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Hardware- und Nachrichten-Links des 28. November 2014

Die am Wochenanfang vermeldete US-Preissenkung der Radeon R9 295X2 hat nun auch den europäischen Handel erreicht – und dies zu noch günstigeren Straßenpreisen als erwartet, denn die Radeon R9 295X2 ist um nahezu 200 Euro von bislang 840-900 Euro auf nunmehr 650-700 Euro heruntergefallen, wenngleich die meisten dieser günstigen Preislagen derzeit noch nicht lieferbar sind. Damit ist die Radeon R9 295X2 nur noch marginal teurer als zwei Radeon R9 290X Karten, welche man derzeit (einzeln) für 310-340 Euro bekommen kann. Angesichts dessen, daß die Radeon R9 295X2 etwas schneller als zwei Einzelkarten ist und natürlich auch weniger Steckplätze belegt, geht der Preis jetzt erstmals vollkommen in Ordnung – für diejenigen, welche MultiChip-Konstruktionen unter CrossFire bzw. SLI nicht abschrecken.

Neben dem gestern gesagten zu AMDs schwachem Marktanteil bei Grafikchips sowie den ebenfalls nicht wirklich guten Geschäftsergebnissen gibt es noch einen weiteren Punkt, wo AMD in der Vergangenheit völlig danebengegriffen hat: Die Aufgabe des ATI-Markennamens hat den AMD-Grafikchips nicht gut getan, denn nun wird der im CPU-Bereich vom Massenmarkt nun einmal als "nicht konkurrenzfähig" betrachtete AMD-Markenname auch im GPU-Bereich benutzt. Sicherlich war "ATI" auch nicht unbedingt eine bärenstarke Marke, aber dahinter stand eine lange Geschichte noch aus den Grafik-Anfangszeiten, zudem war ATI auch einstmals eine (extrem) große Nummer im OEM-Geschäft, war Mitte der 90er Hauslieferant aller großen PC-Hersteller.

All dies wurde ziemlich unnötigerweise aufgegeben – und dies gerade anno 2010, wo AMD im Prozessoren-Feld schon einigermaßen hinterherkrebste und Intel dagegen gerade dazu ansetzte, mit den Core-i-Prozessoren AMD vollens zu enteilen. Ob man die aktuellen Entwicklungen seinerzeit alles so hätte vorhersehenkönnen, sei dahingestellt – im Nachhinein war es in jedem Fall die falsche Entscheidung, die wenigstens solide Marke "ATI" durch die inzwischen klar als schwach anzusehende Marke "AMD" zu ersetzen. Sowohl im Massenmarkt als auch im OEM-Markt dürfte dies einiges an möglichen Umsätzen gekostet haben, die langfristigen Auswirkungen dieser Fehlentscheidung sind nun jetzt ganz offensichtlich zu sehen. Das Ruder wieder herumzureißen, wird damit nicht einfacher – denn ob nach so langer Zeit ein Wechsel zurück auf "ATI" noch Vorteile bringen könnte, steht in den Sternen.

Die PC Games Hardware berichtet über eine Sony-Aussage, wonach der Produktlebenszyklus der PlayStation 4 sogar länger als derjeniger der PlayStation 3 ausfallen soll – und jene geht gerade in ihr neuntes Jahr und wird immer noch von Sony unterstützt, wird also sicherlich einen Produktlebenszyklus von 10 Jahren und eventuell etwas mehr schaffen. Ob die PlayStation 4 so lange durchhält, darf dagegen trotz der Sony-Aussage bezweifelt werden: Die bei den aktuellen Spielekonsolen verbaute Hardware hat wegen ihrer PC-Nähe kaum Spielraum nach oben hin, der Effekt von verbesserter Grafik durch die bessere Einarbeitung der Spieleentwickler in die Konsolentechnik wird also deutlich kleiner ausfallen als früher – und damit auch eher eine neue Konsolen-Generation notwendig erscheinen lassen.

Großes Gegenargument ist hier natürlich, daß die aktuelle Konsolengeneration für das derzeit allgegenwärtige FullHD gebaut ist, jenes mit Abstrichen einhält und aber wiederum die nächsthöhere Auflösungsstufe in Form von UltraHD noch seit weit von einer Durchsetzung im Massenmarkt entfernt ist. Wenn man davon ausgeht, daß die nächste Konsolen-Generation für UltraHD gebaut wird, dann müssten die Konsolenhersteller faktisch darauf warten, daß UltraHD bei Fernsehern so weit verbreitet ist wie derzeit FullHD – was ohne breites Programmangebot mit 4K-Material noch eine ganze Weile dauern wird. Das Gegenargument zum Gegenargument lautet hingegen, daß der Weg zu UltraHD derzeit als so langwierig erscheint, daß da eine Zwischengeneration kommen könnte – gerade weil sich heutige Spielekonsolen auf Basis von PC-Komponenten einfacher erstellen lassen als früher noch. Der langfristige Plan von Microsoft und Sony lautet sicherlich, auf UltraHD zu warten – was aber trotzdem, wenn die Wartezeit zu lang wird, in einer Zwischengeneration in vielleicht 3-4 Jahren münden könnte.

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Umfrage-Auswertung: 4K-Monitor oder Downsampling?

Die Umfrage der letzten Woche stellte die Frage, in welche Richtung man eher gehen will (oder bereits schon gegangen ist): 4K-Monitor oder Downsampling? Dabei läßt sich das Stimmungsbild gemäß der Umfrage grob so beschreiben, daß ca. 35% kein Interesse an beiden Technologien haben, ca. 40% zu 4K-Monitoren tendieren und ca. 20% zu Downsampling. Letzteres Thema ist also deutlich unterlegen – was allerdings interessanterweise nur für die Zukunft gilt, bei der Frage nach der aktuellen Nutzung triumphiert Downsampling mit 8,0% deutlich vor 4K-Monitoren mit derzeit nur 3,6% Nutzung. Downsampling ist also eher das aktuelle Thema, während 4K-Monitore – mit deutlichem Abstand – das Zukunftsthema sein werden.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 27. November 2014

Eine Erklärung für den Rückgang des AMD-Marktanteils bei den Grafikchips für Desktop-Grafikkarten könnte im Ende des Coin-Miningbooms liegen, welcher spätestens zur Jahresmitte 2014 einsetzte. Wenn man sich zurückerinnert, waren zum Jahresende 2013 und Jahresanfang 2014 die schnelleren AMD-Grafikkarten eben wegen dieses Miningbooms teilweise nur schwer und teilweise sogar nur zu überhöhten Preislagen zu bekommen – hier haben nicht nur Gamer, sondern vor allem auch reine Miner zugeschlagen. Dieser Boom flaute dann ab Frühling ab, mit dem Kurssturz der Bitcoins und dem endgültigen Sieg von ASIC-Minern verschwand das große Interesse an Coin-Mining mittels Grafikkarten. Natürlich hält so etwas immer noch etwas länger an als es in der Presse thematisiert wird, aber mittelfristig wird dies sicherlich für gewisse Umsatzrückgänge bei AMD gesorgt haben – möglicherweise ist dies eine Erklärung für den aktuellen Stand, welcher nVidia bei satten 71,5% Marktanteil sieht und AMD bei nur noch 28,4%.

Weshalb AMD überhaupt so deutlich in die Bredoille geraten konnte – bei den Geschäftszahlen sieht es nicht besser aus, wenn man das Konsolen-Geschäft herausrechnet – wird zudem in unserem Forum eingehend diskutiert. Dabei werden zwei Hauptproblemfelder genannt: Zum einen AMDs schwache Bindungen in den OEM-Markt, wo die großen Stückzahlen für LowCost- und LowEnd-Produkte generiert werden. Und zum anderen AMDs freundlicherweise "suboptimal" zu nennendes Image im Gamer-Bereich, welches durch weitverbreitete Vorurteile ("nVidia rules") und aber auch durch Fehler bei AMD selber verschuldet wurde. AMD steht bezüglich des Images derzeit irgendwo zwischen allen Stühlen: Für die Gamer nicht nerdig genug, für die OEMs nicht fundamental/klassisch genug. Wie man mit den OEMs besser zurechtkommt, dürften die Marketingprofis bei AMD selber wissen – wie man es bezüglich der Gamer besser macht, kann AMD in unserem Forum nachlesen.

Als erste Maßnahme wäre hier eine Untersuchung überlegenswert, wie man es schaffen konnte, so ein reines Software-Feature wie DSR Anti-Aliasing zu verschlafen. Ein solches würde den (mit großer Bandbreite ausgestatteten) Hawaii-Grafikkarten sicherlich gut stehen und benötigt zudem keinerlei Hardware-Voraussetzungen – aber es ist doch (leider) relativ typisch für AMD, daß man diesen Zug verschlafen hat und nun nVidia sich damit brüsten kann, Downsampling Anti-Aliasing massentauglich gemacht zu haben. Entweder fehlen bei AMD die Ideengeber, welche wirklich "Ohr an Masse" haben – oder aber die Entscheidungsträger bremsen jene Ideengeber regelmäßig aus. In jedem Fall sollte AMD versuchen, gerade bei Sachen, die ohne jede neue Hardware realisierbar sind, sehr viel mehr zu tun – neue Hardware braucht nun einmal jahrelange Entwicklung, während Software-Features innerhalb viel geringerer Zeit aus dem Boden stampfbar sind.  (Foren-Diskussion zum Thema)

In unserem Forum wird eine GlobalFoundries Fertigungs-Roadmap gezeigt, welche tatsächlich die 14nm-Fertigung bei GlobalFoundries schon für Frühling 2015 verfügbar notiert. Dies erscheint überaus ambitioniert, aber die zur Verfügung stehenden Daten (selbst inklusive des verlinkten PDF-Dokuments) geben natürlich nicht her, in welchem Stadium diese 14nm-Fertigung dann sein wird und für welche Chipgrößen und Wattagen jene verwendbar ist. Beachtbar ist allerdings, daß TSMC in seinen konkreten Plänen für das erste Halbjahr 2015 (PDF) noch nichts von 16nm erwähnt, sondern weiterhin die 20nm-Fertigung an der Angebotsspitze stehen läßt. Aber wie schon erwähnt, ist die Datenlage zu gering und die Hersteller-Propaganda zu nah, um hieraus jetzt die ganz sicheren Schlüsse ziehen zu können – man kann es eher als Anregung verstehen, daß auch GlobalFoundries an der 14nm-Fertigung dran ist.

Der Spiegel berichtet über die Annahme der Resolution des EU-Parlaments zur Aufspaltung von Suchmaschinen in ihr Kerngeschäft sowie in deren andere Geschäftsfelder – natürlich primär gegen Google gedacht, wo die allgegenwärtige Suchmaschine nur das offizielle Gesicht eines sehr viel breiter aufgestellten Konzern darstellt. Irgendeine größere Bedeutung hat diese Resolution natürlich nicht, da das EU-Parlament – als immerhin einzige vom Bürger selber gewählte Interessenvertretung auf EU-Ebene – keinerlei Entscheidungskompetenzen hat. Passend dazu kommen die Mahnungen, daß EU-Parlament solle doch bitte schön die Unabhängigkeit der (für diesen Fall zuständigen) EU-Wettbewerbskommissarin respektieren – letztere ist natürlich wie die gesamte EU-Kommission weder direkt noch indirekt vom Bürger gewählt.

Der Unterschied zwischen gewählt, aber machtlos und nicht gewählt, aber mit aller Macht und Verantwortung ausgestattet führt dann zu solch schildbürgerhaften Ereignissen, wie daß das zahnlose EU-Parlament medienwirksam den Anschein des Versuchs einer Zerschlagung von Google zelebriert, während man dies in der letztlich alles entscheidenden EU-Kommission extrem viel relaxter und wirklichkeitsnäher sieht: Eine solche Zerschlagung wird natürlich nicht kommen und müsste wenn dann immer vom Heimatland Googles – den USA – ausgehen. Aber hübsch klickträchtige Schlagzeilen für die Presse lassen sich damit auf jeden Fall generieren – und zudem kann das EU-Parlament zeigen, daß es einen hehren Kampf auf der Seite der Bürger führt, egal des Punkts, daß real gar nichts passieren wird außer daß viel Papier bedruckt wird.

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Geschäftsjahr 2014: Der PC schwächelt weiterhin & der große Tablet-Boom ist vorbei

Von IDC kommen in zwei Meldungen – PC-Geschäftszahlen & Tablet-Geschäftszahlen – neue Hochrechnungen zu den PC- und Tablet-Verkaufszahlen im Jahr 2014, welche auf den bekannten Geschäftszahlen der ersten drei Jahresquartale basieren und daher in dieser oder ähnlicher Form dann auch auf den endgültigen Stand zutreffen sollten. Danach wird der PC-Markt auch dieses Jahr schwächeln, allerdings soll der Abschwung mit -2,7% weit weniger stark ausfallen als im schweren Jahr 2013 und zudem am Jahresanfang auch für 2014 prognostiziert. Enttäuschender ist eher das vergleichsweise geringe Wachstum des Tablet-Segments, welches mit einem Jahresplus von 7,2% seine frühere Boom-Phase nunmehr vollkommen verlassen wird und schlicht in der Normalität angekommen ist. Beide Zahlen zusammengefasst ergeben einen mageren insgesamten Anstieg von 1,4% mehr verkaufter Geräte – was das erste Jahr in der kombinierten PC- und Tablet-Zählung ergeben wird, in welchem die Verkaufszahlen nicht insgesamt deutlich ansteigen.

Die zudem von IDC aufgestellte Vierjahres-Prognose für 2018 sieht einen weiteren gewissen Abschwung des PC-Geschäfts sowie einen weiteren gewissen Zugewinn des Tablet-Geschäfts voraus, im Jahr 2018 sollen sich beide Verkaufszahlen dann auf nahezu Parität angenähert haben. Der Zugewinn des Tablets-Geschäft bis zum Jahr 2018 wird auf ca. 5% jährlich beziffert, was ergo von einem normalen Geschäftsverlauf und keinen neuen Boom-Phasen ausgeht. Die insgesamte Rechnung für Tablets und PCs sieht dagegen nur einen Zugewinn von 6,5% auf vier Jahre voraus, sprich eine nur geringfügige Bewegung von ca. 1,5% pro Jahr. Generell erscheinen diese IDC-Prognosen aber nur eine einfache mathematische Fortschreibung der jüngsten Entwicklung zu sein, ohne aber eventuelle neue technologische Impulse oder aber markttechnische Entwicklungen wie Investitionsdruck durch veralte Geräte und Markterschöpfung durch längere Gerätelebenszyklen einzurechnen.

Nachtrag vom 30. November 2014

Zur Meldung über das Marktgeschehen bei PCs und Tablets im Jahr 2014 wäre noch der wichtige Punkt anzumerken, daß die neuesten Prognosen nun endgültig keine "Marktübernahme" durch die Tablets mehr vorsehen, welche vor einiger Zeit mal auf 400 Millionen Stück pro Jahr (und damit weit vor dem PC) geschätzt wurden, nun aber augenscheinlich in den Jahren 2019 oder 2020 bei ca. 300 Millionen Stück einen Stückzahlen-Gleichstand mit dem PC erreichen werden. Dies erscheint auf den ersten Blick nun auch nicht gerade so schlecht, rechnet aber nicht ein, daß die Tablets schon in den letzten Jahren deutlich bei den Stückpreisen verloren haben und aller Voraussicht nach noch weiter verlieren werden, währenddessen der PC bei den Stückpreisen eher denn stagniert. So gab es schon Anfang 2013 die Situation im rein deutschen PC- und Tabletmarkt, daß einem durchschnittlichen PC-Verkaufspreis von 620 Euro ein durchschnittlicher Tablet-Verkaufspreis von nur 356 Euro gegenüberstand.

Dabei gewann der durchschnittliche PC-Verkaufspreis im Vergleich zum Jahr 2010 leicht, während der durchschnittliche Tablet-Verkaufspreis in diesem Zeitraum von 479 auf eben 356 Euro mehr als deutlich nachgab. Heuer nun spricht unsere letzte diesbezügliche Umfrage von einem durchschnittlichen Tablet-Verkaufspreis von 233 Euro, was zwar nicht marktrepräsentativ ist, aber den weiter anhaltenden Trend der fallenden Durchschnittspreise bei Tablets untermauert. In der Summe der Dinge kann es durchaus passieren, daß der Tablet-Markt in absehbarer Zeit trotz eines irgendwann kommenden Stückzahlen-Gleichstands mit dem PC niemals mehr als ein Drittel von dessem Umsatz macht – eben wegen der klar niedrigeren Durchschnittspreise. Dabei bezieht sich diese Rechnung sogar nur auf die verkauften Komplett-Geräte, weder auf einzelne Komponenten noch auf Zubehör – was im PC-Markt noch einmal einen sehr erheblichen Mehrumsatz bedeutet, im Tablet-Markt dagegen gar nicht bzw. nur sehr geringfügig überhaupt vorhanden ist. Die These, daß die Tablets den PC irgendwie nahekommen könnten, ist angesichts der Umsatzzahlen völlig überzogen.

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Angebliche Fiji-Benchmarks in Fernost aufgetaucht

Im Forum von Chiphell werden in Form eines Previews angebliche Benchmarks eines NextGen-Grafikchips von AMD gezeigt, welche auf einen kommenden Artikel zum Thema hinweisen sollen. Die Aufgabe zum Anheizen von Spekulationen und Diskussionen erfüllt dieses Preview auch sicherlich, der reale Informationsgewinn ist aufgrund vieler fehlender Fakten jedoch nicht besonders hoch – insbesondere, weil derzeit natürlich die Glaubwürdigkeit dieser Angaben und Zahlen unter starkem Verdacht stehen (müssen). Dafür müsste schließlich ein NextGen-Board von AMD schon in freier Wildbahn unterwegs sein, was auf einen zeitnahen Launch hindeuten würde – alle anderen Anzeichen stehen aber eher auf Frühling 2015, was ziemlich sicher nicht gerade Jahresanfang bedeutet. Zudem wäre der Leak ansich schon überraschend, denn AMD hat zuletzt alle undichten Stellen doch sehr gründlich abgedichtet.

Wenn wir uns aber doch einmal auf diesen (angeblichen) Leak einlassen wollen, so sehen wir hier allerhöchstwahrscheinlich die ersten Werte zum Fiji-Chip der Pirate-Islands-Generation – denn andere große Grafikchips hat AMD nach dem Tonga-Release wohl nicht mehr in der näheren Pipeline. Die reinen Benchmarks, welche mittels eines sehr umfangreichen Benchmark-Felds angestellt wurden, sehen jene Fiji-Grafikkarte in der Summe der Tests unter 2560x1440 um 15,9% vor der GeForce GTX 980 sowie um 30,9% vor der Radeon R9 290X im (nahezu) Uber-Mode. Dies würde auf einen Performance-Index von 650-660% hinauslaufen und damit natürlich klar die neue schnellste SingleChip-Lösung ergeben. Zur Bezwingung kommender GM200-basierter Grafikkarte dürfte dies jedoch nicht langen, jene werden derzeit auf einen Performancevorsprung gegenüber der GeForce GTX 980 von ca. 30-40% eingeschätzt.

AMD Fiji – angebliche Benchmarks
AMD Fiji – angebliche Benchmarks
AMD Fiji – angebliche Stromverbrauchsmessungen
AMD Fiji – angebliche Stromverbrauchsmessungen

Überraschend und verwirrend zugleich ist jedoch, daß AMD dies zu einem Stromverbrauch von nur 197 Watt (der reinen Grafikkarte) geschafft haben soll – dies wäre das Niveau einer Radeon R9 280X oder auch einer GeForce GTX 780 und damit immer noch weit unterhalb der Verbrauchszahlen von Spitzenverbrauchern wie der Radeon R9 290X (276W im Uber-Modus). Ein Teil des niedrigeren Verbrauchs könnte über die Verwendung von HBM-Speicher zu erklären sein, jener soll für 30 bis 50 Watt Stromersparnis gegenüber GDDR5-Speicher zu gebrauchen sein. Trotzdem erscheint die Verbrauchszahl ausgesprochen niedrig gemäß der hohen Performance dieser AMD NextGen-Grafikkarte und deren kolportiert hoher Einheiten-Anzahl.

Hierfür bietet die Diskussion in unserem Forum zwei mögliche Auflösungen an: Erstens einmal die Benutzung einer Salvage-Version von Fiji – sprich "Fiji Pro", welcher zuerst ins Rennen geht und den Boden für den späteren Einsatz der Vollversion in Form von "Fiji XT" vorbereiten soll. Oder aber die Verwendung einer FirePro-Lösung für den professionellen Bereich, welche zum einen abgespeckt sein kann, zum anderen aber bewußt gewisse Leistungsaufnahme-Limits einhalten soll. Regulär erscheint letztgenannte Variante am sinnigsten, denn über eine FirePro-Karte wäre es auch noch am wahrscheinlichsten, daß es zu frühen Leaks kommt, da AMD jene zwingend außer Haus validieren lassen muß. Auch Stromverbrauchs- und damit Taktraten-Limits dürften eher bei einer FirePro-Karte auftreten als denn bei einer Gamer-Ausführung.

In beiden Fällen gilt jedoch, daß wir damit natürlich noch nicht die volle Performance des Fiji-Chips sehen, möglicherweise aber auch niemals eine Gamer-Grafikkarte mit exakt diesem Performancebild erscheinen wird. Von der Annahme ausgehend, daß das Gamer-Spitzenmodell auf Fiji-Basis sicherlich auch wieder (und trotz HBM) eine Leistungsaufnahme von 250 Watt auf die Waage bringen wird, dürfte jenes Gamer-Spitzenmodell sicherlich auch noch eine höhere Performance hinlegen können. Grob geschätzt könnte es auf 250W Spiele-Stromverbrauch durchaus zu GeForce GTX 980 zuzüglich 35-40% langen – was absolut in diesem Rahmen liegt, wo der GM200-Chip derzeit erwartet wird. Vorbehaltlich natürlich der nach wie vor existierenden Chance auf Fake, Mißverständnis, Fehlmessungen, etc.

Nachtrag vom 1. Dezember 2014

Ein kleiner Nachtrag noch zu den (angeblichen) Fiji-Benchmarks: Seitens der Tester wurde hierbei eine mathematisch unsaubere Durchschnittsbildung der reinen Frameraten vorgenommen, anstatt die relativen Abstände der Karten miteinander zu verrechnen – eigentlich gut zu erkennen daran, daß keine Karte bei exakt "100%" steht und somit die Referenz bildet, anfänglich aber auch von uns übersehen. Die platte Zusammenrechnung der einzelnen Frameraten verzerrt das Ergebnis in jedem Fall zugunsten der schnell laufenden Benchmarks (mit hohen Frameraten), welche somit automatisch stärker gewichtet werden – anstatt jeden Benchmark regulärerweise gleich stark zu gewichten. Dies bedeutet unter anderen auch, daß all die Benchmarks mit Supersampling Anti-Aliasing aufgrund der dort üblicherweise viel niedrigeren Frameraten untergewichtet in die Gesamtrechnung eingegangen sind. Aufgrund der insgesamt 23 angesetzten Spieletitel dürfte sich der durch diese falsche Berechnungsmethode herauskommende insgesamte Fehler jedoch im Rahmen halten, wahrscheinlich sind in der Realität die relativen Abstände nur etwas größer als in diesem Diagramm zu sehen – was ja nur zugunsten der Fiji-Grafikkarte wäre.

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Die Grafikchip- und Grafikkarten-Marktanteile im zweiten und dritten Quartal 2014

Seitens der Marktbeobachter von Jon Peddie Research liegen mal wieder neue Daten zu den Marktanteilen für Grafikchips im zweiten und dritten Quartal 2014 vor. Die erste Meldung beschäftigt sich dabei mit allen Grafikchips inklusive der integrierten Grafik in heutigen Prozessoren und APUs, wobei hier die CPU-Hersteller selbstverständlich einen enormen Vorteil haben. Beachtbar ist somit nur, daß Intel seinen Marktanteil weiter ausbauen konnte, jener liegt ab dem dritten Quartal erstmal bei über 70%. Bemerkbar aber auch, wie stark Jon Peddie Research die Zahlen zum zweiten Quartal korrigiert hat: Zwischen originaler Meldung im August und Korrektur im November liegen überall 1-2 Prozentpunkte Differenz, was insbesondere bei den (niedrigen) Marktanteilen von AMD und nVidia schon einen klaren Unterschied ausmacht.

Q3/2013 Q4/2013 Q1/2014 Q2/2014 Q3/2014
AMD 20,7% 18,3% 16,7% 16,5% 14,1%
Intel 62,9% 65,1% 66,8% 69,9% 71,8%
nVidia 16,3% 16,6% 16,6% 13,6% 14,1%

Die zweite Meldung wendet sich dann allein den Grafikchips für Desktop-Grafikkarten zu und ist so gesehen deutlich zielführender bei der Frage, wer bei Grafikchips derzeit bestimmend ist. In diesem Fall gibt es glücklicherweise auch keine Differenzen zur originalen Meldung für das zweite Quartal. Allerdings zeigt sich, daß AMD nach einem kleinem Gewinn zum zweiten Quartal im abgelaufenen dritten Quartal sehr erheblich an Marktanteil verloren hat, nVidia hingegen erstmals oberhalb der 70-Prozent-Marke liegt. Was im Markt der allgemeinen Grafikchips noch eine statistische Verzerrung darstellt, ist im Markt der Grafikchips für Desktop-Grafikkarten eher ungesund, weil somit der eine Hersteller in die Ecke gedrängt wird, aus welcher dann nur schwer wieder herauszukommen ist.

Q3/2013 Q4/2013 Q1/2014 Q2/2014 Q3/2014
AMD 35,5% 35,0% 35,0% 37,9% 28,4%
nVidia 64,5% 64,9% 65,0% 62,0% 71,5%

Die jetzige Entwicklung wird zudem auch nicht durch die Marktgeschehenisse und das Angebotsportfolio beider Grafikchip-Entwickler gedeckt, in welchem AMD nahezu durchgehend die besseren Preis/Leistungs-Verhältnisse aufbietet und nVidia in der Mitte des Produktportfolios ausschließlich mit "alten" Beschleunigern agiert. Zudem erfolgte der Launch der neuen GeForce GTX 970 & 980 Grafikkarten erst kurz vor Ende des dritten Quartals und kann somit diesen heftigen Sprung bei den Marktanteilen gar nicht erklären (wird aber möglicherweise zu weiteren Gewinnen von nVidia im laufenden vierten Quartal führen). nVidia ist ganz offensichtlich im Verkauf und Marketing deutlich erfolgreicher, an den Produkten und Preisen liegt es weniger bis gar nicht (je nach subjektivem Standpunkt).

Dieses Lied wird zwar schon seit einiger Zeit gesungen, bislang kam AMD jedoch noch damit davon, daß der Marktanteil "nur" auf einem niedrigen Stand blieb, anstatt gemäß der Klasse des Produktangebots zu steigen. Nun aber fällt der AMD-Marktanteil trotz gutem Produktangebot und dürfte AMD dann auch wirtschaftlich in (weitere) Schwierigkeiten bringen. An dieser Stelle angekommen, ist es nunmehr letzte Eisenbahn für AMD, das Ruder herumzureißen. Ansonsten kommt man mittel- bis langfristig wie im Prozessoren-Markt in eine Situation, in welcher die geringen Geschäftseinnahmen nicht zur Finanzierung der technologischen Weiterentwicklung ausreichen werden, womit man (vorbehaltlich außergewöhnlicher Ereignisse) regelrecht nie wieder technologische Konkurrenzfähigkeit erlangen kann.

Nachtrag vom 27. November 2014

Eine Erklärung für den Rückgang des AMD-Marktanteils bei den Grafikchips für Desktop-Grafikkarten könnte im Ende des Coin-Miningbooms liegen, welcher spätestens zur Jahresmitte 2014 einsetzte. Wenn man sich zurückerinnert, waren zum Jahresende 2013 und Jahresanfang 2014 die schnelleren AMD-Grafikkarten eben wegen dieses Miningbooms teilweise nur schwer und teilweise sogar nur zu überhöhten Preislagen zu bekommen – hier haben nicht nur Gamer, sondern vor allem auch reine Miner zugeschlagen. Dieser Boom flaute dann ab Frühling ab, mit dem Kurssturz der Bitcoins und dem endgültigen Sieg von ASIC-Minern verschwand das große Interesse an Coin-Mining mittels Grafikkarten. Natürlich hält so etwas immer noch etwas länger an als es in der Presse thematisiert wird, aber mittelfristig wird dies sicherlich für gewisse Umsatzrückgänge bei AMD gesorgt haben – möglicherweise ist dies eine Erklärung für den aktuellen Stand, welcher nVidia bei satten 71,5% Marktanteil sieht und AMD bei nur noch 28,4%.

Weshalb AMD überhaupt so deutlich in die Bredoille geraten konnte – bei den Geschäftszahlen sieht es nicht besser aus, wenn man das Konsolen-Geschäft herausrechnet – wird zudem in unserem Forum eingehend diskutiert. Dabei werden zwei Hauptproblemfelder genannt: Zum einen AMDs schwache Bindungen in den OEM-Markt, wo die großen Stückzahlen für LowCost- und LowEnd-Produkte generiert werden. Und zum anderen AMDs freundlicherweise "suboptimal" zu nennendes Image im Gamer-Bereich, welches durch weitverbreitete Vorurteile ("nVidia rules") und aber auch durch Fehler bei AMD selber verschuldet wurde. AMD steht bezüglich des Images derzeit irgendwo zwischen allen Stühlen: Für die Gamer nicht nerdig genug, für die OEMs nicht fundamental/klassisch genug. Wie man mit den OEMs besser zurechtkommt, dürften die Marketingprofis bei AMD selber wissen – wie man es bezüglich der Gamer besser macht, kann AMD in unserem Forum nachlesen.

Als erste Maßnahme wäre hier eine Untersuchung überlegenswert, wie man es schaffen konnte, so ein reines Software-Feature wie DSR Anti-Aliasing zu verschlafen. Ein solches würde den (mit großer Bandbreite ausgestatteten) Hawaii-Grafikkarten sicherlich gut stehen und benötigt zudem keinerlei Hardware-Voraussetzungen – aber es ist doch (leider) relativ typisch für AMD, daß man diesen Zug verschlafen hat und nun nVidia sich damit brüsten kann, Downsampling Anti-Aliasing massentauglich gemacht zu haben. Entweder fehlen bei AMD die Ideengeber, welche wirklich "Ohr an Masse" haben – oder aber die Entscheidungsträger bremsen jene Ideengeber regelmäßig aus. In jedem Fall sollte AMD versuchen, gerade bei Sachen, die ohne jede neue Hardware realisierbar sind, sehr viel mehr zu tun – neue Hardware braucht nun einmal jahrelange Entwicklung, während Software-Features innerhalb viel geringerer Zeit aus dem Boden stampfbar sind.

Nachtrag vom 28. November 2014

Neben dem gestern gesagten zu AMDs schwachem Marktanteil bei Grafikchips sowie den ebenfalls nicht wirklich guten Geschäftsergebnissen gibt es noch einen weiteren Punkt, wo AMD in der Vergangenheit völlig danebengegriffen hat: Die Aufgabe des ATI-Markennamens hat den AMD-Grafikchips nicht gut getan, denn nun wird der im CPU-Bereich vom Massenmarkt nun einmal als "nicht konkurrenzfähig" betrachtete AMD-Markenname auch im GPU-Bereich benutzt. Sicherlich war "ATI" auch nicht unbedingt eine bärenstarke Marke, aber dahinter stand eine lange Geschichte noch aus den Grafik-Anfangszeiten, zudem war ATI auch einstmals eine (extrem) große Nummer im OEM-Geschäft, war Mitte der 90er Hauslieferant aller großen PC-Hersteller.

All dies wurde ziemlich unnötigerweise aufgegeben – und dies gerade anno 2010, wo AMD im Prozessoren-Feld schon einigermaßen hinterherkrebste und Intel dagegen gerade dazu ansetzte, mit den Core-i-Prozessoren AMD vollens zu enteilen. Ob man die aktuellen Entwicklungen seinerzeit alles so hätte vorhersehenkönnen, sei dahingestellt – im Nachhinein war es in jedem Fall die falsche Entscheidung, die wenigstens solide Marke "ATI" durch die inzwischen klar als schwach anzusehende Marke "AMD" zu ersetzen. Sowohl im Massenmarkt als auch im OEM-Markt dürfte dies einiges an möglichen Umsätzen gekostet haben, die langfristigen Auswirkungen dieser Fehlentscheidung sind nun jetzt ganz offensichtlich zu sehen. Das Ruder wieder herumzureißen, wird damit nicht einfacher – denn ob nach so langer Zeit ein Wechsel zurück auf "ATI" noch Vorteile bringen könnte, steht in den Sternen.

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