kaum auftauchen und sich wenn dann gezielt auf ältere Systeme oder für diesen Zweck mißbrauchte Billig-Hardware konzentrieren. Leider ändert dies nichts an dem Punkt, das AMD dem ganzen Ärger entweder vorab aus dem Weg hätte gehen können – oder aber wenigstens vor dem Launch die Problematik eigenaktiv hätte benennen und verteidigen sollen. So aber muß man (wieder einmal) nach einem monatelang geplanten Hardwarelaunch zum Mittel der Nachbesserung greifen, hat erneut einen vermeidbaren Fehler produziert.

Zum Fall der Radeon RX 480 mit 4 GB Speicher kommt wiederum aus unserem Forum die wichtige Anmerkung, das es derzeit keine 0,5 GB großen GDDR5-Speicherchips bis 4000 MHz Taktrate gibt – sondern jene nur bis 3500 MHz geliefert werden. So lange also die Grafikkartenhersteller nur das Referenzlayout der Radeon RX 480 4GB ausliefern, welches auf fest acht Speicherbausteine setzt (und damit eben die 0,5-GB-Chips erzwingt), dürfte es normalerweise keine 4-GB-Versionen mit mehr als 3500 MHz geben. Dies erklärt dann auch den kleinen Spezifikations-Mischmasch zwischen beiden Grafikkarten-Versionen – wobei AMD dies zum Launch hätte gleich kundtun können, so ist dies (unnötigerweise) sogar auf AMD zurückgefallen. Um die 4000 MHz Speichertakt (ohne Übertaktung) zu erreichen, müsste ein Grafikkartenhersteller die Radeon RX 480 4GB also erst in einem eigenen Platinenlayout auflegen – was noch eine Nummer größer ist als nur ein eigenes Lüfterdesign und auf jeden Fall mehr als nur zwei Wochen dauern wird. Bei Nutzung von nur vier Speicherchips kann man dann 1-GB-Chips benutzen, welche auch mit 4000 MHz Speichertakt angeboten werden. Alternativ könnten die Speicherchip-Hersteller natürlich im Laufe der Zeit die 0,5-GB-Chips noch mit höherem Takt anbieten – beide Varianten bleiben abzwarten. Zumindest kurzfristig sind somit aber keine Radeon RX 480 4GB Karten mit gleich 4000 MHz Speichertakt zu erwarten. Update: Siehe hierzu die News des 4. Juli 2016.

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Wie ist der Ersteindruck zur Radeon RX 480?

Alle Entscheidungsgrundlagen zu dieser Frage findet man in der Launch-Analyse zur Radeon RX 480 sowie natürlich im entsprechenden Diskussions-Thread. Bei der Preislage gilt nachzu dasselbe wie das zum Launch notierte: Die Radeon RX 480 4GB ist derzeit zwischen 220 und 230 Euro lieferbar, die Radeon RX 480 8GB dagegen zwischen 270 und 280 Euro lieferbar. Insbesondere bei letzterer Kartenversion gibt es derart viele Notierungen zu exakt 269 Euro, das man faktisch keinen höheren Preis als jenen veranschlagen muß.

Positiver Ersteindruck, bin aber schon mit gleichwertigem oder besserem eingedeckt.
13% (451 Stimmen)
Positiver Ersteindruck, könnte interessant werden für eine Neuanschaffung.
30% (1021 Stimmen)
Positiver Ersteindruck, aber preislich außerhalb meiner Interessenlage.
2% (65 Stimmen)
Durchschnittlicher Ersteindruck, primär wegen der nicht ganz überzeugenden Performance.
9% (306 Stimmen)
Durchschnittlicher Ersteindruck, primär wegen des vergleichsweise hohen Stromverbrauchs.
12% (419 Stimmen)
Durchschnittlicher Ersteindruck, primär wegen des Bruchs der PCIE-Spezifikationen.
7% (223 Stimmen)
Durchschnittlicher Ersteindruck, primär wegen der schwachen Overclocking-Eignung.
1% (26 Stimmen)
Durchschnittlicher Ersteindruck, primär aus anderem Grund.
1% (39 Stimmen)
Negativer Ersteindruck, primär wegen der nicht ganz überzeugenden Performance.
4% (147 Stimmen)
Negativer Ersteindruck, primär wegen des vergleichsweise hohen Stromverbrauchs.
4% (131 Stimmen)
Negativer Ersteindruck, primär wegen des Bruchs der PCIE-Spezifikationen.
16% (527 Stimmen)
Negativer Ersteindruck, primär wegen der schwachen Overclocking-Eignung.
0% (7 Stimmen)
Negativer Ersteindruck, primär aus anderem Grund.
0% (14 Stimmen)
Gesamte Stimmen: 3376
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Zur Performance-Differenz zwischen den beiden Launchtreibern der Radeon RX 480

Wie kürzlich erwähnt, existieren gleich zwei den Hardwaretestern zur Verfügung gestellte Launchtreiber für die Radeon RX 480: Der initial gelieferte Crimson 16.6.2 Beta, sowie der erst am Montag (und damit einen Tag vor Launch) nachgelieferte Crimson 16.20.1035.1001-RC1. Der neuere Treiber beseitigt einen Bug bei der PCI-Express-Bandbreite, die Radeon RX 480 gewinnt dadurch zwischen +1,5% (ComputerBase) bis +2,9-3,4% (TweakPC) an Performance hinzu. Von den für unsere Launch-Analyse ausgewerteten Hardwaretests zur Radeon RX 480 haben allerdings nur drei Artikel mit diesem Treiber gemessen – sicherlich der Kürze der Zeit geschuldet, aber dennoch war damit die klare Mehrheit der Launchtests eben noch auf dem alten Treiber zugange. Im der Gesamtrechnung aller Tests sollte die Radeon RX 480 bei drei Tests mit aktualisiertem Treiber und 12 Tests mit altem Treiber im übrigen zwischen +1,2% bis +2,7% zulegen können – je nachdem, ob die +1,5% der ComputerBase oder +3,4% von TweakPC allgemeingültiger sind.

allgem. nVidia-Treiber allgem. AMD-Treiber RX480-Treiber RX480: Treibergewinn
ComputerBase unbekannt unbekannt 16.20.1035.1001-RC1 allgemein mit ca. +1,5% angegeben
GameStar unbekannt unbekannt 16.6.2 Beta -
Golem 368.39 16.6.2 Beta 16.6.2 Beta -
Hardwareluxx 368.39 16.1.1 (?) 16.6.2 Beta -
HT4U 368.39 16.6.2 Beta 16.6.2 Beta -
PC Games Hardware 368.xx 16.5 16.6.2 Beta -
Tom's Hardware 368.39 16.6.2 Beta 16.6.2 Beta -
TweakPC unbekannt 16.6.1 16.20.1035.1001-RC1 FullHD: +3,4%, WQHD & Ultra: +2,9%
Guru3D 368.39 16.6.2 Beta 16.6.2 Beta -
Hardware Canucks 368.39 16.6.2 Beta 16.6.2 Beta -
TechPowerUp 365.10 & 368.39 16.4.2 16.6.2 Beta -
TechSpot 368.39 16.6.1 16.6.2 Beta -
SweClockers 365.10, 368.14 & 368.19 16.5.1 16.6.2 Beta -
Hardware.info unbekannt unbekannt 16.6.2 Beta -
Hardware.fr 368.39 16.20.1035.1001-RC1 16.20.1035.1001-RC1 keine Angabe

Dies könnte dann den Performance-Index der Radeon RX 480 um glatt eine Stufe höher auf 540% bringen – sicherlich keine weltbewegende Korrektur, sondern eher nur Ergebniskosmetik. Unklar ist derzeit leider noch die Frage, ob der Bug des initialen Launchtreibers auch die anderen AMD-Grafikkarten betrifft – denn einige Testberichte haben diesen RX480-Launchtreiber durchgehend bei allen AMD-Grafikkarten genutzt. Sollten sich auch noch deren Performance-Werte verschieben, haben wir ein ziemliches Durcheinander, da die zur Radeon RX 480 aufgestellten Performancewerte sowieso schon eine Neubewertung (sprich Verbesserung) von Radeon R9 390 & 390X nahelegen, alternativ eine Herunterstufung von GeForce GTX 970 & 980. Die sinnvollste Idee hierzu ist wohl, auf die kommenden Launchtests zur Radeon RX 470 oder GeForce GTX 1060 zu warten (je nachdem welche Karte zuerst kommt) und anhand jener dann diese fällige Neueinstufung vorzunehmen bzw. die Radeon RX 480 dann nochmals genauer einzuordnen.

Ganz nebenbei ergab sich mit dieser Geschichte auch die Gelegenheit, die benutzten Launchtests auf die Nutzung jeweils aktueller Treiberversionen zu kontrollieren. Nachdem es hierbei in der weiter zurückliegenden Vergangenheit einige Sünder gegeben hat, die mit alten und vor allem völlig durcheinandergewürfelten Treiberversionen gemessen haben, scheint dieses Kapitel nun weitgehend hinter uns zu liegen. Dies gilt natürlich nur für die hier aufgeführte Hardwaretests, andere Hardwaretests könnten weiterhin andere, ältere Treiberversionen benutzen – dies wäre beim Lesen und insbesondere Argumentieren anhand von Testergebnissen immer mit zu beachten. Die aktuellen Treiberversionen vor dem Launch lauteten im übrigen auf nVidia GeForce 368.39 und AMD Crimson 16.6.1.

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Spezifikationen zur GP106-basierten GeForce GTX 1060 aufgetaucht

Videocardz zeigen ein paar (angebliche) nVidia-Präsentationsfolien zur GP106-basierten GeForce GTX 1060, welche sowohl die Spezifikationen als auch die nVidia-eigene Performance-Prognose dieses RX480-Kontrahenten offenlegen. Leider wird keine Quelle angegeben und gibt es ansonsten auch noch keine weiteren Daten zu dieser Karte – so das diese Informationen derzeit allein auf weiter Flur stehen, damit also einer Bestätigung warten und nicht frei vom Risiko einer Fälschung sind. Wenn man sich (vorerst) darauf einlassen will, dann kommt die GeForce GTX 1060 mit 1280 Shader-Einheiten an einem 192 Bit GDDR5-Speicherinterface daher. Der Chiptakt beträgt ~1700 MHz im Boostmodus, der Speichertakt gleich 4000 MHz (ungewöhnlich viel an dem verbreiterten Speicherinterface), die Speichermenge liegt bei 6 GB GDDR5 (was das 192 Bit Speicherinterface ergibt). Die TDP soll bei 120 Watt liegen sowie die Karte mit einem 6poligen PCI-Express-Stromstecker ausgerüstet sein.

Dies liegt allesamt im Rahmen vorheriger Erwartungen. Selbst die von nVidia abgegebene Performance-Prognose von +15% gegenüber der Radeon RX 480 (allerdings ging es für das nVidia-Marketing wohl nicht ohne eine Verfälschung der Balkenlänge, welche eine Differenz von gleich +75% suggeriert) könnte ungefähr passen: Dies würde einen FullHD Performance-Index von ~610% ergeben, wie gesagt um 15% vor der Radeon RX 480 (Perf.Index 530%) liegend und damit nur minimal oberhalb der GeForce GTX 980 (Perf.Index 600%) herauskommend. Eine Performance ähnlich der GeForce GTX 980 ist nichts, was man dem GP106-Chip mit seinem verbreiterten Speicherinterface nicht zutrauen könnte – gerade wenn die nominelle Rechenleistung der GeForce GTX 1060 auf 1700 MHz Boosttakt mit 4,35 TFlops ähnlich wie bei der GeForce GTX 980 ausfällt (4,72 TFlops auf realem Boosttakt).

nVidia GeForce GTX 1060 Spezifikationen
nVidia GeForce GTX 1060 Spezifikationen
nVidia GeForce GTX 1060 Performance-Prognose
nVidia GeForce GTX 1060 Performance-Prognose

Eine gewisse Spielbreite ist dieser Performance-Prognose allerdings doch noch zu geben. Zwar haben sich beide Grafikchip-Entwickler in letzter Zeit (löblicherweise) mit falschen Performance-Versprechen eher zurückgehalten, doch bei der GeForce GTX 1060 könnte sich nVidia natürlich auch etwas schöner gerechnet haben als es real der Fall ist – einfach weil man hier nicht konkurrenzlos dasteht wie bei GeForce GTX 1070 & 1080, sondern sich gegenüber der Radeon RX 480 beweisen muß. Die Wahrheit liegt wie üblich in unabhängigen Benchmarks, nicht in Hersteller-eigenen Prognosen. Jene unabhängigen Benchmarks könnte es schon bald geben, denn gemäß der nVidia-Präsentationsfolien soll die GeForce GTX 1060 noch im Juli antreten. Ob es schon der 7. Juli wird, wie von einigen anderen Seiten berichtet, bliebe allerdings streng abzuwarten – normalerweise erscheint dieser Termin als etwas zu früh angesichts von derzeit gar keinen vorliegenden Leaks aus Kreisen der Grafikkarten-Hersteller.

Problematisch dürfte in jedem Fall werden, das die GeForce GTX 1060 augenscheinlich auch wieder in einer "Founders Edition" erscheint (zumindest die Kühlerabdeckung ist deckungsgleich zum demjenigen von GeForce GTX 1070 & 1080 im Referenzdesign) – mit allen bekannten Folgen: Extra hoher Launchpreis, schlechte Verfügbarkeit und Abwarten auf die Wochen später nachfolgenden Herstellerdesigns. Insbesondere bleibt offen, wie nVidia dies mit der Preislage regeln, denn die höheren Preise für die Founders Edition kann man sich bei einem so stark an einem guten Preis/Leistungs-Verhältnis gemessenen Produkt wie der GeForce GTX 1060 eigentlich nicht leisten. Wir erwarten die GeForce GTX 1060 derzeit für eine Preislage von um die 250 Dollar Listenpreis – etwas oberhalb der Radeon RX 480 8GB (239$), aber sicherlich nicht auf Preislagen á 300 Dollar, da dies zu nahe an der GeForce GTX 1070 (Listenpreis 379$/429$) liegen würde. Aussagen zu der kürzlich genannten zweiten GP106-Version gibt es derzeit noch nicht, diese dürfte wohl erst später erscheinen.

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