Am ersten Tag des neuen Jahres stand bei Intel kurzzeitig ein neues Prozessoren-Modell auf der Webseite, welches eigentlich noch gar nicht offiziell ist: Der Core i7-8809G mit "Radeon RX Vega M GH Graphics" – sprich die Intel-CPU mit AMD-Grafik unter dem Codenamen "Kaby-Lake-G", welche Intel für das erste Quartal 2018 angekündigt hatte. Inzwischen wurde diese Modell-Liste seitens Intel wieder bereinigt, in unserem Forum wurde das ganze jedoch im Original festgehalten, womit sich auch eine Bestätigung gewisser technischer Daten ergibt. So handelt es sich hierbei um einen 4-Kern-Prozessor mit HyperThreading und einem Basistakt von 3.1 GHz (frühere Gerüchte sprechen von bis zu 4.1 GHz Turbotakt), welches zum einen mit integrierter Intel HD Graphics 630 als auch mit der extra auf dem Package vorhandenen AMD-Grafiklösung daherkommen wird. Die verbaute Intel-Grafiklösung ergibt sich automatisch aus der Verwendung des Kaby-Lake-Vierkern-Dies – Intel könnte jene allenfalls deaktivieren, was man in diesem Fall aber nicht tut, da jene für einfache Office-Aufgaben vermutlich stromsparender agieren kann als die AMD-Grafiklösung.
Das Hardware-Jahr 2017 hat wie erwartet jede Menge an Neuem mit sich gebracht. Primär hier zu nennen ist sicherlich die "Wiederentdeckung" des Wettbewerbs im CPU-Geschäft – gekrönt am Ende sogar mit auf das Jahr 2017 vorgezogenen, einstmals erst für 2018 geplanten Intel-Architekturen (Coffee Lake). Jener neu entfachte Prozessoren-Wettbewerb wird im nun anbrechenden Hardware-Jahr 2018 unvermindert weitergehen, zudem stehen nach einem enttäuschenden Grafikchip-Jahr 2017 im neuen Jahr wenigstens teilweise wieder beachtbare GPU-Neuigkeiten auf dem Plan. Mangels eines großen Schritts in der Fertigungstechnologie könnte das Hardware-Jahr 2018 dennoch ein wenig ein Übergangsjahr darstellen, denn bei AMD und nVidia wartet man eher auf die sicherlich erst im Jahr 2019 (für PC-Chips) spruchreife 7nm-Fertigung – und ob Intel seine 10nm-Fertigung wirklich bereits im Jahr 2018 fertig bekommt, ist wieder einmal reichlich offen. Doch der Reihe nach ... zum Artikel.
| AMD | Intel | nVidia | |
|---|---|---|---|
| erstes Quartal | Kaby-Lake-G Mainstream/Midrange-APUs |
||
| Frühjahr | Vega 11 Midrange-GPUs |
||
| März | Raven Ridge Mainstream-APUs Pinnacle Ridge Mainstream/Midrange/HighEnd-CPUs |
||
| April | Coffee Lake (2. Welle) Mainstream/Midrange/HighEnd-CPUs |
||
| zweites Quartal | Ampere GA104 HighEnd-GPUs |
||
| Frühling/Sommer | Polaris 12nm Mainstream/Midrange-GPUs |
||
| Sommer/Herbst | Threadripper 2 Enthusiasten-CPUs |
Ampere GA106 Midrange-GPUs |
|
| zweites Halbjahr | Vega 20 Enthusiasten-GPUs |
Cannon Lake Mainstream-CPUs |
|
| Herbst/Winter | Ampere GA107 Mainstream-GPUs |
||
| viertes Quartal | Cascade Lake Enthusiasten-CPUs |
||
| Jahresende (potentiell erst 2019) |
Ice Lake Mainstream/Midrange/HighEnd-CPUs |
Ampere GA102 Enthusiasten-GPUs |
Auch nachdem die (immerhin schon im Oktober vorgestellten) Coffee-Lake-Prozessoren nunmehr weitgehend vernünftig verfügbar sind und sich auch die zwischenzeitliche Preisaufschläge wieder zurückgedreht haben, ergibt sich dennoch die Situation, das speziell die Sechskerner von Coffee Lake zu klar anderen Straßenpreisen angeboten werden, als es die Listenpreise suggerieren. Zwar sind die Listenpreise kein offizieller Maßstab für die Straßenpreise, sondern gerade bei Intel eigentlich nur der allererste Großhandelspreis (vor weiteren Rabatten für die wirklich großen Distributoren). Letztendlich hat es sich jedoch eingebürgert, die Intel-Prozessoren faktisch zum Intel-Listenpreis zu verkaufen, teilweise sogar etwas niedriger ansetzen. Auch angesichts eines Dollar/Euro-Kurses, welcher derzeit mal wieder ziemlich genau dem Aufschlag der deutschen Mehrwertsteuer entspricht (welche in US-Preisen üblicherweise nie genannt wird), sollte man also bei Straßenpreisen in deutschen Landen normalerweise den US-Listenpreis in Euro und potentiell leicht weniger als das sehen. Selbiges System funktioniert sowohl bei AMDs Ryzen (DE-Straßenpreis durchschnittlich -14,9% zum US-Listenpreis) als auch Intels Core X (DE-Straßenpreis durchschnittlich -9,9% zum US-Listenpreis) – nicht jedoch beim Intels Coffee Lake, welches nach wie vor klar teurer als der US-Listenpreis angeboten wird.
| DE-Straßenpreis vs. US-Listenpreis | absolute Abweichung | durchschn. Abweichung |
|---|---|---|
| AMD Ryzen (inkl. Threadripper) | -7% bis -28% | -14,9% günstiger |
| Intel Coffee Lake | -8% bis +26% | +9,5% teurer |
| Intel Coffee Lake – nur Core i5/i7 | +8% bis +26% | +16,9% teurer |
| Intel Skylake-X & Kaby-Lake-X | -7% bis -18% | -9,9% günstiger |
| positive Werte bedeuten, man bezahlt einen höheren DE-Straßenpreis als den US-Listenpreis | ||
Mit der Umfrage von letzter Woche wurde wieder einmal die im Spiele-System eingesetzte Prozessoren-Architektur abgefragt – gleichlautend zu früheren Umfragen aus dem September 2016 sowie aus dem Juni 2014. In dieser Umfrage ging es weder um Leistungsklassizifierungen noch Einordnungen der jeweiligen Plattformen von LowCost bis Enthusiast, sondern allein um die Frage der zugrundeliegenden Prozessoren-Architektur – weswegen auch Skylake, Kaby Lake und Coffee Lake als eine Antwortoption liefen, da der CPU-Teil dieser Intel-Generationen bekannt unverändert ist. Ein sehr erstaunliches Ergebnis ist es dann, wenn AMDs Ryzen (schließlich erst in diesem Frühjahr gestartet) inzwischen mit 19,3% sogar auf einen höheren Verbreitungsgrad kommt als diese "Dreifach"-Generation seitens Intel, welche in weit mehr als der doppelten Zeit (Skylake startete schon im August 2015) nur einen Verbreitungsgrad von 15,4% erringen konnte.
Die ComputerBase sowie Videocardz berichten über eine in Fernost aufgetauchte neue Intel-Roadmap für Desktop-Prozessoren, welche dort augenscheinlich bei einer Präsentationsveranstaltung zu sehen war, im Original bei MyDrivers jedoch leider schon wieder gelöscht wurde. Jene Intel-Roadmap wurde allerdings gesichert und sieht erst einmal echt aus, die dort notierten Daten sind insgesamt auch wenig überraschend: Für das erste Quartal 2018 ist die zweite Welle von Coffee Lake eingezeichnet, so wie es auch von früheren Intel-Roadmaps her bekannt war. Regelrecht neu ist allein die Eintragung des Skylake-X-Nachfolgers in der HEDT-Sparte – dort wird es ab dem vierten Quartal 2018 die "Cascade Lake-X" Prozessoren zu kaufen geben.
Mit einer Umfrage von Mitte Oktober wurde der Ersteindruck zu Intels "Coffee Lake" CPU-Generation (Core iX-8000 Serie) abgefragt. Intels eigentlicher Ryzen-Konter konnte mit einem erheblichen Performance-Sprung aufwarten, ergo gab es auch eine sehr anständige Bewertung der Umfrage-Teilnehmer mit immerhin 50,7% positivem Ersteindruck bei 28,1% durchschnittlichem Ersteindruck sowie 21,2% negativem Ersteindruck. Dies ist zwar weniger als von Ryzen 7 und Ryzen 5 erreicht, jene Prozessoren haben aber natürlich auch einen Sympathie-Bonus, weil AMD mit diesen seit langer Zeit mal wieder wirklich wettbewerbsfähig im CPU-Geschäft wurde. Gegenüber den letzten Intel-Generationen schlägt sich Coffee Lake jedenfalls hervorragend, Kaby Lake kam nur auf 12,0% positiver Ersteindruck, Skylake auf 24,9% positiver Ersteindruck und Haswell auf 15,6% positiver Ersteindruck – erst das Ergebnis der 2012er Intel-Generation "Ivy Bridge" ist mit 40,5% positiver Ersteindruck dann wieder (halbwegs) ähnlich gut.
Mit ein wenig herumsuchen lassen sich dem entsprechenden Forenthread zur Intel-CPU mit AMD-Grafik auch eine Reihe erster Benchmark-Ergebnisse zu dieser "Intel-APU" entnehmen. Die meisten hiervon sind leider unter wenig vergleichsfähigen Benchmarks aufgenommen bzw. betreffen vornehmlich die CPU-Performance, welche allerdings weniger denn in Frage steht – was Intel hierzu liefern kann, weiss man schließlich im ungefähren. Interessant sind im eigentlichen nur Grafik-Benchmarks, da mittels dieser die Performance der integrierten AMD-Grafiklösung samt deren HBM2-Speicher eruiert werden kann. Hierzu liegen derzeit nur 3DMark11-Werte unter dem Performance-Test dieses Benchmarks vor (entspricht einer Auflösung von 1280x720) – womit faktisch nur die reinen GPU-Werte davor schützen, in den CPU-limitierten Bereich hineinzufallen. Die vorliegenden Werte zur Intel-APU schwanken dabei einigermaßen von 11442 GPU-Punkten bis hin zu 13341 & 14127 GPU-Punkten, wobei letztere Resultate in jedem Fall aktueller sind, da hierbei schon die CPU-Bezeichnung korrekt genannt wird. Sicherheitshalber vom mittleren Resultat ausgehend, läßt sich die 3DMark11-Performance der Intel-APU im Mobile-Bereich somit folgendermaßen skizzieren:
| Einsatzort | 3DMark11 GPU | Quellen | |
|---|---|---|---|
| GeForce GTX 1060 (Mobile) | Notebook, 80W TGP | 14731 | Notebookcheck |
| Intel-APU | Notebook (Testsample auf Desktop-Mainboard) | 13341 | Tum Apisak @ YouTube |
| GeForce GTX 1060 MaxQ | Notebook, 60-70W TGP | 13333 | Notebookcheck |
| GeForce GTX 1050 Ti (Mobile) | Notebook, 64W TGP | 9754 | Notebookcheck |
| Radeon Mobile RX 460M | Notebook | 7792 | Notebookcheck |
| GeForce GTX 1050 (Mobile) | Notebook, 53W TGP | 7731 | Notebookcheck |
| Radeon Mobile RX 550M | Notebook | 5557 | Notebookcheck |
| Ryzen 7 2700U (Raven Ridge) | Notebook, ~35W TDP (CPU+GPU) | 4072 | PC Perspective |
| Iris Plus Graphics 640 | Notebook, 15W TDP (CPU+GPU) | 2379 | Notebookcheck |
| Radeon R7 (Bristol Ridge) | Notebook, 15W TDP (CPU+GPU) | 1852 | Notebookcheck |
| HD Graphics 630 | Notebook & Desktop, 15-95W TDP (CPU+GPU) | 1665 | Notebookcheck |
| HD Graphics 620 | Notebook & Desktop, 15-95W TDP (CPU+GPU) | 1500 | Notebookcheck |
Noch bevor Intel seine Kooperation mit AMD für eine "Intel-CPU mit AMD-Grafik" offiziell bekanntgegeben hat, kamen aus unserem aufmerksamen Forum die ersten Hinweise auf das reale Vorhandensein einer solchen Lösung, garniert mit ersten Spezifikationen. Da Intel bislang nichts genaueres zu technische Ausgestaltung seiner kommenden Intel/AMD-Kombilösung verlauten lassen hat, sind dies die derzeit einzigen verfügbaren Angaben zu deren Technik. Danach wird diese "Intel-APU" aus einer Kaby-Lake-basierten Vierkern-CPU samt einer AMD-Grafiklösung mit 24 Shader-Clustern bzw. 1536 Shader-Einheiten an 4 GB HBM2-Speicher bestehen, wie es sich aus Datenbank-Einträgen bei SiSoft, Futuremark und Geekbench ergibt. Die hierbei verbaute AMD-Grafik wäre damit dann mehr als doppelt so breit wie AMDs eigene APUs der Raven-Ridge-Serie, welche maximal 11 Shader-Cluster bzw. 704 Shader-Einheiten aufbieten können. Die kommenden Intel-APUs wurden in den Datanbank-Einträgen teilweise sogar direkt mit ihren (bislang bekannten) Modell-Nummern Core i7-8705G, Core i7-8706G und Core i7-8809G genannt.
|
Aufreger des Tages ist sicherlich der durch Raja Koduri ausgelöste doppelte Schock: Der frühere Chef von AMDs Radeon Technologies Group (RTG) hatte bekanntlich nach dem Vega-Release eine mehrwöchige "Besinnungs-Pause" angekündigt. Aus dieser wird er nun nicht zu AMD zurückkehren, wie ein von Hexus veröffentlichtes AMD-internes Abschieds-Memo belegt – sondern geht vielmehr direkt zu Intel, wie selbige (freudestrahlend) per Pressemitteilung in dieser Nacht verkündet haben. Bei Intel wird Raja Koduri ab diesen Dezember als "Chief Architect" für Grafik-Angelegenheiten sowie Vize-Präsident der neu formierten "Core and Visual Computing Group" tätig sein. In selbiger werden augenscheinlich alle Grafik-Aktivitäten von Intel zusammengefasst – von der einfachen integrierten Prozessoren-Grafik bis hin zu GPGPU-Beschleunigern für professionelle Zwecke. Wie weit Intel da gehen will, ist noch unklar, der Drang nach vorn aber in jedem Fall erkennbar – nachdem "Grafik" bei Intel bislang eher mehr so nebenbei mitlief. Die Intel-Pressemitteilung nennt hierzu zwar explizit "high-end discrete graphics solutions", beschreibt aber nicht deren Einsatzzweck – sprich, ob es sich um Gaming- oder Profi-Lösungen handeln soll.
Spekuliert wurde schon des längerem darüber, nun hat es Intel endlich zugegeben: Man wird zukünftig im Mobile-Bereich Intel-CPUs mit Grafikchips von AMD anbieten – wenngleich nicht derart eng integriert, wie einige der vorherigen Gerüchte noch angenommen hatten. So wird AMD weder seine Grafiktechnologie zur direkten Integration in einen Intel-Prozessor lizenzieren, noch wird man Intel-CPU und AMD-iGPU auf einen Interposer direkt nebeneinander pappen – vielmehr sind Intel-CPU und AMD-iGPU nur mehr oder weniger nah auf einem ungewöhnlich großen Trägermaterial angebracht. Eine echte Integration ist dies auf keinen Fall, die Chips werden auch weiterhin getrennt gefertigt – wobei die AMD-Grafik vermutlich weiterhin bei GlobalFoundries gefertigt und seitens Intel nur zugekauft wird. Im eigentlichen könnten die Notebook-Hersteller selbiges auch schon jetzt (in ähnlicher Form) bauen – Intel macht es nur offiziell und wird dann sicherlich auch darauf achten, das die Performance der AMD-Grafik bestmöglich ausgeschöpft wird bzw. nicht mit der iGPU des Intel-Prozessors ins Gehege kommt (selbige wird womöglich hierfür komplett deaktiviert).