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Umfrage-Auswertung: Wie ist der Ersteindruck zu Intels Coffee Lake Refresh?

Mittels einer Umfrage von Anfang November wurde der Ersteindruck zu Intels Coffee Lake Refresh aka der Core i-9000 Serie eingeholt. Das Ergebnis fällt weitgehend desaströs aus für Intel: Nur 8,4% positiver Ersteindruck bei satten 56,5% negativer Ersteindruck wurden näherungsweise sonst nur von Rohrkrepierern wie AMDs Bulldozer-Architektur sowie Intels üblicherweise schlecht bewerteten HEDT-Generationen "erzielt". Selbst letztere wurden aber üblicherweise noch besser bewertet als der Coffee Lake Refresh: So kam letztes Jahr Skylake-X immerhin noch auf ein Ergebnis von 12,3% positiven Ersteindruck. Wenn nicht die nochmals etwas schlechteren Werte von Bulldozer wären (seinerzeit nur 6,8% positiver Ersteindruck), hätte sich der Coffee Lake Refresh sogar noch den Titel der schlechstbewerteten CPU-Generation seit einer Dekade "sichern" können – so reicht es immerhin noch für den zweiten Platz in dieser wenig ruhmvollen Wertung.

Daß das potentielle Kaufinteresse dann nur noch bei nur 4,1% (und damit auf typischer Höhe von HEDT-Prozessoren) herauskommt, verwundert kaum noch – der Coffee Lake Refresh ist unter den Umfrageteilnehmern einfach nicht gut angekommen. Der Grund hierfür läßt sich dann bei den Antworten der Umfrageteilnehmer mit durchschnittlichem wie negativem Ersteindruck ablesen: Jene votierten unter einer Reihe an zur Auswahl stehenden Gründen mit großer Mehrheit von 64,4% bezüglich der zu hohen Listenpreise. Hier wird letztlich die Crux des ganzen begraben liegen: Das Produkt ist keineswegs schlecht, mit den anderen genannten Mängeln könnte man wohl sogar umgehen – aber wenn die Preislage als nicht mehr gerechtfertigt wahrgenommen wird, kann auch das beste Produkt nicht die Mehrheit überzeugen – nVidia kann hiervon sein Lied bei der Turing-Generation singen.

Intel hat einfach in einem zu krassem Maßstab die Preise seiner Consumer-Prozessoren nach oben gedrückt – von bislang seit vielen Jahren konstant 320-350 Dollar Listenpreis für das Consumer-Spitzenprodukt auf nunmehr gleich 488 Dollar (für den Core i9-9900K). Sicherlich mag dieser Prozessor auch Spitzentechnik bieten – doch eigentlich liegt der Sinn von neuen Hardware-Generationen und von Hardware-Entwicklung im allgemeinen darin, mit neuen Produkten mehr Technik für den gleichen Preispunkt aufzubieten. Wer wirklich mehr ausgeben wollte, hatte schließlich schon vorher schon mittels der jeweiligen HEDT-Prozessoren die Möglichkeit dazu. Intel (und nVidia) haben nicht beachtet, das jedes Produkt seinen natürlichen Preisbereich hat – und ein Ausbruch aus diesem zumeist sehr negativ wahrgenommen wird. So etwas kann man sich nur leisten, wenn in Abkehr jeglicher Rationalität ein hoher Preis seitens der Kunden sogar als positive Eigenschaft wahrgenommen wird (wie es bei einigen Smartphones von Apple & Samsung unter einigen Käufergruppen der Fall ist).

Ob Intel deswegen nun von der breiten Käuferschaft auch tatsächlich abgestraft wird, steht natürlich noch auf einem ganz anderen Blatt: Zum einen reagiert der Massenmarkt immer noch einmal deutlich anders als der informierte Käufer – und dann hat Intel immer noch den OEM-Sektor, wo die großen Stückzahlen ganz ohne solcherart Diskussionen vertickt werden. Zusammengefasst mit Intels aktuellen 14nm-Lieferproblemen könnte am Ende allerdings dennoch erstmals in den letzten Jahren eine gewisse Delle im Intel-Geschäft an Desktop-Prozessoren stehen – inzwischen leistet sich Intel einfach zu viele Schwächen, als das man dies ganz über die Stärke der eigenen Marke auffangen könnte. Möglicherweise kann die zweite Welle des Coffee Lake Refresh (voraussichtlich antretend im Januar 2019) hier noch etwas ins positive drehen, an dem überzogenen Preispunkt des Core i9-9900K dürfte Intel jedoch bis zur Vorstellung eines Nachfolgers oder (Sakrileg!) einer Preissenkung zu knabbern haben.

(Launch) positiv durchschnittlich negativ Kaufinteresse
Intel Coffee Lake Refresh (Oktober 2018) 8,4% 35,1% 56,5% 4,1%
AMD Ryzen Threadripper 2000 (August 2018) 77,9% 16,2% 5,9% 21,6%
AMD Ryzen 2000 (April 2018) 90,6% 7,2% 2,2% 65,8%
AMD Raven Ridge (Februar 2018) 89,1% 8,6% 2,3% 49,2%
Intel Coffee Lake (Oktober 2017) 50,7% 28,1% 21,2% 32,7%
AMD Ryzen Threadripper (August 2017) 80,8% 13,9% 5,3% 21,6%
Intel Skylake-X (Juni 2017) 12,3% 32,0% 55,7% 5,3%
AMD Ryzen 5 (April 2017) 83,9% 9,4% 6,7% 53,8%
AMD Ryzen 7 (März 2017) 74,6% 17,5% 7,9% 55,9%
Intel Kaby Lake (Januar 2017) 12,0% 45,3% 42,7% 6,2%
Intel Broadwell-E (Juni 2016) 16,0% 35,7% 48,3% 3,1%
Intel Skylake (August 2015) 24,9% 47,8% 27,3% 16,6%
Intel Haswell-E (August 2014) 42,0% 36,3% 21,7% 13,5%
AMD Kaveri (Januar 2014) 53,1% 32,4% 14,5% 35,5%
Intel Ivy Bridge E (September 2013) 13,3% 39,6% 47,1% 3,6%
AMD Richland (Juni 2013) 47,7% 34,7% 17,6% 27,4%
Intel Haswell (Juni 2013) 15,6% 46,3% 38,1% 9,8%
AMD Temash & Kabini (Mai 2013) 68,5% 19,4% 12,1% 51,3%
AMD Vishera (Oktober 2012) 28,2% 44,6% 27,2% 17,8%
AMD Trinity (Mobile) (Mai 2012) 50,9% 28,8% 20,3% 42,1%
Intel Ivy Bridge (April 2012) 40,5% 43,5% 16,0% 27,3%
AMD Bulldozer (Oktober 2011) 6,8% 26,5% 66,7% 5,6%
AMD Llano (Juni 2011) 57,9% 26,8% 15,3% 41,6%
Intel Sandy Bridge (Januar 2011) 75,9% 14,4% 9,7% 51,4%
AMD Bobcat (November 2010) 71,3% 18,2% 10,5% ?