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Hardware- und Nachrichten-Links des 12. September 2014

Videocardz zeigen das Bild einer zukünftigen AMD-Grafikkarte mit Hybrid-Kühlung ab Werk – so, wie es der kürzlich vermeldete Vertragsabschluß von Asetek für eine große Lieferung an Hybrid-Kühlern bereits hat vermuten lassen. Daß es sich hierbei um die Radeon R9 390X handelt, ist allerdings bis dato eine reine Annahme seitens Videocardz – keine verkehrte Annahme, da der Asetek-Deal eine Auslieferung im ersten Halbjahr 2015 nennt und eine potentielle Radeon R9 295X wenn dann sicherlich noch dieses Jahr antreten dürfte. Die Radeon R9 295X könnte natürlich trotzdem erscheinen, dies hängt einfach davon ab, wieviel die GeForce GTX 980 oben drauf legt und wie weit AMDs nächster Enthusiasten-Chip "Fiji" noch entfernt ist. Für letzteren würde sich angesichts der für AMD ungewöhnlich großen Chipfläche von irgendetwas über 500mm² die gezeigte Hybrid-Kühlung in jedem Fall anbieten. Bis es zu griffigen Informationen über Fiji kommt, dürfte scheinbar aber noch einige Zeit vergehen.

Zwei Anleitungen in unserem Forum beschäftigen sich mit Fein- und Experten-Einstellungen für eine bessere Spiele-Grafikqualität: Zum einen gibt es ein Tutorial für das Tool "GeDoSaTo", mittels welchem man primär Downsampling forcieren kann, welches daneben aber auch noch andere nette Tricks & Effekte ermöglicht. Das Tutorial konzentriert sich auf die Downsampling-Fähigkeiten und ist sehr hilfreich in dem Punkt, diese Möglichkeit einer breiteren Masse an Nutzern nahezubringen. Und zum anderen gibt es einen nVidia Compatibility Bits Master Thread and IQ Quide, welcher die diesbezüglich in vielen Foren und Threads über die letzten Jahre geleistete Arbeit zusammengetragen hat und in einem Google-Spreadsheet kumuliert anbietet (in der Summe Daten zu rund 400 Spielen). Dieser Thread soll dann auch ab sofort die zentrale Anlaufstelle für alle neu aufgestellten oder aktualisierten nVidia Compatibility Bits sein.

Gemäß dem Planet 3DNow! wird sich die bislang namenslose 2016er x86 LowPower-Architektur von AMD nunmehr "Zen" nennen. Jene Architektur wird der 2015 angesetzten Nolan-Architektur nachfolgen und ist der x86-Bruder der 2016er K12-Architektur, welche ihrerseits den ARM-Zweig von AMDs zukünftigen LowPower-Prozessoren bedient. Teilweise schießen zwar Spekulationen ins Kraut, "Zen" wäre AMDs kommende HighEnd-Architektur in Ablösung von Bulldozer, dies erscheint uns allerdings angesichts des extremen Performance-Unterschieds zwischen den LowPower- und HighEnd-Prozessoren jedoch als nicht realisierbar, selbst nicht in der Zukunft. AMD wird sicherlich für seine HighEnd-Prozessoren eine extra Architektur auflegen müssen, welche im Gegensatz zu "Zen" nicht auf minimale Verbrauchswerte zu annehmbarer Performance, sondern vielmehr auf eine möglichst hohe IPC setzt, damit man im Bereich der schnellen Consumer- und Server-Prozessoren wieder mit Intel mitspielen kann.

Die ComputerBase berichtet über Aussagen Intels, wonach selbst für die 7nm-Fertigung die EUV-Lithographie noch nicht zwingend eingesetzt werden wird. Letztere ist zwar technologisch längst spruchreif, aber noch weit von einem wirtschaftlich sinnvollem Einsatz entfernt – was vorher schon bekannt war. Neu ist, daß Intel augenscheinlich auch unter 7nm noch nicht zur EUV-Lithographie gezwungen scheint, sondern konventionelle Verfahren so weit ausbauen kann, daß jene auch für 7nm noch nutzbar sind. Dies sah vor einigen Jahren noch gänzlich anders aus, seinerzeit war man sich noch sehr sicher, alles ab der 10nm-Fertigung nur noch mit der EUV-Lithographie bewältigen zu können. Damit scheint sich die EUV-Lithographie auf ein Datum Richtung 2020 zu verschieben – wie auch die andere Chipfertigungs-Zukunftstechnologie 450mm-Wafer, welche derzeit auf Richtung 2023 steht.

Heise vermelden die Termine, zu welchen USB 3.1 wirklich zu erwarten ist: Die Stecker sind zwar fertig und dürften sich auch eher früher als später verbreiten, die Hostcontroller-Chips benötigen aber noch etwas Zeit: ASMedia als scheinbar erster Entwickler spricht von USB 3.1 Erweiterungskarten ab Jahresende und Controller-Chips zur Bestückung von Mainboards im neuen Jahr, USB-3.1-Hubs wird es dann erst Mitte 2015 geben. Noch länger soll im übrigen der native Support der Mainboard-Chipsätze von AMD und Intel benötigen: Angeblich erst mit der 2017er Generation sollen diese Chipsätze von Haus aus den neuen Standard beherrschen – wobei sich dieses Datum mit einem großem Erfolg der neuen USB-Generation eventuell noch nach vorn verlegen läßt, dies wäre jedenfalls empfehlenswert. Gutklassige Mainboards werden jedoch sicherlich schon nächstes Jahr durchgehend mit USB 3.1 Controllerchips ausgerüstet sein.

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Die bisher bekannten Spezifikationen zur GeForce GTX 970

Nachdem inzwischen die Taktraten der kommenden GeForce GTX 970 erneut bestätigt wurden, kann man sich langsam sicher sein über die Spezifikationen dieser Maxwell-Grafikkarte – es könnte immer noch Überraschungen geben, aber diese werden mit jedem Tag und jeder kleinen Bestätigung der bekannten Daten immer unwahrscheinlicher. Ziemlich sicher ist, daß die GM204-basierte neue Karte mit 13 aktiven Shader-Clustern antritt und somit auf insgesamt 1664 Shader-Einheiten, 104 TMUs und 32 ROPs an einem 256 Bit DDR breiten Speicherinterface daherkommt. Die Taktraten sind zudem mit 1051/1178/3500 MHz recht hoch, der Speicherausbau von 4 GB GDDR5-Speicher passend für heutige HighEnd-Anforderungen.

nVidia GeForce GTX 970

  • GM204-Chip, ~5 Milliarden Transistoren in 28nm auf ~400mm² Chipfläche
  • Maxwell-Architektur, DirectX 11.2b (oder schon DirectX 12 in Hardware?)
  • 2 Raster-Engines (mit verdoppelter Raster-Power wie beim GM107-Chip)
  • 13 Shader-Cluster (SMM) á jeweils 128 Shader-Einheiten samt 8 Textureneinheiten (TMUs)
  • somit insgesamt 1664 Shader-Einheiten samt 104 Textureneinheiten
  • 32 Raster Operation Units (ROPs)
  • 256 Bit DDR Speicherinterface
  • Referenz-Taktraten von 1051/1178/3500 MHz (plus viele Hersteller-Varianten mit ab-Werk-Übertaktung)
  • 4 GB GDDR5-Speicher
  • zwei Stück 6polige Stromstecker (theoretisch ausreichend für 225 Watt Stromzufuhr)
  • TDP grob Richtung 170 Watt
  • Performance-Prognose: Richtung des Niveaus der GeForce GTX 780
  • Launch und Verkaufsstart: 19. September 2014 (zusammen mit der GeForce GTX 980)
  • Preislage: noch unsicher, vermutlich 399 bis 499 Dollar Listenpreis

Die GeForce GTX 970 ist zwar der Nachfolger der GeForce GTX 770, dürfte aber von der Performance her eher das Niveau der GeForce GTX 780 erreichen – logisch, der Nachfolger sollte schließlich schneller als der Vorgänger sein. Von den Rohleistungen her bietet sich dieser Vergleich jedoch trotz der hohen Taktraten der neuen Karte nicht zwingend an – die GeForce GTX 970 wird also all ihre höheren Effizienz durch die Maxwell-Architektur (laut nVidia taktnormiert +35% pro Shader-Einheit) in die Waagschale werfen müssen, um jene Zielsetzung erfüllen zu können. Die ersten Benchmark-Werte zur GeForce GTX 970 deuten jedoch absolut in die Richtung, daß die Performance der GeForce GTX 780 keine grundsätzlich falsche Zielsetzung für die GeForce GTX 970 darstellt.

Bleibt die Frage nach dem Preispunkt, welche bislang nicht wirklich mit Fakten beantwortet werden kann. In den Foren wird derzeit gern über humane Preispunkte in Richtung 399 Dollar gesprochen, was einen Straßenpreis von ~370 Euro ergeben würde. Dies wäre ein durchaus passender Preispunkt, wenn die GeForce GTX 970 in etwa die Performance der GeForce GTX 780 abliefert. Allerdings hat nVidia in der Vergangenheit durchaus die Tendenz bewiesen, bei neuen Architekturen und neuen Speichergrößen auch mehr Geld für die gleiche Performance zu verlangen, wenigstens anfänglich. Ein Listenpreis von 449 Dollar oder gar 499 Dollar wäre demzufolge auch noch nicht wirklich auszuschließen. Letztlich ist dies auch eine Sache davon, wie genau sich die GeForce GTX 970 performancemäßig positioniert – was weitere hereinkommende Benchmarks bzw. spätestens die Launch-Artikel abzuwarten wäre.

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Umfrage-Auswertung: Neue CPU auf altem Mainboard - oder immer Neukauf von CPU & Mainboard?

Eine Umfrage von Ende August ging der Aufrüst-Strategie beim CPU-/Mainboard-Kauf nach – konkret, ob man versucht, ein Mainboard für mehrere Prozessoren zu verwenden oder immer sowieso CPU und Mainboard komplett neu ersteht. Die Umfrage-Ergebnisse verteilen sich sehr stark, jede Antwortmöglichkeit kommt auf ihren Nutzer-Anteil. Geht es allerdings um den reinen Wunsch, dann ist durchaus das starke Interesse zu sehen, mehr als eine CPU auf einem Mainboard zu benutzen – immerhin gut drei Viertel der Umfrage-Teilnehmer kann man dieser Gruppe zurechnen. Wenn es allerdings darum geht, wer diese Idee in der Praxis auch wirklich realisieren kann, kommt man nur noch auf eine Nutzeranzahl von gut einem Viertel der Umfrage-Teilnehmer – also extrem viel weniger, als an Interessenten vorhanden ist.

Dies hängt primär daran, daß die Lebenszyklen der benutzten CPU-Sockel inzwischen überschaubar kurz geworden. Bei Intel sind es seit einiger Zeit exakt zwei CPU-Generationen, also zwei Jahre – bei AMD in aller Regel auch nicht viel länger. Da die Differenzen zwischen zwei CPU-Generationen bei Intel auch nicht mehr all zu groß sind, lohnt eine Aufrüstung zur jeweils nächsten CPU-Generation auch nur in wenigen Fällen. Sobald es jedoch um den Sprung zwischen mehr als einer CPU-Generation geht, kommt automatisch ein neuer Sockel ins Spiel, das alte Mainboard wird also unverwendbar. Dies war zu den großen Zeiten des PC-Booms deutlich anders, wo man teilweise noch drei oder mehr CPUs auf demselben Mainboard respektive Sockel betreiben konnte – und dabei trotzdem jedesmal einen erheblichen Leistungsgewinn verbuchen konnte.

Infolge der Ausschaltung des früher sehr lebendigen Marktes an Chipsatz-Anbietern sind selbige für die CPU-Entwickler nun jedoch nicht mehr einfach nur geringfügiges Zubrot, sondern wichtiger Wirtschaftsfaktor, welcher demzufolge mit immer neuen Sockeln und Chipsätzen maximal gemolken wird. Da sich der PC-Markt inzwischen in ein klares Oligopol der großen Chipentwickler AMD, Intel und nVidia entwickelt hat, dürfte sich daran in Zukunft auch kaum noch etwas ändern lassen. An dieser Stelle hat der PC einen seiner früheren Vorteile eigentlich unnötigerweise verloren, denn rein technologisch sind so viele Sockel in so kurzer Zeit kaum begründbar.

PS: Leider wurde in der Umfrage die Option "kaufe mehrere Mainboards pro CPU, um neue Funktionen auszunutzen" vergessen. Diese Option dürfte zwar nicht oft vorkommen, aber ein paar User sollten auch diesen Weg gegangen sein.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 11. September 2014

Videocardz haben ein wenig fernöstliche Foren geplündert und warten nun mit Bildern von GeForce GTX 970 & 980 Grafikkarten auf: Galaxy, Zotac und MSI. Hierbei sind in jedem Fall schon Hersteller-eigene Kühllösungen und teilweise schon richtige Eigendesigns am Start – was wohl bedeutet, daß der GM204-Grafikchip sehr rechtzeitig fertig war und die Grafikkarten-Hersteller ergo etwas Zeit hatten, den Launch richtig vorzubereiten. Zudem wurden nochmals die default-Taktraten der GeForce GTX 970 mit 1051/1178/3500 MHz bestätigt, wobei abweichend davon wohl viele ab-Werk-Übertaktungen mit Base-Taktraten zwischen 1100 bis 1150 MHz angeboten zu werden scheinen. Die default-Taktraten zur GeForce GTX 980 fehlen derzeit noch, dürften aber letztlich kaum besonders hiervon abweichen. Die Karten tragen im übrigen üblicherweise zwei Stück 6polige Stromstecker, die ab Werk übertakteten Modelle hingegen üblicherweise einen 6poligen und einen 8poligen Stromstecker – was bedeutet, das zumindest die GeForce GTX 980 in die Nähe von 200 Watt Leistungsaufnahme kommen sollte, allerdings bei vielen Hersteller-Designs an den höheren Strombedarf unter (weiterer) Übertaktung bereits gedacht wurde.

Die ComputerBase berichtet über eine kleine Besonderheit bei Intels "Haswell-EP" Server-Prozessoren: Bei jenen gibt Intel erstmals zwei Taktraten an – eine höhere ohne AVX-Last und eine niedrigere mit AVX-Last. Dies gilt sowohl für Base- als auch Turbo-Taktraten, womit diese Prozessoren faktisch unter AVX-Last generell niedriger takten. Grundlage hierfür ist die deutlich höhere Auslastung der Haswell-Prozessoren besonders unter AVX2, womit die Leistungsaufnahme unter AVX-Last durch die Decke geht und die spezifizierte TDP überschritten wird. Da dies speziell im Server-Bereich nicht gern gesehen und daher besser vermieden wird, hat Intel diesen Prozessoren extra Taktraten-Limitierungen für AVX-Last mitgegeben. Bei den Consumer-Modellen scheint es noch keine solche Einschränkung zu geben, wobei es bei jenen (derzeit) auch eher unwahrscheinlich ist, auf echte Anwendungen mit hoher AVX-Last zu treffen.

Laut der Berichterstattung von Heise geht Intel bei seinen Broadwell-Prozessoren in die Offensive gegenüber AMD bezüglich der Compute-Nutzung der integrierten Grafiklösung: War dieses Themengebiet bisher stark von AMDs APU-Ansatz besetzt, will Intel hierbei nun mitspielen und hat daher der Broadwell-Grafik die Unterstützung von OpenCL 2.0 und Shared Virtual Memory sowie Zugriff auf den Level3-Cache spendiert. Damit soll sich die schon bei der integrierten Grafik von Haswell durchaus konkurrenzfähige Rechenleistung der integrierten Grafik besser für Compute-Zwecke ausnutzen lassen. AMD dürfte diese Entwicklung mit einem weinendem und einem lachenden Auge sehen: Zum einen war AMD bislang so gut wie alleine auf diesem Themengebiet unterwegs, hat es faktisch im Alleingang erschaffen. Zum anderen wird der Einsatz von Intel wohl letztlich dafür sorgen, daß die Anwendungs-Programmierer die vorhandenen Möglichkeiten endlich auch ausnutzen werden, die integrierten Grafiklösungen (zukünftig) also auch im Arbeitsalltag als Compute-Beschleuniger Nutzung finden.

Die ComputerBase zeigt 20 neue Bilder der kommenden "Windows Technical Preview" – womit der Verkaufsname "Windows 9" immer noch nicht festzustehen scheint, sowohl ein konturenloses "Windows" als auch "Windows One" neben weiteren Außenseiter-Vorschlägen noch im Rennen sind. Die Bilder zeigen primär das neue Startmenü in Kachel-Optik, aber funktionell gesehen Windows-7-Standard – oder anders formuliert: Microsoft hat es geschafft, den von Windows 7 bekannten Mindeststandard wieder zu bieten und verkauft dies nun nachfolgend zweimal und natürlich als "Fortschritt". Modern sieht das ganze sicherlich aus, praktikabel sind die ganzen per default eingeblendeten Live-Kacheln jedoch nur für diejenigen, welche jene auch wirklich ausnutzen – ergo nicht für die breite Masse der PC-Nutzer, welche nach Windows 8 froh sein dürfte, sich wieder halbwegs zurechtzufinden. Wirklich ironisch wird es dann, wenn Microsoft zum Punkt kommt, für Windows 9 Geld zu verlangen – weil letztlich Windows 8 so hätte aussehen müssen wie Windows 9, Microsoft hiermit eigentlich nur frühere und sogar vollkommen vermeidbare Fehler (endlich) ausbügelt.

Hartware berichten über einen weiteren Steam-Kontrahenten in Form von "WB Play", welche in Zukunft alle Titel von Warner Bros. (wohl exklusiv) anbieten wird. Die Gamer sind ob der weiteren Zersplitterung in immer weitere "exklusive", sprich allein für einzelne Publisher tätige Distributions-Plattformen nicht gerade erfreut, zudem wird "WB Play" aufgrund des nicht umwerfend breiten Spieleangebots von Warner Bros. ein schwerer Stand vorhergesagt. Aber natürlich kann sich dies mit der Zeit auch verbessern – die Publisher könnten mit gegenseitigen Abkommen ihre Titel auch auf den Distributions-Plattformen der Publisher-Konkurrenz anbieten, gewisse Ansätze hierfür gibt es durchaus. Doch selbst im Erfolgsfall bleiben wohl gewisse AAA-Titel immer exklusiv und wird der vielseitig interessierte Gamer letztlich dazu gezwungen, bei allen diesen Plattformen jeweils einen Account zu unterhalten – kundenfreundlich und effizient geht sicherlich anders.

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Performance der Radeon R9 285: Marketing-Anspruch & Benchmark-Wirklichkeit

In denen für die Presse erstellten Dokumenten zum Launch neuer Hardware finden sich oft vollmundige Performance-Versprechen, manchmal sogar in Form konkreter Benchmark-Zahlen. Faktisch immer handelt es sich hierbei um "Rosinenpickerei" seitens der Hersteller, wo also die für das eigene neue Produkt jeweils besten Szenarien herausgesucht werden bzw. die andere Hardware in diesem Vergleich teilweise auch unter ungünstigen Bedingungen (älterer Treiber etc.) antritt. Beim Launch der Radeon R9 285 war dies nicht anders – nur das durch die vor dem Launch vorliegenden AMD-Präsentation sich ein falsches Performance-Bild und damit eine zu vorfreudige Stimmungslage zu dieser neuen AMD-Karte herausbilden konnte, welche durch die unabhängigen Benchmarks der eigentlichen Launch-Artikel dann (bei weitem) nicht mehr erfüllt werden konnte.

Konkret versprach AMD mittels seiner Launch-Präsentation eine Mehrperformance der Radeon R9 285 gegenüber der GeForce GTX 760 von ca. 17% unter 2560x1440. Die Launch-Artikel erzielten aber gemäß unserer Analyse im Schnitt nur eine Differenz zwischen beiden Karten von +8,8% unter 1920x1080 4xAA sowie +10,1% unter 2560x1600 4xAA. Selbst wenn man sich nur auf die von AMD angegebenen Titel beschränkt, kommt kein besseres Ergebnis heraus: Die Differenz unter dem 3DMark13 scheint in der Tat in dieser Höhe zu existieren, unter den drei Spiele-Titeln messen aber auch unabhängige Tests nur +6,8% aus – dies ist sogar weniger als der generelle Benchmark-Schnitt und liegt keinesfalls bei den von AMD angegebenen +13-15%.

3DMark13 FS Ex Battlefield 4 BioShock Infinite Crysis 3
AMD +25,6% +15% +15% +13%
Ø Hardware-Tests - +6,6% +6,2% +7,6%
HT4U - +10,1% - * +13,4%
Hardwareluxx +25,6% +6,4% +2,2% +5,2%
TechPowerUp - +0,4% +11,4% +9,4%
TechSpot - +9,5% +4,9% +2,2%
Alle Benchmarks unter 2560x1440 oder 2560x1600, sofern möglich mit 4x Multisampling Anti-Aliasing.  * = Wert wegen offensichtlicher Fehlmessung (+48,6%) nicht mit notiert.

Würden AMDs eigene Messungen ähnlich gelegen haben, hätte es im Vorfeld des Launchs nicht so eine (falsche) Euphorie über eine starke Mehrperformance der Radeon R9 285 gegeben, welche sich schließlich dann gar nicht erfüllen konnte. AMD wäre somit einiger Enttäuschung seitens der den Launch gespannt begleitenden Enthusiasten-Gemeinde aus dem Weg gegangen. Allerdings darf sich AMD trösten: Man ist hierbei in guter Gesellschaft, auch die anderen Hardware-Hersteller übertreiben bei den Performance-Angaben in ihren Präsentationen und selbst eingerechnet der "Rosinenpickerei" sind die hierbei gezeigten Hersteller-Werte eigentlich immer zu hoch bzw. zu vorteilhaft für das jeweils neue Produkt.

Und dies ist der eigentliche Punkt, welchen der aufmerksame Leser aus so eine Geschichte etwas mitnehmen kann: Vorlauch-Angaben und generell Hersteller-Angaben sind meist übertrieben, ein klein (bis mehr als "ein klein wenig") wenig aufgehübscht, am Ende nicht wirklich belastbar. Die Wahrheit zur Performance kommt immer erst am Launch-Tag in Form unabhängiger Benchmarks ans Licht – und dann, wenn die Ergebnisse der verschiedenen Hardwaretests zu sehr schwanken, vielleicht sogar erst in unseren Launch-Analysen, welche die Werte vieler Hardwaretests zusammenfassen und somit einen ausgleichenden Schnitt der vorhandenen Ergebnisse liefern können.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 10. September 2014

Wenn man sich unsere aktuelle Grafikchip-Roadmap für die Herbst/Winter-Saison 2014/2015 ansieht und den Punkt einrechnet, daß AMDs nächster Top-Chip "Fiji" wohl erst Anfang 2015 kommt, dann könnte AMD bei der erwarteten Performance der GeForce GTX 980 etwas oberhalb der GeForce GTX 780 Ti tatsächlich noch dazu gezwungen sein, kurzfristig etwas zu tun und eine Radeon R9 295X aufzulegen. Hierbei kann AMD problemlos daraus schöpfen, daß der Hawaii-Chip inzwischen besser auf hohe Taktraten bringbar sein wird als zu dessen Anfangstagen – schon eine Radeon R9 290X auf Uber-Niveau kann sich schließlich knapp mit der GeForce GTX 780 Ti anlegen. Die kürzliche Meldung einer großen Lieferung von Grafikkarten-Wasserkühlern an AMD könnte sogar mit dieser Radeon R9 295X zusammenhängen – auf Wasserkühlung dürfte der Hawaii-Chip seine Temperatur-bedingten Taktratenprobleme ablegen und richtig aufdrehen können. Derzeit ist dies natürlich eine reine Spekulation, bis auf das initiale Gerücht zur Radeon R9 295X ward dato nie wieder etwas zu dieser Grafikkarte gehört.

Währenddessen teasert mit Inno3D der zweite Grafikkarten-Hersteller den kommenden Launch von GeForce GTX 970 & 980 – im konkreten Fall mittels eines Ankündigungs-Bilds auf der Facebook-Seite von Inno3D, welches im übrigen auch den 19. September als Termin bestätigt. Wenn zu diesem Datum die Grafikkarten-Hersteller mit ihrem Marketing schon offiziell aktiv werden dürfen, darf man dies als Hinweis darauf verstehen, daß zu diesem Tag bereits der richtige Launch stattfinden soll. Dafür spricht indirekt auch, daß laut WCCF Tech am Donnerstag dieser Woche ein Presse-Event seitens nVidia angesetzt sein soll, in welchem die Fachpresse (unter NDA) bereits informiert werden dürfte. Üblicherweise werden diejenigen Redaktionen, welche Pressesamples erhalten, direkt danach mit selbigen beliefert – womit ausreichend Zeit bestehen würde, entsprechende Launch-Artikel für den 19. September zu produzieren. Sicher ist diese Auslegung aber keineswegs, die genauen Launchpläne von nVidia bleiben abzuwarten.

Bei der Skylake-Demonstration auf dem IDF – Golem und Heise berichten – hat sich Intel ungewohnt zugeknöpft ob des Skylake-Verfügbarkeitstermins gegeben: Mehr als "zweites Halbjahr 2015" war Intel nicht zu entlocken. Dies widerspricht etwas dem von Intel zuletzt favorisierten Launchtermin zur Computex Anfang Juni sowie auch den letzten Intel-Roadmaps, welche Skylake klar für das zweite Quartal (und damit das erste Halbjahr) 2015 einzeichnen. Eine mögliche Auflösung hierzu wäre, daß Intel zur Computex nur noch vorstellt, die Produkte dann aber erst im Sommer in den Handel kommen – was immer noch rechtzeitig für die im August einsetzende, wichtige Back-to-School-Saison wäre. Sollte Intel dies derart halten, würde man wenigstens einem zeitgleichen Marktstart mit Broadwell im Desktop-Segment aus dem Weg gehen, was in jedem Fall unglücklich aussieht. Andererseits kann Intel die konkreten Launchtermine für Skylake auch nochmals umwerfen, darauf verlassen sollte man sich derzeit also nicht.

Die PC Games Hardware weist in ihrer Skylake-Berichterstattung dagegen darauf hin, daß laut Intel Skylake nunmehr doch DirectX 12 sogar in Hardware unterstützen wird. Die hierzu vorliegende "Beweisführung" scheint stimmig ("Feature Level 12" für die "Next Generation Intel Core Processors"), insofern darf man das als derzeit so gegeben einbuchen. Dies bedeutet allerdings auch, daß die Hardware-Spezifikationen von DirectX 12 schon vor einiger Zeit festgenagelt worden sein müssen – Skylake ist schließlich vom Design her fertig, wohl schon sogar seit Monaten fertig. Die ganz großen Änderungen dürfte der Hardware-Part von DirectX 12 demzufolge nicht mit sich bringen – und immerhin wurde DirectX 12 eher kurzfristig erst in diesem Frühling angekündigt.

Wahrscheinlich haben sich die Grafikchip-Entwickler zusammen mit Microsoft seinerzeit darauf geeignet, nur Hardware-Änderungen für DirectX 12 zu berücksichtigen, welche sowieso in den Plänen für zukünftige Grafikchips und integrierte Grafiklösungen bereits drinstanden – ansonsten wäre dies vom vorliegenden Zeitablauf her kaum zu erklären. In jedem Fall legt diese Entwicklung nunmehr die Möglichkeit nahe, daß auch von AMD und nVidia eher früher als später "echte" DirectX-12-Hardware auftauchen wird. Gut möglich, daß letztlich sogar schon der Tonga-Grafikchip von AMD sowie die kommende zweite Maxwell-Generation um die Chips GM206, GM204 und GM200 DirectX 12 auch in Hardware beherrscht. Selbst der einstmals avisierte Launchtermin von DirectX 12 von Ende 2015 könnte sich nach vorn verschieben: Jener dürfte sich eher am Release von Windows 9 ausrichten, welches nach derzeitigem Stand zwischen Frühling und Sommer 2015 erscheinen wird.

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