Wie erwartet, hat AMD seine "Radeon Vega Frontier Edition" auf Vega-10-Basis heute offiziell vorgestellt und in den Einzelhandel entlassen. Die Karte richtet sich nicht an Spieler, ist aber auch noch kein echtes Profi-Produkt für den CAD-Einsatz, dieses Marktsegment wird über nachfolgende "Radeon Pro" Karten noch bedient werden. Als typischen Anwendungsfall für die Radeon Vega Frontier Edition sieht AMD eher denn Mediengestalter – beispielsweise den Spieleentwickler, welcher zum einen die hohe Rechenkraft der Karte für seine Tätigkeit benötigt, zum anderen deren weiterhin vorhandene Spielefähigkeit dann dazu ausnutzt, den Erfolg seiner Arbeit umgehend gegenzutesten. Damit fällt die Radeon Vega Frontier Edition in eine durchaus ähnliche Schiene wie die Titan Xp von nVidia, welche ebenfalls eher für den professionellen Einsatz gedacht ist, trotzdem weiterhin als Spiele-Beschleuniger taugt, deswegen aber vor allem noch keine echte Profi-Lösung mit den entsprechenden CAD-Treibern darstellt.
Zwei Postings im holländischen Tweakers-Forum von einem MSI Marketing-Direktor geben dessen ersten Eindruck zu AMDs Radeon RX Vega wieder: Nachdem man bei MSI deren Spezifikationen hat einsehen können, ist man etwas erstaunt über den hohen Strombedarf dieser Grafikkarten, sieht demzufolge einiges an Arbeit zum nahenden Launch auf sich zukommen. Dies deutet wohl darauf hin, das Radeon RX Vega – zumindest in der Topvariante – einen beachbar hohen Stromverbrauch haben wird, denn bei "nur" 250 Watt TDP würde man diesen Punkt kaum derart erwähnenswert finden. Eher wahrscheinlich ist eine TDP von gleich 300 Watt – dies sind nur 50 Watt Differenz, aber ein gewisser Paradigmenbruch, denn bislang werden SingleChip-Grafikkarten üblicherweise immer bei maximal 275 Watt TDP versucht zu halten (selbst wenn sie in der Praxis deutlich mehr verbrauchen). Aber womöglich ist AMD diesesmal auch einfach ehrlicher und gibt lieber eine TDP von 300 Watt an, welche dann in der Praxis auch nicht mehr überboten wird – als sich schon wieder mit Berichten herumärgern zu müssen, wonach die Polaris-Grafikkarten klar mehr an der Steckdose nuckeln als es deren TDP eigentlich vorsieht. Schon beim Polaris-Refresh hatte AMD viel realistischer TDP-Angaben abgegeben, während die erste Polaris-Generation in dieser Frage wie bekannt klar über das Ziel hinausschießt.
| I’ve seen the specs of Vega RX. It needs a damn lot of power. We’re working on it, which is a start so launch is coming closer. Quelle: Eric van Beurden, MSI Marketing-Direktor @ Tweakers-Forum Depends on what performance you get back. Quelle: Eric van Beurden, MSI Marketing-Direktor @ Tweakers-Forum |
Etwas untergegangen letzten Monat sind die Ausarbeitungen diverser Hardwaretest-Webseiten zur Grafikkarten-Performance unter Prey (2017) – welche hiermit zusammengefasst und verdichtet werden sollen. Entsprechende Berichte kommen von der ComputerBase, der PC Games Hardware, TechPowerUp und dem russischen GameGPU, zuzüglich einiger extra Mobile-Benchmarks von Notebookcheck. Der Shooter von Spieleentwickler Arkane Studios und Spielepublisher Bethesda auf Basis einer modifizierten CryEngine 4 kam mit gängigen Systemanforderungen daher, unterbietet jene in der Praxis allerdings deutlich – das Spiel kommt selbst auf aktuellen Midrange-Grafikkarten unter der höchsten Optikstufe "Very High" schnell auf 100 fps. Hierzu trägt sicherlich auch die maximal anwählbare Kantenglättung in Form von SMAA 2TX bei, welche ihre (mittelprächtige) Wirkung ohne größeren Performanceverlust erzielt. Andererseits gilt das Spiel nun auch nicht als Optikkracher, hat man sich bei der Entwicklung eher denn auf spielerische Aha-Effekte konzentriert. Dieser Ansatz verhilft dann letztlich sogar älterer bzw. klar schwächerer Hardware noch zu anständigen Frameraten unter Prey (2017) (kumulierer Schnitt der vier Benchmark-Quellen, fehlende Ergebnisse wurden interpoliert):
| Prey (2017) – FullHD @ "Very High" (Datenbasis: ComputerBase, PCGH, TechPowerUp & GameGPU) | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| AMD HD7000 | AMD R200 | AMD R300 | AMD RX 400/500 | nVidia GF600 | nVidia GF700 | nVidia GF900 | nVidia GF1000 | |
| ~30 fps | 7790-2GB | 260X-2GB | 360 | 550 | 650Ti-2GB | 750-2GB | 1030 | |
| ~35 fps | 7850-2GB | 265-2GB | 650Ti-Boost-2GB | 750Ti-2GB | ||||
| ~40 fps | 7870 | 270 | 370 | 460 | 660 | 950SE | ||
| ~45 fps | 7870-Boost | 270X | 560 | 660Ti | 950 | |||
| ~50 fps | 7950 | 760 | 1050 | |||||
| ~55 fps | 7950-Boost | 280 285 |
380 | 670 | 960 | 1050Ti | ||
| ≥60 fps | 7970 7970-GHz |
280X 290 290X |
380X 390 390X Nano Fury Fury X |
470D 470 570 480-4/8GB 580-4/8GB |
680 Titan |
770 780 Titan Black 780Ti |
970 980 980Ti Titan X |
1060-3/6GB 1070 1080 Titan X 1080Ti Titan Xp |
Videocardz berichten über erste Vorbestellerangebote zu AMDs Radeon Vega Frontier Edition – welche dabei auch einige neue Details zu dieser Profi-Karte offerieren. Erst einmal deutet der Preispunkt von 1140£ bis 1199$ für die luftgekühlte Version auf eine Preislage auf Augenhöhe zur Titan Xp (1200$ bzw. 1349€) hin. Für ein Profi-Modell ist dies ein vergleichsweise niedriger Preis – aber ohne echte FP64-Funktionalität kann AMD wohl nicht mehr verlangen, was schließlich genauso auch für nVidias Angebot zutrifft. Im Gegensatz zur Titan Xp ist die Radeon Vega Frontier Edition jedoch weniger denn zum Gaming-Einsatz gedacht, wird zum kommenden Launch am 27. Juni wohl sogar ohne Radeon-Treiber und damit (vorerst) weitgehend ohne Gaming-Fähigkeit antreten. Diese Radeon-Treiber dürfte mit der Zeit und dem Erscheinen von Vega-basierten Gamer-Grafikkarten sicherlich nachgereicht werden, nichtsdestotrotz sieht AMD die Karte eher nicht als Gaming-Lösung – insofern überrascht diese Ansetzung direkt gegen die Titan Xp etwas.
| GeForce GTX 1080 Ti | Titan Xp | "Radeon RX Vega 64" | Radeon Vega Frontier Edition | |
|---|---|---|---|---|
| Chipbasis | nVidia GP102 | nVidia GP102 | AMD Vega 10 | AMD Vega 10 |
| Fertigung | 12 Mrd. Transistoren in 16nm auf 471mm² Chipfläche bei TSMC | ? Mrd. Transistoren in 14nm auf ~490mm² Chipfläche bei GlobalFoundries | ||
| Architektur | Pascal, DirectX 12 Feature-Level 12_1 | GCN5 (Vega), DirectX 12 Feature-Level 12_1 | ||
| Features | Vulkan, Asynchonous Compute, DSR, SLI, PhysX, G-Sync | Vulkan, Asynchonous Compute, VSR, CrossFire, FreeSync, TrueAudio Next | ||
| Technik | 6 Raster-Engines, 3584 Shader-Einheiten, 224 TMUs, 88 ROPs, 352 Bit GDDR5X-Interface, 2.75 MB Level2-Cache (Salvage) | 6 Raster-Engines, 3840 Shader-Einheiten, 240 TMUs, 96 ROPs, 384 Bit GDDR5X-Interface, 3 MB Level2-Cache (Vollausbau) | 4 Raster-Engines, 4096 Shader-Einheiten, 256 TMUs, 64 ROPs, 2048 Bit DDR HBM2-Interface (Vollausbau) | |
| Taktraten | 1480/1582/2750 MHz (Ø-Chiptakt: 1636 MHz) |
1404/1582/2850 MHz (Ø-Chiptakt: ?) |
möglicherweise ≤1500/925 MHz (Ø-Chiptakt: ?) |
≤1600/945 MHz (Ø-Chiptakt: ?) |
| Speicherausbau | 11 GB GDDR5X | 12 GB GDDR5X | 8 GB HBM2 | 16 GB HBM2 |
| Layout | DualSlot | DualSlot | DualSlot | DualSlot |
| Kartenlänge | 27,0cm | 27,0cm | ? | 27,0cm |
| Ref./Herst./OC | ✓ / ✓ / ✓ | ✓ / ✗ / ✗ | ✓ / ✓ / ✓ | ✓ / ✗ / ✗ |
| Stromstecker | 1x 6pol. + 1x 8pol. | 1x 6pol. + 1x 8pol. | ? | 2x 8pol. |
| off. Verbrauch | 250W (GCP) | 250W (GCP) | ? | 300/375W (TBP) (luft/wassergekühlt) |
| Ausgänge | HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 | HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 | ? | HDMI 2.0b, 3x DisplayPort 1.4 |
| Listenpreis | 699$ | 1200$ | ? | 1199/1799$ (?) (luft/wassergekühlt) |
| Straßenpreis | 670-720€ | 1349€ | - | - |
| Release | 10. März 2017 | 6. April 2017 | August 2017 (?) | 27. Juni 2017 |
Mittels einer Umfrage von Mitte Mai wurde der Frage nachgegangen, welche Spiel-Auflösungen die Besitzer von HighEnd- und Enthusiasten-Grafikkarten (ab Niveau GeForce GTX 980 Ti oder Radeon R9 Fury X) wirklich nutzen. Hierbei gab es teilweise überraschende Ergebnisse, denn obwohl jene Grafikkarten inzwischen schon primär nach ihrer Performance unter der UltraHD-Auflösung beurteilt werden, nutzen immerhin noch 26,9% der Anwender selbige unter reinem FullHD – und ohne Downsampling. Zusammen mit der WQHD-Auflösung auf (nahezu gleichen) 25,8% sind dies grob die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer, welche ihre HighEnd- und Enthusiasten-Grafikkarten weiterhin noch ziemlich konventionell nutzen – teilweise sicherlich, weil einfach noch kein passender Monitor für höhere Auflösungen vorhanden ist, teilweise sicherlich auch aus Performance-Erwägungen heraus.
Wir legen hiermit nach längerer Zeit mal wieder eine neue eigenerstellte Grafikchip-Roadmap auf, welche das bisherige Portfolio von AMD und nVidia sowie deren jeweiligen Zukunftsaussichten für die nächste Zeit beleuchten soll. Die Abbildung des Ist-Zustands sowie der jüngeren und mittleren Vergangenheit hilft dabei regelmäßig, das kommende besser einzuordnen bzw. die grundsätzlichen Strategien der Grafikchip-Entwickler zu verstehen. Alle Angaben zu den kommenden Grafikchips von AMD (Vega) und nVidia (Volta) sind aber natürlich rein spekulativ und werden nur in seltenen Fällen bereits über bekanntes oder gar bestätigtes Wissen gestützt.
Mit zwei Umfragen von Ende April wurde der Ersteindruck zu AMDs neuen Polaris-bsasierten Midrange-Modellen in Form von Radeon RX 580 und Radeon RX 570 abgefragt. Als typische Refresh-Karten haben selbige natürlich einen eher schweren Stand unter den Umfrage-Teilnehmern, die beiden jeweiligen Vorgänger-Modelle kamen vor gut einem Jahr jedenfalls sehr viel deutlich besser weg. So erzielt die Radeon RX 580 derzeit nur 24,6% positiven Ersteindruck, die Radeon RX 480 kam seinerzeit auf immerhin 45,5% positiven Ersteindruck – während die Radeon RX 570 derzeit wenigstens noch 35,0% positiven Ersteindruck für sich verbuchen kann, die Radeon RX 470 seinerzeit mit 59,6% positiven Ersteindruck aber ebenfalls klar besser bewertet wurde. An diesen überaus klaren Unterschieden können die Hersteller durchaus generell bemessen, wieviel Eindruck man mit Refresh-Gerätschaften heutzutage noch macht – einen wirklich guten sicherlich sind.
Als AMD zum Jahresanfang die Vega-Architektur vorstellte, konnte man mit dem dort erwähnten "High-Bandwith Cache" und "High-Bandwith Cache Controller" noch nicht viel anfangen – insbesondere die Nennung eines extra Caches verführte zur (fälschlichen) Annahme, AMD könnte hier (neben dem eigentlichen Grafikkartenspeicher sowie den Chip-internen Caches) noch einen weiteren superschnellen Zwischenspeicher verbaut haben. Inzwischen ist spätestens mit der Vorstellung der "Radeon Vega Frontier Edition" zum FAD'17 klar, das der "High-Bandwith Cache Controller" (HBCC) nichts anderes als ein anderer Name für das HBM-Speicherinterfaces des Vega-10-Grafikchips ist – und das die daran angebundenen bis zu 16 GB HBM2-Speicher von AMD (vermeintlich) hochtrabenderweise als "High-Bandwith Cache" betrachtet werden.
Zur Wochenmitte haben zwei neue Einsteiger-Grafikkarten den Markt erreicht: AMDs eigentlich schon Ende April vorgestellte Radeon RX 560 wird nun langsam besser verfügbar, während nVidias GeForce GT 1030 wie geplant am 17. Mai in den Markt gekommen und derzeit schon ganz gut verfügbar ist. Zu letzterer Karte können somit auch die offiziellen Taktraten von 1227/1468/3000 MHz sowie der offizielle Listenpreis von 79 Dollar nachgereicht werden, zudem enthält nachfolgende Übersichtsliste für beide Karten dann auch erstmals Angaben zur minimalen und maximalen Kartenlänge. Alle Karten dieses Preissegments sind ausschließlich als Herstellerdesigns erhältlich, oftmals auch (leicht) übertaktet und vor allem in allen möglichen Konfigurationen bezüglich der Bauform und Monitoranschlüsse. Wer hier etwas spezielles sucht, wird mit der kommenden Zunahme der Angebotsbreite sicherlich fündig werden, solcherart Karten werden von den meisten Hersteller typischerweise in gleich 3-5 verschiedenen Varianten aufgelegt.
Zu AMDs Financial Analyst Day hat der Chipentwickler auch neue offizielle Roadmaps gezeigt, welche die mittelfristige Zukunft über die Jahre 2017 bis 2020 bei AMD skizzieren. Dabei kommt es zu keinen genaueren Terminangaben, sind alle Roadmaps eher sehr schematisch gehalten und ist AMD damit kaum auf irgendwelche konkreten Versprechungen festzumachen. Allen drei vorgestellten Roadmaps gemeinsam ist die zeitliche Abfolge von einer 14nm-Generation dieses Jahr, einer ersten 7nm-Generation in den Jahren 2018/19 und einer zweiten 7nm-Generation im Jahr 2020. Letztere soll dann auf einem verbesserten 7nm-Fertigungsverfahren ("7nm+") aufsetzen. Inwiefern GlobalFoundries 7nm-Fertigung bereits im Jahr 2018 zur Verfügung stehen kann, bliebe allerdings abzuwarten – gerade da AMD & GlobalFoundries nicht unbedingt für Termintreue bekannt sind, wäre hierzu eher das Jahr 2019 anzunehmen.