Mitten in der Zeit der Launches von GeForce RTX 3080 Ti & 3070 Ti gab es eine Reihe von kleineren Leaks samt Gedankenspielen zum grundsätzlichen Aufbau der Navi-3X-Chipreihe. Zuletzt gab es hierzu eine Meldung vom 9. Juni, welche Navi 33 als nicht-monolithischen Chip klassifiziert und nachfolgend eine denkbare Auslegung zum Aufbau der Navi-3X-Chipserie anbietet. Nachfolgend kam von Twitterer Vegeta sogar noch eine grundsätzliche Performance-Aussage zu Navi 3X, mittels welcher dieses Thema nunmehr – wenn auch verzögert um zwei Wochen – erneut aufgegriffen werden soll. Denn gerade in Verbindung mit der vorherigen Aussage von Kepler & Twitter läßt sich hieraus eine vernünftige These zur Hardware-Gestaltung der einzelnen Navi-3X-Chips formulieren, welche dann sogar schon auf Basis zweier unterschiedlicher Quellen steht.
2.8x n21
2.2x n21
1.5x n21
It's a pure guess. Don't take it seriously.
Quelle: Vegeta @ Twitter am 11. Juni 2021 (inkl. nachfolgendem Tweet – inzwischen sind beide Tweets allerdings gelöscht)
Mit einer Umfrage von Mitte Mai wurde die Frage aufgestellt, inwiefern es beim Grafikkarten-Kauf eine Rolle spielt, ob man dabei den Vollausbau des jeweiligen Grafikchips ersteht. Hierbei geht es natürlich weniger um Performance-Gründe, als denn eher um Käufer-Psychologie – abgespeckte Chips (sogenannte "Salvage"-Varianten) hing früher teilweise ein etwas zweifelhafter Ruf an, gerade weil jene in der Anfangszeit der 3D-Grafikkarten eher unüblich waren. Heuer nun ist dies nur noch für eine Minderheit ein gewichtiges Merkmal: Gerade 8,0% der Umfrageteilnehmer bestehen mehr oder weniger auf den Vollausbau – würden somit nur zu einer Salvage-Variante greifen, wenn es gar nicht mehr anders geht.
Mit dem Launch der Radeon RX 6700 XT in diesem März deutete sich bereits ein neues Performance-Bild an, da sich seinerzeit die größeren RDNA2-Beschleuniger schon leicht besser gegenüber den jeweiligen nVidia-Grafikkarten positionieren konnten als noch im Dezember 2020 zum Launch der Radeon RX 6900 XT. Die neuerlichen Launches zu GeForce RTX 3080 Ti & 3070 Ti haben diesen Ansatz dann bestätigt und sogar vertieft, das alte Performance-Bild vom Jahresende 2020 ist somit bereits wieder überholt. Auch wenn mittels der Launch-Analyse zur GeForce RTX 3070 Ti die neuen Performance-Zahlen bereits offeriert wurden, soll mittels dieser extra Betrachtung gezielt auf die seit dem Herbst 2020 herausgearbeiteten Performance-Fortschritte bei AMD & nVidia sowie die neuen Differenz-Werte zwischen RDNA2- & Ampere-Beschleunigern eingegangen werden ... zum Artikel.
Mit dem Radeon-Treiber 21.6.1 hat AMD am 22. Juni seinen DLSS-Kontrahenten "FidelityFX Super Resolution" (FSR) der Allgemeinheit zugänglich gemacht, gleichfalls erschienen eine Reihe von Testberichten hierzu. Dabei sind FSR und DLSS derzeit nur indirekt vergleichbar, da kein Spiel mit gleichzeitiger Unterstützung beider Grafik-Features existiert. Dennoch ist natürlich die mit FSR erzielbare Grafikqualität das große Thema der entsprechenden Testberichte. Jene wird zumeist gelobt und kommt (in den höheren Qualitätsstufen) auch deutlich besser heraus, als die zur FSR-Ankündigung vorliegenden Vergleichsbilder es vermuten lassen haben.
| AMD FSR | nVidia DLSS | |
|---|---|---|
| offiziell unterstützte Grafikkarten | AMD Radeon RX 400, 500, Vega, 5000 & 6000 Serien + alle AMD Ryzen APUs + nVidia GeForce 10, 16, 20 & 30 Serien | nVidia GeForce 20 & 30 Serien (nicht GeForce 16) |
| inoffiziell unterstützte Grafikkarten | jede DirectX-11-Hardware | keine |
| Aktivierungs-Form | Spielentwickler muß es ins Spiel einbauen und dort eine entsprechende Option anbieten | |
| technische Ausgestaltung | Upscaler mit Nachschärfung | Upscaler auf Basis von Deeplearning-Informationen und zusätzlich temporaler Komponente (ab v1.9) |
| rechtlicher Status | OpenSource | proprietäres Feature |
| Release | 22. Juni 2021 | 19. September 2018 (Turing-Launch) |
Nachdem es nVidia vorgemacht hatte, zieht AMD nunmehr nach – und stellt gemäß einer Ankündigung im AMD-eigenen Blog den Treibersupport für frühere Grafikkarten sowie frühere Microsoft-Betriebssysteme ein. Der Grad der Support-Einstellung ist dabei teilweise sogar höher als bei nVidia, die nunmehr ohne zukünftige Treiber-Aktualisierungen dastehenden AMD-Grafikkarten in der Anzahl größer. Denn während nVidia auf Grafikkarten-Seite nur den Support der Kepler-Generation (GeForce 600/700 Serien) einstellen wird, läßt AMD jenen für gleich drei Grafikkarten-Serien auslaufen: Radeon HD 7000, Radeon R200, Radeon R300/Fury. Als Schmankerl oben drauf gilt dies bei AMD unverzüglich – und nicht wie bei nVidia mit wenigstens etwas Vorwarnzeit.
| Windows 7 | Windows 10 | |
|---|---|---|
| pre-Polaris-Karten (Radeon HD 7000, R200, R300 & Fury Serien) | Supportende 21. Juni 2021 | Supportende 21. Juni 2021 |
| alle neueren AMD-Karten (Radeon RX400 bis RX6000 Serien) | Supportende 21. Juni 2021 | wird weiterhin unterstützt |
| Anmerkung: Windows 8/8.1 wurde von AMD schon seit längerer Zeit generell nicht mehr unterstützt | ||
Die Marktforscher von Jon Peddie Research berichten über die Marktanteile im Markt der Desktop-Grafikkarten für das erste Quartal 2021. Hierbei hat sich zwischen AMD und nVidia nicht all zu viel getan: AMD konnte sich mit nunmehr 20% Marktanteil ein wenig gegenüber dem schwachen Vorquartal (nur 17%) berappeln, ist aber immer noch weit entfernt von den im Jahr 2019 bis Anfang 2020 erreichten Marktanteilen um die 30-Prozent-Marke herum. Natürlich ist alles spätestens ab dem zweiten Quartal 2020 stark beeinflußt durch sowohl die Pandemie-Auswirkungen sowie nachfolgend durch den neuen Cryptomining-Hype wie auch die resultierende Grafikkarten-Knappheit ab dem Jahresende 2020. Seitdem pendelt die Marktanteile zwischen AMD und nVidia nicht mehr grob um 30:70% herum, sondern vielmehr konstant um 20:80%.
| AiB-Grafikchips | Q1/2020 | Q2/2020 | Q3/2020 | Q4/2020 | Q1/2021 |
|---|---|---|---|---|---|
| AMD | 30,8% | 22% | 23% | 17% | 20% |
| nVidia | 69,2% | 78% | 77% | 83% | 80% |
| Marktanteile basierend auf ausgelieferten Stückzahlen, Quelle: Jon Peddie Research | |||||
Von Kepler @ Twitter (bekannt für einige, wenngleich nicht in jedem Fall 100%ig zutreffende Leaks zu zukünftiger AMD-Hardware) kommt die hochinteressante Aussage, wonach AMDs Navi-33-Chip mitnichten ein monolithisches Design darstellen soll – sondern genauso im Chiplet-Ansatz daherkommt wie die größeren RDNA3-Chips. Für Navi 33 soll damit schlicht nur ein einzelnes GCD benutzt werden – zuzüglich dann einem MCD als dem anderen durch den Twitterer angedeuteten Chip. Navi 33 würde somit aus einem GCD (Compute-Die mit Recheneinheiten) und einem MCD (Cache/Interface-Die) bestehen, Navi 31 und Navi 32 dann aus einer (unbekannten) Vielzahl an GCD und MCD. Damit würde AMD in der Tat das Chiplet-Konzept wirklich ausnutzen und nicht für dieselbe Aufgabenstellung unnötigerweise monolithische Designs auflegen – selbige gibt es wohl nur noch bei noch kleineren RDNA3-Chips.
It's technically wrong to say Navi 33 is monolithic, it's just a single GCD but there's more than 1 die...
Quelle: Kepler @ Twitter am 8. Juni 2021
Die zweite gewichtige Ankündigung von AMDs Computex-Vortrag (Update: besseres Video in 4K-Auflösung) war jene des DLSS-Kontrahenten "FidelityFX Super Resolution" (FSR). Das Feature soll am 22. Juni an den Start gehen und dann (laut einer AMD-Verlautbarung auf GPUOpen) offiziell AMD-Grafikkarten ab der Polaris-basierten Radeon RX 500 Serie zur Verfügung stehen. Inoffiziell wird man das Feature allerdings auch auf anderen Grafikkarten nutzen können – darunter auch nVidia-Modellen, wie von AMD im Livestream anhand einer GeForce GTX 1060 unter "Godfall" demonstriert. Dies zeigt darauf hin, dass FSR (wie DLSS) von den Spieleentwicklern selber eingebaut werden muß, nicht hingegen über den Grafikkarten-Treiber aktiviert wird. Die Spieleentwickler werden damit auch die Entscheidungsmacht darüber haben, für welche Grafikkarten bzw. Grafikkarten-Serien das FSR-Feature verfügbar wird. Einige Entwickler dürften hier sicherlich breiteren Support bieten, andere sich hingegen an die offiziellen AMD-Vorgaben halten.
| AMD FSR | nVidia DLSS | |
|---|---|---|
| offiziell unterstützte Grafikkarten | Radeon RX 500, Vega, 5000 & 6000 Serien + alle AMD Ryzen APUs | GeForce 20 & 30 Serien (nicht GeForce 16) |
| inoffiziell unterstützte Grafikkarten | vermutlich: Radeon RX 400 Serie + GeForce 10, 16, 20 & 30 Serien | keine |
| Aktivierungs-Form | Spielentwickler muß es ins Spiel einbauen und dort eine entsprechende Option anbieten | |
| technische Ausgestaltung | unbekannt | temporale Rekonstruktion |
| rechtlicher Status | OpenSource | proprietäres Feature |
| Release | 22. Juni 2021 | 19. September 2018 (Turing-Launch) |
Als ersten Punkt von AMDs Computex-Vortrag hat AMD die Radeon RX 6000M Serie an Mobile-Beschleunigern auf RDNA2-Basis offiziell gemacht. Hiermit wagt AMD nach Jahren der fast völligen Abstinenz aus dem Mobile-Markt und dem ersten, kleinen Schritt zurück mit der Radeon RX 5000M Serie nunmehr einen echten Widereintritt ins Mobile-Segment, welches nach langjähriger nVidia-Dominanz somit wieder ein ernsthaftes Konkurrenz-Angebot bekommt. Vorgestellt wurden die drei Mobile-Lösungen Radeon RX 6600M, 6700M und 6800M, wobei erstere auf Basis des Navi-23-Chips erscheint und die beiden letztgenannten auf Basis des Navi-22-Chips. Der Navi-21-Chip schafft es somit nicht ins Mobile-Segment – was jedoch wenig verwundert, da dies bei nVidia (GA102) auch nicht anders ist.
| Radeon RX 6600M | Radeon RX 6700M | Radeon RX 6800M | |
|---|---|---|---|
| Chip-Basis | AMD Navi 23 | AMD Navi 22 | AMD Navi 22 |
| Technik | 28 Shader-Cluster (1792 FP32-Einheiten), 32 MB Infinity Cache, 128 Bit GDDR6-Interface | 36 Shader-Cluster (2304 FP32-Einheiten), 80 MB Infinity Cache, 160 Bit GDDR6-Interface | 40 Shader-Cluster (2560 FP32-Einheiten), 96 MB Infinity Cache, 192 Bit GDDR6-Interface |
| Chip-Takt | ?/2177/? MHz | ?/2300/? MHz | ?/2300/? MHz |
| Speicher | 8 GB GDDR6 @ 14 Gbps | 10 GB GDDR6 @ 16 Gbps | 12 GB GDDR6 @ 16 Gbps |
| reguläre TGP | bis zu 100 Watt | bis zu 135 Watt | 145 Watt "und mehr" (+15 Watt dynamischer Spielraum per Smartshift) |
| Release | 31. Mai 2021 | 31. Mai 2021 | 31. Mai 2021 |
| Taktraten-Angaben: 1. Base Clock, 2. Game Clock, 3. Boost Clock (wobei Base- und Boost-Clock derzeit fehlen) | |||
Twitterer Vegeta hat eine Reihe von Tweets zu AMDs RDNA3-basierten Grafikchips "Navi 31" und "Navi 32" abgesetzt, welche einiges an neuen Informationen enthalten. Dabei scheint der Twitterer durchaus Zugang zu echten Quellen zu haben, denn die Langform-Erklärung für die in der Kurzform schon bekannten Chiplets "GCD" (= "Graphics Core Die") sowie vor allem "MCD" (= Multi Cache Die) war bislang noch nirgendwo derart zu lesen. Beide Chiplets kommen im übrigen in abweichender Fertigung daher – das GCD im erwarteten 5nm-Node, das MCD hingegen im 6nm-Node (einem 7nm-Derivat). Damit nimmt AMD etwas Druck aus der kommenden 5nm-Fertigung, welche im nächsten Jahr sicherlich ähnlich überlastet sein dürfte wie aktuell TSMCs 7nm-Fertigung.
With navi33 has 80 RDNA3 CU, why do some people think that the next generation flagship card can only increase by 40-50%?
Yeah, navi31 and navi32 are both chiplet.
By the way, navi31 and navi32 are both 5nm+6nm.
GCD: 5nm
MCD: 6nm
GCD: Graphics Core Die
MCD: Multi Cache Die
They haven't been taped out yet, so the specifications are not known.
RDNA3 will not be earlier than Q3 in 2022.
Quelle: Vegeta @ Twitter am 30. Mai 2021 (samt nachfolgender Tweets)